Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung

So sitzt Du sicher im Sattel

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
15. Juni 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer ein Pferd besitzt, haftet für alle Schäden, die es anrichtet. Vor allem bei Personenschäden kann das sehr teuer werden. Eine Pferdehaftpflicht kommt für diese Kosten auf, sodass Du sie nicht aus Deiner Tasche zahlen musst.
  • Ein gute Pferdehaftpflicht kostet zwischen 70 und 165 Euro im Jahr.
  • Achte neben den Beiträgen auch darauf, dass die Versicherung alle Risiken absichert, die Dir wichtig sind. Dabei können unsere Mindestkriterien helfen, wenn Du Hobbyreiterin bist.
So gehst Du vor
  • Überlege, wie Du Dein Pferd nutzt und welche Leistungen für die Pferdehaftpflicht wichtig sind. Vergiss dabei nicht, Personen mitzuversichern, die Dein Pferd reiten, entweder als Gastreiter (Fremdreiter) oder als Reitbeteiligung.
  • Bei unseren Empfehlungen, der Tierhalterhaftpflicht der Haftpflichtkasse und dem PferdePremium 3.0 Tarif der NV-Versicherung, erhältst du guten Mindestschutz zu günstigen Beiträgen für Pferde beziehungsweise Ponys, wenn Du Hobbyreiterin bist.

Pferde sind schreckhafte Tiere: Ein hupendes Auto oder ein Knall – und Dein Pferd ist nicht mehr zu halten. Vielleicht zertrampelt es nur das Gemüsebeet nebenan. Es kann aber auch einen Autounfall mit Personenschaden verursachen. Egal wie groß und teuer der Schaden ist, den Dein Pferd angerichtet hat, Du musst als Halter dafür geradestehen. Damit Du das nicht selbst zahlen musst, solltest Du unbedingt eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abschließen. Denn eine private Haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt für Schäden durch Dein Pferd nicht auf.

Was deckt die Pferdehaftpflicht ab?

Wenn Dein Pferd einen Schaden verursacht, haftest Du in jedem Fall dafür, egal ob Du aufgepasst hast oder gar nicht dabei warst. Deine Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt für die Schäden durch Pferde nicht auf, sie übernimmt nur die Kosten von Schäden durch Kleintiere. Stattdessen benötigst Du eine separate Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Dein Pferd

Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung fürs Pferd kommt für alle Personen-, Sach- und Vermögensschäden auf, die das Tier verursacht. Außerdem erhältst Du über die Versicherung einen passiven Rechtsschutz. Die Versicherung übernimmt also auch die Kosten, die entstehen, wenn Du zu Unrecht eines Schadens bezichtigt wirst und die Forderungen abwehren musst.

Anders als bei einem Auto, für das Du zwingend eine Kfz-Versicherung haben musst, gibt es für Pferde keine Versicherungspflicht. Pferde können jedoch ebenfalls für sehr große Schäden verantwortlich sein, die Dich im schlimmsten Fall finanziell ruinieren können. Damit Du dagegen abgesichert bist, solltest Du unbedingt eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abschließen.

Damit Du wirklich gut abgesichert bist und die Versicherung auch zahlt, solltest Du Dir die Leistungen genau anschauen und vor Vertragsabschluss verschiedene Tarife der Pferdehaftpflicht vergleichen.

Welche Leistungen muss eine Pferdehaftpflicht bieten?

Eine gute Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung sollte eine ausreichend hohe Ver­si­che­rungs­sum­me haben. Wir empfehlen mindestens 10 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden.

Verstoß gegen die Halterpflichten

Schäden nach einem Verstoß gegen die Halterpflichten sollten mitversichert sein. Wenn Du Dein Pferd zum Beispiel nicht richtig sicherst, das Tor des Stalls offen steht und es deswegen wegläuft und einen Schaden verursacht, sollte die Versicherung dafür aufkommen.

Flurschäden

Wenn Dein Pferd auf einer Weide steht, kann es dort ausbrechen (durch einen defekten Zaun oder weil jemand das Tor öffnet). Wenn Dein Pferd dann über Felder oder Beete rennt, verursacht es zum Beispiel Ernteausfälle beim Bauern. Deine Versicherung übernimmt die anfallenden Kosten, wenn Flurschäden im Tarif enthalten sind.

Mietsachschäden

Schäden an Stallungen, Reithallen und allgemein Gebäuden, die Du für Dein Pferd angemietet hast, sollten mit mindestens 300.000 Euro abgesichert sein. Wenn Du Reitzubehör mietest oder Dir leihst, sollte auch das versichert sein. Dafür ist eine geringere Summe ausreichend.

Deckschäden und Fohlen mitversichert

Wenn Du einen Hengst hast, sollten Deckschäden unbedingt abgesichert sein. Wenn er eine Zuchtstute ungewollt deckt, fällt diese für die Zucht erst einmal aus und Du musst für den entstandenen Schaden (Preis für Zuchtfohlen) haften. Wenn die Stute ein Rennpferd ist, entgehen dem Besitzer durch die Deckung eventuell Einnahmen in Form von Preisgeldern. Außerdem fallen Tierarztkosten infolge der Schwangerschaft und Geburt an.

Wenn Du eine Stute hast, benötigst Du die Absicherung ungewollter Deckschäden nicht. Stattdessen solltest Du darauf achten, dass Fohlen zwölf Monate mitversichert sind, sollte Deine Stute gedeckt werden.

For­de­rungs­aus­fall­deck­ung

Die For­de­rungs­aus­fall­deck­ung ist ein wichtiger Bestandteil einer jeden Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Mit diesem Schutz erhältst Du auch Geld von Deiner Pferdehaftpflicht, wenn ein anderer Pferdehalter Dir einen Schaden zugefügt hat, diesen aber nicht bezahlen kann. Dieser Schutz sollte zumindest ab einem Schaden von 2.500 Euro enthalten sein, unsere Empfehlungen haben keine Mindestgrenze.

Versicherter Personenkreis

Sobald Dein Pferd auch nur hin und wieder von anderen betreut wird, solltest Du diese Personen mit in die Versicherung einschließen. Familienangehörige sind immer mitversichert. Auch wenn Dritte Dein Pferd nicht erwerbsmäßig (sie bekommen dafür von Dir kein Geld) hüten, ist dies meist mit abgedeckt.

Wenn andere Dein Pferd reiten, ist auch dies in den meisten Tarifen enthalten, Du musst es aber unbedingt vor Vertragsabschluss angeben. Wird Dein Pferd regelmäßig oder gelegentlich unentgeltlich von jemand anderem geritten, musst Du Fremdreiter angeben.

Wenn sich jemand an den Kosten oder der Versorgung des Pferdes beteiligt und es dafür reiten darf, handelt es sich um eine Reitbeteiligung (Mithalter). Mithalterinnen sind grundsätzlich genauso haftbar wie Du. Ihr könnt die Haftpflicht aber über eine einzige Versicherung abdecken. Dafür müsst Ihr bei Vertragsabschluss nur angegeben, dass es sich um eine Reitbeteiligung handelt.

Achte darauf, dass Ansprüche von Sozialversicherungsträgern mitversichert sind. Erleidet einer der Halter einen Schaden durch das Pferd, kann die zuständige Kran­ken­ver­si­che­rung ansonsten Geld vom anderen Halter verlangen. Sind Ansprüche der Sozialversicherungsträger mitversichert, zahlt der Haftpflichtversicherer das Geld an die Kran­ken­kas­se. Bei einigen Tarifen erhält der geschädigte Halter sogar Schmerzensgeld.

Weitere Leistungen, die eventuell sinnvoll sind

Es gibt Leistungen, die empfehlenswert sind, wenn Du mit Deinem Pferd die entsprechenden Aktivitäten durchführst. Dazu gehören vor allem private Kutschfahrten. Diese solltest Du dann ebenso absichern wie Mietschäden an Kutschen oder Zubehör. Wenn Ihr an Turnieren teilnehmt, sollten auch die Schäden dort mitversichert sein. Dieser Schutz war jedoch nicht Bestandteil unserer Mindestkriterien.

Die Beiträge senken

Vereinbare eine Selbstbeteiligung von 150 Euro. Kleine Schäden kannst Du selbst zahlen und Du verringerst das Risiko einer Kündigung wegen zu häufiger Schadensmeldungen. Außerdem sinken dadurch auch die Beiträge. Für einige Einzelschäden, zum Beispiel Mietsachschäden, gibt es bei manchen Anbietern eine extra Selbstbeteiligung. Bis zu einer Höhe von 250 Euro haben wir diese in unserem Test akzeptiert.

Wenn Du mehr als ein Pferd besitzt, zahlst Du weniger, wenn Du alle Tiere mit einem Vertrag absicherst.

Was zahlt die Pferdehaftpflicht nicht?

Auch wenn Dein Vertrag viele Leistungen enthält, ein Rundum-Sorglos-Paket ist eine Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht. Wenn Du Dich zum Beispiel beim Reiten verletzt, ist das kein Fall für die Haft­pflicht­ver­si­che­rung Deines Pferdes. Dafür ist die private Unfall­ver­sicherung zuständig. Prüfe, ob solch eine Versicherung für Dich infrage kommt.

Wenn Du Dein Pferd gewerblich nutzt, zum Beispiel in einer Reitschule oder als Kutschenpferd, benötigst Du eine andere Versicherung. Je nach Nutzungsart eine Schulpferd-Haftpflichtversicherung oder Verleih-Pferdehaftpflicht.

Wenn dein Pferd krank wird, ist nicht die Haft­pflicht­ver­si­che­rung zuständig. Dafür benötigst Du eine Pfer­de­kranken­ver­si­che­rung oder eine OP-Versicherung für Pferde. Es gibt auch Versicherer, die eine Haftpflicht und Kran­ken­ver­si­che­rung als Kombinations-Pferdeversicherung anbieten. Überlege, was Du an Versicherungen für Dein Pferd benötigst und prüfe mögliche Kombirabatte.

Wenn Du beim Abschluss der Versicherung unvollständige oder nicht korrekte Angaben gemacht hast, ist Dein Pferd nicht richtig versichert.Dann kann es passieren, dass Dir der Versicherer die Leistung verweigert oder kürzt. Achte also von Anfang an darauf, dass alle Deine Angaben richtig sind. Neben Reitbeteiligungen, die Du angeben solltest, ist es wichtig, dass Du korrekte Angaben zum Pferd und dessen Nutzung machst. Handelt es sich um ein Pony, wird es als Reitpferd genutzt? Vielleicht nehmt Ihr sogar an Turnieren teil. Oder ist es ein Gnadenbrotpferd? Wenn Du Dein Pferd als Gnadenbrotpferd, Zuchtstute oder Fohlen angibst, sind Reitrisiken und damit verbundene Schäden nicht versichert.

Welche Pferdehaftpflicht-Tarife empfehlen wir?

Die Auswahl an Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rungen, die Du online bei Versicherern abschließen kannst, ist nicht sehr groß. Umso wichtiger ist es, dass Du den richtigen Tarif wählst. So ist es maßgeblich, dass die oben genannten Leistungen enthalten sind, ein großer Teil der Tarife bietet dies auch. Achte außerdem darauf, dass Du nicht zu viel zahlst. Die Beiträge sind sehr unterschiedlich, sie liegen zwischen knapp 70 Euro und mehr als 165 Euro im Jahr.

Nach einem Vergleich der Leistungen und Beiträge empfehlen wir die Tierhalterhaftpflichtversicherung der Haftpflichtkasse mit einer Ver­si­che­rungs­sum­me von 10 Millionen Euro und den Premium Tarif der NV-Versicherung mit einer Ver­si­che­rungs­sum­me von 15 Millionen Euro. Diese beiden Tarife enthalten unseren Mindestschutz zu günstigen Beiträgen. Die NV-Versicherung ist vor allem für Ponys günstig, die Haftpflichtkasse hat etwas günstigere Beiträge für große Pferde.

Die Haftpflichtkasse
Tierhalterhaftpflicht
  • sehr günstiger Preis mit Papierlos-Nachlass
  • Erfüllt unseren Mindestschutz mit 10 Millionen Ver­si­che­rungs­sum­me
  • Beiträge unabhängig von Wohnort und Alter des Halters
  • Günstigster Tarif im Test für große Pferde
NV-Versicherung
PferdePremium 3.0
  • Günstiger Beitrag, Nachlass für jährliche Zahlung
  • Erfüllt unseren Mindestschutz mit 15 Millionen Euro Ver­si­che­rungs­sum­me
  • Beiträge unabhängig von Wohnort und Alter des Halters
  • Besonders günstig für Ponys
Nur beim Anbieter abschließbar

So haben wir getestet

Wir haben im Februar 2022 Pferdehaftpflicht-Tarife untersucht. Da die Pfer­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung ein relativ einfaches Produkt ist und wenig individuell, haben wir uns für einen Tariftest entschieden. Wir haben die verschiedenen Tarife zunächst anhand ihrer Ver­si­che­rungs­sum­me gefiltert. Diese musste mindestens 10 Millionen Euro betragen, für Personen- und Sachschäden sollte diese Höchstsumme gelten. Dadurch fielen einige Tarife aus unserer Betrachtung heraus. Danach haben wir anhand der weiteren Mindestkriterien untersucht:

  • Flurschäden
  • Mietsachschäden an Objekten und Transportboxen bis mindestens 10.000 Euro
  • Deckschäden
  • Fohlen sind bis 12 Monate mitversichert
  • Fremdreiter und Reitbeteiligungen sind mitversichert
  • For­de­rungs­aus­fall­deck­ung ab 2.500 Euro
  • Ver­si­che­rungs­schutz auch bei Verstoß gegen Halterpflicht

Es blieben elf Versicherer übrig, die diese Kriterien erfüllten. Im nächsten Schritt haben wir mit zehn unterschiedlichen Profilen die Beiträge abgefragt. Wenn ein Versicherer mehrere Tarife hatte, die unsere Kriterien erfüllten, haben wir immer den günstigsten Tarif ausgewählt.

Die Profile unterschieden sich im Alter und Wohnort des Halters, der Größe des Pferdes (großes Pferd oder Pony) und danach, ob es geritten wird. Knapp die Hälfte der Anbieter machte keinerlei Unterschiede bei den Beiträgen, sechs unterschieden nach Pony und großem Pferd, bei drei Anbietern gab es für Pferde ohne Beritt andere Beiträge. Der Wohnort und das Alter des Halters spielten keine Rolle.

Die Beiträge haben wir mit einer Selbstbeteiligung von 150 Euro oder 125 Euro abgefragt. Bei einigen Anbietern konnte keine Selbstbeteiligung gewählt werden, zum Beispiel bei der Haftpflichtkasse für Ponys. Dies verteuerte die Beiträge. Wir haben immer Jahresbeiträge abgefragt, bei einigen Anbietern gibt es dafür einen Bonus, bei der Haftpflichtkasse haben wir den Beitrag mit 10 Prozent Papierlos-Nachlass gewählt.

Der Premiumtarif der NV-Versicherung war mit 64,74 Euro für das Pony am günstigsten, bei der Haftpflichtkasse kostet die Versicherung für das Pony 71,28 Euro, allerdings ohne Selbstbeteiligung. Für große Pferde liegen die Beiträge mit Selbstbeteiligung bei der Haftpflichtkasse daher sogar etwas niedriger als für Ponys: 69,38 Euro. Bei der NV-Versicherung zahlst Du für einen Tarif bei einem großen Pferd 85,98 Euro. Der Barmenia Top Tarif war der dritte, bei dem die Tarife unter 100 Euro im Jahr lagen, alle anderen Anbieter lagen darüber.

Nach unserer Preisabfrage haben wir bei den Empfehlungen noch einmal nachgefragt, ob alle relevanten Risiken laut unseren Kriterien abgesichert sind, dies wurde von beiden Anbietern bestätigt.

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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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