Tipps & Tricks

Was ist dran? 6 Börsenweisheiten im Finanztip-Check

Rund ums Thema Börse kursieren jede Menge Sprichwörter. Wir erklären Dir, welche davon für Deine Geldanlage hilfreich sind – und welche Du besser ignorierst.

Nadine Graf
Von Nadine Graf , Larissa Glas und Joanna Chmielecki
Was ist dran? 6 Börsenweisheiten im Finanztip-Check

Aus unserer Unterstützer-Community erreicht uns diese Woche die Frage:

“Könnt Ihr bitte einmal sogenannte Börsenweisheiten besprechen, z. B. ‘Sell in May and go away’, ‘Viel hin und her macht Taschen leer’ oder ‘Think global, buy local’, ...?”

Machen wir – los geht’s mit drei Sprüchen, die Du lieber nicht wörtlich nehmen solltest:

1. “Sell in May and go away”

Die Idee: Du verkaufst Deine ETFs im Mai und steigst im Herbst wieder ein, weil es an der Börse im Sommer oft schlechter läuft. Das mag in manchen Jahren funktioniert haben – eine verlässliche Regel lässt sich daraus aber nicht ableiten. 

Außerdem: Selbst wenn Du damit schlechte Börsentage vermeidest, verpasst Du sehr wahrscheinlich auch Tage mit besonders hohen Kursgewinnen.

Dazu kommt: Bei jedem Verkauf können Steuern auf Deine Gewinne anfallen. Deshalb ist es in der Regel besser, langfristig investiert zu bleiben, statt auf bestimmte Börsenmonate zu setzen. Wir empfehlen Dir, über mindestens 15 Jahre einen breit gestreuten Welt-ETF z. B. auf den MSCI ACWI IMI zu besparen.

2. “Kaufen, wenn die Kanonen donnern”

In Krisenzeiten geht es oft auch an den Börsen bergab. Du kannst Aktien und ETFs dann also zu niedrigeren Kursen kaufen. Der Spruch klingt also erstmal einleuchtend. Wie bei "Sell in May and go away" handelt es sich aber um Market-Timing, von dem wir Dir abraten: Du weißt nie, ob die Kurse schon ihren Tiefpunkt erreicht haben oder noch weiter fallen. 

Hast Du Geld zum Investieren, solltest Du deshalb nicht auf den nächsten Kursrutsch warten. Denn den perfekten Einstiegszeitpunkt wirst Du kaum treffen – und solange Dein Geld nicht investiert ist, verpasst Du mögliche Rendite.

Warte deshalb nicht auf einen besonders günstigen Einstiegszeitpunkt, sondern fang so früh wie möglich mit dem ETF-Sparen an. Denn solange Dein Geld nicht investiert ist, verpasst Du mögliche Rendite

Außerdem: Wenn Du mit einem ETF-Sparplan kontinuierlich dran bleibst, kaufst Du bei niedrigen Kursen für dieselbe Sparrate automatisch mehr Anteile.

3. “Think global, buy local”

Für Deine langfristige Geldanlage ist der zweite Teil dieses Spruchs keine gute Idee: Du solltest Dich nicht auf Deine Heimatregion beschränken. Denn wenn Du nur in deutsche oder europäische Unternehmen investierst, hängst Du stärker von der Entwicklung einzelner Regionen ab.

Du bist durch Deinen Wohnsitz und Job ohnehin von der deutschen Wirtschaft abhängig. Mit einem Welt-ETF, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer abdeckt, streust Du Deine Geldanlage dagegen über viele Länder und Unternehmen. ETFs z. B. auf den DAX oder den MSCI Europe eignen sich aus unserer Sicht deshalb höchstens als kleine Beimischung zu einem weltweit gestreuten Portfolio. 

Diese oben genannten Börsenweisheiten solltest Du also mit Vorsicht genießen. Bei den nächsten drei Sprüchen steckt dagegen ein sinnvoller Grundgedanke dahinter:

4. “Bullen- und Bärenmärkte gehören dazu”

Anders gesagt: An der Börse gibt es sowohl Phasen mit steigenden Kursen (Bullenmärkte) als auch Phasen mit deutlich fallenden Kursen (Bärenmärkte). Das gehört zum Investieren dazu. Von fallenden Kursen solltest Du Dich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen.  

Denn unsere Analysen zeigen: Wenn Du mit einem Welt-ETF mindestens 15 Jahre investiert bleibst, kannst Du auch turbulente Zeiten aussitzt und auf lange Sicht im Schnitt 6 % Rendite pro Jahr machen.

Wichtig ist deshalb, dass Du nur Geld anlegst, das Du mindestens 15 Jahre nicht brauchst. Schulden abzubauen und Deinen Notgroschen aufzubauen, hat Vorrang vor dem Vermögensaufbau mit ETFs.

5. “Viel hin und her macht Taschen leer”

Dieses Sprichwort passt ziemlich gut zu unserer Anlagestrategie: Statt ständig auf steigende oder fallende Kurse zu reagieren, solltest Du langfristig investiert bleiben und Deine Strategie nicht oder nur sehr selten wechseln. Denn häufiges Kaufen und Verkaufen kann Kosten verursachen – und wenn Du mit Gewinn verkaufst, können zusätzlich Steuern fällig werden. 

Außerdem läufst Du Gefahr, genau die Börsentage zu verpassen, an denen die Kurse besonders stark steigen. Kurz gesagt: Einfach investiert zu bleiben ist meistens die bessere Strategie.

6. “Nicht alle Eier in einen Korb legen”

An diesem Klassiker ist viel dran: Statt Dein Geld in Einzelaktien zu investieren, solltest Du Deine Anlage möglichst breit streuen. ETFs machen Dir das einfach, weil sie auf einen Schlag in viele verschiedene Wertpapiere investieren können. 

Mit einem breit gestreuten Alle-Länder-ETF wie z. B. dem State Street SPDR MSCI ACWI IMI (ISIN: IE00B3YLTY66 oder IE000DD75KQ5) bist Du aus unserer Sicht gut aufgestellt. Einen Überblick über unsere Empfehlungen gibt Dir unser ETF-Vergleich.  

Unser Fazit: 

Verlass Dich beim Investieren nicht auf eingängige Börsensprüche. Viel wichtiger sind ein langer Anlagehorizont, breite Streuung und eine Strategie, die Du auch bei fallenden Kursen durchhältst.

Damit Du in ETFs investieren kannst, brauchst Du ein Depot. In unserem Depot-Vergleich schneiden das Traders Place Depot (beste Preis-Leistung) und das Comdirect Depot (beste Leistung) aktuell am besten ab. 

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