Familienhaftpflichtversicherung

KLEINE UND GROSSE KINDER MITVERSICHERN

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Familienhaftpflichtversicherung sind Kinder bis zum Ende von Ausbildung oder Studium mitversichert, solange sie noch nicht regulär gearbeitet haben. Zu Kindern zählen die leiblichen Kinder ebenso wie Pflege-, Stief- und Adoptivkinder.
  • Das gilt nicht nur im Familientarif, auch Singles können ihre Kinder in ihrer Haftpflicht mitversichern.
  • Kinder bis sieben Jahre sind nicht schuldfähig. Eltern müssen daher nicht für Schäden haften, die die Kleinen verursachen.
  • Viele Versicherungen bieten Tarife an, die Schäden durch schuldunfähige Kinder trotzdem abdecken. Das kann helfen, Streit mit den Nachbarn oder befreundeten Familien zu vermeiden, falls doch mal was passiert.

So gehen Sie vor

  • Kinder sind automatisch mitversichert, sobald Sie die Tarifvariante „mit Kind(ern)“ wählen.
  • Möchten Sie, dass Ihre Versicherung außerdem für Schäden durch Ihre Kinder unter sieben Jahren zahlt, sollten Sie prüfen, ob Ihre Privathaftpflichtversicherung dafür aufkommt. Nicht alle Tarife bieten das ohne Weiteres an. Dann müssen Sie entweder den Tarif oder sogar den Anbieter wechseln.
  • Prüfen Sie bei der Gelegenheit auch die Deckungssummen Ihres Familienhaftpflicht-Vertrages. 50 Millionen Euro sollten es mindestens sein.
  • Die von uns empfohlenen Tarife haben sehr umfassende Regelungen zur Mitversicherung von Kindern. Wir empfehlen den Tarif „Einfach Besser Plus“ der Haftpflichtkasse, den Tarif „Prestige“ der Bayerischen oder den Tarif „Klassik-Garant Exklusiv“ der VHV.

Manchmal geht es ganz schnell: Ein Moment der Unachtsamkeit, und schon haben Sie einen Unfall verursacht, der Ihre Existenz finanziell bedroht. Falls Sie Nachwuchs haben, ist diese Gefahr noch größer: Kinder verursachen eher einen Schaden als Erwachsene, weil sie die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht immer überblicken können.

Eine Haftpflichtversicherung, die für die finanziellen Folgen solcher Unglücke aufkommt, sollte daher alle Eltern haben. Als Kinder gelten neben eigenen Kindern auch Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder.

Wie lange sind Kinder in der Familienhaftpflicht mitversichert?

Während der Schulzeit und der ersten beruflichen Ausbildung schließt eine Familienhaftpflichtversicherung neben minderjährigen auch erwachsene Kinder ein – sogar wenn der Nachwuchs nicht mehr zu Hause wohnt. Als erste berufliche Ausbildung gelten Lehre und Studium, die ohne Unterbrechung aufeinander folgen. Wer als Student nach dem Bachelor direkt einen Master macht, ist ebenfalls abgesichert. Aber sobald es danach in den Vorbereitungsdienst (Referendariat) geht, gilt die Familienversicherung nicht mehr.

Auch in der Wartephase nach der Schule schützt die private Haftpflicht ein Jahr lang. Falls das Kind nach der Lehre bereits erwerbstätig war und dann noch einmal ein Studium oder eine Lehre aufnimmt, muss es sich allerdings selbst versichern. Das gilt in der Regel auch, sobald es heiratet.

Grundsätzlich gilt: Ist jemand einmal nach der Erstausbildung oder dem Erststudium aus dem Familienvertrag raus, kommt er auch nicht wieder rein. Wer also nach vielen Jahren Berufstätigkeit erstmalig ein Studium aufnimmt, muss sich weiterhin selbst versichern.

Ab wann haften kleine Kinder überhaupt?

Erst mit sieben Jahren gelten Kinder vor dem Gesetz als delikt- beziehungsweise schuldfähig, im Straßenverkehr sogar erst mit zehn Jahren. Das bedeutet, dass kleine Kinder nicht haften müssen, wenn sie einen Schaden verursachen. Schießt beispielweise ein sechsjähriger Junge einen Fußball durch die Fensterscheibe des Nachbarhauses, ist er schuldunfähig. Die private Haftpflichtversicherung, in der das Kind mitversichert ist, muss für den Schaden nicht aufkommen.

Je jünger das Kind, desto regelmäßiger müssen Eltern nachschauen

Haben aber die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, springt die Privathaftpflichtversicherung für Schäden ein, die das Kind verursacht hat. Bei der Frage, wann genau Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzen, kommt es auf den Einzelfall an – das Alter und die Reife des Kindes sind ausschlaggebend.

Als Faustformel gilt laut dem Bundesgerichtshof (Urteil vom 24. März 2009, Az. VI ZR 51/08): Ist das Kind jünger als vier Jahre, muss es so beaufsichtigt werden, dass Eltern jederzeit eingreifen können. Eltern müssen Kinder bis sieben Jahre alle 15 bis 30 Minuten kontrollieren. Ältere Jungen und Mädchen dürfen auch über einen längeren Zeitraum unbeobachtet sein, die Eltern sollten aber ungefähr wissen, wo sich der Nachwuchs aufhält.

Ein Beispiel: Bei einer Sechsjährigen haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, wenn sie zu weit von dem Mädchen entfernt sind, um es daran zu hindern, ein Auto zu zerkratzen. In dieser Situation haften die Eltern für ihr Kind, und die Haftpflichtversicherung muss den Schaden am Auto ersetzen.

Anders in diesem Fall: Nicht haften mussten die Eltern eines dreijährigen Kindes, das sie schlafend wähnten. Der Junge war ins Bett gebracht worden, die Mutter war in Hörweite. Nur schlief das Kind nicht, sondern verstopfte mit Toilettenpapier die Toilette und verursachte eine Überschwemmung. Dennoch sah das Gericht die Aufsichtspflicht nicht als verletzt an, weil Kinder in der geschlossenen Wohnung nicht ständig beobachtet werden müssen (OLG Düsseldorf, Beschluss vom 26. April 2018, Az. I-4 U 15/18).

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Damit die Versicherung auch zahlt, wenn sie nicht muss

Unfälle mit Kindern passieren meist im privaten Umfeld, also bei Nachbarn, einer befreundeten Familie oder Verwandten. Da Eltern sich diesen Menschen meist persönlich verpflichtet fühlen, möchten viele die vom Nachwuchs verursachten Schäden ersetzen, auch wenn sie das eigentlich nicht müssten.

Und weil kleine Kinder nicht nur kleine Schäden anrichten, sondern auch Menschen zu Schaden kommen können, ist es manchmal existenziell wichtig, dass die Haftpflichtversicherung der Eltern zahlen kann. Dafür muss Ihre Haftpflichtversicherung eine Klausel enthalten, wonach sie auch Schäden von schuldunfähigen Kindern ersetzt. Mit dieser Klausel wahren Sie den nachbarschaftlichen Frieden und erweitern Ihren Versicherungsvertrag. Achten Sie darauf, dass diese Erweiterung auch hohe Schäden zahlt, im besten Fall bis zur Versicherungssumme. Hier empfehlen wir mindestens 20 Millionen Euro. Die von uns empfohlenen Tarife tun das.

Die Haftpflichtkasse
Tarif Einfach Besser Plus

  • günstiger Preis für Singles und Familien
  • sehr guter Tarif (Stiftung Warentest: Note 1,0)
  • Best-Leistungs-Garantie heißt „Erweiterte Vorsorge“
  • Deckungssumme: 50 Mio. € pauschal, je geschädigter Person 10 Mio. €

Die Bayerische
Tarif Prestige

  • attraktiver Preis für Singles
  • sehr guter Tarif (Stiftung Warentest: Note 0,9)
  • Best-Leistungs-Garantie ist mitversichert
  • Deckungssumme: 50 Mio. € pauschal, je geschädigter Person 15 Mio. €

VHV
Tarif Klassik-Garant Exklusiv

  • geeignet für Familien, die noch bessere Absicherung wollen
  • sehr guter Tarif (Stiftung Warentest: Note 0,8)
  • Best-Leistungs-Garantie beinhaltet Neuwertentschädigung und verbesserten Opferschutz
  • Deckungssumme: 50 Mio. € pauschal, je geschädigter Person 15 Mio. €
  • bei zwei Schäden beim vorherigen Versicherer Selbstbeteiligung in Höhe von 150 € verpflichtend

VHV

Mehr dazu im Ratgeber Privathaftpflicht

Silke Kursawe
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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  • Sparen Sie nicht an den Leistungen.
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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.

Silke Kursawe

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Silke Kursawe ist bei Finanztip Expertin für Versicherungen. Sie ist Versicherungsbetriebswirtin und hat einen Master im Versicherungsrecht. Silke verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Branche und im Bereich der Sach- und Haftpflichtversicherungen. Außerdem absolvierte sie erfolgreich ein Studium der Wirtschaftspädagogik in Göttingen.