Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung

So sitzt Du sicher im Sattel

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
10. November 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer ein Pferd besitzt, haftet für alle Schäden, die es anrichtet. Vor allem bei Personenschäden kann das sehr teuer werden. Damit Du solche Kosten nicht selbst zahlen musst, empfehlen wir eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung.
  • Um richtig abgesichert zu sein, ist es wichtig, vor dem Vertragsabschluss anzugeben, wie Du Dein Pferd nutzt.
  • Gute Tarife gibt es ab etwa 70 Euro pro Jahr (mit 150 Euro Selbstbeteiligung) für ein Reitpferd. Wichtiger als der Preis sind aber die Leistungen der Versicherung.
So gehst Du vor
  • Überlege, wie Du Dein Pferd nutzt und welche Leistungen für die Pferdehaftpflicht wichtig sind. Vergiss dabei nicht, Personen mitzuversichern, die Dein Pferd nutzen, entweder als Gastreiter (Fremdreiter) oder als Reitbeteiligung.
  • Nutze ein Vergleichsportal, um den passenden Tarif für Dich und Dein Pferd zu finden. Prüfe auch, ob ein Kombitarif mit einer OP-Versicherung günstiger ist als beide Versicherungen getrennt.

Pferde sind schreckhafte Tiere: Ein hupendes Auto oder ein Knall – und Dein Pferd ist nicht mehr zu halten. Vielleicht zertrampelt es nur das Gemüsebeet nebenan. Es kann aber auch einen Autounfall mit Personenschaden verursachen. Egal wie groß und teuer der Schaden ist, den Dein Pferd angerichtet hat, Du musst als Halter dafür geradestehen. Damit Du das nicht selbst zahlen musst, solltest Du unbedingt eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abschließen. Denn eine private Haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt für Schäden durch Dein Pferd nicht auf.

Warum brauchst Du eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung?

Wenn Dein Pferd einen Schaden verursacht, haftest Du in jedem Fall dafür, egal ob Du aufgepasst hast oder gar nicht dabei warst. Deine Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt für die Schäden durch Pferde nicht auf, sie übernimmt nur die Kosten von Schäden durch Kleintiere.

Anders als bei einem Auto, für das Du zwingend eine Kfz-Versicherung haben musst, gibt es für Pferde keine Versicherungspflicht. Pferde können jedoch ebenfalls für sehr große Schäden verantwortlich sein, die Dich im schlimmsten Fall finanziell ruinieren können. Damit Du dagegen abgesichert bist, solltest Du unbedingt eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abschließen.

Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung fürs Pferd kommt für alle Personen-, Sach- und Vermögensschäden auf, die das Tier verursacht. Außerdem erhältst Du über die Versicherung einen passiven Rechtsschutz. Die Versicherung übernimmt also auch die Kosten, die entstehen, wenn Du zu Unrecht eines Schadens bezichtigt wirst und die Forderungen abwehren musst.

Damit Du wirklich gut abgesichert bist und die Versicherung auch zahlt, solltest Du die Leistungen genau anschauen und vor Vertragsabschluss verschiedene Tarife der Pferdehaftpflicht vergleichen.

Welche Leistungen muss eine Pferdehaftpflicht bieten?

Eine gute Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung sollte eine ausreichend hohe Versicherungssumme haben. Wir empfehlen mindestens 5 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden. Die Summe für Vermögensschäden sollte bei wenigstens 50.000 Euro liegen.

Verstoß gegen die Halterpflichten

Schäden nach einem Verstoß gegen die Halterpflichten sollten mitversichert sein. Wenn Du Dein Pferd zum Beispiel nicht richtig sicherst, das Tor des Stalls offen steht und es deswegen wegläuft und einen Schaden verursacht, sollte die Versicherung dafür aufkommen.

Weiderisiko

Wenn Dein Pferd auf einer Weide steht, kann es dort ausbrechen (durch einen defekten Zaun oder weil jemand das Tor öffnet) und dann Schäden verursachen. Oder es steht mit anderen Pferden auf der Koppel und verletzt ein anderes Tier. Diese Schäden sind versichert, wenn in Deiner Haftpflicht fürs Pferd das Weiderisiko mit abgedeckt ist.

Mietsachschäden

Schäden an Stallungen, Reithallen und allgemein Gebäuden, die Du für Dein Pferd angemietet hast, sollten mit mindestens 300.000 Euro abgesichert sein. Wenn Du Reitzubehör mietest oder Dir leihst, sollte auch das versichert sein. Dafür ist eine geringere Summe ausreichend.

Flurschäden

Wenn Dein Pferd über Felder oder Beete rennt, verursacht es zum Beispiel Ernteausfälle beim Bauern. Deine Versicherung übernimmt das, wenn Flurschäden im Tarif enthalten sind.

Deckschäden oder Fohlen mitversichert

Wenn Du einen Hengst hast, sollten Deckschäden unbedingt abgesichert sein. Wenn er eine Zuchtstute ungewollt deckt, fällt diese für die Zucht erst einmal aus und Du musst für den entstandenen Schaden (Preis für Zuchtfohlen) haften. Wenn die Stute ein Rennpferd ist, entgehen dem Besitzer durch die Deckung eventuell Einnahmen in Form von Preisgeldern. Außerdem fallen Tierarztkosten infolge der Schwangerschaft und Geburt an.

Wenn Du eine Stute hast, benötigst Du die Absicherung ungewollter Deckschäden nicht. Stattdessen solltest Du darauf achten, dass Fohlen wenigstens zwölf Monate mitversichert sind, sollte Deine Stute gedeckt werden.

For­de­rungs­aus­fall­deck­ung

Die For­de­rungs­aus­fall­deck­ung ist ein wichtiger Bestandteil einer jeden Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Mit diesem Schutz erhältst Du auch Geld von Deiner Pferdehaftpflicht, wenn ein anderer Pferdehalter Dir einen Schaden zugefügt hat, diesen aber nicht bezahlen kann.

Versicherter Personenkreis

Sobald Dein Pferd auch nur hin und wieder von anderen betreut wird, solltest Du diese Personen mit in die Versicherung einschließen. Familienangehörige sind immer mitversichert. Auch wenn Dritte Dein Pferd nicht erwerbsmäßig (sie bekommen dafür von Dir kein Geld) hüten, ist dies meist mit abgedeckt.

Wenn andere Dein Pferd reiten, ist auch dies in den meisten Tarifen enthalten, Du musst es aber unbedingt vor Vertragsabschluss angeben. Wird Dein Pferd regelmäßig oder gelegentlich unentgeltlich von jemand anderem geritten, musst Du Fremdreiter angeben.

Wenn sich jemand an den Kosten oder der Versorgung des Pferdes beteiligt und es dafür reiten darf, handelt es sich um eine Reitbeteiligung (Mithalter). Mithalterinnen sind grundsätzlich genauso haftbar wie Du. Ihr könnt die Haftpflicht aber über eine einzige Versicherung abdecken. Dafür müsst Ihr bei Vertragsabschluss nur angegeben, dass es sich um eine Reitbeteiligung handelt.

Achte darauf, dass Ansprüche von Sozialversicherungsträgern mitversichert sind. Erleidet einer der Halter einen Schaden durch das Pferd, kann die zuständige Kran­ken­ver­si­che­rung ansonsten Geld vom anderen Halter verlangen. Sind Ansprüche der Sozialversicherungsträger mitversichert, zahlt der Haftpflichtversicherer das Geld an die Kran­ken­kas­se. Bei einigen Tarifen erhält der geschädigte Halter sogar Schmerzensgeld.

Tötung und Beseitigung

Verletzt sich Dein Pferd schwer oder wird verletzt, kann eine Tötung notwendig sein. Das allein ist schlimm genug, da ist es gut, wenn die Versicherung diese Kosten und die der Beseitigung des toten Tieres übernimmt.

Weitere Leistungen, die eventuell sinnvoll sind

Es gibt Leistungen, die empfehlenswert sind, wenn Du mit Deinem Pferd die entsprechenden Aktivitäten durchführst. Dazu gehören vor allem private Kutschfahrten. Diese solltest Du dann ebenso absichern wie Mietschäden an Kutschen oder Zubehör. Wenn Ihr an Turnieren teilnehmt, sollten auch die Schäden dort mit versichert sein.

Die Beiträge senken

Vereinbare eine Selbstbeteiligung von 150 Euro. Kleine Schäden kannst Du selbst zahlen und Du verringerst das Risiko einer Kündigung wegen zu häufiger Schadensmeldungen. Außerdem sinken dadurch auch die Beiträge.

Wenn Du mehr als ein Pferd besitzt, zahlst Du weniger, wenn Du alle Tiere mit einem Vertrag absicherst.

Was zahlt die Pferdehaftpflicht nicht?

Auch wenn Dein Vertrag viele Leistungen enthält, ein Rundum-Sorglos-Paket ist eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht. Wenn Du Dich zum Beispiel beim Reiten verletzt, ist das kein Fall für die Haft­pflicht­ver­si­che­rung Deines Pferdes. Dafür ist die private Unfall­ver­sicherung zuständig. Prüfe, ob solch eine Versicherung für Dich infrage kommt.

Wenn Du Dein Pferd gewerblich nutzt, zum Beispiel in einer Reitschule oder als Kutschenpferd, benötigst Du eine andere Versicherung. Je nach Nutzungsart eine Schulpferd-Haftpflichtversicherung oder Verleih-Pferdehaftpflicht.

Wenn dein Pferd krank wird, ist nicht die Haft­pflicht­ver­si­che­rung zuständig. Dafür benötigst Du eine Pfer­de­kranken­ver­si­che­rung oder eine OP-Versicherung für Pferde. Es gibt auch Versicherer, die eine Haftpflicht und Kran­ken­ver­si­che­rung als Kombinations-Pferdeversicherung anbieten. Überlege, was Du an Versicherungen für Dein Pferd benötigst und prüfe mögliche Kombirabatte.

Wenn Du beim Abschluss der Versicherung unvollständige oder nicht korrekte Angaben gemacht hast, ist Dein Pferd nicht richtig versichert.Dann kann es passieren, dass Dir der Versicherer die Leistung verweigert oder kürzt. Achte also von Anfang an darauf, dass alle Deine Angaben richtig sind. Neben Reitbeteiligungen, die Du angeben solltest, ist es wichtig, dass Du korrekte Angaben zum Pferd und dessen Nutzung machst. Handelt es sich um ein Pony, wird es als Reitpferd genutzt? Vielleicht nehmt Ihr sogar an Turnieren teil. Oder ist es ein Gnadenbrotpferd? Wenn Du Dein Pferd als Gnadenbrotpferd, Zuchtstute oder Fohlen angibst, sind Reitrisiken und damit verbundene Schäden nicht versichert.

Wie viel kostet eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung fürs Pferd?

Es ist wichtig, dass Deine Pferdehaftpflicht alle wichtigen Leistungen beinhaltet. Das ist wichtiger als ein günstiger Preis. Aber der teuerste Tarif muss nicht die beste sein. Tarife, die unsere Mindestkriterien erfüllen, bekommst Du ab etwa 65 Euro bis unter 100 Euro Beitrag pro Jahr (für ein Reitpferd, über 148 Zentimeter Stockmaß). Ein Gnadenhofpferd kostet etwa halb so viel. Das Alter des Halters spielt für die Beitragshöhe keine Rolle, ebenso wenig die Postleitzahl.

So viel kostet die Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Pferde

Pferdeart

ohne

Fremdreiter

mit

Fremdreiter

Reit-

beteiligung

Reitpferd

ab

66 Euro

ab

66 Euro

ab

66 Euro

Pony (bis 148 cm/

150 cm)

ab

56 Euro

ab

56 Euro

ab

56 Euro

Gnadenbrotpferd/

wird nicht geritten

ab

30 Euro

//

Selbstbeteiligung bis 150 Euro, 5 Millionen Euro Versicherungssumme, 50.000 Euro Vermögensschäden, Schäden an festen gemieteten Sachen (Stall) mitversichert, Jungtier mitversichert
Quelle: Preisabfrage verschiedene Vergleichsportale und Versicherer (Stand: 9. Oktober 2021)