Krankenversicherung für Studenten

Gesetzliche Krankenkasse ist im Studium die bessere Wahl

Das Wichtigste in Kürze

  • Studienanfänger können wählen zwischen der gesetzlichen (GKV) oder der privaten Krankenversicherung (PKV). In der Regel ist die GKV während des Studiums die bessere Wahl.
  • Studenten sind in der gesetzlichen Krankenkasse ihrer Eltern bis zum 25. Lebensjahr kostenlos familienversichert.
  • Der Studentenbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung liegt im Monat bei durchschnittlich 91,64 Euro für Kinderlose über 25 Jahren.
  • Wer älter als 30 Jahre ist, für den wird es deutlich teurer.
  • Privat versicherte Beamtenkinder sollten gemeinsam mit den Eltern vor Studienbeginn gut überlegen, ob sie nicht in eine gesetzliche Kasse wechseln.
  • Wer im Studium privat versichert ist, kann danach nicht zurück wechseln, wenn er sich selbstständig macht.
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Nur wenige Studienanfänger stellen sich ernsthaft die Frage, wo sie sich krankenversichern sollen. Die Mehrzahl bleibt einfach in der Krankenversicherung, in der sie bisher waren, und das ist meistens die der Eltern. Was in der überwiegenden Mehrheit der Fälle unproblematisch ist, ist nicht immer die richtige Entscheidung.

Wahl zu Beginn des Studiums: Gesetzlich oder privat versichern?

Für alle Studierenden gilt: Sie müssen krankenversichert sein. Studenten werden zunächst einmal der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zugeordnet. Aber sie haben einmalig zu Beginn des Studiums die Wahl, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und sich in der privaten Krankenversicherung (PKV) zu versichern. Das können alle Studenten machen, nicht nur diejenigen, die bereits vorher privat versichert waren. Wer in die PKV will oder in dieser bleiben will, muss spätestens drei Monate nach der Immatrikulation einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht stellen. Die Wahl der Versicherung ist dann für die gesamte Dauer des Studiums bindend. Ein Wechsel in das jeweils andere System ist während des Studiums nicht möglich.

Folgende Fälle lassen sich unterscheiden:

1. Sie sind über Ihre Eltern familienversichert
Wer über die Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse ist, kann dort auch während des Studiums bleiben und zahlt so lange keinen eigenen Beitrag, wie die Eltern Kindergeld erhalten. Das ist in der Regel bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs der Fall. Nur diejenigen, die Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet haben, erhalten entsprechend länger Kindergeld – maximal ein Jahr.

Die Familienversicherung  ist für Studenten die günstigste und beste Lösung. Ein Wechsel kommt üblicherweise nicht infrage. Zur Immatrikulation müssen Studierende eine Versicherungsbescheinigung der Krankenkasse mitbringen, die sie telefonisch bei der Kasse bestellen können.

2. Sie sind selbst Mitglied in einer gesetzlichen Kasse
Wer zu Beginn des Studiums älter als 25 Jahre ist oder schon voll gearbeitet hat, ist bereits zahlendes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse und sollte zu Studienbeginn auch in der GKV bleiben. Studenten, die unmittelbar vor dem Studium pflichtversichert waren, etwa durch eine Ausbildung, Bundesfreiwilligendienst oder freiwilliges soziales Jahr, müssen sogar nach einem Urteil des Bundessozialgerichts während des Studiums in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben (Urteil vom 27. April 2016, Az. B12KR24/14R). Sie haben nicht mehr das Recht, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Der Beitrag für Studenten ist vergünstigt und an die Entwicklung des Bafögs gekoppelt, das als Bemessungsgrundlage dient. Seit Oktober 2016 liegt der Beitrag für Studenten bei 66,33 Euro. Hinzu kommt noch ein Zusatzbeitrag von im Durchschnitt 1,1 Prozent, der aber bei jeder Krankenkasse anders ausfällt. Der Beitrag erhöht sich so auf durchschnittlich 73,47 Euro. Für die gesetzliche Pflegeversicherung müssen Studenten im Jahr 2017 monatlich 18,17 Euro zahlen. Für Studenten mit Kindern liegt der Beitrag bei 16,55 Euro.

Wer keine Kinder hat, zahlt im Schnitt also 91,64 Euro im Monat. Das gilt aber nur bis zum Abschluss des 14. Fachsemester oder bis zur Vollendung des 30. Lebensjahrs. Danach zahlen kinderlose Studenten bis zu sechs Monate einen ermäßigten „Examenstarif“ von durchschnittlich 140,03 Euro. Wer das Studium während der sechs Monate nicht beendet, dem bleibt nur die freiwillige Versicherung in der GKV – zu einem noch höheren Tarif. Gegebenenfalls ist auch eine beitragsfreie Familienversicherung über den Ehe- oder Lebenspartner möglich.

Als Student können Sie wie alle Versicherten zu einer Kasse Ihrer Wahl wechseln. Kinder von Studenten sind über ihre studierenden Eltern oder über die Großeltern familienversichert.

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Annika Krempel
von Finanztip,
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3. Sie sind aufgrund Ihrer Eltern privat versichert
Wer bereits in der PKV war, weil ein oder beide Elternteile privat versichert sind, kann das auch im Studium bleiben. So sind Kinder von Beamten häufig weiterhin privat versichert, weil ihre Beiträge durch die Beihilfe sehr niedrig sind. An diese Entscheidung sind sie allerdings für das gesamte Studium gebunden. Und gerade dabei gibt es viele Fallstricke:

  • Wer während des Studiums 25 Jahre alt wird, fällt in der Regel aus dem günstigen Beihilfetarif heraus, da seine Eltern kein Kindergeld mehr erhalten. Der normale Beitrag für privat versicherte Studenten ist deutlich höher.
  • Wer nach dem Studium nicht gleich einen Job findet und Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bezieht, bekommt zwar einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung, muss die restlichen Kosten aber selbst tragen. Allerdings besteht die Möglichkeit, in einen Basistarif zu wechseln, dessen Leistungen nur der GKV entsprechen.
  • Wer sich nach dem Studium selbstständig macht, muss sich weiter privat versichern und ist für die Dauer der Selbstständigkeit auf die PKV festgelegt.

Unser Rat: Besprechen Sie unbedingt vor Studienbeginn mit Ihren Eltern diese Risiken. Gerade für Beamte scheinen die günstigen Beihilfetarife sehr attraktiv. Machen Sie sich gemeinsam Gedanken, ob nicht ein Wechsel in die studentische Kranken- und Pflegeversicherung auf Dauer sinnvoller ist. Der Beitrag von durchschnittlich 91,64 Euro liegt nicht dramatisch über dem Beihilfetarif. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer, welche Tarife er für die geschilderten Fälle anbietet. Möglicherweise kommt es auch infrage, eine Anwartschaft in der PKV abzuschließen, um später in die private Versicherung zurückkehren zu können.

4. Sie sind bereits selbst privat versichert
Wer bereits vor dem Studium ausreichend verdient hat oder selbstständig war, ist möglicherweise schon selbst privat versichert. In diesem Fall ist ein Wechsel zu einer gesetzlichen Krankenkasse nicht ohne Weiteres möglich. Nur wer 30 Jahre oder jünger ist, gilt als versicherungspflichtig und kann sich ohne Probleme für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden oder durch einen Antrag weiterhin privat versichert bleiben. Ältere Studenten haben diese Wahlmöglichkeit nicht, sie müssen in der PKV bleiben.

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Annika Krempel
von Finanztip,
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Während des Studiums

An ihre Entscheidung für die gesetzliche oder die private Krankenversicherung sind Studenten während des ganzen Studiums gebunden. Allerdings können sich folgende Veränderungen ergeben:

  • Wenn Sie neben dem Studium arbeiten und weniger als 450 Euro im Monat verdienen, sind Sie dabei im Minijob von Sozialabgaben befreit. Überschreiten Sie dagegen die 450-Euro-Grenze regelmäßig, sind Sie nicht mehr beitragsfrei familienversichert. In der Regel ist dann der Studentenbeitrag zu zahlen. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, bevor Sie die Arbeit aufnehmen.
  • Wer während des Studiums seinen 25. Geburtstag feiert, fällt ebenfalls aus der Familienversicherung heraus und muss den Studentenbeitrag bezahlen.
  • Gleiches gilt für bisher Beihilfeberechtigte: Die Beihilfe entfällt mit dem Wegfall des Kindergelds. Betroffene müssen dann in einen teureren vollwertigen Tarif der privaten Versicherung.
  • Auch für gesetzlich Versicherte, die während des Studiums 30 Jahre alt werden oder das 14. Fachsemester erreicht haben, entfällt der Studentenrabatt. Sie müssen sich dann freiwillig gesetzlich versichern.
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Nach dem Studium

Die Wahl der Krankenversicherung während des Studiums wirkt sich auch auf die Zeit danach aus. Nicht immer ist ein Systemwechsel möglich.

Keine Probleme gibt es in der Regel, wenn Sie nach dem Studium als Angestellter arbeiten. Waren Sie zuvor gesetzlich versichert, können Sie das auch weiterhin bleiben. Wer als Student privat versichert war, kann zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. In den meisten Fällen ist die GKV zunächst die bessere Option. Selbst ein Einstiegsjahresgehalt von mehr als 57.600 Euro (Jahresarbeitsentgeltgrenze 2017) steht dem nicht im Weg: Wer zuvor noch nicht voll berufstätig war, kann sich dank einer Sonderregelung auch dann noch gesetzlich versichern.

Wer sich selbstständig macht und bislang gesetzlich versichert war, hat grundsätzlich die Wahl zwischen den Systemen. In der Regel sollten Gründer aber zunächst bei einer gesetzlichen Kasse bleiben. Wer Existenzgründerzuschuss erhält, profitiert in der GKV zudem von niedrigeren monatlichen Mindestbeiträgen. An einen Wechsel in die PKV sollte ein Selbstständiger erst denken, wenn das Geschäft gut läuft. Wer als Student dagegen privat versichert war, muss das als Selbstständiger auch bleiben und den vollen Beitrag bezahlen. Der Wechsel in Billigtarife mit schlechten Leistungen ist nicht zu empfehlen. Diese werden mit der Zeit oft unverhältnismäßig teuer und sind schwer aufzustocken, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert.

Wer nach dem Studium verbeamtet wird, kann und sollte sich in der Regel privat versichern, um von der Beihilfe zu profitieren.

Findet ein Hochschulabsolvent keinen Job, hat er meist keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da er ja zuvor nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Allerdings kann er Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen. Dann gibt es nicht nur die Grundsicherung, sondern das Amt bezahlt auch den Beitrag zu gesetzlichen Krankenversicherung. Privat Versicherte haben die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln, um Beiträge zu sparen. Auch dafür gibt es einen Zuschuss. In die GKV kann nur wechseln, wer aufgrund einer früheren Anstellung Arbeitslosengeld I bezieht.

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Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Über den "Werkstudenten-Status" klappt es nicht, denn der Werkstudent ist ja gerade per definitionem sozialversicherungsfrei. Sie müssen mit dem Arbeitgeber sprechen, dass der Sie nicht als ...
11. November 2015 zum Beitrag
Ich habe eine Frage: ich bin Studentin und war bisher über meine Eltern (mein Vater ist Beamter) familienversichert in der privaten Krankenkasse. Da ich aber nun 25 geworden bin muss ich mich nun ab ...
11. November 2015 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.