Versicherung kündigen

So kündigen Sie Ihre Versicherung richtig

Pauline Faust Stand: 03. September 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wann Sie einen Versicherungsvertrag kündigen können, hängt von der Vertragslaufzeit und der Kündigungsfrist ab.
  • Außerordentlich kündigen dürfen Sie nach einem Schaden oder wenn der Versicherer die Beiträge erhöht.
  • Nicht immer lohnt eine Kündigung, oft gibt es bessere Alternativen wie einen Tarifwechsel.
  • Auch der Versicherer kann Ihnen kündigen: nach einem Versicherungsfall oder zum Ende des Vertrags.
So gehen Sie vor
  • Schauen Sie in den Versicherungsbedingungen unter dem Punkt „Kündigung“, welche Fristen für Ihren Vertrag gelten.
  • Im Normalfall müssen Sie bis zu drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen. Nach Schäden oder Preiserhöhungen gelten andere Fristen.
  • Die schriftliche Kündigung schicken Sie per E-Mail, Fax oder Post. Nutzen Sie dafür unser Musterschreiben

Zum Download

  • Wenn Sie weiterhin Versicherungsschutz brauchen, sollten Sie bereits einen neuen Vertrag haben, bevor Sie den alten kündigen.

Nicht jeder Vertrag ist sinnvoll – das gilt auch für Versicherungen. Sie haben festgestellt, dass es Ihre Versicherung zu gleichwertigen Konditionen preiswerter gibt? Dann lohnt ein Wechsel. Warum sollten Sie etwa den überteuerten Vertrag für die Autoversicherung behalten?

Auch wenn es Veränderungen in Ihrem Leben gibt, sollten Sie Ihre Versicherungen prüfen. Passen die Leistungen noch zu Ihrer Situation? Ziehen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner zusammen, lohnt oft ein gemeinsamer Familientarif statt zwei einzelne Verträge, etwa bei der Haftpflicht- und Hausratversicherung. Wir zeigen Ihnen, wann Sie Ihre Versicherung kündigen können und wie Sie vorgehen. 

Wann kann ich meine Versicherung regulär kündigen?

Zu welchem Zeitpunkt Sie Ihre Versicherung kündigen können, ist unterschiedlich. Die Frist für eine ordentliche Kündigung hängt von der Versicherungsart ab und davon, was im Vertrag vereinbart ist. Bei der Privathaftpflicht sind es meist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres, bei der Kfz-Versicherung dagegen ein Monat. Schauen Sie sich auf jeden Fall an, was in Ihrem Vertrag steht und halten Sie die dort festgelegten Fristen ein. 

Sach- und Unfallversicherung kündigen

Verträge wie die Hausrat- oder Gebäudeversicherung können Sie bis zum Ende der aktuellen Laufzeit kündigen. In der Regel laufen die Verträge über ein Jahr, höchstens dürfen Sach- und Unfallversicherung eine Vertragslaufzeit von drei Jahren haben. Die meisten Versicherungen verlängern sich danach automatisch um jeweils ein Jahr, sofern der Kunde den Vertrag nicht rechtzeitig kündigt. 

Wie lange vor Ende der Laufzeit Sie kündigen müssen, hängt vom Vertrag ab – bis zu drei Monate Kündigungsfrist sind möglich. Wichtig zu wissen: Das Versicherungsjahr ist nicht immer deckungsgleich mit dem Kalenderjahr. Wenn Sie eine Versicherung zum 1. April abschließen, endet die Laufzeit oft am 31. März des darauffolgenden Jahres.

Eine Ausnahme sind Kfz-Versicherungen. Sie laufen meist über ein Jahr und haben eine Kündigungsfrist von einem Monat. Da diese Verträge sich oft zum Ende jedes Kalenderjahres verlängern, gilt der 30. November als letzter Tag für die Kündigung. 

Lebens- und Rentenversicherung kündigen

Lebens- und private Rentenversicherungen sind Verträge, die auf einen sehr langen Zeitraum oder sogar auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Solche Verträge können Sie immer zum Ende der nächsten Versicherungsperiode kündigen. Zum Ende der Versicherungsperiode werden die Beiträge fällig. Zahlen Sie monatlich, können Sie auch monatlich kündigen.

Oft lohnt eine Kündigung von Lebens- und privater Rentenversicherung nicht. Kosten gibt es nicht zurück, Überschüsse und der Schlussbonus fallen weg. Hier gibt es viel bessere Alternativen: den Vertrag verkaufen oder beleihen, die Laufzeit verkürzen oder die Beitragszahlung aussetzen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Lebens- und Rentenversicherung kündigen

Krankenversicherung kündigen

Ein besonderer Fall ist auch die Krankenversicherung. Bei gesetzlichen Krankenkassen beträgt die Mindestvertragslaufzeit18 Monate. Anschließend können Sie nach einer Kündigungsfrist von zwei Monaten jederzeit zu einer anderen Kasse wechseln. Hier geht es zu unserem Ratgeber Krankenkasse kündigen

Sind Sie privat versichert, lohnt der Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung selten, weil Sie dabei Ihre Rückstellungen fürs Alter ganz oder teilweise verlieren. Welche besseren Alternativen Sie haben, lesen Sie im Ratgeber Private Krankenversicherung kündigen.

Kündigungsfristen und -termine in der Übersicht 

Art der VersicherungGängige
Kündigungsfrist
Zu wann gekündigt werden kann
Berufsunfähigkeit,
Lebensversicherungen,
Rentenversicherung
 
keinezum Ende der laufenden Versicherungsperiode (Beitragszahlungsabschnitt)
private Krankenversicherung (PKV)drei Monatezum Ende jedes Versicherungsjahres, frühestens aber nach Mindestlaufzeit von ein bis zwei Jahren
gesetzliche Krankenversicherungzwei Monate

Kassenwechsel: nach 18 Monaten Mitgliedschaft jederzeit

 

Wechsel zur PKV: jederzeit, wenn keine gesetzliche Versicherungspflicht besteht 

Kfz-Haftpflichtversicherung und Kfz-Kaskoversicherungen, Reiseversicherungen ein Monatzum Ende des Vertragsjahres (oft mit dem Kalenderjahr identisch
andere Versicherungendrei Monate

zum Schluss des laufenden Vertragsjahres bzw. nach Mindestlaufzeit von maximal drei Jahren

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (Stand: September 2019)

Wann habe ich ein Sonderkündigungsrecht?

In einigen Fällen können Sie Ihre Versicherung außerordentlich kündigen. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt bei Vertragsänderungen, nach Schäden und beim Kauf eines versicherten Objektes wie einem Auto. Manchmal müssen Sie aber auch gar nicht kündigen: Wenn nichts mehr zu versichern ist, also etwa nach einem Todesfall.

Kündigen nach Beitragserhöhung oder Leistungskürzung

In folgenden Fällen können Sie mit einer Sonderkündigung aus dem Vertrag aussteigen:

  1. Sie sollen einen höheren Beitrag zahlen, ohne dass sich die Leistungen verbessern;
  2. Der Versicherer kürzt die vereinbarten Leistungen, ohne Beiträge anzupassen. 

Sie können zum Wirksamwerden der Änderung kündigen. Kündigen sollten Sie innerhalb eines Monats nachdem der Versicherer Sie über die Preiserhöhung oder Leistungskürzung informiert hat. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt für Kfz,- Wohngebäude-, Hausrat-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen.

Kündigen nach Versicherungsfall 

Auch nach einem Versicherungsfall können Sie außerordentlich kündigen. Dies gilt aber nur, wenn der Versicherer den Schaden anerkannt hat. Dann können Sie den Vertrag innerhalb von einem Monat kündigen – entweder mit sofortiger Wirkung oder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Der Versicherer muss den Schaden trotzdem regulieren, also etwa für die Beule in Ihrem Auto aufkommen. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt für Kfz,- Wohngebäude-, Hausrat-, Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen.

Versicherte Objekte kaufen und verkaufen

Eine Gebäudeversicherung gilt für das Haus, für das sie abgeschlossen ist. Solche objektgebundenen Versicherungen erlöschen bei Verkauf nicht automatisch. Verkaufen Sie also ein Ferienhaus, sollten Sie die Gebäudeversicherung an den Käufer übertragen. Das Gleiche gilt für Fahrzeuge mit Kfz-Versicherung. Der Käufer hat dann ein Sonderkündigungsrecht und kann den Vertrag innerhalb eines Monats beenden. Was Sie beim Autoverkauf beachten müssen, lesen Sie in unserem Ratgeber Auto verkaufen und Versicherung abmelden.

Wenn nichts mehr zu versichern ist

Quasi automatisch endet eine Versicherung mit dem Wegfall des versicherten Interesses. So enden mit dem Tod viele Versicherungen, zum Beispiel die Haftpflicht. Angehörige sollten dem Unternehmen möglichst schnell mitteilen, dass der Versicherungsnehmer verstorben ist. Ausführlicheres lesen Sie in unserem Ratgeber Todesfall.

Wie kündige ich meine Versicherung?

Ein kurze Mitteilung an den Versicherer genügt. Wichtig ist, dass Sie die Fristen einhalten: Das heißt, Ihr Kündigungsschreiben trifft vor dem letztmöglichen Kündigungstermin beim Versicherer ein. Sie können es per E-Mail, Fax oder Post verschicken. Der schnellste Weg ist eine kurze E-Mail an den Versicherer. Sie können dafür auch unser Musterschreiben nutzen.

Achten Sie darauf, dass der Versicherer Ihren Vertrag zuordnen kann. Am einfachsten geht das, indem Sie Ihr Anliegen („Kündigung“) und die Versicherungsnummer gleich im Betreff nennen. Der Versicherer sollte den Beitrag für das kommende Jahr dann nicht mehr einziehen, prüfen Sie aber in jedem Fall Ihre Kontoauszüge und holen Sie einen fälschlich abgebuchten Betrag zurück.
 

Hier können Sie sich unser Musterschreiben zum Kündigen Ihrer Versicherung herunterladen:

Zum Download

Wann kann der Versicherer mir kündigen?

Nicht nur Sie können einen Versicherungsvertrag beenden, auch der Versicherer darf kündigen. Das gilt allerdings nur für Schaden- und Unfallversicherungen wie Haftpflicht-, Hausrat-, Auto- oder Rechtsschutzverträge. Kündigen kann die Versicherung regulär zum Ende der Vertragslaufzeit, also meist einmal jährlich. Sie muss die Kündigung nicht begründen. Auch nachdem Sie einen Schaden gemeldet haben, darf Ihr Versicherer kündigen: Innerhalb eines Monats nach der Schadenregulierung kann er das Vertragsverhältnis aufheben. 

Diese Kündigungsmöglichkeit nutzen die Versicherer auch. Immer wieder berichten uns Leser, dass ihnen günstige alte Verträge, etwa bei der Gebäudeversicherung, ohne Begründung gekündigt wurden oder ihre Rechtsschutzversicherung sie nach zwei Versicherungsfällen mithilfe des Sonderkündigungsrechts aus dem Vertrag geworfen hat. In einigen Fällen bieten die Versicherungen ihren Kunden auch einen neuen Vertrag zu geänderten Konditionen an – dann wird es fast immer teurer.

Eine Ausnahme sind Lebens- und private Rentenversicherungen sowie Berufsunfähigkeits- und private Krankenversicherungen. Bei solchen langlaufenden Verträgen sollen die Kunden besonders geschützt werden, deshalb sind solche Kündigungen durch den Versicherer gesetzlich nicht erlaubt. 

Versicherungsunternehmen können entscheiden, mit wem sie einen Vertrag abschließen. Droht eine Kündigung durch den Versicherer, ist es manchmal besser, selbst zu kündigen. Sonst kann es schwer werden, einen neuen Vertrag bei einem anderen Anbieter zu bekommen. Hat die Versicherung Ihnen die Kündigung geschickt, sollten Sie deshalb Kontakt mit ihr aufnehmen und anbieten, den Vertrag selbst zu beenden, falls das Unternehmen die Kündigung zurücknimmt.

Autor
Pauline Faust

Stand: 03. September 2019


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