Anwartschaftsversicherung

Privatpatient in der Warteschleife

Annika Krempel 09. Januar 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer vorübergehend aus der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung austreten muss, kann eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Damit wird die Versicherung nicht aufgelöst, sondern nur unterbrochen.
  • Mit ihr haben Privatpatienten die Möglichkeit, nach einer Ruhezeit in ihren alten Tarif in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) zurückzukehren.
  • Diese Übergangslösung bietet jedoch keinen Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz. PKV-Anwärter müssen sich daher zusätzlich gesetzlich versichern.
  • Bei der sogenannten kleinen Anwartschaft ist die Rückkehr in den alten Tarif ohne Gesundheitsprüfung möglich. Altersrückstellungen werden nicht gebildet.
  • Bei der großen Anwartschaft sind die Beiträge höher. Durch die Altersrückstellungen bleibt die Prämie später konstant.
So gehst Du vor
  • Wenn Du bereits privat versichert bist, solltest Du prüfen, ob eine dauerhafte Rückkehr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung nicht die bessere Alternative ist.
  • Entscheide Dich zwischen einer großen und einer kleinen Anwartschaft.
  • Für Berufsanfänger wie Beamtenanwärter ist die kleine Anwartschaft meist die bessere Wahl.
  • Willst Du die private Kran­ken­ver­si­che­rung wegen einer Notlage aussetzen, bieten die meisten Versicherungen Ruhensversicherungen an.

Ein Auslandsaufenthalt, eine finanzielle Notlage oder die vorübergehende Pflicht, sich gesetzlich zu versichern – es gibt viele Gründe für Privatpatienten, ihren Versicherungsvertrag eine Weile ruhen zu lassen. Möglich macht das die Anwartschaftsversicherung: Sie dient dazu, die Rechte und Pflichten aus der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) für eine Übergangszeit zu wahren. Wenn der Versicherungsschutz in Notlagen ruht, ist auch von einer Ruhensversicherung die Rede.

Welche Vorteile hat die Anwartschaftsversicherung?

Mit einer Anwartschaftsversicherung kannst Du flexibel reagieren und Zeiten der Arbeitslosigkeit oder zum Beispiel ein Studium überbrücken. Falls Du in einem Jahr deutlich weniger verdienst als in den Vorjahren, musst Du Dich unter Umständen wieder bei einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichern. Mit einer Anwartschaftsversicherung kannst Du dieses vorübergehende Unterschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze ausgleichen, falls Du nicht dauerhaft zurück in das System der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung willst.  

Die Anwartschaft hebt den privaten Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz nicht vollständig auf, sondern unterbricht diesen lediglich. Im Anschluss kannst Du den alten Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder aufnehmen.

Ohne diese Regelung müsstest Du Dich nach der Beitragspause abermals einem Gesundheitscheck unterziehen. Außerdem müsstest Du erneut Wartezeiten in Kauf nehmen, bis der volle Versicherungsschutz besteht. Das höhere Eintrittsalter würde sich obendrein negativ auf die Prämie auswirken. Mit einer Anwartschaftsversicherung lassen sich solche Nachteile vermeiden.

Nach der Übergangszeit erhältst Du wieder den vollen Versicherungsschutz – zu denselben Bedingungen wie zuvor. Eine spezielle Tarifgestaltung garantiert die Vertragskonditionen im Voraus. Du zahlst dafür während der auch als Anwartschaft bezeichneten Ruhephase eine stark reduzierte Prämie. Diesen Anwartschaftsbeitrag kalkuliert der Versicherer so, dass die Verwaltungskosten gedeckt sind und gegebenenfalls auch die Altersrückstellungen fortgeführt werden. 

Eine Anwartschaftsversicherung bietet allerdings keinen Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz, sie sichert nur die Rückkehr in die private Kran­ken­ver­si­che­rung oder in die private Pflege-Pflichtversicherung zu den alten Bedingungen. Der Versicherte muss sich also für die Dauer der Anwartschaft bei einer gesetzlichen Kasse krankenversichern.

Für wen kommt die Anwartschaft infrage?

Der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung ist immer dann sinnvoll, wenn Du als Privatpatient einen bestimmten Zeitraum überbrücken willst. Das kann ein längerer Auslandsaufenthalt sein, eine Phase der Arbeitslosigkeit oder eine außergewöhnliche Notlage. Sinnvoll ist die Anwartschaft auch für alle, die vorübergehend Anspruch auf freie Heilfürsorge haben, etwa Soldaten auf Zeit. Auch wer Leistungen wie Familienhilfe bezieht, kann vorübergehend auf den privaten Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz verzichten. 

Außerdem können Privatpatienten ihren Vertrag ruhen lassen, wenn sie vorübergehend keine Möglichkeit haben, sich von der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht befreien zu lassen. Auch wer kostenlos familienversichert ist, kann sich mit einer Anwartschaftsversicherung für die Zeit danach einen privaten Versicherungstarif sichern. Angehende Beamte können unter Umständen im Referendariat oder während der Ausbildung eine Anwartschaft für die PKV abschließen.  

Eine Anwartschaftsversicherung ist auch für ehemalige Studenten interessant, die im Studium privat krankenversichert waren. Unmittelbar nach dem Abschluss liegt das Einkommen vieler Absolventen zunächst unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze. In der Folge sind die Berufsanfänger wieder versicherungspflichtig und müssen sich gesetzlich krankenversichern. Die Anwartschaft sichert Dir die Möglichkeit, später ohne Risikoprüfung zum privaten Krankenversicherer zurückzukehren.

Große oder kleine Anwartschaft abschließen?

Eine private Kran­ken­ver­si­che­rung lässt sich auf unterschiedliche Weise unterbrechen: Du kannst die Beitragspause mit einer großen oder einer kleinen Anwartschaftsversicherung überbrücken.

Bei der kleinen Anwartschaft wird nur Dein Gesundheitszustand konserviert. Sie erlaubt es Dir, ohne erneute Gesundheitsprüfung in den ursprünglichen privaten Tarif zurückzukehren. Dafür zahlst Du auch nur den kleinen Anwartschaftsbeitrag. Altersrückstellungen werden bei diesem Modell nicht gebildet, maßgeblich für die Prämie ist deshalb Dein Alter beim Wiedereintritt in die Versicherung. Die kleine Anwartschaft ist ein typischer Tarif für Beamtenanwärter.

Bei einer großen Anwartschaftsversicherung bleibt neben dem Gesundheitszustand auch das Eintrittsalter erhalten. Der Krankenversicherer legt also weiterhin das ursprüngliche Eintrittsalter zugrunde, wenn er den Beitrag berechnet – er friert das Alter quasi ein. So kann er den Kunden nach der Ruhezeit so einstufen, als hätte dieser ohne Unterbrechung die vollen Beiträge zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung gezahlt. Der große Anwartschaftsbeitrag ist höher, weil darin auch ein Sparanteil für die Altersrückstellungen enthalten ist.

Ruhensversicherung für finanzielle Notlagen

Einige Krankenversicherer bieten ihren Mitgliedern eine sogenannte Ruhensversicherung an. Diese Police sorgt dafür, dass die Versicherungskonditionen erhalten bleiben, wenn der Versicherte die Beiträge nicht mehr stemmen kann. Dabei handelt es sich um eine Variante der kleinen Anwartschaft.

Bei Arbeitslosigkeit kann der Vertrag bis zu drei Jahren ruhen: In den ersten sechs Monaten der Arbeitslosigkeit müssen die Versicherten keine Beiträge zahlen, danach erhebt der Versicherer Ruhensbeiträge. Während der Vertrag ruht, werden keine Altersrückstellungen gebildet. Bei Wiedereintritt müssen Versicherte daher mit einem Beitragszuschlag rechnen.

Wie sinnvoll ist die Anwartschaft?

Infrage kommt die Anwartschaftsversicherung für Versicherte, die ihre private Kran­ken­ver­si­che­rung zu einem späteren Zeitpunkt zu den gewohnten Konditionen wieder aufnehmen möchten. Sie vermeiden dadurch höhere Versicherungsprämien wegen des gestiegenen Alters oder einer erneuten Risikoprüfung. Der Anbieter berechnet den Beitrag dann auf der Grundlage des ursprünglichen Eintrittsalters.

Ungeeignet ist eine Anwartschaftsversicherung dagegen für Versicherte, die sich die Beiträge zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung dauerhaft nicht leisten können. Sie sind besser beraten, sich gesetzlich zu versichern oder in einen günstigeren privaten Tarif zu wechseln.

Was sind typische Vertragsbestandteile?

Bevor Du Dich für den Abschluss einer Anwartschaftsversicherung entscheidest, solltest Du Dir über die Versicherungsbedingungen im Klaren sein. Die folgenden Punkte haben alle Anwartschafts- oder Ruheverträge gemeinsam:

Versicherungsleistungen - Für die Dauer der Anwartschaftsversicherung hast Du keinen Anspruch auf Leistungen aus einer privaten Kran­ken­ver­si­che­rung.

Ansprüche - Durch den Abschluss einer Anwartschaftsversicherung erwirbst Du das Recht, den privaten Kran­ken­ver­si­che­rungsvertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder aufzunehmen.

Kündigungsfristen - Du kannst die Anwartschaftsversicherung mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Kalenderjahres kündigen. Das Versicherungsunternehmen verzichtet auf das ordentliche Kündigungsrecht.

Sonstige Beendigungsgründe - Die Anwartschaft endet außerdem mit der Wiederaufnahme des privaten Kran­ken­ver­si­che­rungstarifs oder wenn die Voraussetzungen für die Ruhezeit wegfallen – etwa weil die gesetzliche Versicherungspflicht endet.

Mehr zum Wechsel in die private Kran­ken­ver­si­che­rung

Zum Ratgeber

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.