Interner Tarifwechsel PKV

Tarif in der privaten Kranken-versicherung wechseln und sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • In der privaten Krankenversicherung (PKV) haben Versicherte das Recht, bei ihrem Anbieter in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln.
  • Durch diesen Wechsel können Privatversicherte die Beiträge für ihre Krankenversicherung mitunter deutlich senken.
  • Lohnen kann sich der Wechsel vor allem für ältere, langjährig Versicherte.
  • Wichtig ist jedoch, nicht auf wichtige Leistungen zu verzichten oder die Selbstbeteiligung drastisch zu erhöhen. Diese Entscheidung lässt sich oft nicht rückgängig machen.
  • Wer nicht nur den Tarif wechselt, sondern auch den Versicherer, verliert einen Großteil seiner Altersrückstellungen.

So gehen Sie vor

  • Fordern Sie Ihre Versicherung auf, Sie zu einem internen Tarifwechsel kostenlos zu beraten. Dazu können Sie unser Musterschreiben nutzen.
  • Beachten Sie, dass der angebotene Tarif nicht unbedingt dieselben Leistungen enthält wie Ihr alter Tarif. Vergleichen Sie also genau.
  • Dabei können Sie sich von einem Versicherungsmakler oder -berater unterstützen lassen.
  • Verzichten Sie darauf, die Selbstbeteiligung zu erhöhen.
  • Weitere Möglichkeiten, Beiträge zu sparen, erklären wir in unserem Ratgeber PKV-Kosten senken.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema private Krankenversicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Fast jeder, der länger in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist, kennt diesen Ärger: In der Zeit vor dem Jahreswechsel flattert ein Schreiben ins Haus mit einer saftigen Beitragserhöhung. Viele Versicherte nehmen das stillschweigend hin – bis ihnen eines Tages die Belastung über den Kopf wächst.

Dabei gibt es für Privatversicherte eine Möglichkeit die Beiträge auch wieder zu senken: Sie dürfen jederzeit kostenlos in einen anderen Tarif wechseln. Dadurch lassen sich Beiträge sparen.

Für wen lohnt sich der Tarifwechsel?

Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Versicherer in einen anderen Tarif zu wechseln. Das legt Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) fest. Dieses gesetzlich verbriefte Recht nutzen jedoch nur wenige Kunden. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg hat nur jeder fünfte schon einmal den PKV-Tarif gewechselt.

Für einen Wechsel gibt es zwei gute Gründe:

  • Sie möchten die Kosten Ihrer privaten Krankenversicherung senken oder
  • Sie sind mit den Leistungen Ihres Tarifs nicht zufrieden und möchten in einen besseren Tarif.

Grundsätzlich dürfen Sie in alte und neue Tarife Ihres Versicherers wechseln. Ausnahme: Ein Wechsel aus einem Tarif mit gleichen Beiträgen für Männer und Frauen (sogenannter Unisex-Tarif) in einen alten Tarif mit Beitragsunterschieden zwischen den Geschlechtern (Bisex-Tarif) ist nicht möglich.

Der Wechsel in einen Tarif mit gleich gutem oder schlechterem Versicherungsschutz steht Ihnen also offen – und das beliebig oft. Ihre bisher angesammelten Altersrückstellungen werden im neuen Tarif angerechnet und auch Ihr derzeitiges Alter und Ihr Gesundheitszustand spielen keine Rolle.

Insbesondere wenn die Kosten für Ihre private Krankenversicherung in den vorangegangenen Jahren deutlich gestiegen sind, kann es sich lohnen, den aktuellen Tarif mit anderen Angeboten Ihres Versicherers zu vergleichen. Ziel dabei ist es, einen Tarif zu finden, bei dem Sie bei gleich gutem Schutz Beiträge sparen.

Was Sie sonst noch tun können, wenn Ihnen die private Krankenversicherung zu teuer wird, sehen Sie kurz zusammengefasst im Video:

Worauf sollte ich beim Wechsel achten?

Auf wichtige Leistungen sollten Sie auch zugunsten eines niedrigeren Beitrags nicht verzichten. Denn es gibt keine Garantie, dass Sie im neuen Tarif dauerhaft sparen. Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder deutlich steigen.

Wollen Sie bessere Leistungen vereinbaren oder Ihren Selbstbehalt reduzieren, ist das nicht immer problemlos möglich. Die Versicherung darf in solchen Fällen Ihren aktuellen Gesundheitszustand berücksichtigen und kann

  • einen Risikozuschlag verlangen,
  • eine Wartezeit festlegen, in der Sie die höheren Leistungen nicht in Anspruch nehmen können,
  • die höheren Leistungen in Ihrem Fall ausschließen.

Zusätzliche Leistungen können beispielsweise höhere Zahlungen für Zahnersatz oder Medikamente sein, aber auch weniger Einschränkungen bei der Erstattung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Sehhilfen.

Achtung: Nicht den Versicherer wechseln

Als Privatversicherter sollten Sie nur intern den Tarif wechseln, aber nicht die Versicherung. Denn wenn Sie zu einem anderen Anbieter gehen, verlieren Sie einen erheblichen Teil Ihrer angesparten Altersrückstellungen. Diese sollen im Alter die höheren Kosten für Behandlungen abfedern und dafür sorgen, dass der Beitrag nicht zu stark steigt.

Außerdem müssen Sie sich beim Wechsel des Anbieters einer neuen Gesundheitsprüfung unterziehen. Das kann Risikozuschläge und den Ausschluss von Leistungen zur Folge haben. Den alten Vertrag zu kündigen und zu einer anderen privaten Krankenversicherung zu wechseln, ist deshalb nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Falls Ihr Versicherungsvermittler Ihnen eine solche sogenannte Umdeckung vorschlägt, ist er womöglich auf eine Abschlussprovision aus.

Wie gehe ich beim Tarifwechsel vor?

Bevor Sie den Tarifwechsel angehen, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, was Sie erreichen möchten. Sind Sie mit Ihrem bisherigen Versicherungsschutz zufrieden oder wünschen Sie sich einen leistungsstärkeren Tarif? Und falls Sie bessere Leistungen möchten, wären Sie bereit, dafür auch einen höheren Beitrag zu zahlen?

Oder ist es Ihnen wichtig, künftig weniger zu zahlen? Dann stellt sich die Frage, welche Leistungen Sie in jedem Fall behalten wollen und ob es Leistungen gibt, auf die Sie zugunsten eines günstigeren Beitrags verzichten würden. Reicht Ihnen beispielsweise ein Zweibettzimmer statt eines Einbettzimmers im Krankenhaus?

Es hilft bei solchen Überlegungen, die Leistungen des eigenen Vertrags zu kennen. Machen Sie sich also in den Tarifbedingungen schlau.

Fordern Sie ein kostenfreies Angebot Ihrer Versicherung an

Im nächsten Schritt fordern Sie Ihre Versicherung schriftlich dazu auf, Sie zum Tarifwechsel zu beraten. Die Beratung ist kostenlos und die Versicherung gesetzlich verpflichtet, dabei auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen (§ 6 VVG).

Damit die Versicherung Ihnen geeignete Alternativen zu Ihrem bisherigen Tarif vorschlägt, sollten Sie deutlich machen, welches Ziel Sie mit dem Tarifwechsel verfolgen und welche Punkte Ihnen bei Ihrem Versicherungsschutz besonders wichtig sind. Als Vorlage können Sie unser Musterschreiben verwenden.

Lassen Sie sich nicht telefonisch abwimmeln oder zu einem Besuch von einem Versicherungsvertreter überreden. Bestehen Sie auf einem schriftlichen Angebot. So können Sie in Ruhe abwägen, ob sich der Tarifwechsel lohnt.

24 private Krankenversicherer haben sich in einer verbindlichen Leitlinie dazu verpflichtet, Kunden besser beim Tarifwechsel zu helfen. Darin heißt es: „Im Rahmen der Beratung beim Tarifwechsel hat der Versicherte einen Anspruch auf eine verständliche Darstellung, welche Mehr- und Minderleistungen mögliche Zieltarife gegenüber seinem bestehenden Versicherungsschutz aufweisen.“ Außerdem müsse er erfahren, welche Beitragsunterschiede damit einhergehen und ob im Zieltarif eine Risikoprüfung nötig ist.

Will die Versicherung einen Risikozuschlag erheben, muss sie darüber informieren, wie sich der Zuschlag vermeiden lässt und welche Folgen es hat, wenn der Kunde auf bestimmte Leistungen verzichtet. Und schließlich heißt es in der Leitlinie: „Steht in einem Zieltarif eine Beitragsanpassung fest, weist das Versicherungsunternehmen den Versicherten darauf hin. Auf Wunsch des Kunden wird die Beratung dokumentiert.“

Darüber hinaus verpflichten sich die Versicherungen, Anfragen zum Tarifwechsel innerhalb von 15 Tagen zu bearbeiten und Kunden ab 55 Jahren automatisch über ihr Wechselrecht zu informieren.

Zwar haben die Anbieter grundsätzlich wenig Anreiz, den Kunden beim Tarifwechsel optimal zu helfen – schließlich bekommen sie dann weniger Geld für dieselbe Leistung. In einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg waren aber 77 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Wechselservice ihrer Versicherungsgesellschaft.

Falls es doch mal hakt, bleiben Sie hartnäckig. Setzen Sie der Versicherung eine Frist für die Antwort auf Ihre Wechselanfrage. Zieht sich der Tarifwechsel über Monate hin, können Sie verlangen, dass Ihr Tarif und damit auch der Beitrag rückwirkend umgestellt werden.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Tarifwechsel gemacht? Berichten Sie davon gerne in unserer Community.

Vergleichen Sie die Leistungen von altem und neuem Tarif

Auch wenn zwei Tarife ähnliche Leistungen bieten – identisch sind sie so gut wie nie. Damit Sie nicht unwissentlich auf wichtige Leistungen verzichten, ist es sinnvoll, die verschiedenen Tarife genau zu vergleichen. Als Grundlage dafür sollte die Versicherung Ihnen verständlich gegenüberstellen, wie sich der empfohlene Zieltarif von Ihrem bisherigen Versicherungsschutz unterscheidet.

Schauen Sie genau hin. Denn der Verzicht auf Leistungen ist häufig schwer wieder rückgängig zu machen. Welche Leistungen wir bei der privaten Krankenversicherung für besonders wichtig halten, haben wir für Sie in einer Übersicht (PDF) zusammengestellt.

Lassen Sie sich nicht abschrecken, falls die Versicherung für bestimmte Leistungen im neuen Tarif einen Risikozuschlag erhebt. Mehr Beitrag darf sie aber nur verlangen, wenn der neue Tarif umfassendere Leistungen enthält als Ihr bisheriger Vertrag. In einem solchen Fall sollten Sie abwägen, ob es sich lohnt, den Aufschlag in Kauf zu nehmen, oder andernfalls einfach auf die Extras verzichten. Dann können Sie ohne Zuschlag in den Tarif wechseln.

Wichtig zu bedenken: Es gibt keine Garantie, dass Sie im neuen Tarif dauerhaft sparen. Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder deutlich steigen, falls sich die Kosten im neuen Tarif ungünstig entwickeln. Verzichten Sie deshalb zugunsten eines niedrigen Beitrags keinesfalls auf wichtige Leistungen und wägen Sie ab, ob die mögliche Ersparnis durch einen Wechsel gerechtfertigt ist.

Wenn Sie sich Hilfe beim Vergleich der Leistungen wünschen oder das Gefühl haben, die Versicherung schlägt Ihnen keine geeigneten Tarife vor, können Sie sich beim Tarifwechsel unterstützen lassen. Spezialisierte Versicherungsmakler und -berater sowie die Verbraucherzentralen beraten zu dem Thema und haben häufig einen guten Überblick über die verschiedenen Tarifoptionen und deren Unterschiede.

Vorsicht beim Wechsel in einen Unisex-Tarif

Bis zum 21. Dezember 2012 richtete sich der Beitrag in der privaten Krankenversicherung auch nach dem Geschlecht. Wenn Sie noch in einem alten, sogenannten Bisex-Tarif versichert sind, sollten Sie sich den Wechsel in einen neueren Unisex-Tarif gut überlegen. Einmal in einem Unisex-Tarif, in dem Frauen und Männer den gleichen Beitrag zahlen, gibt es kein Zurück mehr in die alten Tarife. Das kann besonders für Männer nachteilig sein, die von der geschlechtsabhängigen Berechnung profitiert haben.

Falls Sie befürchten, sich irgendwann nur noch einen minimalen PKV-Schutz leisten zu können, sollten Sie ebenfalls nur innerhalb von Bisex-Tarifen wechseln. So behalten Sie die Möglichkeit, notfalls in den günstigen Standardtarif zu gehen. Aus dem Unisex-Tarif heraus ist nur ein Wechsel in den Basistarif möglich, der teurer ist.

Selbstbehalt nur in Maßen erhöhen

Eine simple Möglichkeit, beim PKV-Beitrag zu sparen, ist ein höherer Selbstbehalt. Der lohnt sich vor allem für Selbstständige; Angestellte müssen die Beitragsersparnis mit ihrem Arbeitgeber teilen.

Allerdings sollten Sie sich absolut sicher sein, dass Sie das Geld für den Eigenanteil auch im Rentenalter übrig haben. Denn den Selbstbehalt wieder zu reduzieren, ist in der Regel nur schwer möglich. Er kann sogar noch steigen, denn der Versicherer darf den Selbstbehalt auch erhöhen.

Beachten Sie außerdem, dass Sie den Selbstbehalt im Gegensatz zu den Krankenversicherungsbeiträgen nicht voll von der Steuer absetzen können. Das kann die Ersparnis schmälern.

Wer hilft beim Tarifwechsel?

Einen Überblick im Tarifdschungel der privaten Krankenversicherung zu behalten, ist nicht immer ganz einfach. Sie können sich deshalb fachkundige Unterstützung für den Tarifwechsel holen. Das gilt zum Beispiel, wenn Ihr Versicherer behauptet, es gebe keinen Tarif, in den Sie wechseln könnten.

Option 1: Kostenlose Beratung bei Ihrem Versicherungsmakler

Eine mögliche Anlaufstelle für kostenfreie Unterstützung beim Tarifwechsel ist der Versicherungsmakler, bei dem Sie Ihre private Krankenversicherung abgeschlossen haben. Er ist verpflichtet, Sie auch nach dem Vertragsabschluss zu betreuen und bekommt dafür jedes Jahr eine laufende Vergütung.

Und das ist die Krux bei der Sache. Der Makler verdient mit dem Tarifwechsel nichts zusätzlich. Daher können Sie sich nicht immer darauf verlassen, dass er sich die notwendige Zeit nimmt und Sie neutral berät, gerade, was den Einschluss von besseren Leistungen angeht.

Option 2: Beratung gegen Honorar

Wenn Sie sich bei Ihrem Versicherungsvermittler nicht gut aufgehoben fühlen, können Sie sich von einem Versicherungsberater oder auch einem Versicherungsmakler gegen ein Honorar beraten lassen. Er sollte auf das Thema private Krankenversicherung spezialisiert sein und viel Erfahrung mit Tarifwechseln nachweisen können.

Die Berater rechnen in der Regel entweder nach Aufwand ab, beispielsweise mit einem Stundensatz, oder bekommen nach einem erfolgreichen Tarifwechsel einen Teil Ihrer Ersparnis. Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Honorarmodelle erläutern wir weiter unten.

Auch einige Verbraucherzentralen bieten eine Tarifwechsel-Beratung an. Diese kosten oft weniger als das Honorar für einen Versicherungsberater oder -makler.

Der Berater hilft Ihnen nicht nur, den für Sie passendsten und günstigsten Tarif zu finden. Er übernimmt auch die weitere Korrespondenz mit der Versicherung. Das spart Zeit und Nerven. Manchmal erhebt die Versicherung Risikozuschläge für bestimmte zusätzliche Leistungen, die entweder zu hoch oder gar nicht gerechtfertigt sind. Über diese kann der Versicherungsberater mit dem Anbieter verhandeln und sie bestenfalls abwenden. Allerdings kann auch ein Versicherungsberater nicht in jedem Fall einen geeigneten Tarif für den Wechsel finden.

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Worauf sollte ich bei der Beratung achten?

Wichtig ist, dass der Berater Ihnen die Unterschiede zwischen Ihrem bisherigen Tarif und den möglichen Alternativen genau erklärt. Er sollte aufzeigen, welche Leistungen sich bei einem Tarifwechsel verschlechtern oder verbessern würden. Bestehen Sie außerdem auf einer verständlichen, schriftlichen Übersicht über die Leistungen und Unterschiede der Tarife. So können Sie die Vor- und Nachteile eines Wechsels in Ruhe abwägen.

Manchmal wird empfohlen, einen Teil des gesparten Geldes in einen Beitragsentlastungstarif zu investieren. Mit einem solchen Tarif können Privatversicherte zusätzliche Rücklagen bilden, die im Alter die Beiträge zur Krankenversicherung um eine bestimmte Summe reduzieren.

Wir halten solche Zusatzversicherungen zur Beitragsentlastung nur in Einzelfällen für sinnvoll – etwa wenn der Arbeitgeber miteinzahlt. Schließen Sie einen solchen Tarif deshalb nicht leichtfertig ab und lassen Sie sich ausführlich zu Vor- und Nachteilen beraten.

Die Frage der Honorargestaltung

Wann ein Honorar fällig wird und wie hoch es ausfällt, unterscheidet sich je nach Tarifwechsel-Berater und ist nicht festgelegt. Grundsätzlich gibt es zwei Konzepte, die beide Vor- und Nachteile haben:

Das erfolgsabhängige Honorar

Bei diesem Modell zahlen Sie nur, wenn der Berater Ihnen zu einem günstigeren Tarif verhilft: Er bekommt in der Regel einen Teil des Beitrags, den Sie im ersten Jahr sparen. Falls der Berater keinen Tarif findet, in den Sie wechseln wollen, kostet die Beratung nichts.

Bei diesem Modell sollten Sie in der Honorarvereinbarung festhalten, dass der neue Tarif in allen Bereichen mindestens gleichwertige Leistungen wie Ihr bisheriger aufweisen muss.

Nennen Sie auch gleich zu Beginn der Beratung die Leistungen, die Ihnen besonders wichtig sind und auf die Sie keinesfalls verzichten wollen.

Möchten Sie beispielsweise auch weiterhin nur eine geringe Selbstbeteiligung zahlen, erwähnen Sie das ebenfalls. Leistungseinschränkungen können Sie später immer noch zustimmen, sollten sich diese aber grundsätzlich gut überlegen.

Wichtig ist, dass in das Honorar auch einberechnet wird, ob durch den Tarifwechsel der Selbstbehalt steigt, der Zuschuss des Arbeitgebers sinkt oder Sie eine geringere Beitragsrückerstattung bekommen. Denn das schmälert die tatsächliche Ersparnis.

Der Vorteil des Erfolgshonorars liegt ganz klar darin, dass es kein finanzielles Risiko gibt: Sie können Ihren Tarif kostenlos überprüfen lassen.

Der Nachteil besteht in dem hohen Anreiz für den Berater, Sie nicht neutral zu beraten, sondern so, dass er ein möglichst hohes Honorar bekommt. Da die Versicherungsbedingungen so komplex sind, kann er Sie zum Wechsel in einen billigeren, aber für Sie nachteiligen Tarif verführen, ohne dass Sie es merken.

Unseriöse Anbieter arbeiten mit diesem Modell, um eine möglichst hohe Ersparnis und damit ein möglichst hohes Honorar zu erhalten. Lassen Sie sich deshalb keinesfalls dazu drängen, in einen Tarif mit geringeren Leistungen zu wechseln oder den Selbstbehalt drastisch zu erhöhen.

Und behalten Sie im Hinterkopf, dass der Berater Ihnen die berechnete Ersparnis nicht dauerhaft garantieren kann: Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder steigen. Eine Rückkehr zu einem Tarif mit besseren Leistungen oder einer geringeren Selbstbeteiligung ist häufig nur schwer möglich.

Außerdem wichtig zu wissen: Wenn Sie sich gegen einen Tarifwechsel entscheiden, zahlen Sie erstmal nichts. Überlegen Sie es sich jedoch anders und wechseln innerhalb einer bestimmten Frist nach der Beratung in einen der empfohlenen Tarife, wird das Erfolgshonorar fällig – unabhängig davon, wer sich letztlich darum gekümmert hat, den Vertrag umzustellen. In der Regel beträgt diese Frist 24 Monate. Honorarvereinbarungen, die Sie länger als zwei Jahre an einen Berater binden, sollten Sie nicht akzeptieren.

Das pauschale oder zeitbezogene Honorar

Im Gegensatz zum erfolgsabhängigen Modell bekommt der Berater in diesem Fall Geld je nach Aufwand. Entweder nennt er vorab einen festen Preis für die Überprüfung Ihres Tarifs oder er rechnet nach Arbeitsstunden ab. Auch wenn er keinen passenden Tarif für Sie findet, müssen Sie ein Honorar zahlen. Lassen Sie sich deshalb auf jeden Fall immer genau über den Fortgang seiner Recherche informieren. Oft ist relativ früh klar, dass ein Tarifwechsel nicht infrage kommt – dann sollten Sie die Beratung abbrechen.

Der Vorteil dieses Konzepts liegt darin, dass der Berater keinen Anreiz hat, Ihnen einen ungünstigen Tarif zu empfehlen. Er wird in jedem Fall für seine Arbeit bezahlt und kann Sie neutral und objektiv beraten. Es schadet auch nicht seinem Geldbeutel, wenn er Ihnen von billigen Tarifen mit schlechteren Leistungen abrät oder Sie auch auf Tarife mit geringer Beitragsersparnis, aber deutlich besserem Versicherungsschutz hinweist.

Der Nachteil besteht in Ihrem finanziellen Risiko: Sie müssen auf alle Fälle Geld in die Hand nehmen, ohne zu wissen, ob und wie viel Sie am Ende bei der Krankenversicherung sparen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Berater kostenlos eine erste Einschätzung dazu anbietet, ob sich ein Tarifwechsel in Ihrer Situation lohnt.

Rechnet der Berater nicht nach Arbeitsstunden, sondern pauschal ab, sollten Sie einzelne Arbeitspakete vereinbaren, die Sie jeweils separat bezahlen. So müssen Sie nicht mit dem gesamten Honorar in Vorleistung gehen, sondern können nach jedem Beratungsschritt abwägen, ob Sie weitermachen wollen. Klären Sie in jedem Fall gleich zu Beginn die zu erwartende Honorarspanne.

Warum können ähnliche Tarife unterschiedlich teuer sein?

Krankenversicherungen werden mit der Zeit immer teurer. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Ursachen: Zum einen entwickelt sich die Medizin stetig weiter, und modernere Therapien haben eben ihren Preis. Zum anderen steigt die Lebenserwartung, wodurch die Menschen immer länger höhere Gesundheitskosten verursachen.

Zwar bildet jede private Krankenversicherung sogenannte Altersrückstellungen, die verhindern, dass die Beiträge im Alter explodieren. Steigen werden sie dennoch.

Wie sich die Beiträge einzelner Tarife entwickeln, kann selbst innerhalb eines Versicherungsunternehmens höchst unterschiedlich sein. Das liegt daran, dass in der privaten Krankenversicherung jeweils alle gleichaltrigen Versicherten innerhalb eines Tarifs die Gesundheitskosten unter sich ausmachen. So können Tarife mit ähnlichen Leistungen unterschiedlich teuer sein, je nachdem wie gesund die Versicherten dort sind.

Besonders extreme Preisunterschiede gibt es bei Versicherern, die regelmäßig neue, sehr günstige Tarife auf den Markt bringen. So versuchen sie, neue Kunden anzulocken. Doch wenn der Anbieter den Preis zu knapp kalkuliert hat, muss er die Beiträge später besonders stark anheben.

Das führt dazu, dass gesunde Kunden den Tarif verlassen. Diese sind eher bereit, den Tarif zu wechseln als Kranke – obwohl jeder das Recht auf einen Tarifwechsel hat, unabhängig vom Gesundheitszustand. Wenn aber Gesunde einen Tarif verlassen, verbleiben anteilig mehr Kranke, wodurch die Beiträge noch stärker steigen.

Nicht immer sind die Beitragssteigerungen jedoch rechtens. Die Versicherungen müssen bestimmte gesetzliche Vorgaben beachten. Wie Sie prüfen lassen können, ob Ihr Anbieter diese eingehalten hat, erklären wir in unserem Ratgeber Beitragssteigerung.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.