Private Pflegeversicherung

So sorgen Privatversicherte für den Pflegefall vor

Das Wichtigste in Kürze

  • Privat Krankenversicherte sind verpflichtet, eine private Pflege-Pflichtversicherung abzuschließen.
  • Die Beiträge in der privaten Pflege-Pflichtversicherung richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter und dem Gesundheitszustand.
  • Allerdings gibt es nach einer Frist von fünf Jahren eine Beitragsobergrenze in Höhe des Höchstbetrags der gesetzlichen Pflegeversicherung.
  • Durch die Pflegereform verbessern sich auch die Leistungen für Privatversicherte, jeoch steigen auch die Beiträge zum Teil deutlich.
  • Wer freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, kann sich auf Antrag dennoch privat pflegeversichern.
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Jeder Krankenversicherte muss eine Pflegeversicherung abschließen, egal, ob er gesetzlich oder privat versichert ist. Wie bei der Krankenversicherung auch gibt es dafür zwei Systeme: die private und die gesetzliche Pflege-Pflichtversicherung. Die Zugehörigkeit zu einem der beiden Systeme richtet sich nach dem Krankenversicherungsstatus: Kassenpatienten sind automatisch auch gesetzlich pflegeversichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert sind. Ein zusätzlicher Antrag zur Aufnahme in die Pflegeversicherung ist nicht nötig. Das gilt auch für Studenten oder Rentner.  

Privatpatienten müssen dagegen eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen. In der Regel übernimmt der private Krankenversicherer auch die Absicherung für den Pflegefall. Das muss allerdings nicht so sein: In den ersten sechs Monaten nach Abschluss einer privaten Krankenversicherung können die Kunden auch einen anderen Versicherer für den Pflegeschutz auswählen. Diese private Pflege-Pflichtversicherung hat jedoch nichts mit den privaten Pflege-Zusatzversicherungen zu tun, deren Leistungen die Grundversorgung weiter aufstocken. Solche Zusatzpolicen können auch Kassenpatienten abschließen.  

Nicht versicherungspflichtig in der privaten Pflegeversicherung sind Menschen, die bereits Pflegeleistungen für die stationäre Pflege erhalten. Auch wer im Ausland lebt und eine private Krankenversicherung hat, muss in der Regel keine Beiträge zur privaten Pflege-Pflichtversicherung zahlen.

Höhe der Beiträge für Privatversicherte begrenzt

Die Beitragshöhe in einem privaten Pflegetarif richtet sich nach dem Risiko des Versicherten, pflegebedürftig zu werden. Ausschlaggebend sind der Gesundheitszustand und das Lebensalter bei Vertragsabschluss: Für Versicherte im fortgeschrittenen Alter fallen die Beiträge entsprechend höher aus. Allerdings macht der Staat – anders als bei der privaten Krankenversicherung – im Pflegebereich zahlreiche Vorschriften, wie die Beiträge gestaltet werden müssen: So dürfen sich die Prämien für Frauen und Männer nicht unterscheiden, Kinder müssen beitragsfrei mitversichert werden und Menschen mit Vorerkrankungen dürfen nicht abgewiesen werden.  

Für Bestandskunden schreibt der Gesetzgeber außerdem Höchstbeiträge zur privaten Pflegeversicherung vor. So soll sichergestellt werden, dass sich ältere Versicherte die Prämien leisten können. Neukunden müssen zunächst für fünf Jahre ohne Beitragsgrenze auskommen. Danach zahlen auch Privatversicherte maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung ohne den Zuschlag für Kinderlose. Für 2017 liegt dieser Höchstbeitrag bei 110,92 Euro im Monat. Hat der Ehepartner kein oder nur ein geringes Einkommen, ist der gemeinsame Beitrag bei 150 Prozent des gesetzlichen Höchstbeitrags gedeckelt.

Für Privatversicherte im Basistarif, die sich einen teuren vollwertigen Tarif nicht leisten können, sind auch die Beiträge zur Pflegeversicherung begrenzt. In finanziellen Notlagen zahlt der Sozialhilfeträger außerdem einen Zuschuss zur Pflegeversicherung. Privat pflegeversicherte Arbeitnehmer haben Anspruch auf einen Beitragszuschuss des Arbeitgebers. Dieser Zuschuss entspricht dem Arbeitgeberanteil in der gesetzlichen Pflegeversicherung, allerdings übernimmt der Arbeitnehmer nie mehr als die Hälfte des Beitrags zur privaten Pflegeversicherung.

Prämien für private Pflegetarife steigen 2017

Durch die Pflegereform haben auch Privatversicherte im Pflegefall Anspruch auf höhere Zahlungen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Leistungsempfänger durch die Umstellung von drei Pflegestufen auf nun mehr fünf Pflegegrade zum 1. Januar 2017. In der Folge steigt zum Jahreswechsel auch die monatliche Prämie bei privaten Pflegetarifen. Eine Umfrage von Finanztip unter den größten privaten Pflegeversicherern hat ergeben, dass alle befragten Anbieter die Beiträge erhöhen – im Durchschnitt um rund 6 Euro pro Vertrag. In Einzelfällen müssen Versicherte bis zu 14 Euro mehr im Monat für ihren Versicherungsschutz bezahlen.

Bei der privaten Pflege-Pflichtversicherung handelt es sich um einen Verbandstarif, der branchenweit einheitlich kalkuliert wird. Bei den Preisanpassungen gibt es daher keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Der Verband der privaten Krankenversicherung hat berechnet, dass ein Angestellter 2017 durchschnittlich 37 Euro im Monat für den privaten Pflegeschutz zahlt. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 23,50 Euro.

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Das leistet die private Pflegeversicherung

Die Leistungen in der privaten Pflege-Pflichtversicherung entsprechen denen der gesetzlichen Pflegekassen. Das gilt auch für die Wartezeit, bis die Versicherung zahlt: Gesetzlich wie privat Pflegeversicherte haben einen Anspruch auf Leistungen, wenn sie in den zehn Jahren vor Antragsstellung mindestens zwei Jahre versichert waren. Auch bei der Zuordnung Pflegebedürftiger zu einem Pflegegrad müssen private Anbieter dieselben Maßstäbe anwenden wie die gesetzliche Pflegeversicherung. Wer bereits Leistungen bezieht, bekommt auch künftig mindestens so viel, wie vor der Umstellung auf die neuen Pflegegrade. Die Umstellung erfolgt automatisch, eine erneute Begutachtung ist dafür nicht nötig.

Die private Pflegeversicherung unterscheidet ebenfalls zwischen ambulanter und stationärer Pflege. Allerdings gestalten sich die Leistungen der privaten Versicherer etwas anders. So übernehmen gesetzliche Pflegekassen bei der Pflege zu Hause Sachleistungen oder zahlen ein Pflegegeld – gestaffelt nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Statt der Sachleistungen bieten die privaten Pflegeversicherer ihren Mitgliedern eine Kostenerstattung in gleicher Höhe an. Auch die Kosten für die Pflege in einem Heim erstatten die Versicherer bis zur Höhe der gesetzlichen Pflegesätze.

Leistungssätze nach Pflegegrad

Pflegestufe Pflegegeld¹ ambulante Kosten¹ stationäre Kosten¹
Grad 1 125² 0 0
Grad 2 316 689 770
Grad 3 545 1.298 1.262
Grad 4 728 1.612 1.775
Grad 5 901 1.995 2.005

1 monatliche Leistungssätze in Euro, ² keine Geldleistung, nur zweckgebundene Kostenerstattung
Quelle: Bundesministerium der Gesundheit (Stand: Januar 2017)

Übernommen werden auch von den privaten Anbietern nur die Pflegeleistungen selbst. Kosten für Unterbringung und Essen im Pflegeheim muss der Versicherte selbst tragen. Leistungen gibt es zudem in der Regel nur in Deutschland: Hält sich der Pflegebedürftige im Ausland auf, ruht der Leistungsanspruch. Auch die Höhe der Leistungen der privaten Pflegeversicherung ist gesetzlich begrenzt. Deshalb droht auch Privatpatienten im Pflegefall eine Finanzierungslücke, die sie aus eigenen Mitteln schließen müssen. Private Pflege-Zusatzversicherungen sind eine Möglichkeit dazu.

Mitnahme von Altersrückstellungen

Der private Pflegeversicherungsschutz funktioniert nach dem Prinzip der Kapitaldeckung: Damit die Beiträge im Alter nicht unverhältnismäßig steigen, bildet jeder Versicherte ein finanzielles Polster für später, die sogenannten Altersrückstellungen. Eine wichtige Rolle für die Beitragshöhe spielt daher auch die Dauer der Ansparphase. Dieses Verfahren wird auch als Anwartschaftsdeckungsverfahren bezeichnet. Seit 2009 können Versicherte ihre Altersrückstellungen bei einem Anbieterwechsel in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung zumindest teilweise mitnehmen.  

Anders verhält es sich beim Wechsel zurück zu einer gesetzlichen Kasse. Die Rückstellungen bleiben dann beim Versicherer und kommen den übrigen Versicherten zugute. Wer wegen Arbeitslosigkeit oder zu niedrigen Einnahmen vorübergehend wieder der Sozialversicherungspflicht unterliegt, kann daher eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Diese gewährleistet den Wiedereintritt in die private Pflegeversicherung ohne Risikozuschlag und gegebenenfalls mit Anspruch auf Beitragsbegrenzung. Bereits gebildete Rückstellungen rechnet der Versicherer bei der Wiederaufnahme des vollen Versicherungsschutzes auf den Tarif an.

Freie Wahl für freiwillig gesetzlich Versicherte

Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte haben bei der Pflegeversicherung die Wahl zwischen den Systemen: Auf Antrag können sie sich von der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Pflegekasse befreien lassen. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie eine private Pflegeversicherung abgeschlossen haben. Den Antrag müssen sie spätestens drei Monate nach Beginn der freiwilligen Krankenversicherung stellen. Die Befreiung wird dann auch rückwirkend gewährt. Die Entscheidung für den privaten Pflegeschutz ist allerdings bindend: Die Rückkehr in die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur über Umwege möglich, beispielsweise durch die Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung.  

Welche Variante von Vorteil ist, hängt vom Einzelfall ab. Der Wechsel lohnt sich grundsätzlich nur für Versicherte, die noch genug Zeit für den Aufbau von Altersrückstellungen haben. Junge Leute können deshalb bei einem privaten Versicherer mitunter auf niedrigere Beiträge hoffen. Für ältere Menschen sind private Pflegetarife dagegen eher ungeeignet.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.