Mobile Payment

Bezahlen mit dem Handy soll das Leben leichter machen

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit
06. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Beim mobilen Bezahlen nutzt Du an der Kasse Dein Handy zum Bezahlen.
  • Du benötigst ein besonderes Programm (eine App) auf Deinem Handy. Das kann entweder die Banking-App Deiner Bank oder Sparkasse sein oder eine Zahlungs-App von Anbietern wie Apple oder Google.
  • Wie Du Mobile Payment genau nutzen kannst, hängt davon ab, bei welcher Bank Du ein Girokonto hast, und mit welchem Betriebssystem (Apple oder Android) Dein Handy läuft.
    • Die Händler erhalten keine Kartendaten, wenn Du mit dem Smartphone bezahlst.
So gehst Du vor
  • Informier Dich bei Deiner Bank, welche Möglichkeiten des mobilen Bezahlens sie anbietet. Lad dann die entsprechende App auf Dein Handy.
  • Ist Deine Bank noch nicht beim mobilen Bezahlen dabei, installier die App eines Drittanbieters wie Boon oder Vimpay.
  • Sicher auf jeden Fall Dein Handy ab: mit PIN oder Fingerabdruck. Installier außerdem einen Virenschutz.
  • Schalte die NFC-Funktion auf dem Smartphone ein.
  • Sag vor dem Bezahlen an der Kasse Bescheid, dass Du per Karte zahlen willst. Halt das Handy an das Bezahlterminal. Kassierer können den Hinweis zur Karte zurzeit noch leichter einordnen als den zum Bezahlen mit dem Handy.

Mobile Payment, also das Bezahlen mit dem Handy an der Ladenkasse, hat in Deutschland lange auf sich warten lassen. Zu kleinteilig war der Markt, zu wenige Akzeptanzstellen gab es. Doch seit 2018 hat das mobile Bezahlen an Fahrt gewonnen. Die großen Anbieter aus den USA sind da, und die Sparkassen und Volksbanken spielen auch mit.

Was ist Mobile Payment?

Anstatt an der Kasse mit Bargeld oder Karte zu zahlen, nutzt Du dafür Dein für das Bezahlen eingerichtete Smartphone. Du musst das Handy nur kurz an das Terminal halten, Terminal und Smartphone machen den Rest.

Sag vor dem Bezahlen Bescheid, dass Du per Karte zahlen willst. Für die Terminals macht es keinen Unterschied, ob Du mit einer Kredit- oder Girokarte oder dem Handy bezahlst. Da das Bezahlen mit dem Smartphone noch wenig verbreitet ist, sorgt der Hinweis zur Kartenzahlung jedoch für weniger Verwirrung bei den Kassierern.

Damit das Bezahlen mit dem Handy funktioniert, muss das Smartphone NFC-fähig sein. Hinter dem Kürzel steckt der Begriff Near Field Communication, auf Deutsch Nahfeldkommunikation. Das ist der Übertragungsstandard, der das kontaktlose Bezahlen mit Kreditkarte oder Handy möglich macht.

Große Datenmengen lassen sich mit NFC nicht übertragen, und die Reichweite beträgt nur wenige Zentimeter. Deshalb ist NFC perfekt geeignet, um Zahlungsdaten zwischen einem Smartphone und einem Kassenterminal auszutauschen. Zudem sichern die Anbieter die Apps zum Bezahlen auf unterschiedliche Weise ab, um zu verhindern, dass das Handy von Unbefugten dafür genutzt wird.

Zum Bezahlen mit dem Handy gehört zudem eine App. Diese kann von Deiner Bank kommen oder von Anbietern wie Google oder Apple. In der App muss eine Bankkarte hinterlegt sein, das heißt die App kann auf die Karte zugreifen und Geld abbuchen.

Die NFC-Funktion des Handys muss eingeschaltet sein. Eine Internetverbindung brauchst Du dagegen in der Regel nicht. Nach mehrmaligen Offline-Zahlungen musst Du jedoch wieder einmal beim Bezahlen eine Internetverbindung haben, damit Du danach weiter ohne Internet mobil bezahlen kannst.

Das mobile Bezahlen ist nicht auf Smartphones beschränkt. Inzwischen gibt es auch sogenannte Wearables, zum Beispiel Uhren, mit denen Du an der Ladenkasse bezahlen kannst, indem Du sie an das Bezahlterminal hältst.

Das NFC-Symbol

Wo kannst Du mit dem Smartphone mobil bezahlen?

Viele große Supermarktketten akzeptieren inzwischen nicht nur Kreditkarten- sondern auch NFC-Zahlungen. Dabei ist es egal, ob Du eine Plastikkarte oder das Smartphone nutzt.

Zu diesen Supermärkten gehören zum Beispiel Aldi Nord und Süd, Rewe, Edeka oder Kaufland. NFC-fähige Kassen erkennst Du an dem Wellensymbol, das in der Regel in der Nähe der Kasse oder am Bezahlterminal angebracht ist. 

In vielen Fällen kannst Du auch mit der Girocard entweder kontaktlos oder mit dem Handy bezahlen. Einige Terminals akzeptieren diese Varianten aber noch nicht.

Wer bietet Mobile Payment an?

Bis das mobile Bezahlen 2018 erste richtige Fortschritte in Deutschland machte, mussten einige Anbieter entstehen und wieder verschwinden: Yapital zum Beispiel oder Mpass und das Vodafone Wallet sind schon wieder Geschichte.

Es gibt zwar immer noch zahlreiche kleine Anbieter, die mobiles Bezahlen ermöglichen, zum Beispiel Supermarktketten über ihre App. Die großen Anbieter haben es nun jedoch auch auf den deutschen Markt geschafft.

Sparkassen und Volksbanken

Die Sparkassen und Volksbanken bieten mobiles Bezahlen für Android-Smartphones über eigene Apps an. In diesen kannst Du Deine Kreditkarte hinterlegen, aber auch die Girocard. Dazu muss die jeweilige Bank an dem Bezahlverfahren teilnehmen. Achtung: Mit der Girocard kannst Du nur in Deutschland kontaktlos zahlen. Das gilt auch, wenn die Karte im Smartphone hinterlegt ist. Seit Ende 2019 binden die meisten Sparkassen auch Apple Pay ein.

Google Pay

Seit Juni 2018 ist Google Pay auf dem deutschen Markt unterwegs. Das Angebot können nur Verbraucher nutzen, die ein Android-Smartphone ihr Eigen nennen. Google arbeitet in Deutschland mit unterschiedlichen Banken zusammen, die Google Pay in ihre Apps integriert haben.

Es handelt sich dabei um Anbieter wie die Finanztip-Empfehlungen Comdirect, Consorsbank und DKB. Eine komplette Liste findest Du hier. Auch die Kreditkartenanbieter Mastercard, Visa und American Express sind dabei.

Zudem funktioniert das Bezahlverfahren über die Dienstleister Boon (Wirecard) und Vimpay (Paycenter). Denen musst Du Zugriff auf Dein Girokonto gestatten, können den Dienst dann aber unabhängig von der Teilnahme Deiner Bank nutzen. Dafür erhältst Du eine virtuelle Karte, die in den Apps von Vimpay und Boon hinterlegt ist. Ein Nutzerkonto ist bei beiden Anbietern in wenigen Minuten eröffnet.

Google Pay funktioniert zudem auch über Paypal, sowohl über die Google-Pay-App als auch die Paypal-App. Wenn Du so mit dem Smartphone bezahlst, bucht Paypal dem Umsatz zunächst vom Guthaben auf Deinem Paypal-Konto ab. Reicht das nicht aus, greift der Anbieter auf das hinterlegte Girokonto zu. Mit den eigenen Kreditkarten kannst Du noch nicht zahlen, Paypal erstellt eine virtuelle Debitkarte von Mastercard für diesen Service.

Apple Pay

Apple Pay startete Mitte Dezember 2018, dieser Dienst funktioniert nur auf den Geräten von Apple, zum Beispiel auf dem iPhone oder der Apple Watch. Auch bei diesem Bezahldienst sind die Kreditkartenanbieter Mastercard, Visa und American Express dabei. Daneben haben zum Beispiel Anbieter wie die Comdirect, die Consorsbank, DKB, die Hanseatic Bank und die Norisbank Apple eingebunden. Eine komplette Liste findest Du auf der Webseite von Apple.

Apple Pay funktioniert wie Google Pay auch bankenunabhängig über die Dienstleister Boon und Vimpay. Du nutzt das Zahlsystem dann über eine virtuelle Kreditkarte von Mastercard. Abhängig vom Anbieter lädst Du diese Karte dann über Überweisung, Kreditkarte oder Abbuchung vom Girokonto auf.

Da Apple anderen Anbietern den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle verwehrt, ist Apple Pay das einzige Bezahlsystem, mit dem iPhone-Nutzer bezahlen können.

Alternative Lösungen

Es muss aber nicht immer die Lösung eines großen Anbieters sein. Die Deutsche Bank zum Beispiel bietet ihren Kunden mit iPhone zwar Apple Pay an. Doch Android-Nutzer bezahlen nicht über Google Pay, sondern über die bankeigene Lösung in der App.

Als Alternative zu NFC setzen manche Systeme auf QR-Codes, Symbole oder Zahlenreihen, die zum Beispiel vom Kassierer eingescannt werden oder die der Kunde an der Kasse nennt.

Diese Systeme sind eher bei Supermarktketten und ähnlichen Händlern verbreitet. Diese kombinieren das Bezahlen per App oft mit Sonderangeboten und Bonusprogrammen. Das macht solche Zahlungsoptionen vor allem für Stammkunden interessant.

Ein Beispiel ist die App der Supermarktkette Netto. Damit kannst Du per Lastschrift bezahlen oder mit Paypal. Auch in diesem Fall ist die App dann mit dem Paypal-Konto verknüpft. Bei der Edeka-App bezahlst Du über einen Barcode, der an der Kasse eingescannt wird.

Payback Pay funktioniert als Mischprodukt: Bei den meisten Payback-Partnern zahlst Du über einen QR-Code, bei Aral hingegen über NFC. Für Payback-App-Nutzer ist das mobile Bezahlen recht attraktiv: Die App nutzen sie schließlich ohnehin, zudem verteilt Payback für das Bezahlen per Handy ab und an Bonuspunkte.

Ist das Bezahlen mit dem Smartphone sicher?

Beim Bezahlen mit dem Smartphone gibt es unterschiedliche Absicherungen. Das Smartphone muss immer nah an den Terminal gehalten werden, damit das kontaktlose Bezahlen klappt. Außerdem muss zumindest der Bildschirm aktiviert sein.

Bei Summen unter 25 Euro ist keine PIN nötig. Bei höheren Summen musst Du Dich zusätzlich identifizieren: Entweder Du gibst Deine PIN an der Kasse ein oder in Deinem Handy. Damit ist es für Kriminelle sehr schwer, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen.

Anbieter sichern NFC unterschiedlich ab

Google zwingt seine Nutzer dazu, eine Bildschirmsperre für das Handy zu aktivieren. Bei Summen von weniger als 25 Euro müssen sie das Gerät nicht entsperren, der Bildschirm muss aber aktiviert sein. Falls das Handy gestohlen wird, können die Diebe nur kleine Einkäufe damit bezahlen.

Bei Apple weist Du Deine Identität über den Fingerabdruck, den Code für das Handy oder über das Aufnehmen Deines Gesichts nach.

Die Sparkassen lassen die Kunden selbst entscheiden, welche Sicherheitseinstellung sie bevorzugen. So kann das Bezahlen bereits mit aktivem Bildschirm klappen oder erst, wenn das Handy entsperrt wurde. Als dritte Sicherheitsstufe ist vorgesehen, dass die Nutzer die App einschalten, um mit dem Handy zu zahlen.

Auch bei den Volksbanken sind unterschiedliche Sicherheitseinstellungen möglich: Entweder die Kunden schalten das Display frei oder sie starten die App.

Welche Daten weitergegeben werden

Beim Bezahlen werden keine Kartendaten an den Händler weitergegeben. Auch Apple and Google erhalten die Daten nicht, falls Du einen dieser Dienste nutzt. Stattdessen werden sogenannte Tokens in den Apps abgespeichert, eine Art virtuelle Kartennummer. Fachleute sprechen von Tokenisierung.

Diese Nummern sind an andere Dinge gekoppelt, zum Beispiel an ein Gerät (Smartphone) oder einen Händler. Dieselbe Karte kann also über unterschiedliche Tokens genutzt werden. Wird das Smartphone gestohlen, kann lediglich der betreffende Token gelöscht werden, die Kartendaten selbst sind geschützt.

Das bedeutet auch, dass die Kartendaten nicht aus dem Smartphone ausgelesen werden können. Das ist zum Beispiel bei NFC-fähigen Karten mit einer Smartphone-App zum Teil möglich. Die betreffenden Daten reichen allerdings auch bei diesen Karten nicht aus, eine funktionsfähige Kartendublette zu erzeugen.

Beim Bezahlen mit dem Smartphone erhalten allerdings Anbieter wie Apple, Google oder Paypal Daten über die Zahlungsvorgänge – und damit zu den Vorlieben der Nutzer (zum Beispiel über die bevorzugten Händler).

Apple gibt an, dass keine persönlichen Daten zu den Transaktionen gespeichert werden. Google dagegen kann Daten zum Kauf erheben, zum Beispiel die Uhrzeit, den Händler oder die Summe. Wenn Du das nicht möchtest, nutz entweder die Bezahllösung Deiner eigenen Bank, da diese Deine Bezahldaten sowieso erhält, oder zahl mit Bargeld.

Was tun bei Verlust?

Falls Du Dein Handy verloren hast, solltest Du die im Bezahldienst hinterlegte Karte umgehend deaktivieren oder sperren. Dafür gibt es bei den Anbietern unterschiedliche Wege.

Android-Nutzer finden und sperren ihr Handy über die Funktion „Mein Gerät finden“. So lassen sich auch Daten löschen. Für diese Funktion muss jedoch sowohl eine Internetverbindung zum Gerät bestehen als auch die Standortermittlung aktiviert sein. Auch bei Apple muss das Gerät online sein, damit Nutzer es sperren oder die Daten löschen können.

Du kannst die bei den Bezahldiensten hinterlegte Karte aber auch ganz normal bei Deiner Bank sperren. Da Dein Telefon womöglich zunächst nicht online ist, empfehlen wir Dir dieses Vorgehen.

Falls Du das System der Sparkassen oder Volksbanken nutzt, sperre die Karten über einen Anruf bei Deiner Bank. Auch das Sperren über den kostenlosen Notruf 116 116 ist möglich.

Da im Handy keine Kartendaten gespeichert werden, kommen diese bei einem Diebstahl nicht abhanden. Du kannst die Plastikkarte also weiterhin benutzen, auch wenn Du die Karte für das mobile Bezahlen gesperrt hast.

Bei missbräuchlichen Zahlungen haftest Du in der Regel bis zum Sperren der Karte mit höchstens 50 Euro. Allerdings musst Du den Verlust der Karte unverzüglich melden, und es darf auch keine grobe Fahrlässigkeit vorliegen. Ein typischer Fall von grob fahrlässigem Verhalten ist es, wenn Du die PIN für das Handy und die Log-in-Daten für das Mobile Payment zusammen mit Deinem Handy aufbewahrst.

Solltest Du Paypal für das mobile Bezahlen nutzen, musst Du Dich beim Kundendienst von Paypal melden. Solange Du Dich nicht fahrlässig verhalten hast, haftest Du auch in diesem Fall nicht.

Smartphone sicher machen 

Smartphones sind kleine Computer. Damit gilt für sie, was auch für die Computer gilt, mit denen Du Deine Online-Bankgeschäfte erledigst: Schütz sie vor Schadsoftware. Denn die kann auch beim Bezahlen mit dem Smartphone zu Problemen führen.

Es gibt für Smartphones kostenlose Virenscanner. Einige Softwareunternehmen bieten zu ihren Virenscannern für Computer auch Apps für die Smartphones an; den Schutz kannst Du dann kombiniert kaufen. Diese Programme bieten Dir auch oft die Möglichkeit, das Handy aus der Entfernung zu sperren oder Deine Daten zu löschen.

Lässt sich Geld versenden über NFC?

Du kannst mit dem Smartphone nicht nur an der Kasse zahlen, sondern natürlich auch im Internet. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist das Versenden von Geld (Peer-to-Peer Payment). Sowas bieten in Deutschland zum Beispiel die Sparkassen und Volksbanken für ihre Kunden an oder die Smartphone-Bank N26.

Mit NFC hat dies allerdings nichts zu tun. Bei Peer-to-Peer-Zahlungen handelt es sich um Überweisungen. Du brauchst dafür keine IBAN, sondern nur die Handy-Nummer des Empfängers. Das Geld ist in der Regel sofort beim Empfänger.

Anders sieht es aus, falls der Empfänger Kunde bei einer anderen Bank oder nicht für den Dienst angemeldet ist. Dann erhält er einen Link, über den er seine Bankverbindung eingeben und so das Geld erhalten kann.

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