Quellensteuer

Was bei der Steuer auf ausländische Dividenden wichtig ist

Sara Zinnecker
& Co-Autor
Stand: 21. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie Dividenden aus dem Ausland beziehen, wird dort Quellensteuer einbehalten.
  • Anleger, die in Fonds oder Einzelaktien investiert haben, können sich Teile dieser Quellensteuer zurückholen.
  • Die genaue Höhe der Erstattung richtet sich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Quellenstaat.
  • Die Quellensteuer lässt sich auch auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Ihre Bank gibt in der Jahressteuerbescheinigung die Höhe der anrechenbaren Quellensteuer an.
  • Mit der Novelle des Investmentsteuergesetzes entfällt ab 2018 die Anrechnung der Quellensteuer.

Anleger, die ausländische Aktien besitzen oder einen Fonds, der ausländische Aktien beinhaltet, kennen vielleicht die Formulierung aus der jährlichen Steuerbescheinigung der Bank: Da heißt es wahlweise „angerechnete“ oder „anrechenbare“ ausländische Quellensteuer, die Sparer dann in bestimmte Felder der Anlage KAP in der Steuererklärung eintragen sollen. Doch was steckt hinter der ausländischen Quellensteuer, wie viel davon lässt sich anrechnen – und warum eigentlich?

Was ist die Quellensteuer?

Ganz allgemein gesprochen ist Quellensteuer eine Steuer auf Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden, die Investoren aus dem Ausland dem Quellenstaat bezahlen müssen. Angenommen, ein deutscher Anleger investiert in die Aktie eines US-Konzerns und bezieht daraus eine Dividende. Der Quellenstaat USA würde dann auf diese Dividende (Kapitalertrag) Quellensteuer einbehalten. Der deutsche Anleger ist aus US-Sicht Ausländer. Quellensteuer fällt auch an, wenn ein deutscher Anleger in einen Fonds investiert hat, der ausländische Aktien enthält.

Länder legen Quellensteuer selbst fest

Jeder Quellenstaat legt den Quellensteuersatz auf Kapitalerträge selbst fest. Folgende Tabelle liefert eine Übersicht, welche Kapitalertragssteuer verschiedene Länder jeweils für ausländische Investoren ansetzen.

Quellensteuersatz ausgewählter Staaten

QuellenstaatWährungSteuersatz (in Prozent)
BelgienEuro30
BrasilienReal0
ChinaRenminbi (Yuan)10
FrankreichEuro30
ItalienEuro26
IrlandEuro20
JapanYen15
Kanadakanadischer Dollar25
RusslandRubel15
Schwedenschwedische Krone30
SchweizFranken35
SüdafrikaRand20
USAUS-Dollar30
Vereinigtes KönigreichPfund0

Quelle: PWC (Stand: 21. Januar 2019)

Diesen Prozentsatz an der Dividende behalten die Quellenstaaten also erst einmal ein. Wie deutlich wird, verzichten manche Länder auf die Kapitalertragssteuer für ausländische Investoren. Ansonsten variieren die Sätze zwischen einstelligen Prozenten bis hin zu mehr als 30 Prozent. Anleger, die beispielsweise US-Aktien besitzen und daraus 100 Euro Dividende erhalten, bekämen zunächst einmal nur 70 Euro gutgeschrieben. Der Quellensteuersatz der USA liegt bei vergleichbar hohen 30 Prozent.

Anleger können sich Quellensteuer zurückholen

Allerdings ist es Investoren möglich, sich einen Teil der Quellensteuer zurückzuholen. Das geht immer dann, wenn zwischen dem jeweiligen Quellenstaat und dem Land des Anlegers ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) besteht. Die Finanzbehörden beider Länder verständigen sich darin auf einen maximalen Steuersatz, den ausländische Anleger auf Kapitalerträge zahlen müssen. Oft liegt dieser bei 15 Prozent – und ist damit häufig niedriger als der Quellensteuersatz. Eine Übersicht, welche Steuersätze gelten, finden Sie auf der Seite des Bundeszentralamts für Steuern. 

Beispiel: Ein Anleger hält US-Aktien, auf die eine Dividende von 100 Euro anfällt. Nach Abzug der Quellensteuer verbleiben dem Anleger 70 Prozent. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA sieht aber vor, dass deutsche Privatanleger maximal 15 Prozent Steuer bezahlen müssen. Der Anleger bekommt daher in der Regel statt 70 Euro 85 Euro Dividende auf seinem Konto gutgeschrieben.

Was müssen Anleger beachten, die Einzelaktien besitzen?

Es kann vorkommen, dass Besitzer von ausländischen Einzelaktien automatisch die Dividende inklusive Erstattung gutgeschrieben bekommen – beispielsweise bei Aktien aus den USA. Ansonsten müssen Anleger die Erstattung erst beantragen. Dazu müssen sie ein Formular ausfüllen, das sich auf der Internetseite des Bundeszentralamts für Steuern findet. Die Behörde übermittelt die Informationen dann an den Quellenstaat.

Je nach Land kann es unterschiedlich lang dauern, bis die Erstattung tatsächlich gutgeschrieben wird. Die Nachbarländer Schweiz und Österreich erstatten die Beträge innerhalb weniger Wochen. Andere Länder – wie etwa Italien – stehen in dem Ruf, sich Jahre Zeit zu lassen, um die zu viel bezahlte Quellensteuer zurückzuzahlen.

Quellensteuer wird auf Abgeltungssteuer angerechnet

Zusätzlich können Anleger die verbleibende, also nicht erstattbare Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen. In der Regel sind das 15 Prozent des Dividendenertrags. In der Regel kümmert sich die Depotbank automatisch um die Anrechnung. Nachjustieren können Anleger, indem Sie die entsprechenden Informationen aus der Jahressteuerbescheinigung der Bank in die Steuererklärung übertragen. Achten Sie auf den Posten „anrechenbare, aber noch nicht angerechnete Quellensteuer“. 

Abgeltungssteuer zahlen Anleger auf Bruttodividenden; der Fiskus behält sie ein, sofern kein Freistellungsauftrag besteht oder der Freistellungsauftrag ausgeschöpft wurde.

Tipp: Bündeln Sie Ihre Aktien aus Ländern mit Quellensteuerabzug in einem Depot und stellen Sie keinen Freistellungsauftrag. Nur dann wird die Quellensteuer angerechnet und verpufft nicht.

Was müssen Fondsanleger beachten?

Wer nicht in Einzelaktien, sondern in einen Fonds investiert hat, muss sich weniger kümmern. Beliebt bei Anlegern zur Vermögensbildung sind zum Beispiel Fonds oder ETFs, die im Ausland aufgelegt sind und Dividenden wieder anlegen (thesaurieren). Auf die Beschreibung passt beispielsweise der in Irland aufgelegte iShares-ETF auf den Weltaktienindex MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983), den wir neben anderen ETFs empfehlen.

In diesem Fall steht zwischen Anleger und Quellenstaat der Fonds. Der Fonds kümmert sich zunächst darum, die Quellensteuererstattungen zu erhalten – maßgeblich ist hier das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den Quellenstaaten. In der Regel bucht der Fonds die ausländischen Dividenden inklusive Erstattungsanspruch ein; der Wert des Fondsanteils für den Anleger erhöht sich. Fonds wählen ihr Domizil mitunter so, dass möglichst viel Quellensteuer erstattet wird.

Beispiel: Ein in Irland aufgelegter Fonds hält ausschließlich US-Aktien. Von den Dividenden in Höhe von 100 Euro werden 30 Prozent oder 30 Euro als Quellensteuer einbehalten. 15 Prozent der Bruttodividende, also 15 Euro, kann sich der Fonds aber nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den USA wiederholen. Am Ende schreibt der Fonds US-Dividenden im Wert von 85 Euro dem Fondsvermögen gut.

Bis 2017 galt: Quellensteuer anrechnen lassen

Bis einschließlich 2017 mussten Anleger auf die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge – die Dividenden, die im Fonds gutgeschrieben werden – jährlich Abgeltungssteuer bezahlen. Hierauf konnten sie für Quellensteuer anrechnen lassen. Wie viel genau, richtete sich jetzt nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und dem jeweiligen Quellenstaat. Beides, die Höhe der ausschüttungsgleichen Erträge und die anrechenbare Quellensteuer, fanden Anleger in der Jahressteuerbescheinigung ihrer Bank. 

Beispiel: Auf die US-Dividenden in Höhe von 100 Euro musste der deutsche Anleger eigentlich 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag bezahlen, insgesamt 26,38 Euro. Von der Kirchensteuer sehen wir ab. Dieser Betrag wurde aber nie automatisch einbehalten. Stattdessen wies die Jahressteuerbescheinigung der Bank die 100 Euro Dividende als sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge aus. Der Anleger musste sie in der Steuererklärung in der Anlage KAP angeben. In der Bescheinigung der Bank stand auch, wie viel Quellensteuer darauf anrechenbar war – nach dem DBA Deutschland–USA 15 Prozent.

Am Ende bezahlte der Anleger 11,38 Euro Steuern (26,38 – 15) auf die 100 Euro US-Dividenden. Weil der irische Fonds 85 Euro an Dividenden gutschreiben konnte, bleiben dem Anleger Nettodividenden in Höhe von 85 – 11,38 = 73,62 Euro.

Seit 2018 neue Besteuerung von Fonds

Seit 2018 ist die Reform der Investmentbesteuerung in Kraft. Sie hat zum Ziel, die Besteuerung verschiedener Fondsarten anzugleichen und einen Steueraufschub bis zum Tag des Verkaufs zu vermeiden. Die Anrechnung der Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer fällt seither bei im Ausland aufgelegten, thesaurierenden Fonds weg.

Seit 2018 müssen Anleger nicht mehr die eigentlichen Dividenden und ausschüttungsgleichen Erträge bei Fonds versteuern. Stattdessen gibt es eine Pauschale, die sich an der Wertsteigerung des Fonds und am sogenannten Basiszins orientiert, der auf einer Zeitreihe der Bundesbank beruht (jeweils der Wert zum Jahresbeginn). Diese Pauschale ist die neue Bemessungsgrundlage. Bei ausschüttenden Investmentfonds wird die Dividende auf die Pauschale angerechnet.

Die Steuerlast, die sich nach der Pauschale ergibt, wird direkt an den Fiskus abgeführt. Bei thesaurierenden Fonds wir sie vom Depot-Verrechnungskonto abgezogen. Künftig lässt sich aber der Freibetrag auf Kapitalerträge in Höhe von 801 Euro anwenden. Die Quellensteueranrechnung fällt im Falle der im Ausland aufgelegten, thesaurierenden Fonds weg. Beim Verkauf der Fondsanteile werden bereits berücksichtigte Pauschalen auf den Verkaufserlös angerechnet. Insgesamt haben Privatanleger weniger Mühe bei der Steuererklärung

Welche Auswirkungen die Investmentsteuerreform auf verschiedene Bauarten von ETFs hat, lesen Sie im Ratgeber ETFs und im Detailartikel thesaurierende Fonds. In unserem Blogbeitrag zeigen wir zusätzlich anhand von Beispielen die Unterschiede zwischen alter und neuer Besteuerung.

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

  • Mit kostengünstigen ETFs bauen Sie einfach Vermögen auf.
  • Unsere ETF-Empfehlungen für MSCI-World-ETFs: iShares (WKN: A0RPWH), Source (WKN: A0RGCS) und Xtrackers (WKN: DBX1MW); für MSCI-All-Countries-World-ETFs: SPDR (WKN: A1JJTC) und iShares (WKN: A1JMDF).

Zum Ratgeber

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Udo Reuß

Stand: 21. Januar 2019


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