Klassische Riester-Rente - Test

Riestern mit Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die klassische Riester-Rentenversicherung eignet sich für Sparer, die 20 Jahre oder mehr einzahlen und ihre künftige Monatsrente schon heute kennen wollen.
  • Der Staat fördert Riester-Verträge mit Zulagen und Steuervorteilen. Für die volle Förderung müssen Sie 4 Prozent Ihres Bruttogehalts einzahlen, maximal 2.100 Euro im Jahr.
  • Sie erhalten die Auszahlungen als lebenslange Rente, die Sie mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern müssen.
  • Riestern lohnt sich für Singles mit Durchschnittseinkommen nur, wenn sie sehr alt werden. Deutlich früher profitieren Geringverdiener mit mehreren Kindern oder Besserverdiener.
  • Wir empfehlen die klassischen Riester-Renten der Hannoverschen (Tarife AV1 und KAV1) und der Huk24 (Tarif BRZ24).

So gehen Sie vor

  • Haben Sie sich für einen Anbieter entschieden, folgen Sie der Antragstrecke online.
  • Sind Sie Kunde der ING-Diba, schließen Sie den Tarif der Hannoverschen über die Bank ab (Tarif KAV1). Sie erhalten eine etwas höhere garantierte Rente als beim regulären Tarif AV1.
  • Tragen Sie eine Rentengarantiezeit nur ein, wenn Sie Kinder haben.
  • Lassen Sie Ihre Beiträge prüfen, wenn sich Ihr Gehalt ändert. Möglicherweise müssen diese angepasst werden, damit Sie weiter die volle Zulage erhalten.
  • Vergewissern Sie sich, dass Ihr Anbieter einen Dauerzulagenantrag stellt. So vermeiden Sie, jedes Jahr aufs Neue einen Antrag einzureichen.
  • Vergessen Sie nicht, die Kinderzulage zu beantragen, wenn Sie Nachwuchs bekommen haben.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema Riester-Rente sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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In Deutschland gab es laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales bis Ende Oktober 2016 rund 16 Millionen Riester-Verträge. Mit beinahe 11 Millionen Abschlüssen ist die Riester-Rentenversicherung dabei am beliebtesten. Die anderen Verträge zur privaten Altersvorsorge verteilen sich auf Riester-Banksparpläne, Riester-Darlehen, Riester-Bausparverträge und Riester-Fondssparpläne. Im Rahmen der privaten Altersvorsorge fördert der Staat Riester-Verträge mit Zulagen und Steuervorteilen.

Klassische versus fondsgebundene Rentenversicherung

Bei der Riester-Rentenversicherung gibt es zwei Varianten:

Klassische Riester-Rente - Die Versicherung entscheidet, wie sie die Einzahlungen anlegt. Sie investiert vornehmlich in sichere Anlagen wie Anleihen. Diese Verträge müssen über die gesamte Anspardauer eine Mindestverzinsung erreichen. Diese ist über den Garantiezins von Lebensversicherungen definiert. In der Vergangenheit lag die Verzinsung noch bei mehr als 2 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2017 versprechen Versicherer, dass die Beiträge nach Kosten noch mit 0,9 Prozent pro Jahr verzinst werden. Sparer kennen von Beginn an die garantierte Mindestrente.

Fondsgebundene Riester-Rente - Die Versicherung verspricht in der Regel nur, die eingezahlten Beiträge und Zulagen zu erhalten. Damit hat sie Spielraum, einen Teil der Beiträge in Aktienfonds zu investieren, um etwas mehr Rendite zu erwirtschaften. Die Aktienfonds kann der Kunde in der Regel aus einer Liste auswählen. Fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen sind teurer als klassische, die garantierte Mindestrente ist geringer. Sparer müssen hoffen, dass die Aktienanlage eine Zusatzrendite erwirtschaftet, die die Zusatzkosten wettmachen.

Die klassische Riester-Rente eignet sich vor allem für Sparer, die sicherheitsorientiert denken: Ihnen ist eine möglichst hohe garantierte Rente wichtig, die sie bereits bei Vertragsbeginn kennen. Bei anderen sicherheitsorientierten Riester-Produkten wie dem Banksparplan steht die Mindestauszahlung bei Vertragsabschluss noch nicht fest.

Langfristiges Ansparen ist Pflicht

Anbieter von klassischen Riester-Rentenversicherungen verpflichten sich, zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens das garantierte Kapital bereitzustellen. Abschlusskosten, die der Anbieter dem Vertrag in den ersten fünf Jahren angelastet hat, sowie laufende Kosten muss er bis dahin wieder erwirtschaftet haben. Für den Sparer bedeutet das: Eine Riester-Rentenversicherung ist ein langfristiges Sparprojekt.

Besser nicht wechseln - Der Gesetzgeber stellt es dem Riester-Sparer grundsätzlich frei, während der Vertragslaufzeit den Anbieter zu wechseln oder Geld zu entnehmen, um eine selbstbewohnte Immobilie zu finanzieren. Bei Riester-Rentenversicherungen ist dies aber nicht zu empfehlen. Denn aufgrund der Kostenstruktur des Vertrags ist es gut möglich, dass das Kapital, das Sie übertragen, während der Vertragslaufzeit unter den eingezahlten Beiträgen und Zulagen liegt. Wollen Sie flexibler bleiben, passt ein Banksparplan oder Fondssparplan ohne Abschlusskosten besser.

Für Sparer jenseits der 50 wird es schwer - Auch die Anbieter sehen zu, nicht auf den Kosten des Vertrags sitzen zu bleiben. Um sicherzustellen, dass sie Sparern zu Beginn der Rentenphase das garantierte Kapital in jedem Fall bereitstellen können, legen sie in der Regel ein Höchsteintrittsalter fest: Bei vielen Riester-Versicherern können Sparer jenseits der 50 nicht mehr einsteigen. Wollen Sie erst einige Jahre vor der Rente mit Riester starten, müssen Sie sich bei Bank- oder Fondssparplänen umsehen.

Achtung

Kündigen Sie einen Riester-Vertrag, weil Sie das Geld benötigen, ist das ein Verlustgeschäft. Einerseits müssen Sie die staatliche Förderung zurückzahlen. Andererseits behält der Versicherer die Kosten, die er Ihrem Vertrag in den ersten Jahren angelastet hat, ein. Sie erhalten Ihre Beiträge reduziert um einen Abschlag zurück. Versuchen Sie daher, eine Kündigung zu vermeiden.

So funktioniert die Riester-Rentenversicherung

Ziehen Sie in Betracht, eine Riester-Rentenversicherung abzuschließen, sollten Sie die wichtigsten Eckpunkte kennen:

  • Sie zahlen entweder monatlich, vierteljährlich oder jährlich in den Vertrag ein. Wem es möglich ist, der sollte jährlich am Anfang des Jahres einbezahlen. So kann Ihr Geld die meisten Erträge erwirtschaften.
  • Der Staat fördert Ihren Vertrag: Sie erhalten Zulagen und Steuererleichterungen. Um die volle Zulage zu erhalten, müssen Sie 4 Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens einzahlen. Dieses entspricht bei Arbeitnehmern oft dem regulären Bruttoeinkommen. Maximal fördert der Staat Einzahlungen in Höhe von 2.100 Euro im Jahr – oder 175 Euro im Monat.
  • Die Verzinsung Ihrer Einzahlungen ist an den Garantiezins von Lebensversicherungen gebunden. 2017 beträgt er 0,9 Prozent pro Jahr. Die Kosten für den Vertrag verringern aber die garantierte Rendite.
  • Andererseits kann sich Ihre Rendite erhöhen, wenn der Versicherer etwa Kosten oder Sterblichkeitsrisiken zu hoch eingestuft hatte. Diese sogenannten Überschussbeteiligungen sind allerdings nicht garantiert.
  • Meist können Sie einen Hinterbliebenenschutz vereinbaren. Das heißt, dass Ihre Erben nach Ihrem Tod noch so lange Geld erhalten, bis die Rentengarantiezeit abgelaufen ist – üblicherweise zehn Jahre. Haben Sie keine Kinder, sollten Sie beim Abschluss die Option „Rentengarantiezeit“ abwählen.
  • Um die Zulagen zu erhalten, stellt in der Regel der Riester-Anbieter für Sie einen Antrag bei der Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Sie können auch einen Dauerzulagenantrag stellen. Dafür benötigt der Anbieter aber eine Vollmacht. Wenn Sie heiraten oder Nachwuchs bekommen, sollte Ihr Anbieter dies der Zulagenstelle ebenfalls mitteilen.

So viel gibt der Staat dazu

Der Staat fördert Riester-Verträge durch Zulagen und Steuervorteile.

Zulagen - Pro Person gibt es eine Zulage von 154 Euro im Jahr. Ab 2018 steigt die Grundzulage auf 175 Euro. Für jedes Kind, das nach dem 1. Januar 2008 geboren wurde, gibt es zusätzlich 300 Euro im Jahr. Für jedes Kind, das früher geboren ist und für das Sie Kindergeld erhalten, zahlt der Staat eine jährliche Prämie von 185 Euro pro Kind.

Steuerersparnis - Sie können Einzahlungen in Höhe von maximal 2.100 Euro im Jahr in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Füllen Sie dazu die Anlage AV in der Steuererklärung aus. Die 154 Euro Prämie sowie etwaige Zulagen für Kinder werden von den gesparten Steuern allerdings abgezogen.

Riester-Förderung für die private Altersvorsorge

Zulagen  
pro förderberechtigter Person 154 € im Jahr, ab 2018: 175 € pro Jahr
pro Kind (vor 2008 geboren) 185 € im Jahr
pro Kind (2008 oder später geboren) 300 € im Jahr
Steuervorteil  
maximal geförderter Sparbetrag 2.100 € im Jahr
Höhe Steuervorteil (näherungsweise) Differenz aus Grenzsteuersatz im Berufsleben und im Rentenalter, Zulagen werden mit Steuervorteil verrechnet

Die Förderrendite für Sparer ergibt sich am Ende aus dem Zusammenspiel von Zulagen und Steuervorteil. Am stärksten profitiert, wer einen der beiden Faktoren stark ausschöpft: Zum einen sind das Riester-Sparer mit geringem Einkommen und vielen Kindern, sie bekommen hohe Zulagen; zum anderen Besserverdiener ohne Kinder; sie greifen einen hohen Steuervorteil ab.

Im Ratgeber Riester-Förderung haben wir für einige Muster-Singles und Muster-Familien Förderrenditen in der Ansparphase ausgerechnet. Sie liegen je nach Einkommen und Anzahl der Kinder zwischen 2 und 3 bis hin zu 10 Prozent pro Jahr.

Steuer wird erst auf die Rente fällig

Auf die volle Riester-Rente, die Sie aus staatlich geförderten Einzahlungen erhalten, müssen Sie im Alter Einkommensteuer zahlen. In der Steuererklärung müssen Sie die Rentenzahlungen in der Anlage R eintragen. Allerdings sparen Sie mit dem Riester-Modell Steuern. Denn Ihr persönlicher Steuersatz ist im Alter meist deutlich niedriger als im Berufsleben. Sie zahlen also als Rentner prozentual weniger Steuern, als Sie zuvor eingespart haben.

Diese Riester-Rentenversicherungen empfiehlt Finanztip

Im August 2017 haben wir uns die auf dem Markt verfügbaren Riester-Rentenversicherungen angeschaut, die über 30 Jahre laufen. Aus zwölf Anbietern haben wir die herausgefiltert, die die für Finanztip relevanten Kriterien erfüllen.

Wie schon im Test von 2014 empfehlen wir die Tarife AV1 und KAV1 der Hannoverschen. Der Tarif KAV1 ist nur für Kunden der ING-Diba abschließbar. Als neue Empfehlung haben wir den Tarif BRZ24 der Huk24 dazugenommen.

Hannoversche
Tarif AV1

  • vier von fünf Sternen bei Morgen & Morgen
  • Onlineabschluss möglich
  • Beitragshöhe online flexibel wählbar
  • hohe garantierte Rentenzahlung
  • Höchsteintrittsalter 49 Jahre

Hannoversche

Wenn Sie Kunde der ING-Diba sind, können Sie von einer Sondervereinbarung zwischen der Bank und der Hannoverschen profitieren und den Tarif KAV1 abschließen. Sie erhalten dann bei sonst gleichen vertraglichen Bedingungen eine etwas höhere monatliche garantierte Rente.

Hannoversche über ING-Diba
Tarif KAV1

  • vier von fünf Sternen bei Morgen & Morgen
  • Onlineabschluss möglich
  • Beitragshöhe online flexibel wählbar
  • höhere garantierte Rentenzahlung für Kunden der ING-Diba
  • Höchsteintrittsalter 49 Jahre

Hannoversche über ING-Diba

Huk24
Tarif BRZ24

  • fünf von fünf Sternen bei Morgen & Morgen
  • Onlineabschluss möglich
  • hohe garantierte Rentenzahlung
  • Höchsteintrittsalter 57 Jahre
  • flexibler Beitrag muss extra als Email eingehen

Alle Anbieter weisen eine gute Bewertung (Rating) hinsichtlich Finanzkraft und Kundenorientierung auf – sie haben mindestens vier Sterne in der Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen. Darüber hinaus können Sparer den Vertrag online abschließen und erhalten eine vergleichsweise hohe garantierte Rente bei geringen Kosten.

Um letzteren Punkt zu überprüfen, haben wir die seit 2017 obligatorischen Muster-Produktinformationsblätter zurate gezogen. Darin müssen Anbieter die garantierte Rente und die Effektivkosten des Vertrags für immer denselben Mustersparer transparent ausweisen. Mehr zur Testlogik lesen Sie im am Ende des Textes im Abschnitt So haben wir getestet.

So viel Rendite können Sie erwarten

Im Muster-Produktinformationsblatt machen die Anbieter transparent, mit welcher garantierten Rente ein Mustersparer rechnen kann. Der Mustersparer ist alleinstehend ohne Kinder, verdient 30.000 Euro pro Jahr und zahlt insgesamt 30 Jahre monatlich 87,17 Euro in den Vertrag ein, um die volle Zulage von 154 Euro jährlich zu erhalten. Hinzu kommt ein Steuervorteil von gut 200 Euro im Jahr. Die Rente bezieht er ab einem Alter von 67 Jahren.

Die Tabelle zeigt die Rendite für das zum Ende der Ansparphase garantierte und für das sogenannte voraussichtliche Kapital beim Tarif AV1 der Hannoverschen. Das mögliche Kapital ergibt sich, sollte die Versicherung das Sparguthaben künftig in gleichem Maße wie bisher an den erwirtschafteten Überschüssen beteiligen.

In nachstehender Tabelle haben wir die Rendite für das von der Versicherung bis zum Ende der Ansparphase garantierte und für das sogenannte voraussichtliche Kapital berechnet. Das voraussichtliche Kapital geht davon aus, dass die Versicherung Sie zukünftig in gleichem Maße wie bisher an den erwirtschafteten Überschüssen beteiligen wird. Aufgrund der derzeitigen Niedrigzinsphase und der in der Vergangenheit abgegebenen hohen Garantien für bestehende Verträge gehen wir jedoch davon aus, dass die Überschussbeteiligungen in Zukunft deutlich niedriger ausfallen werden.

Rendite und Auzahlung bei Ansparphase von 30 Jahren¹

  Angespartes Kapital Rendite pro Jahr Rentenzahlung pro Monat
nur garantiertes Kapital 38.793 € 2,63 % 118 €
mögliches Kapital (inklusive Überschüsse) 53.318 € 4,45 % 162 €

¹ Beispielrechnung für den Tarif AV1 der Hannoverschen. Beim Tarif der Huk24 liegen ähnliche Größenordnungen vor.
² Wir gehen von der laufenden Verzinsung der Hannoverschen aus. 2017 liegt sie bei 2,5 Prozent pro Jahr. Quelle: Website Hannoversche, Muster-Produktinformationsblatt Tarif AV1 vom 1. Januar 2017, Finanztip-Berechnung (Stand: 8. August 2017)

Neben der Garantieverzinsung bescheren vor allem die staatlichen Zulagen dem Riester-Sparer eine sichere Rendite von rund 2,6 Prozent. Sollten Kunden wie bislang an den Überschüssen des Versicherers beteiligt sein, wäre auch eine höhere Rente – und Rendite – drin. Richtig lohnenswert ist der Vertrag aber erst, wenn auch Kinderzulagen in den Vertrag des Musterkunden fließen (siehe folgender Abschnitt).

Achtung: Aller Voraussicht nach sinkt die Überschussbeteiligung in Zukunft deutlich ab. Schuld sind die anhaltend niedrigen Anlagezinsen in Kombination mit hohen Garantien für ältere Verträge. Mit deutlichen Abschlägen bei der Rente muss außerdem rechnen, wer statt 30 Jahren deutlich kürzer anspart. Dann fallen Kosten höher ins Gewicht.

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Wann sich die klassische Riester-Rentenversicherung lohnt

Die Kritik, die Riester-Verträgen häufig entgegengebracht wird, lautet: Sie lohnen sich erst, wenn Sparer sehr alt werden. Das stimmt – vor allem dann, wenn man den alleinstehenden Mustersparer mit geringem Gehalt betrachtet. Er müsste 91 Jahre alt werden, um als Rente nach Steuern den Betrag herauszubekommen, den er über 30 Jahre eingezahlt hat.

Beispielrechnung Mustersparer - Als klassischer Eckrentner hätte er rund 1.100 Euro monatlicher Rente auf dem Konto, bei einem Grenzsteuersatz von knapp 25 Prozent. Von den 118 Euro Rente brutto, würden noch 88,50 Euro aufs Konto fließen. Um die rund 25.400 Euro, die er selbst über die Jahre aufgebracht hat, wieder „hereinzuholen“, müsste der Sparer etwa 91 Jahre alt werden. Geht man von der Überschussrente von 162 Euro (121,50 Euro netto) aus, hätte sich das Investment des Sparers mit 84 Jahren ausgezahlt.

Anders sieht es allerdings aus, wenn der Sparer für zwei Kinder jeweils 25 Jahre lang Zulagen bekommen würde.

Bessere Rendite dank Kinderzulagen - Angenommen, der Mustersparer hat zwei Kinder, die 2009 und 2011 geboren sind und für die ab Vertragsbeginn monatlich je 300 Euro auf dem Riester-Konto eingehen. In diesem Fall hat er über die Jahre nur etwa 18.700 Euro statt gut 25.000 Euro selbst in den Vertrag eingezahlt. Bei einer Nettorente von 88,50 Euro im Monat hätte er seinen Einsatz im Alter von 84 Jahren zurück. Im Falle der höheren Netto-Überschussrente von 121,50 Euro, würde sich der Vertrag ab einem Rentenalter von 80 Jahren lohnen.

So haben wir getestet

Ziel des Tests vom Juli und August 2017 war es, die besten Riester-Angebote für sicherheitsorientierte Sparer ausfindig zu machen. Gemeint sind solche Sparer, die bereits beim Abschluss des Riester-Vertrags wissen wollen, wie viel Rente ihnen später einmal sicher ist. Dieses Anlageziel lässt sich mit der Riester-Rentenversicherung am besten abbilden. Durch die garantierte Verzinsung hält sie eine etwas höhere garantierte Rente bereit als fondsgebundene und Index-Rentenversicherungen. Letzte garantieren nur die Rente aus dem Beitragserhalt.

Grundgesamtheit

Um die Grundgesamtheit aller Anbieter zu ermitteln, haben wir die offizielle Liste der zertifizierten Riester-Angebote ausgewertet. Diese haben wir beim Bundeszentralamt für Steuern am 12. Juli 2017 heruntergeladen. Aus den 119 noch vertriebenen Riester-Angeboten haben wir die zwölf Anbieter manuell herausgesucht, die klassische Riester-Policen anbieten. Diese Policen garantieren für Neukunden eine Garantieverzinsung der Beiträge nach Kosten von 0,9 Prozent pro Jahr.

Auswahlkriterien

Um aus den zwölf möglichen die besten Angebote herauszufiltern, haben wir drei Kriterien angesetzt:

Rating von Morgen & Morgen - Der Sparer soll grundsätzlich davon ausgehen können, dass der Versicherer den Riester-Vertrag über die Anspar- und auch Rentenphase bedienen kann. Eine ausreichend gute finanzielle Stabilität des Unternehmens ist daher Voraussetzung. Um dies zu gewährleisten, verwenden wir das Rating des Analysehauses Morgen & Morgen. Es prüft die Güte der Lebensversicherer mit Blick auf Kosten, Marktstellung, Kundenfreundlichkeit und bilanzielle Stärke. Sollte der Versicherer insolvent werden, verwaltet die Auffanggesellschaft Protektor das Ersparte.

Onlineabschluss - Der Kunde soll den Riester-Vertrag mit möglichst wenig Aufwand abschließen können. Das heißt einmal: Der Sparer soll sich nicht auf die Suche machen müssen nach einer Bankfiliale oder einem niedergelassenen Vermittler, die oder der das gewünschte Produkt vertreibt. Insbesondere soll er nicht durch einen Vermittler oder den Berater einer Agentur dazu gedrängt werden, einen anderen Vertrag als den gewünschten abzuschließen.

Hohe garantierte Rente - Eine hohe garantierte Rente entspricht dem Interesse des Kunden. In der Regel gehen damit niedrige Effektivkosten einher: Die Effektivkosten geben an, um wie viel Prozentpunkte sich die jährliche Rendite durch Kosten mindert.

Empfehlungen

Wir empfehlen die klassische Riester-Rentenversicherung der Hannoverschen (Tarif AV1) und neu die Police der Huk24 (Tarif RZU24). Für ING-Diba Kunden gibt es den Tarif der Hannoverschen mit einer etwas höheren garantierten Rente (Tarif KAV1). Diesen empfehlen wir ebenfalls. Die Empfehlungen entsprechen all unseren Auswahlkriterien. Folgende Tabelle zeigt alle zwölf Anbieter von klassischen Riester-Rentenversicherungen, die in unserem Test berücksichtigt waren.

Klassische Riester-Rentenversicherungen im Test (Laufzeit 30 Jahre)

    Sterne von Morgen & Morgen   Onlineabschluss   garantierte Rente¹   Effektivkosten p.a.
R+V   5   nein   117,68 €   0,62 %
Allianz   5   nein   116,56 €   0,62 %
Hannoversche   5   ja   116,27 €   0,56 %
Hannoversche über ING-Diba   5   ja   117,89 €   0,47 %
Huk24   4   ja   117,31 €   0,7 %
Itzehoer   4   nein   114,35 €   0,68 %
Mecklenburgische   4   nein   111,93 €   1,08 %
DEVK   4   nein   109,84 €   0,86 %
HanseMerkur   3   ja   114,75 €   1,03 %
SV SparkassenVersicherung   3   nein   112,34 €   0,65 %
Targoversicherung   3   ja   109 €   0,88 %
Familienfürsorge   2   nein   111,01 €   0,86 %
Mylife Lebensversicherung (Fairrelax)   --   ja   116,12 €   0,78 %

¹ Die garantierte Rente und die zugehörigen Effektivkosten basieren auf der Annahme, dass ein Sparer mit 30.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen 87,17 Euro monatlich in den Riester-Vertrag eingezahlt hat (Mustersparer laut Produktinformationsblatt).
Quelle: Anbieter, Finanztip-Recherche (Stand: 8. August 2017)

Deutlich wird: Große Versicherer wie R+V und Allianz bieten klassische Riester-Rentenversicherungen mit hoher garantierter Rente und niedrigen Kosten an. Wir empfehlen die Verträge dennoch nicht, da sie nur über die Filiale beziehungsweise über eine Agentur abzuschließen sind. Eine noch vergleichsweise hohe garantierte Rente bei passablen Kosten bietet auch die Mylife-Lebensversicherung über den Vermittler Fairr (Fairrelax). Mylife fehlt jedoch das Rating von Morgen & Morgen.

Diese Riester-Rente passt zu Ihnen

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

Altersvorsorge mit staatlicher Förderung

  • Speziell für Arbeitnehmer und Beamte.
  • Förderung durch Zulagen und Steuervorteile.
  • Versteuerung erfolgt im Rentenalter.

» Zum Ratgeber

Unsere Anbieter-Empfehlung:

  • Rentenversicherung: Hannoversche, Huk24
  • Fondssparplan: DWS Toprente Dynamik über Online-Vermittler, Fairriester 2.0, Deka Zukunftsplan Classic, Uniprofirente Select (Fonds: Uniglobal II)
  • Wohn-Riester: Dr. Klein, Interhyp und Planethyp

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.