PKV Unisex-Tarife

So profitieren Sie von den Unisex-Tarifen

Annika Krempel Stand: 06. Dezember 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen gibt es in der privaten Krankenversicherung nicht mehr – seit 2012 sind einheitliche Tarife, Unisex-Tarife genannt, Pflicht.
  • Für Frauen sind Unisex-Tarife in der Regel günstiger als die alten Tarife.
  • Einige private Krankenversicherer bieten besondere Tarife während der Schwangerschaft an.
  • In der Elternzeit entfällt der Zuschuss des Arbeitgebers zum Versicherungsbeitrag.
So gehen Sie vor
  • Altverträge aus der Zeit vor 2012 haben die Versicherer nicht automatisch angepasst. Betroffene Frauen sollten daher den Wechsel in einen Unisex-Tarif prüfen.
  • Erkundigen Sie sich, ob Ihre Versicherung einen besonderen Schwangerschaftstarif hat.
  • Während des Mutterschutzes können privat krankenversicherte Frauen Mutterschaftsgeld beim Bundesversicherungsamt beantragen.

Die private Krankenversicherung ist für Frauen attraktiver geworden: Seit 2012 schreibt der Gesetzgeber für neue Policen sogenannte Unisex-Tarife vor. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) dürfen Versicherer bei der Kalkulation nicht mehr nach dem Geschlecht unterscheiden. Seitdem zahlen Frauen und Männer für Neuverträge den identischen Beitrag, sofern die übrigen Lebensbedingungen – Alter und Gesundheitszustand beispielsweise – gleich sind.

Vor der Einführung der Unisex-Tarife lag der Versicherungsbeitrag für Frauen in der privaten Krankenversicherung (PKV) über dem für Männer. Oft machte das bis zu 150 Euro im Monat aus.  Auch wenn Frauen sich mittlerweile wie Männer versichern können, gibt es doch nach wie vor Unterschiede: In der privaten Krankenversicherung müssen sie auch weiterhin einige Besonderheiten während der Schwangerschaft und der Elternzeit beachten.

Unterschiedliche Risiken von Frauen und Männern

Bereits seit 2008 müssen privat versicherte Männer und Frauen die Kosten rund um Schwangerschaft und Geburt gemeinsam tragen. Seit 2012 sind die Versicherer verpflichtet, auch die Unterschiede in der Lebenserwartung und beim Erkrankungsrisiko bei der Berechnung anzugleichen. Denn verantwortlich für den Aufschlag für Frauen waren nicht etwa die Schwangerschaftskosten.

Der Grund für die teuren Tarife lag vielmehr in der höheren Lebenserwartung für Frauen: Der aktuellen Sterbetafel zufolge werden sie im Durchschnitt fast sieben Jahre älter als Männer. Entsprechend höher fielen bis 2012 zum Beispiel die Altersrückstellungen aus. 

Umstellung auch bei anderen Versicherungen

Nicht nur beim privaten Krankenschutz, auch in der privaten Pflege-Pflichtversicherung oder bei Policen gegen Berufsunfähigkeit sparen Frauen durch die Unisex-Tarife, und die Männer zahlen entsprechend mehr. Doch nicht immer profitieren weibliche Versicherte von der Gleichstellung: Bei einer Risikolebensversicherung etwa zahlten sie bis 2012 wegen der höheren Lebenserwartung deutlich weniger als Männer. Auch in der Kfz-Haftpflicht sind die Prämien für Frauen durch die Unisex-Tarife gestiegen.

Frauen mit Altverträgen können oft sparen

Frauen, die bereits vor 2012 privat krankenversichert waren, sollten prüfen, ob ein geschlechtsneutraler Tarif für sie günstiger ist. Denn auf Altverträge hat sich die Reform nicht ausgewirkt. Durch den Wechsel in einen Unisex-Vertrag können weibliche Versicherte daher oft viel Geld sparen.

Eine neue Gesundheitsprüfung ist für den Tarifwechsel beim selben Anbieter nicht nötig. Auch ihre Altersrückstellungen können Versicherte problemlos mit in den neuen Tarif nehmen.

Mehr dazu im Ratgeber Interner Tarifwechsel

  • Jeder privat Krankenversicherte hat das Recht, bei seinem Anbieter in einen günstigeren Tarif zu wechseln.
  • Unser Musterschreiben für den Tarifwechsel: Musterschreiben

Zum Ratgeber 

Besondere Tarife während der Schwangerschaft möglich

Die private Krankenversicherung bietet Frauen einerseits zusätzliche Leistungen während Schwangerschaft und Mutterschaft. Andererseits sind die Kosten in der PKV gerade dann deutlich höher als bei einer gesetzlichen Kasse. So zahlen Frauen in der privaten Krankenversicherung auch während des Mutterschutzes Versicherungsbeiträge. Allerdings müssen auch freiwillig gesetzlich versicherte Frauen während des Mutterschutzes Beiträge an ihre Kasse zahlen. Am günstigsten ist es, wenn sich die Frau über die kostenfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse absichern kann.  

Einige private Krankenversicherer gewähren jedoch einen Beitragszuschuss während der Schwangerschaft und des Mutterschutzes oder erlauben der Versicherten, im ersten Monat nach Bekanntwerden der Schwangerschaft in einen gesonderten Tarif umzusteigen. Ein solcher Tarif ist meist günstiger, und zum Beispiel auch mit einer Entbindungspauschale aus dem Krankentagegeld gekoppelt bietet also zusätzliche Leistungen.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

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Reduziertes Mutterschaftsgeld beantragen

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben Frauen Anspruch auf Mutterschaftsgeld von ihrer Krankenkasse – für sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem durchschnittlichen Gehalt der letzten drei Monate vor dem Mutterschutz: Die Kasse zahlt in dieser Zeit maximal 13 Euro pro Kalendertag an die Frau, den Differenzbetrag zum Nettolohn muss der Arbeitgeber ausgleichen.

Privat krankenversicherte Frauen können ein reduziertes Mutterschaftsgeld beim Bundesversicherungsamt in Berlin beantragen. Die Behörde zahlt ihnen einmalig bis zu 210 Euro. Genau wie ihren gesetzlich versicherten Kolleginnen zahlt der Arbeitgeber auch privat versicherten Frauen im Mutterschutz das jeweilige Nettogehalt abzüglich 13 Euro pro Arbeitstag.

Mütter, die selbstständig und in der PKV versichert sind, erhalten Geld während der Zeit des Mutterschutzes aus ihrer Krankentagegeldversicherung. Die Höhe entspricht dem vereinbarten Krankentagegeld.

In den Finanztip-Ratgebern zu Elternzeit und Elterngeld finden Sie weitere Informationen rund um das reduzierte Mutterschaftsgeld. Das Familienministerium bietet zudem eine umfangreiche Broschüre zu Elterngeld und Elternzeit, die auch Informationen zum Krankenversicherungsschutz enthält.

Kein Zuschuss vom Arbeitgeber in der Elternzeit

Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung sind während der Elternzeit beitragsfrei versichert. Privat Krankenversicherte müssen dagegen während der Elternzeit den vollen Beitrag zahlen. Der vom Arbeitgeber zu zahlende Beitragszuschuss zur Krankenversicherung entfällt in der Elternzeit. Frauen wie Männer in der privaten Krankenversicherung müssen daher in dieser Zeit ihre Versicherungsprämie komplett selbst tragen, also auch den bisher vom Arbeitgeber übernommenen Anteil.

Autor
Annika Krempel

Stand: 06. Dezember 2017


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