PKV Tarifwechsel

Tarif in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung wechseln und sparen

Julia Rieder
Expertin für Versicherungen
04. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Viele private Kran­ken­ver­si­che­rungen erhöhen zum Jahreswechsel den Beitrag, 2021 soll es im Schnitt um 8,1 Prozent teurer werden. Durch den Wechsel in einen anderen Tarif Deines Anbieters kannst Du Deinen Beitrag möglicherweise reduzieren.
  • Das Recht auf einen internen Tarifwechsel haben alle Privatversicherten. Besonders lohnen kann er sich für ältere, langjährig Versicherte.
  • Verzichte, um zu sparen, aber nicht auf wichtige Leistungen oder erhöhe die Selbstbeteiligung drastisch. Diese Entscheidung lässt sich oft nicht rückgängig machen.
  • Statt dem Tarif gleich den Anbieter zu wechseln, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll.
So gehst Du vor
  • Fordere Deine Versicherung auf, Dich zu einem internen Tarifwechsel kostenlos zu beraten. Dazu kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben nutzen.
  • Der angebotene Tarif muss nicht unbedingt dieselben Leistungen enthalten wie Dein alter Tarif. Vergleiche deshalb genau. Dabei kannst Du Dich von einem Versicherungsmakler oder -berater oder einer Verbraucherzentrale unterstützen lassen. Unsere Übersicht bietet Orientierung, welche Leistungen wichtig sind.
  • Weitere Möglichkeiten, Beiträge zu sparen, erklären wir in unserem Ratgeber Ratgeber PKV-Kosten senken.

Fast jeder, der länger in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) ist, kennt diesen Ärger: In der Zeit vor dem Jahreswechsel flattert ein Schreiben ins Haus mit einer saftigen Beitragserhöhung. Ende Oktober 2020 hat die Debeka eine Erhöhung um durchschnittlich fast 18 Prozent angekündigt. Das Wissenschaftliche Institut der privaten Kran­ken­ver­si­che­rungen rechnet damit, dass die Beiträge zum Beginn des Jahres 2021 branchenweit um rund 8 Prozent teurer werden. 

Viele Versicherte nehmen solche Beitragserhöhungen stillschweigend hin – bis ihnen eines Tages die Belastung über den Kopf wächst. Dabei hast Du als Privatversicherter eine Möglichkeit, die Beiträge auch wieder zu senken: Du darfst jederzeit kostenlos in einen anderen Tarif Deines Versicherers wechseln. Dadurch lassen sich Beiträge sparen.

Für wen lohnt sich der Tarifwechsel?

Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Versicherer in einen anderen Tarif zu wechseln. Das legt Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) fest. Dieses gesetzlich verbriefte Recht nutzen jedoch nur wenige Kunden.

Für einen Wechsel gibt es zwei gute Gründe:

  1. Du möchtest die Kosten Deiner privaten Kran­ken­ver­si­che­rung senken oder
  2. Du bist mit den Leistungen Deines Tarifs nicht zufrieden und möchtest in einen besseren Tarif wechseln.

Grundsätzlich darfst Du in alle offenen und geschlossenen Tarife Deines Versicherers wechseln. Ausnahme: Ein Wechsel aus einem Tarif mit gleichen Beiträgen für Männer und Frauen (sogenannter Unisex-Tarif) in einen Tarif mit Beitragsunterschieden zwischen den Geschlechtern (Bisex-Tarif) ist nicht möglich.

Abgesehen davon kannst Du belieb oft in einen anderen Tarif mit gleich gutem oder schlechterem Ver­si­che­rungs­schutz wechseln. Deine bisher angesammelten Altersrückstellungen werden im neuen Tarif angerechnet und auch Dein derzeitiges Alter und Dein Gesundheitszustand spielen keine Rolle.

Insbesondere wenn die Kosten für Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung in den vorangegangenen Jahren deutlich gestiegen sind, kann es sich lohnen, den aktuellen Tarif mit anderen Angeboten Deines Versicherers zu vergleichen. Ziel dabei ist es, einen Tarif zu finden, mit dem Du bei gleich gutem Schutz Beiträge sparst. Wie Du dabei am besten vorgehst, erklären wir weiter unten im Text.

Worauf solltest Du beim Wechsel achten?

Auf wichtige Leistungen sollten Du auch zugunsten eines niedrigeren Beitrags nicht verzichten. Denn es gibt keine Garantie, dass Du im neuen Tarif dauerhaft sparst. Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder deutlich steigen.

Willst Du bessere Leistungen vereinbaren oder Deinen Selbstbehalt reduzieren, ist das nicht immer problemlos möglich. Die Versicherung darf in solchen Fällen Deinen aktuellen Gesundheitszustand berücksichtigen und kann

  • einen Risikozuschlag verlangen,
  • eine Wartezeit festlegen, in der Du die höheren Leistungen nicht in Anspruch nehmen kannst,
  • die höheren Leistungen in Deinem Fall ausschließen.

Zusätzliche Leistungen können beispielsweise höhere Zahlungen für Zahnersatz oder Medikamente sein, aber auch weniger Einschränkungen bei der Erstattung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Brillen.

Achtung: Nicht den Versicherer wechseln

Als Privatversicherter solltest Du nur intern den Tarif wechseln, aber nicht den Versicherer. Denn wenn Du zu einem anderen Anbieter gehst, verlierst Du einen erheblichen Teil Deiner angesparten Altersrückstellungen. Diese sollen im Alter die höheren Krankheitskosten abfedern und dafür sorgen, dass der Beitrag nicht zu stark steigt.

Außerdem musst Du Dich beim Wechsel des Anbieters erneut Gesundheitsprüfung unterziehen. Das kann Risikozuschläge und den Ausschluss von Leistungen zur Folge haben. Den alten Vertrag zu kündigen und zu einer anderen privaten Kran­ken­ver­si­che­rung zu wechseln, ist deshalb nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Falls Dein Versicherungsvermittler Dir das als Lösung vorschlägt, ist er womöglich auf eine Abschlussprovision aus.

Wie gehst Du beim Tarifwechsel vor?

Bevor Du den Tarifwechsel angehst, solltest Du Dir Gedanken darüber machen, was Du erreichen möchtest.

Bist Du mit Deinem bisherigen Ver­si­che­rungs­schutz zufrieden oder wünschst Du Dir einen leistungsstärkeren Tarif? Und falls Du bessere Leistungen möchtest, wärst Du bereit, dafür auch einen höheren Beitrag zu zahlen?

Oder ist es Dir wichtig, künftig weniger zu zahlen? Dann stellt sich die Frage, welche Leistungen Du in jedem Fall behalten willst und ob es Leistungen gibt, auf die Du zugunsten eines günstigeren Beitrags verzichten kannst. Reicht Dir beispielsweise ein Zweibettzimmer statt eines Einbettzimmers im Krankenhaus?

Es hilft bei solchen Überlegungen, die Leistungen des eigenen Vertrags genau zu kennen. Mach Dich also in den Tarifbedingungen schlau.

Fordere ein kostenfreies Angebot Deiner Versicherung an

Im nächsten Schritt forderst Du Deine Versicherung schriftlich dazu auf, Dich zum Tarifwechsel zu beraten. Die Beratung ist kostenlos und die Versicherung gesetzlich verpflichtet, dabei auf Deine Wünsche und Bedürfnisse einzugehen (§ 6 VVG).

Damit die Versicherung Dir geeignete Alternativen zu Deinem bisherigen Tarif vorschlägt, solltest Du deutlich machen, welches Ziel Du mit dem Tarifwechsel verfolgst und welche Punkte Dir bei Deinem Ver­si­che­rungs­schutz wichtig sind. Als Vorlage kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben verwenden.

Mus­ter­schrei­ben Tarifwechsel

Hier kannst Du Dir unser Mus­ter­schrei­ben für einen internen Tarifwechsel herunterladen:

Zum Download

Lass Dich nicht telefonisch abwimmeln oder zu einem Besuch von einem Versicherungsvertreter überreden, sondern bestehe auf einem schriftlichen Angebot. So kannst Du in Ruhe abwägen, ob sich der Tarifwechsel für Dich lohnt.

24 private Krankenversicherer haben sich in einer verbindlichen Leitlinie dazu verpflichtet, Kunden besser beim Tarifwechsel zu beraten. Darin heißt es: „Im Rahmen der Beratung beim Tarifwechsel hat der Versicherte einen Anspruch auf eine verständliche Darstellung, welche Mehr- und Minderleistungen mögliche Zieltarife gegenüber seinem bestehenden Ver­si­che­rungs­schutz aufweisen.“ Außerdem müsse er erfahren, welche Beitragsunterschiede damit einhergehen und ob im Zieltarif eine Risikoprüfung nötig ist.

Will die Versicherung einen Risikozuschlag erheben, muss sie darüber informieren, wie sich der Zuschlag vermeiden lässt und welche Folgen es hat, wenn der Kunde auf bestimmte Leistungen verzichtet. Und schließlich heißt es in der Leitlinie: „Steht in einem Zieltarif eine Beitragsanpassung fest, weist das Versicherungsunternehmen den Versicherten darauf hin. Auf Wunsch des Kunden wird die Beratung dokumentiert.“

Darüber hinaus verpflichten sich die Versicherungen, Anfragen zum Tarifwechsel innerhalb von 15 Tagen zu bearbeiten und Kunden ab 55 Jahren automatisch über ihr Wechselrecht zu informieren.

Allerdings haben die Anbieter grundsätzlich wenig Interesse daran, ihre Kunden beim Tarifwechsel optimal zu unterstützen – schließlich bekommen sie dann weniger Geld für dieselbe Leistung. Du solltest trotzdem hartnäckig bleiben und der Versicherung eine Frist für die Antwort auf Deine Wechselanfrage setzen. Zieht sich der Tarifwechsel über Monate hin, kannst Du verlangen, dass Dein Tarif und damit auch der Beitrag rückwirkend umgestellt wird.

Wenn Du Dir Hilfe beim Vergleich der Leistungen wünschst oder das Gefühl hast, die Versicherung schlägt Dir keine geeigneten Tarife vor, kannst Du Dich beim Tarifwechsel auch von anderer Stelle unterstützen lassen. Spezialisierte Versicherungsmakler und -berater sowie die Verbraucherzentralen beraten zu dem Thema und haben häufig einen guten Überblick über die verschiedenen Tarifoptionen und deren Unterschiede. Mehr zur Beratung liest Du in diesem Abschnitt.

Stellt sich die Versicherung quer, kannst Du Dich beim PKV-Ombudsmann beschweren. Er kann im Streitfall vermitteln. Außerdem solltest Du die Finanzaufsicht Bafin informieren. 

Welche Erfahrungen hast Du beim Tarifwechsel gemacht? Berichte davon gerne in unserer Community.

Vergleiche die Leistungen von altem und neuem Tarif

Auch wenn zwei Tarife ähnliche Leistungen bieten – identisch sind sie so gut wie nie. Damit Du nicht unwissentlich auf wichtige Leistungen verzichtest, ist es sinnvoll, die verschiedenen Tarife genau zu vergleichen. Als Grundlage dafür sollte die Versicherung Dir verständlich gegenüberstellen, wie sich der empfohlene Zieltarif von Deinem bisherigen Ver­si­che­rungs­schutz unterscheidet.

Leistungsübersicht

Schau genau hin. Denn der Verzicht auf Leistungen ist häufig nur mit viel Mühe wieder rückgängig zu machen. Was wir bei der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung für besonders wichtig halten, haben wir für Dich in einer Leistungsübersicht als PDF-Datei zusammengestellt.

Zum Download

Lass Dich nicht abschrecken, falls die Versicherung für den neuen Tarif eine Gesundheitsprüfung ankündigt. Das ist kein Risiko für Dich. Denn einen Risikozuschlag darf die Versicherung nur für bessere Leistungen im neuen Tarif erheben. In einem solchen Fall kannst Du dann abwägen, ob es sich lohnt, den Aufschlag in Kauf zu nehmen oder auf die Extras zu verzichten. Dann kannst Du in den Tarif wechseln, ohne einen Zuschlag zu zahlen.

Wichtig zu bedenken: Es gibt keine Garantie, dass Du im neuen Tarif dauerhaft sparst. Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder deutlich steigen, falls sich die Kosten im neuen Tarif ungünstig entwickeln. Verzichte deshalb zugunsten eines niedrigen Beitrags keinesfalls auf wichtige Leistungen und wäge ab, ob die mögliche Ersparnis durch einen Wechsel gerechtfertigt ist. Beim Vergleichen der Leistungen verschiedenen Tarife können Dir auch spezialisierte Berater helfen.

Vorsicht beim Wechsel in einen Unisex-Tarif

Bis zum 21. Dezember 2012 richtete sich der Beitrag in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung auch nach dem Geschlecht. Wenn Du noch in einem alten, sogenannten Bisex-Tarif versichert bist, solltest Du Dir den Wechsel in einen neueren Unisex-Tarif gut überlegen. Einmal in einem Unisex-Tarif, in dem Frauen und Männer den gleichen Beitrag zahlen, gibt es kein Zurück mehr in die alten Tarife. Das kann besonders für Männer nachteilig sein, die von der geschlechtsabhängigen Berechnung profitiert haben.

Falls Du befürchtest, Dir irgendwann nur noch einen minimalen PKV-Schutz leisten zu können, solltest Du ebenfalls nur innerhalb von Bisex-Tarifen wechseln. So behältst Du die Möglichkeit, notfalls in den günstigen Standardtarif zu gehen. Aus dem Unisex-Tarif heraus ist nur ein Wechsel in den Basistarif möglich, der teurer ist.

Grundsätzlich darfst Du als Privatversicherter in alle Tarife wechseln, die Deine Versicherung anbietet oder jemals angeboten hat. Dabei behältst Du alle im alten Tarif gebildeten Altersrückstellungen. Diese werden voll auf den neuen Tarif angerechnet. Unter Umständen kann der neue Beitrag dadurch sehr günstig sein.

Selbstbehalt nur in Maßen erhöhen

Eine simple Möglichkeit, beim PKV-Beitrag zu sparen, ist ein höherer Selbstbehalt. Der lohnt sich vor allem für Selbstständige. Als Angestellter musst Du Dir die Beitragsersparnis mit Deinem Arbeitgeber teilen.

Allerdings solltest Du Dir absolut sicher sein, dass Du das Geld für den Eigenanteil auch im Rentenalter übrig hast. Denn den Selbstbehalt wieder zu reduzieren, ist in der Regel nur schwer möglich. Er kann sogar noch steigen, denn der Versicherer darf den Selbstbehalt auch erhöhen.

Wichtig zu wissen: Den Selbstbehalt kannst Du im Gegensatz zu den Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträgen nicht voll von der Steuer absetzen. Das kann die Ersparnis schmälern.

Wer hilft beim Tarifwechsel?

Den Überblick im Tarifdschungel der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung zu behalten, ist nicht einfach. Du solltest Dir deshalb fachkundige Unterstützung für den Tarifwechsel holen, zum Beispiel, wenn Dein Versicherer behauptet, es gebe keinen Tarif, in den Du wechseln kannst.

Option 1: Kostenlose Beratung bei Deinem Versicherungsmakler

Eine mögliche Anlaufstelle für kostenfreie Unterstützung beim Tarifwechsel ist der Versicherungsmakler, bei dem Du Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung abgeschlossen hast. Er ist verpflichtet, Dich auch nach dem Vertragsabschluss zu betreuen und bekommt dafür jedes Jahr eine laufende Vergütung.

Genau das ist aber auch die Krux bei der Sache. Der Makler verdient an dem Tarifwechsel nichts zusätzlich. Daher kannst Du Dich nicht immer darauf verlassen, dass er sich die notwendige Zeit nimmt, um Dich ausführlich und neutral zu beraten.

Option 2: Beratung gegen Honorar

Wenn Du Dich bei Deinem Versicherungsvermittler nicht gut aufgehoben fühlst, kannst Du Dich von einem Versicherungsberater oder auch einem Versicherungsmakler gegen ein Honorar beraten lassen. Er sollte auf das Thema private Kran­ken­ver­si­che­rung spezialisiert sein und viel Erfahrung mit Tarifwechseln nachweisen können. Einen Versicherungsberater in Deiner Nähe kannst Du zum Beispiel über die Suche auf der Website des Bundesverbands der Versicherungsberater finden.

Die Berater rechnen in der Regel entweder nach Aufwand ab, beispielsweise mit einem Stundensatz, oder bekommen nach einem erfolgreichen Tarifwechsel einen Teil Deiner Ersparnis. Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Honorarmodelle erläutern wir weiter unten.

Auch einige Verbraucherzentralen bieten eine Tarifwechsel-Beratung an. Diese kostet oft weniger als das Honorar für einen Versicherungsberater oder -makler.

Der Berater sollte Dir nicht nur helfen, den für Dich passenden und günstigsten Tarif zu finden. Er sollte auch die weitere Korrespondenz mit der Versicherung übernehmen. Das spart Zeit und Nerven. Manchmal erhebt die Versicherung Risikozuschläge für bestimmte zusätzliche Leistungen, die entweder zu hoch oder gar nicht gerechtfertigt sind. Über diese kann der Versicherungsberater mit dem Anbieter verhandeln und sie bestenfalls abwenden. Allerdings kann auch ein Versicherungsberater nicht in jedem Fall einen geeigneten Tarif für den Wechsel finden.

Worauf solltest Du bei der Beratung achten?

Wichtig ist, dass der Berater Dir die Unterschiede zwischen Deinem bisherigen Tarif und den möglichen Alternativen genau erklärt. Er sollte aufzeigen, welche Leistungen sich bei einem Tarifwechsel verschlechtern oder verbessern würden. Bestehe auf einer verständlichen, schriftlichen Übersicht über die Leistungen und Unterschiede der Tarife. So kannst Du die Vor- und Nachteile eines Wechsels in Ruhe abwägen.

Manchmal wird empfohlen, einen Teil des gesparten Geldes in einen Beitragsentlastungstarif zu investieren. Mit einem solchen Tarif können Privatversicherte zusätzliche Rücklagen bilden, die im Alter die Beiträge zur Kran­ken­ver­si­che­rung um eine bestimmte Summe reduzieren.

Wir halten solche Zu­satz­ver­si­che­rung­en zur Beitragsentlastung nur in Einzelfällen für sinnvoll – etwa wenn der Arbeitgeber miteinzahlt. Du solltest einen solchen Tarif deshalb nicht unüberlegt abschließen, sondern Dich ausführlich zu den Vor- und Nachteilen beraten lassen.

Wann für die Beratung zum PKV-Tarifwechsel ein Honorar fällig wird und wie hoch es ausfällt, unterscheidet sich je nach Berater und ist nicht festgelegt. Grundsätzlich gibt es zwei Konzepte, die beide Vor- und Nachteile haben:

Das erfolgsabhängige Honorar

Bei diesem Modell zahlst Du nur, wenn der Berater Dir zu einem günstigeren Tarif verhilft: Er bekommt in der Regel einen Teil des Beitrags, den Du im ersten Jahr sparst. Falls der Berater keinen Tarif findet, in den Du wechseln willst, kostet die Beratung nichts.

Bei diesem Modell solltest Du in der Honorarvereinbarung festhalten, dass der neue Tarif in allen Bereichen mindestens gleichwertige Leistungen wie Dein bisheriger aufweisen muss. Sprich mit dem Berater auch gleich zu Beginn über die Leistungen, die Dir besonders wichtig sind und auf die Du keinesfalls verzichten willst.

Möchtest Du beispielsweise auch weiterhin nur eine geringe Selbstbeteiligung zahlen, solltest Du das ebenfalls erwähnen. Leistungseinschränkungen kannst Du auch später noch zustimmen. Du solltest Dir aber gut überlegen, welche Auswirkungen das hat.

Wichtig bei diesem Bezahlmodell ist, dass in das Honorar auch einberechnet wird, ob durch den Tarifwechsel der Selbstbehalt steigt, der Zuschuss des Arbeitgebers sinkt oder Du eine geringere Bei­trags­rück­er­statt­ung bekommst. Denn das schmälert Deine tatsächliche Ersparnis.

Der Vorteil des Erfolgshonorars liegt ganz klar darin, dass es kein finanzielles Risiko gibt: Du kannst Deinen Tarif kostenlos überprüfen lassen.

Der Nachteil besteht in dem hohen Anreiz für den Berater, Dich nicht neutral zu beraten, sondern so, dass er ein möglichst hohes Honorar bekommt. Da die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen komplex sind, könnte er Dich schlimmstenfalls zum Wechsel in einen deutlich billigeren, aber für Dich nachteiligen Tarif verführen, ohne dass Du es merkst. Unseriöse Anbieter arbeiten mit diesem Modell, um eine möglichst hohe Ersparnis und damit ein möglichst hohes Honorar zu erhalten.

Lass Dich deshalb keinesfalls dazu drängen, in einen Tarif mit geringeren Leistungen zu wechseln oder den Selbstbehalt drastisch zu erhöhen. Denn der Berater kann Dir die berechnete Ersparnis nicht dauerhaft garantieren: Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder steigen. Eine Rückkehr zu einem Tarif mit besseren Leistungen oder einer geringeren Selbstbeteiligung ist dann schwierig.

Außerdem wichtig zu wissen: Wenn Du Dich gegen einen Tarifwechsel entscheidest, zahlst Du erstmal nichts. Überlegst Du es Dir später aber anders und wechselst innerhalb einer bestimmten Frist nach der Beratung in einen der empfohlenen Tarife, wird das Erfolgshonorar fällig – unabhängig davon, wer sich letztlich darum gekümmert hat, den Vertrag umzustellen. In der Regel beträgt diese Frist 24 Monate. Honorarvereinbarungen, die Dich länger als zwei Jahre an einen Berater binden, solltest Du nicht akzeptieren.

Das pauschale oder zeitbezogene Honorar

Im Gegensatz zum erfolgsabhängigen Modell wird der Berater in diesem Fall nach Aufwand bezahlt. Entweder nennt er vorab einen festen Preis für die Überprüfung Deines Tarifs oder er rechnet nach Arbeitsstunden ab. Auch wenn er keinen passenden Tarif für Dich findet, musst Du ein Honorar zahlen. Lass Dich deshalb auf jeden Fall immer genau über den Fortgang der Recherche informieren. Oft ist relativ früh klar, dass ein Tarifwechsel nicht infrage kommt – dann solltest Du die Beratung abbrechen.

Der Vorteil dieses Konzepts liegt darin, dass der Berater keinen Anreiz hat, Dir einen schlechten Tarif zu empfehlen. Er wird in jedem Fall für seine Arbeit bezahlt und kann Dich neutral beraten. Es schadet auch nicht seinem Geldbeutel, wenn er Dir von billigen Tarifen mit schlechteren Leistungen abrät oder Dich auch auf Tarife mit geringer Beitragsersparnis, aber deutlich besserem Ver­si­che­rungs­schutz hinweist.

Der Nachteil besteht in Deinem finanziellen Risiko: Du musst auf alle Fälle Geld in die Hand nehmen, ohne zu wissen, ob und wie viel Du am Ende bei der Kran­ken­ver­si­che­rung sparst. Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Berater kostenlos eine erste Einschätzung dazu anbietet, ob sich ein Tarifwechsel in Deiner Situation lohnt.

Rechnet der Berater nicht nach Arbeitsstunden, sondern pauschal ab, solltest Du einzelne Arbeitspakete vereinbaren, die Du jeweils separat bezahlst. So musst Du nicht mit dem gesamten Honorar in Vorleistung gehen, sondern kannst nach jedem Beratungsschritt abwägen, ob Du weitermachen willst. Du solltest in jedem Fall gleich zu Beginn die zu erwartende Honorarspanne erfragen.

Wie kommt es zu Beitragsunterschieden zwischen einzelnen Tarifen?

Kran­ken­ver­si­che­rungen werden mit der Zeit immer teurer. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Ursachen: Zum einen entwickelt sich die Medizin stetig weiter und modernere Therapien haben eben ihren Preis. Zum anderen steigt die Lebenserwartung, wodurch die Menschen immer länger höhere Gesundheitskosten verursachen.

Zwar bildet jede private Kran­ken­ver­si­che­rung sogenannte Altersrückstellungen, die verhindern, dass die Beiträge im Alter explodieren. Steigen werden sie dennoch.

Wie sich die Beiträge einzelner Tarife entwickeln, kann selbst innerhalb eines Versicherungsunternehmens höchst unterschiedlich sein. Das liegt daran, dass in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung jeweils alle gleichaltrigen Versicherten innerhalb eines Tarifs die Gesundheitskosten unter sich ausmachen. So können Tarife mit ähnlichen Leistungen unterschiedlich teuer sein, je nachdem wie gesund die dort Versicherten sind.

Besonders extreme Preisunterschiede gibt es bei Versicherern, die regelmäßig neue, sehr günstige Tarife auf den Markt bringen. So versuchen sie, neue Kunden anzulocken. Doch wenn der Anbieter den Preis zu knapp kalkuliert hat, muss er die Beiträge später besonders stark anheben.

Das führt dazu, dass gesunde Kunden den Tarif verlassen. Diese sind eher bereit, den Tarif zu wechseln als Kranke – obwohl jeder das Recht auf einen Tarifwechsel hat, unabhängig vom Gesundheitszustand. Wenn aber Gesunde einen Tarif verlassen, verbleiben anteilig mehr Kranke, wodurch die Kosten und damit auch die Beiträge noch stärker steigen.

Nicht immer sind die Beitragssteigerungen jedoch rechtens. Die Versicherungen müssen bestimmte gesetzliche Vorgaben beachten. Wie Du prüfen kannst, ob Dein Anbieter diese eingehalten hat, erklären wir in unserem Ratgeber Den PKV-Beitrag senken.

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