Arbeitszeugnis Formulierungen

Jeder hat das Recht auf eine wohlwollende Beurteilung

Eric Brandmayer Stand: 15. September 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf ein Arbeitszeugnis, wenn er das Unternehmen verlässt.
  • Bei einem Wechsel des Vorgesetzten können Sie immer ein Zwischenzeugnis verlangen.
  • Weisen Sie den Arbeitgeber darauf hin, dass Sie ein Zeugnis haben möchten, da er ohne Aufforderung keines erstellen muss.
  • Lassen Sie sich das Zeugnis immer als Entwurf geben und prüfen Sie genau, wie Ihr Arbeitgeber Ihre Leistungen bewertet hat. Achten Sie auf die Zeugnissprache, die Schulnoten entspricht.
  • Sind Sie mit den Bewertungen nicht einverstanden, fordern Sie den Arbeitgeber auf, nachzubessern.

Wenn es im alten Job nicht mehr so richtig läuft oder man einfach mal wieder eine neue Firma kennenlernen will, ist die Zeit für einen neuen Job gekommen. Neben dem Lebenslauf gehören Arbeitszeugnisse bisheriger Arbeitgeber zu den wichtigsten Bewerbungsunterlagen. Arbeitnehmer haben die Wahl zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis.

Formale Anforderungen an ein Arbeitszeugnis

Bei einem einfachen Arbeitszeugnis vermerkt der Arbeitgeber nur die Art und Dauer der Tätigkeit. Es ist allerdings ratsam, immer auf ein qualifiziertes Zeugnis zu bestehen, da darin neben Ihren Qualifikationen und fachlichen Leistungen auch Ihr Sozialverhalten bewertet wird. Das sind für einen potenziellen neuen Arbeitgeber interessante Aspekte.

Das Zeugnis muss in gedruckter Form vorliegen, also nicht bloß per E-Mail versandt werden. Auch ein handschriftliches Zeugnis ist nicht erlaubt. Es muss „klar und verständlich“ formuliert sein (§ 109 GewO). Das bedeutet, dass keine versteckte Geheimsprache erlaubt ist. Der Arbeitgeber darf Sie nicht in den Himmel loben, wenn Ihre Leistungen nicht dementsprechend waren. Im Gegensatz ist es ebenfalls nicht zulässig, Sie schlechter zu beurteilen, als die Leistungen waren.

Das Zeugnis sollte auf ordentlichem Geschäftspapier gedruckt sein. Weder Flecken noch ein verknittertes Papier müssen Sie hinnehmen. Das qualifizierte Zeugnis sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Überschrift: Arbeitszeugnis
  • Stammdaten wie Name, Geburtsdatum und Wohnort
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Beurteilung Ihrer Leistung (Arbeitsbereitschaft, Fähigkeiten und Kenntnisse, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, eventuelle Führungskompetenzen)
  • Beurteilung Ihres Sozialverhaltens
  • Beendigungsgrund (der Mitarbeiter muss zustimmen)
  • Danksagung (optional, aber wichtig)
  • Unterschrift des Vorgesetzten und Firmendaten

Datum - Auf das Schreiben gehört das Datum des Tages, an dem es ausgestellt worden ist. Zeugnisse dürfen also nicht vor- oder rückdatiert werden. Werden sie erst nachträglich ausgestellt – zum Beispiel, weil Sie erst einige Zeit nach Ihrem Ausscheiden aus dem Betrieb ein Zeugnis verlangen –, ist auch dann das Datum der Ausstellung zu verwenden. Allerdings müssen Sie den Arbeitgeber um ein Zeugnis bitten. Von sich aus ist er nicht verpflichtet, eins auszustellen.

Unterschrift - Der Arbeitgeber muss das Zeugnis unterschreiben - bei einer GmbH also grundsätzlich ein Geschäftsführer, bei einer Aktiengesellschaft ein Vorstand. Der Arbeitgeber darf das Zeugnis aber auch von einem Vertreter unterzeichnen lassen. Das kann der direkte Vorgesetzte oder ein Pesonalleiter oder Personalverantwortlicher sein. Dann muss im Zeugnis aber dessen Funktion angegeben sein und dass er als Vertreter des Arbeitgebers handelt (LAG Schleswig-Holstein, Beschluss vom 23. Juni 2016, Az. 1 Ta 68/16).

Leistungsbeurteilung - Ein Zeugnis muss wohlwollend sein. Das heißt, dass die Beurteilung Ihnen die Jobsuche nicht erschweren soll. Ein Beispiel: Der Arbeitgeber darf Abmahnungen und die ihnen zugrunde liegenden Sachverhalte nicht erwähnen, selbst wenn sie zur Kündigung geführt haben. Üblich sind Schlussfloskeln wie „Wir danken für die gute Zusammenarbeit und wünschen Herrn/Frau ... für die Zukunft alles Gute" oder „Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn/Frau...“. Gut wäre auch „ Wir wünschen Ihr weiterhin viel Erfolg“ und nicht nur „Wir wünschen Ihr viel Erfolg“, denn das deutet an, dass Sie bisher keinen Erfolg hatten. Einen Anspruch auf einen solchen Schlusssatz haben Arbeitnehmer allerdings nicht, entschied das Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 20. Februar 2001, Az. 9 AZR 44/00).

Die Ausgangsnote für ein Zeugnis ist die Note 3, also befriedigend. Stellt Ihnen der Arbeitgeber ein Zeugnis mit dieser Note aus und Sie sind damit nicht einverstanden, müssen Sie beweisen, dass Sie eine bessere Note verdient haben. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (Urteil vom 18. November 2014, AZ. 9 AZR 584/13). Im Gegensatz dazu muss Ihr Arbeitgeber bei einem schlechteren Zeugnis Beweise haben, dass Ihre Arbeitsleistung wirklich schwächer war. Laut einer Untersuchung des Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg sind fast 90 Prozent der untersuchten Arbeitszeugnisse Note 1 oder 2.

Zeugnis selbst schreiben

Einige Chefs machen es sich einfach und lassen den Arbeitnehmer selbst ein Zeugnis schreiben. Trifft das auf Ihren Fall zu, dann haben Sie die Chance, das reinzuschreiben, was Sie gerne drin hätten. Sie sollten sich selbst nicht in den höchsten Tönen loben, aber auch nicht zu bescheiden sein.

Wann Sie ein Zwischenzeugnis fordern können

Sie haben einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Es muss ein triftiger Grund für eine Beurteilung vorliegen. Als solcher gilt zum Beispiel, wenn Ihr langjähriger Chef das Unternehmen verlässt. Denn nachdem Ihr Vorgesetzter ausgeschieden ist, gibt es oft niemanden mehr, der ein Zeugnis kompetent ausstellen könnte.

In einem solchen Fall hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden, dass ein Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis verlangen darf, weil sonst für längere Zeit niemand da wäre, der ihn beurteilen könnte (Urteil vom 1. Oktober 1998, Az. 6 AZR 176/97). Aus demselben Grund hat ein Arbeitnehmer vor einer Elternzeit das Recht, ein Zwischenzeugnis zu verlangen. Schließlich weiß er nicht, was für Umstände er bei seiner Wiederkehr vorfindet.

Soll die Firma verkauft werden, haben Sie zu mindestens bei einem persönlich geführten Unternehmen die Möglichkeit, ein Zwischenzeugnis zu verlangen. Falls Sie um ein solches bitten, könnte Ihr Chef allerdings denken, dass Sie das Unternehmen verlassen möchten, auch wenn das gar nicht der Fall ist.

Wichtig ist, dass der Arbeitgeber an die Bewertung des Zwischenzeugnisses gebunden ist und nicht einfach ein sehr viel schlechteres Endzeugnis ausstellen kann. Er kann vom Zwischenzeugnis nur abweichen, wenn die späteren Leistungen und das spätere Verhalten des Arbeitnehmers das auch rechtfertigen (BAG, Urteil vom 16. Oktober 2007, Az. 9 AZR 248/07)

Was Zeugnissprache bedeutet

Anders als man es aus den Schul- oder Hochschulzeugnissen kennt, stehen in einem Arbeitszeugnis keine Noten. Allerdings lassen sich die niedergeschriebenen Aussagen wie Noten werten. „Er hat sich stets bemüht“ klingt zwar im ersten Moment gut, bedeutet aber, dass derjenige zwar Einsatz gezeigt, aber dennoch keine gute Arbeit geleistet hat. Andere Arbeitgeber lesen das als Note 4.

Im Folgenden ein Überblick über verschiedene Beurteilungsbereiche:

  • Bewertung der Leistungsbereitschaft
    Note 1: Sie zeigte stets ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft.
    Note 2: Sie zeigte stets eine hohe Leistungsbereitschaft und Pflichtauffassung.
    Note 3: Sie zeigte Einsatzbereitschaft.
    Note 4: Sie zeigte auch Einsatzbereitschaft.
  • Bewertung des Sozialverhaltens
    Note 1: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit vorbildlich.
    Note 2: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei.
    Note 3: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei.
    Note 4: Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war korrekt und ohne Beanstandung.
    Note 5: Es erübrigt sich zu betonen, dass sein Betragen gegenüber den Vorgesetzten und Kollegen unbelastet war.
  • Gesamtbewertung
    Note 1: Seine Leistungen fanden stets unsere vollste Zufriedenheit.
    Note 2: Ihre Leistungen fanden stets unsere volle Zufriedenheit.
    Note 3: Seine Leistungen fanden unsere volle Zufriedenheit.
    Note 4: Ihre Leistungen fanden unsere Zufriedenheit.
    Note 5: Die ihm übertragenen Aufgaben erledigte er in der Regel zu unserer Zufriedenheit.

Fehlt ein Abschnitt im Arbeitszeugnis, ist das wie ein betretenes Schweigen zu werten und vergleichbar mit Note 5.

Zeugnisklage vor dem Arbeitsgericht

Weigert sich der Arbeitgeber, Ihnen ein Zeugnis auszustellen, können Sie beim Arbeitsgericht klagen. Hat er zwar ein Zeugnis ausgestellt, das Ihrer Ansicht nach jedoch nicht gut genug ausgefallen oder nicht im sauberen Zustand ist, ist ebenfalls eine Zeugnisklage möglich. Sie dürfen aber dem Arbeitgeber von vornherein bestimmte Formulierungen im Zeugnis nicht vorschreiben. Im Zweifel müssen Sie erst abwarten, welches Zeugnis Sie bekommen und dann gegebenenfalls klagen. Lassen Sie sich vorher am besten von der Rechtsberatung einer Gewerkschaft oder einer anderen berufsständischen Vertretung, in der Sie Mitglied sind, beziehungsweise von einem Anwalt dazu beraten.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

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Autor
Eric Brandmayer

Stand: 15. September 2016


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