Flexible Altersvorsorge 2015

Die beste flexible Altersvorsorge

Dr. Manuel Kayl 19. März 2015
Das Wichtigste in Kürze
  • Aktien-Indexfonds (ETFs) eignen sich als günstige und langfristig lohnende Altersvorsorge.
  • Du kannst auf zwei flexible Methoden in ETFs investieren: über einen Sparplan oder über eine Netto-Rentenversicherung.
  • Eine solche flexible Altersvorsorge eignet sich für jeden unter 55, besonders für Berufseinsteiger und Frauen mit Kinderwunsch.
  • Sie stellt als Aktienanlage einen wichtigen Baustein neben anderen Altersvorsorgeformen dar.
  • Bei beiden Methoden kannst Du jederzeit Kapital entnehmen und die Beiträge senken oder steigern.
  • Schichte jedoch rechtzeitig in schwankungsarme Anlagen um, bevor Du das Geld brauchst.
So gehst Du vor
  • Bestimme je nach Risikobereitschaft, welchen Anteil Deiner Altersvorsorge Du langfristig in Aktien anlegen möchtest.
  • Wenn Du bei der Altersvorsorge Rat brauchst, wende Dich an einen Honorarberater.
  • Ob Du später über den gesamten Betrag auf einmal verfügen oder Dir das Geld als Rente auszahlen lassen willst, brauchst Du erst zum Rentenbeginn zu entscheiden.
  • Wenn Du weniger als 20 Jahre bis zum Renteneintritt hast, nimm als flexible Vorsorge einen ETF-Sparplan.
  • Wenn Du noch mehr als 20 Jahre bis zur Rente hast, eignet sich eine Netto-Rentenversicherung. Wir empfehlen die Arag Forte3D Honorar und die Interrisk myIndex.

Mit der Altersvorsorge ist das so eine Sache: Einerseits wollen Sparer ja langfristig etwas auf die hohe Kante legen, das sie am besten bis zum Ruhestand nicht mehr anrühren und das später monatlich hilft, die Kosten zu decken. Andererseits weiß niemand, was das Leben vor der Rente noch bringt: Immobilienkauf, Arbeitsplatzverlust, Scheidung?

Feste Geldanlagen mit Vertragslaufzeiten von 30 Jahren und mehr eignen sich für die meisten Menschen daher nicht mehr. Das ist ein Problem für die üblichen Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungen, die gerne von Banken und Versicherungen als Standardlösung für die Altersvorsorge verkauft werden. Nicht von ungefähr wird mehr als die Hälfte dieser Verträge vor dem vorgesehenen Vertragsende gekündigt.

Flexibilität ist also heutzutage gefragt. Viele Menschen möchten etwas zurücklegen, das langfristig mehr Rendite bringt als die mickrigen Zinsen, die es derzeit auf Tages- und Festgeld gibt. Aber gleichzeitig soll das Geld verfügbar bleiben, wenn sich die Lebensumstände ändern, und zwar ohne Kosten.

Flexible Altersvorsorge ist ein guter Baustein für jeden

Altersvorsorge lässt sich auf viele Weisen betreiben. Ein günstiger Riester-Vertrag oder eine betriebliche Altersvorsorge mit niedrigen Kosten lohnen sich oft ebenso wie die Investition in eine günstige Immobilie in guter Lage. Aber alle diese Varianten haben den Nachteil, dass das Geld nicht unmittelbar verfügbar ist und sich die Vorsorge daher eben nicht schnell oder nicht kostengünstig ändern lässt, wenn sich das Leben ändert.

Langfristig führt an Aktien als mehr oder weniger starke Beimischung in der Geldanlage kein Weg vorbei. Über Zeiträume von 15 Jahren und mehr ist das Risiko, Verlust mit Aktien zu machen, relativ gering. Ein Aktien-Indexfonds, auch ETF (Exchange Traded Fund) genannt, ist eine einfache und günstige Methode, in Aktien zu investieren. Der Vorteil: Damit bleibt das Geld jederzeit verfügbar.

Daher ist Sparen in einen ETF für Menschen unter 55 Jahren ein guter Baustein in der Altersvorsorge. Je nach Risikofreudigkeit kann dieser Baustein größer oder kleiner sein – ab 25 Euro monatlich geht es los, nach oben offen.

Besonders geeignet ist das Sparen in ETFs für junge Menschen und Berufseinsteiger, bei denen die Zukunft noch viele Unsicherheiten bereithält, die aber schon etwas für ihre Altersvorsorge tun möchten. Sie können später immer noch andere Formen der Altersvorsorge zusätzlich wählen oder das Geld aus der flexiblen Vorsorge herausholen und anders einsetzen, zum Beispiel für einen Wohnungskauf. Auch für Frauen, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, eignen sich die flexiblen Sparformen gut. Wenn sie in Eltern- oder Teilzeit gehen, können sie dann die Sparbeiträge senken oder ganz aussetzen. Für über 55-Jährige ist aufgrund der kurzen Laufzeit das Risiko eines Aktienfonds aber zu hoch.

Wer in ETFs spart, ist nicht zuletzt politischen Risiken gegenüber gewappnet: Wenn sich in Zukunft abzeichnet, dass sich die Gesetzgebung ändert und dadurch Deine flexible Altersvorsorge unrentabel wird, kannst Du in Ruhe in eine dann geeignetere Altersvorsorge umsteigen.

Einen Indexfonds kannst Du auf zwei Arten zur Altersvorsorge nutzen: als Bankprodukt über einen ETF-Sparplan und als Versicherungsprodukt über eine Netto-Rentenversicherung. Beides sind sehr gute Methoden, eine flexible Altersvorsorge aufzubauen, da sie um Welten kostengünstiger sind als die teuren Produkte, die gerne vom Vertrieb von Versicherungen und Banken angeboten werden.

Was ist ein Indexfonds (ETF)?

Ein Aktien-Indexfonds bildet passiv einen bestimmten Aktienindex nach, zum Beispiel die Kurse der 30 im Dax gelisteten Unternehmen oder die gut 1.600 Aktien im MSCI-World-Index. Der Fonds braucht kein teures Management, da die Auswahl und Gewichtung der Aktien durch den Index vorgegeben sind. Bis zu 90 Prozent der aktiv gemanagten Fonds schaffen es ohnehin nicht, besser als der entsprechende Index zu sein. Je länger die Anlagedauer, desto mehr kommen die geringen Kosten des ETF zum Tragen und erhöhen die Rendite.

ETF-Sparpläne, mit denen Du regelmäßig für die Altersvorsorge anlegen kannst, sind bei bestimmten Online-Banken oft zum Nulltarif erhältlich. Und wenn Du Deinen ETF-Sparplan bis zur Rente durchhältst, lässt sich das Geld schrittweise in sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld umschichten.

Was ist eine Netto-Rentenversicherung?

Das Problem der meisten Ren­ten­ver­si­che­rungen sind die hohen Kosten, weshalb wir von den klassischen Varianten ausdrücklich abraten. Aber die Branche beginnt, sich umzustellen: Einige Versicherer haben inzwischen Policen ohne die üblichen hohen Provisionen für Vermittler im Programm, sogenannte Netto-Policen. Sie werden daher in erster Linie von Honorarberatern angeboten, im Gegenzug bezahlt der Kunde direkt den Berater. Im Gegensatz zu den üblichen Versicherungen mit Provision sind die Kosten dieser Netto-Policen so niedrig, dass Du schon nach einem Jahr im Plus bist, sofern der Fonds wenigstens 5 Prozent Rendite gemacht hat.

Eine Netto-Rentenversicherung, in der ein Indexfonds steckt, kann in punkto Flexibilität mit einem ETF-Sparplan mithalten, kostet aber ein bisschen mehr. Dafür hat sie zwei Vorteile: Sie ist steuerlich gegenüber der Direktanlage in Fonds begünstigt, sofern sie mindestens zwölf Jahre lief und der Sparer sie nicht vor seinem 62. Geburtstag beendet. Außerdem bietet sie die Option einer garantiert lebenslangen Rente. Damit bist Du abgesichert, wenn Du sehr alt wirst.

Die Versicherer sind bei der Konstruktion von Ren­ten­ver­si­che­rungen sehr kreativ und bieten alle möglichen Varianten an: von einer kleinen Mindestverzinsung über Garantien für die eingezahlten Beiträge bis hin zu komplizierten Anlagemodellen mit mehreren Geldtöpfen.

All diese Modelle versprechen Sicherheit, machen die Produkte aber kompliziert und oft teuer. Wir empfehlen Dir Policen, bei denen das Geld nach Abzug der Kosten ausschließlich in einem Indexfonds angelegt wird. Für Sicherheit sorgt der Anteil an Tages- und Festgeld in Deiner Geldanlage sowie die lange Laufzeit der ETF-Police.

ETF-Sparplan oder Netto-Rentenversicherung?

Beide Varianten eignen sich langfristig als Altersvorsorge für jeden unter 55 Jahren. Die Unterschiede liegen vor allem in der Besteuerung: Bei der Ren­ten­ver­si­che­rung fallen während der Laufzeit keine Steuern an, sondern erst zu Rentenbeginn. Dieser Steuerstundungseffekt gleicht über lange Zeiträume die etwas höheren Kosten der Versicherung im Vergleich zum Sparplan aus.

In einer umfangreichen Testberechnung haben wir untersucht, welche Variante wann ertragreicher ist. Dabei haben wir alle Kosten, Anlageerträge und Steuern für beide Varianten sowohl in der Ansparphase bis zur Rente als auch in der Rente einfließen lassen. Wir haben uns den gesamten Markt für Netto-Policen auf Basis der Studie „Honorartarife“ des ITA Institut für Transparenz angesehen und die besten herausgefiltert.

Wenn Du weniger als 20 Jahre bis zur Rente hast

In diesem Fall kommt eher der ETF-Sparplan für Dich infrage. Bei Laufzeiten unter 20 Jahren wirken sich die günstigeren Kosten der Direktanlage über die Bank positiv aus. Aber der Vorteil ist nicht riesig: Bei 10 Jahren Laufzeit, 100 Euro monatlicher Einzahlung und einer jährlichen Rendite von 6 Prozent sind es gerade mal 376 Euro mehr als bei der Ren­ten­ver­si­che­rung.

Vergleich der Auszahlungen bei Laufzeit von 10 Jahren

Rendite1 ETF-SparplanNettopolice
0 % pro JahrSteuererstattung- 47 €- 144 €
 Netto-Auszahlung11.869 €11.322 €
 Differenz+ 546 € 
3 % pro JahrSteuern464 €176 €
 Netto-Auszahlung13.296 €12.828 €
 Differenz+ 468 € 
6 % pro JahrSteuern1.071 €554 €
 Netto-Auszahlung14.989 €14.613 €
 Differenz+ 376 € 
9 % pro JahrSteuern1.789 €1.003 €
 Netto-Auszahlung16.995 €16.726 €
 Differenz+ 269 € 

1Rendite vor Kosten und Steuern
Annahmen: 100 € mtl. Einzahlungen, pers. Grenzsteuersatz 35 %, Fondswechsel alle 10 Jahre, TER ETF 0,3 % p.a., ETF-Sparplan sonst kostenfrei, Nettopolice: 2 % Kosten auf laufenden Beitrag, 0,3 % p.a. Kosten auf Vertragsguthaben inkl. Transaktionskosten, 24 € Stückkosten p.a.
Quelle: ITA, eigene Recherche (Stand 17. März 2015)

Bei welchen Banken Du den Sparplan am besten abschließt und welchen Fonds Du nimmst, liest Du im Ratgeber ETF-Sparplan.

Mehr dazu im Ratgeber ETF-Sparplan

Zum Ratgeber

Wenn Du mehr als 20 Jahre bis zur Rente hast

Für diejenigen, die die zweite Hälfte ihres Berufslebens noch vor sich haben, eignet sich eher die Netto-Rentenversicherung. Über die längere Laufzeit und aufgrund der höheren Beträge liegt sie durch die steuerlichen Vorteile vorn. Vor allem bei jungen Sparern lohnt sie sich, wenn sie 40 Jahre läuft:

Vergleich der Auszahlungen bei Laufzeit von 20 Jahren und mehr

Rendite1 20 Jahre 30 Jahre 40 Jahre 
  ETF-SparplanNetto-policeETF-SparplanNetto-policeETF-SparplanNetto-police
0 % pro JahrSteuerer-stattung- 187 €- 402 €- 417 €- 767 €- 735 €- 1.233 €
 Netto-Auszahlung23.479 €22.107 €34.837 €32.386 €45.948 €42.189 €
 Differenz+ 1.372 € + 2.451 € + 3.759 € 
3 % pro JahrSteuern1.973 €956 €4.765 €2.503 €9.124 €5.018 €
 Netto-Auszahlung29.508 €28.508 €49.302 €47.798 €73.470 €71.657 €
 Differenz+ 1.000 € + 1.504 € + 1.814 € 
6 % pro JahrSteuern4.948 €2.932 €13.128 €8.386 €27.875 €19.030 €
 Netto-Auszahlung37.812 €37.822 €72.647 €75.534 €125.814 €137.711 €
 Differenz + 10 € + 2.887 € + 11.897 €
9 % pro JahrSteuern9.057 €5.823 €26.795 €19.157 €64.485 €51.483 €
 Netto-Auszahlung49.281 €51.449 €110.798 €126.312 €228.008 €290.703 €
 Differenz + 2.168 € + 15.514 € + 62.696 €

1Rendite vor Kosten und Steuern
Annahmen: 100 € mtl. Einzahlungen, pers. Grenzsteuersatz 35 %, Fondswechsel alle 10 Jahre, TER ETF 0,3 % p.a., ETF-Sparplan sonst kostenfrei, Nettopolice: 2 % Kosten auf laufenden Beitrag, 0,3 % p.a. Kosten auf Vertragsguthaben inkl. Transaktionskosten, 24 € Stückkosten p.a.
Quelle: ITA, eigene Recherche (Stand 17. März 2015)

Welche Rendite Du letztlich erzielst, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Einen Anhaltspunkt dafür liefern historische Vergleiche. Generell empfehlen wir ETFs auf den weltweit anlegenden Aktienindex MSCI World. Dieser Index hat seit 1969 über überlappende (rollierende) 10-, 15- und 20-Jahreszeiträume im Schnitt erstaunliche 9 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Berechnet man jedoch 15-Jahres-Zeiträume seit 1996, dann ergeben sich nur noch durchschnittlich 3 Prozent jährlich. Denn in diesen Zeitraum fallen die beiden großen Aktienmarktkrisen von 2001 bis 2003 und 2008/2009. Deshalb rechnen wir für diesen Test mit verschiedenen Renditen zwischen 0 und 9 Prozent pro Jahr.

Lass Dich übrigens nicht durch die Bezeichnung Ren­ten­ver­si­che­rung abschrecken: Du hast bei einer privaten Ren­ten­ver­si­che­rung immer die Wahl, Dir das Geld komplett auf einen Schlag, häppchenweise oder als lebenslange monatliche Rente auszahlen zu lassen. Außerdem kannst Du auch jeden Monat kündigen – ohne Stornokosten bei der Netto-Police.

Anhand unserer Auswertung der ITA-Studie können wir Dir die folgenden Tarife empfehlen. Sie wiesen bei bester Kostentransparenz die günstigsten Effektivkosten auf 30 Jahre Laufzeit auf.

Innerhalb des Arag-Tarifs Forte 3D Honorar (nicht mehr verfügbar, Stand 2017, Anm. der Red.) hast Du zahlreiche Auswahlmöglichkeiten. Im Folgenden unsere Ratschläge zu bestimmten Optionen:

Fondsauswahl - Orientier Dich bei der Fondsauswahl an unserem Ratgeber ETF-Sparplan. Der Indexfonds „Lyxor ETF MSCI World“ reicht grundsätzlich völlig aus.

Arag „Renditetresor Aktiv“ - Das ist eine spezielle Option, die Kursverluste des Fonds abfedern soll. Sie kann monatlich an- oder abgeschaltet werden und kostet nichts zusätzlich. Für sicherheitsbewusste Anleger kann der „Renditetresor Aktiv“ sinnvoll sein. Wir befürworten aber, durchgängig sein Geld in Indexfonds zu belassen (auch „Buy-and-Hold“-Strategie genannt) und daher diese Option abzuschalten.

Beitragsgarantie, Drei-Topf-Modell mit Garantiefonds, Arag Renditetresor - Von all diesen Absicherungsoptionen raten wir ab. Sie kosten langfristig zu viel Rendite. Wenn Dir Sicherheit wichtig ist, zahl lieber weniger in die Netto-Rentenversicherung ein und erhöhe dafür Deinen Anteil an Tages- und Festgeld, wie im Ratgeber Geldanlage beschrieben.

Interrisk Myindex Satellite ETF Evolution
kostentransparente Netto-Police mit großer ETF-Auswahl
  • keine Abschlusskosten, niedrige sonstige Kosten
  • mehr als 90 ETF zur Auswahl
  • keine Stornogebühren
  • kein hoher Rentenfaktor
Nur beim Anbieter abschließbar

Auch die Interrisk-Rentenversicherung bietet viele Optionen. Folgendes raten wir Dir zum Tarif Myindex satellite Revolution ETF:

Fondsauswahl - Orientier Dich bei der Fondsauswahl an unserem Ratgeber ETF-Sparplan. Der Indexfonds „ComStage ETF MSCI World TRN“ reicht grundsätzlich völlig aus.

Erlebensfallabsicherung - Diese Option garantiert Deine eingezahlten Beiträge. Wir raten davon ab, weil Dich das langfristig zu viel Rendite kostet. Wenn Dir Sicherheit wichtig ist, zahl lieber weniger in die Netto-Rentenversicherung ein und erhöhe dafür Deinen Anteil an Tages- und Festgeld, wie im Ratgeber Geldanlage beschrieben.

Wie viel soll ich einzahlen?

Die Frage stellt sich für ETF-Sparplan und Netto-Police gleichermaßen. Wie viel Du in Aktien anlegen solltest, hängt unter anderem von Deinem Alter, Deiner grundsätzlichen Risikobereitschaft, Deinem bereits vorhandenen Vermögen und Deinem verfügbaren Einkommen ab. Dabei kannst Du Dich an unseren Vorschlägen im Ratgeber Geldanlage orientieren. Vor allem aber musst Du wissen, wie groß im Alter Deine Versorgungslücke ist zwischen dem, was Du brauchen wirst, und der bereits vorhandenen Altersvorsorge inklusive der gesetzlichen Rente. Wenn Du Beratung bei der Planung Deiner Altersvorsorge benötigst, empfehlen wir Dir, Dich an einen Honorarberater zu wenden.

Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Auch wenn bereits ein Sparbeitrag von 25 Euro im Monat möglich ist, ist für einen jungen Berufsanfänger sinnvoller, pro Monat mindestens 100 Euro anzulegen, wenn er ernsthaft fürs Alter vorsorgen will.

Alles auf einmal oder monatliche Auszahlung?

Grundsätzlich stellt sich immer die Frage: Soll ich mir später alles auf einmal oder besser in monatlichen Raten auszahlen lassen? Oder soll ich es aufteilen, und wenn ja, in welchem Verhältnis?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Du solltest das nicht heute entscheiden, und Du musst es auch nicht. Die Ren­ten­ver­si­che­rungen bieten ohnehin die Möglichkeit, sich das Kapital oder eine lebenslange Rente auszahlen zu lassen. Aber auch der ETF-Sparplan lässt sich durch schrittweises Umschichten in sichere Anlagen und monatliche Auszahlungen auf eine lange Zeit strecken. Alternativ kannst Du das Vermögen aus dem Sparplan auch zu Rentenbeginn in eine sogenannte Ren­ten­ver­si­che­rung gegen Einmalbeitrag einzahlen, wenn Dir die Sicherheit einer lebenslangen Rente wichtig ist. Auch diese Sofortrenten gibt es mittlerweile als günstige Nettotarife, und diese werden in den kommenden Jahren sicherlich noch verbreiteter sein als heute.

Dadurch, dass Du die Entscheidung Kapital oder Rente erst einmal hinausschiebst, bewahrst Du Dir die Flexibilität, die heute so wichtig ist wie in Zukunft. Dein Gesundheitszustand im Alter wird eine Rolle spielen bei dieser Entscheidung ebenso wie die Frage, ob und wie viel Du einmal vererben möchtest.

Rechtzeitig mit dem Umschichten beginnen

Ob mit Police oder Sparplan: Wenn Du mit einem Aktien-Indexfonds sparst, ist es wichtig, beizeiten in sicherere Anlagen umzuschichten – rechtzeitig bevor Du das Geld brauchst. Das kann vor dem Rentenbeginn der Fall sein oder wenn sich Deine Lebensumstände verändern und Du absehen kannst, dass Du vorzeitig Geld brauchst. Wie Du richtig umschichtest, liest Du im Ratgeber Geldanlage.

Beim Sparplan kannst Du online den Fonds wechseln, bei der Ren­ten­ver­si­che­rung genügt meistens ein formloser Brief an den Anbieter.

Übrigens ist beim Umschichten die Ren­ten­ver­si­che­rung im Vorteil: Dort fallen weder Steuern noch Gebühren an, wenn Du den Fonds wechselst.

Was Du alles an Deiner flexiblen Altersvorsorge ändern kannst

Was Flexibilität bedeutet, zeigen die folgenden Beispiele:

  • Du kannst jederzeit das ganze Geld entnehmen. Beim ETF-Sparplan dauert das wenige Tage, bei der Ren­ten­ver­si­che­rung geht das jeden Monat. Achtung: Du hast aber das Risiko, dass der Aktien-ETF gerade schlecht steht. Deswegen solltest Du rechtzeitig umschichten, wenn eine vorzeitige Auflösung absehbar ist.
  • Du kannst jederzeit auch nur Teile des Geldes entnehmen – etwa wenn das unverzichtbare Auto kaputt ist und sonst keine Rücklagen da sind. Wenn mehr in der Altersvorsorge steckt als fürs Auto notwendig, musst Du nicht den ganzen Vertrag auflösen. Achte darauf, dass Du nicht Deine ganze Altersvorsorge für Konsum ausgibst.
  • Du kannst die Sparbeiträge jederzeit erhöhen, reduzieren oder ganz aussetzen. Wer in Elternzeit geht, kann oft nicht so viel Geld in die Altersvorsorge stecken wie bisher oder muss sie zeitweise sogar ganz aussetzen. Bei einem Karrieresprung kannst Du entsprechend dem höheren Einkommen mehr einzahlen.
  • Du kannst jederzeit einmalig größere Summen einzahlen. Wenn Du Vermögen geerbt hast und Deine Altersvorsorge aufstocken möchtest, kannst Du in nahezu beliebiger Höhe Fondsanteile kaufen. Sei aber damit vorsichtig, wenn Du weniger als 15 Jahre bis zur Rente hast.

Was passiert, wenn der Anbieter pleitegeht?

Läuft ein Vertrag für 20 oder mehr Jahre, stellt sich immer die Frage, wie es dem Anbieter wirtschaftlich ergeht. Bei einem ETF-Sparplan ist es einfach: Sollte die Bank oder die Fondsgesellschaft insolvent werden, passiert Deinen Fondsanteilen nichts. Diese sind als sogenanntes Sondervermögen geschützt. Du überträgst sie einfach auf eine andere Bank und setzt dort Deinen Sparplan fort.

Bei der Ren­ten­ver­si­che­rung ist es etwas komplizierter: Geht der Versicherer pleite, springt die staatliche Auffanggesellschaft Protektor ein. Dein Vertragsguthaben ist als sogenanntes Sicherungsvermögen vor anderen Gläubigern der Versicherung geschützt. Du kannst Deinen Vertrag bei Protektor weiterlaufen lassen. Wenn Du ihn kündigen willst, musst Du gegebenenfalls warten, bis Protektor die Geschäfte von dem insolventen Versicherer vollständig übernommen hat.

So haben wir getestet

Test ETF-Sparplan vs. Netto-Rentenversicherung

Finanztip hat Mitte März 2015 aus der Studie „Honorartarife“ des ITA Institut für Transparenz GmbH vom November 2014 alle fondsgebundenen Ren­ten­ver­si­che­rungen herausgesucht und sie nach den angegebenen Effektivkosten aufgelistet. Aussortiert haben wir alle Tarife, die keine ETFs anboten, und bei denen die Kostenangaben nicht vollständig waren, zum Beispiel weil die Transaktionskosten für den An- und Verkauf von ETFs nicht in den Gebühren enthalten sind. Die Studie umfasst insgesamt 64 Nettotarife, davon 35 Fondstarife mit ETF-Auswahl. Von diesen boten der ARAG FRAB13HO und der Interrisk HFRV in der Beispielrechnung des ITA die niedrigsten Effektivkosten. Zugleich waren bei diesen beiden die Kosten vollständig transparent.

Anschließend haben wir Ablaufleistungen eines ETF-Sparplans und einer ETF-Nettopolice nach Kosten und Steuern für Laufzeiten von 10, 20, 30 und 40 Jahren bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren ermittelt. Die Parameter der Berechnung findest Du unter den oben stehenden Ergebnistabellen. Für die steuerliche Auswirkung der Abgeltungssteuer beim ETF-Sparplan haben wir einmal komplette Fondswechsel alle 5 Jahre und einmal alle 10 Jahre unterstellt. Diese Unterscheidung änderte jedoch nichts an unserer Empfehlung, ab 20 Jahren Laufzeit die Nettopolice zu bevorzugen.

Auch wenn aus heutiger Sicht ein ETF über die komplette Laufzeit gehalten werden kann, ist zu berücksichtigen, dass in Zukunft eventuell andere ETFs vorzuziehen sind. Ein Rebalancing, also ein Umschichten zwischen verschiedenen Fonds haben wir nicht berechnet, da wir als Basisanlage nur einen Indexfonds auf den MSCI World empfehlen.

Des Weiteren haben wir auch einen Vergleich der Verrentung von ETF-Sparplan und Nettopolice berechnet. Hierfür haben wir die Lebenserwartung nach der Sterbetafel DAV 2004R (Unisex) für 27-, 37-, 47- und 57-Jährige zugrunde gelegt. Das Vermögen aus dem ETF-Sparplan haben wir bis zu den entsprechenden Enddaten mit 0,5, 1,5 und 2,5 Prozent verzinst. Für die Ren­ten­ver­si­che­rung haben wir nicht die heutigen Rentenfaktoren, sondern kalkulatorische Rentenfaktoren auf Basis der gleichen Verzinsungen wie beim ETF-Sparplan veranschlagt. Die steuerlichen Auswirkungen von Abgeltungssteuer und Ertragsanteilsbesteuerung haben wir abgeschätzt.

Im Ergebnis hängt es stark von der in der Ansparphase erzielten Rendite ab und damit von der Ablaufleistung nach Steuern, ob in der Rente der Sparplan oder die Ren­ten­ver­si­che­rung im Vorteil ist. In jedem Fall ist der Sparplan bis zum zu erwartenden Lebensende gegenüber der Ren­ten­ver­si­che­rung nicht deutlich im Nachteil, oft liegt er sogar vorne. Da der Verbraucher aus heutiger Sicht die zu erwartende Rendite weder gut abschätzen noch kontrollieren kann, raten wir, die Frage Verrentung oder Kapital auf den Rentenbeginn zu verschieben. Die Rentenfaktoren dann beginnender Sofortrenten werden nicht zwingend niedriger sein als die heute garantierten. Für dieses Argument spricht die demografische Entwicklung, dagegen aber die aktuelle Niedrigzinsphase.

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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