Standardtarif in der PKV

Günstige Lösung für ältere Privatversicherte

Max Mergenbaum
& Co-Autor
Stand: 15. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Standardtarif ist ein Sozialtarif der privaten Krankenversicherung (PKV), den jedes Unternehmen anbieten muss. Wechseln können Privatversicherte, denen die Beiträge ihres regulären Tarifs zu teuer sind.
  • Er ist meist recht günstig – besonders für Ehepartner, die beide privat krankenversichert sind.
  • Die Leistungen ähneln denen der gesetzlichen Krankenversicherung.
  • Im Vergleich zum Basistarif in der privaten Krankenversicherung ist der Standardtarif meist billiger, bietet in einigen Bereichen aber deutlich weniger Leistungen.
So gehen Sie vor
  • Sie können nur in den Standardtarif wechseln, sofern Sie vor 2009 in die PKV eingetreten sind.
  • Prüfen Sie, ob es bei Ihrem Anbieter für Sie bessere Tarife gibt als den Standardtarif.
  • Rentner, die eine gesetzliche Rente erhalten, können bei der Rentenversicherung einen Zuschuss beantragen, um ihre Ausgaben weiter zu senken.

Der Standardtarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist als Rettungsanker gedacht für Versicherte, die sich ihre Beiträge nicht mehr leisten können. Er steht nur noch langjährig Versicherten offen, für alle anderen gibt es den Basistarif.

Beim Wechsel in den Standardtarif gelten dieselben Grundsätze wie bei anderen Tarifwechseln beim selben Anbieter: Risikozuschläge bleiben erhalten, und für Mehrleistungen kann der Versicherer eine Gesundheitsprüfung verlangen und ebenfalls Risikozuschläge festsetzen.

Wann kann ich mich im Standardtarif versichern?

Der Standardtarif steht Ihnen nur offen, wenn Sie vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind und dort bereits seit mindestens zehn Jahren versichert sind. Außerdem muss einer der drei folgenden Punkte zutreffen:

  • Sie sind mindestens 65 Jahre alt,
  • Sie sind mindestens 55 Jahre alt und Ihr Einkommen liegt unter der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 54.450 Euro (Stand: 2019) oder
  • Sie beziehen bereits eine gesetzliche Rente, etwa eine Erwerbsminderungsrente, und Ihr Einkommen liegt unter der Beitragsbemessungsgrenze.

Es gibt noch eine weitere Voraussetzung: Wer vor 2009 in die PKV eingetreten ist, hat damals einen Bisex-Tarif gekauft, also einen Tarif, der nach Geschlecht unterscheidet. Heute gibt es nur noch Unisex-Tarife. Für einen Wechsel in den Standardtarif müssen Sie noch immer in einem Bisex-Tarif versichert sein. Falls Sie zwischendurch in die Unisex-Welt gewechselt sind, könnte es schwierig werden. Denn für alle Versicherten in Unisex-Tarifen und alle, die am 1. Januar 2009 oder danach eingetreten sind, gibt es den Basistarif.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Musterschreiben für den Tarifwechsel: Musterschreiben

Zum Ratgeber 

Welche Beiträge fallen beim Standardtarif an?

Der maximale Beitrag im Standardtarif ist begrenzt auf den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der 2019 bei 662,48 Euro im Monat liegt. Zusätzlich fällt für Medikamente sowie Heil- und Hilfsmittel wie Krücken eine Selbstbeteiligung von höchstens 306 Euro an.

Beim Wechsel aus dem ursprünglichen Tarif nehmen Versicherte ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mit, so dass der tatsächliche Beitrag im Standardtarif meist deutlich niedriger ist. Den konkreten Beitrag kann nur der jeweilige Krankenversicherer ermitteln, da die Beitragshöhe auch von der Vorversicherungszeit und dem Alter des Versicherten abhängt. Informieren Sie sich deshalb vor einem Wechsel über die Beitragshöhe, damit Sie Ihre Ersparnis kennen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner beide privat versichert sind, zahlen Sie zusammen nicht mehr als 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern das Gesamt-Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze der GKV nicht übersteigt. Dadurch ist der Standardtarif für privat versicherte Ehepaare finanziell oft sehr günstig.

Welche Leistungen bietet der Standardtarif?

Der Standardtarif ist an den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung angelehnt und bei allen Krankenversicherungen gleich. In einigen Bereichen bietet der Standardtarif sogar geringere Leistungen als eine gesetzliche Krankenkasse beziehungsweise der Basistarif der PKV. So werden Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel zu 80 Prozent erstattet, bis der Selbstbehalt ausgeschöpft ist. Danach übernimmt die Versicherung die Kosten voll. Bei einer ambulanten Psychotherapie erstattet der Standardtarif bis zu 25 Sitzungen pro Jahr. Kuren, Reha, Soziotherapie oder Haushaltshilfe bezahlt die Versicherung in der Regel nicht.

Anders als der Basistarif lässt sich der Standardtarif nicht mit privaten Zusatzversicherungen ergänzen. Nur die Auslandsreisekrankenversicherung oder Krankentagegeldversicherung können Sie zusätzlich abschließen.

Mehr Informationen über die Sozialtarife in der PKV erhalten Sie in der gleichnamigen Broschüre des PKV-Verbands und in unserem Ratgeber zum Basistarif in der PKV.

Standard- oder Basistarif: Welcher passt?

Wer in den Standardtarif darf, kann alternativ auch in den Basistarif wechseln. Der Standardtarif ist in den meisten Fällen die deutlich billigere Variante, denn der Beitrag im Basistarif entspricht in der Regel dem Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen. Außerdem gibt es den reduzierten Tarif für Ehepartner nicht im Basistarif.

Dennoch sollte nicht allein der Beitrag entscheiden. Folgende Tabelle hilft bei der Wahl des richtigen Tarifs:

Leistungsvergleich PKV-Sozialtarife

 StandardtarifBasistarif
Beitragmeist erheblich niedriger als Höchstbeitrag zur GKV; maximal 150 % des GKV-Höchstbeitrags für privat versicherte Ehepaarein der Regel GKV-Höchstbeitrag plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag pro Person; Hälfte bei Hilfebedürftigkeit nach § 9 SGB II
Leistungenähneln Kassenleistungen; freie Wahl bei Fach- und Privatärzten; begrenzte Sitzungszahl bei Psychotherapie, 20 % Selbstbeteiligung für Hilfs-, Heil- und Arzneimittel (max.
306 € im Jahr)
entsprechen Kassenleistungen; Arzt mit Kassenzulassung ist erste Anlaufstelle; deutlich bessere Leistungen bei Kuren, Haushaltshilfe, Krankentagegeld, Psychotherapie, Soziotherapie, Hilfs- und Heilmitteln, Reha-Leistungen und Palliativversorgung
Zusatzversicherungennicht möglich, bis auf Auslandsreise-Krankenversicherung, Krankentagegeldmöglich, Krankentagegeld bereits mitversichert

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 3. Januar 2019)

Kann die Arztwahl eingeschränkt sein?

Theoretisch haben Patienten im Standardtarif freie Arztwahl – sie können sich also auch von Privatärzten behandeln lassen. In der Praxis ist die Auswahl aber oft eingeschränkt, denn die Versicherung erstattet Honorare nur in begrenztem Umfang. So ist das Honorar für Ärzte auf den 1,8-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschränkt, bei Zahnärzten auf den 2,0-fachen Satz der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Versicherte sollten ihren Arzt vor der Behandlung auf den Standardtarif hinweisen, damit dieser tatsächlich nur abrechnet, was die PKV erstattet. Höhere Kosten trägt der Versicherte allein.

Was tun, wenn der Standardtarif zu teuer ist?

Der Standardtarif ist als Sozialtarif dafür gemacht worden, Privatversicherten finanziell zu helfen. Rentner, die eine gesetzliche Rente beziehen, können bei der Rentenversicherung einen Zuschuss beantragen und damit ihre Kosten weiter senken.

Wer auch durch die Beiträge des Standardtarifs überfordert ist, kann noch immer in den Basistarif wechseln. Sofern Versicherte durch die Kosten für die Krankenversicherung hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts werden, erhalten sie Hilfe vom Amt.

Als letzten Ausweg bieten private Krankenversicherungen außerdem Notlagentarife an, die kurzzeitig helfen sollen, Engpässe zu überbrücken.

Autor
Max Mergenbaum
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 15. Januar 2019


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