THG-Quote

Mit dem E-Auto Geld verdienen - jedes Jahr aufs Neue

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2022 kannst Du Geld erhalten, wenn ein rein strombetriebenes Auto oder Kraftrad auf Dich zugelassen ist – über die Treib­haus­gas­min­de­rungs­quo­te (THG-Quote).
  • Das Geld stammt von Mineralölfirmen, die jedes Jahr die Emissionen der von ihnen verkauften Kraftstoffe kompensieren müssen, etwa durch Anrechnung von Autostrom.
  • Du kannst beliebig viele E-Fahrzeuge in den Handel einbringen.
  • Die Erlöse sind für privat genutzte Autos steuerfrei.

So gehst Du vor

  • Willst Du von der THG-Quote profitieren, ist es am einfachsten, wenn Du Dich an einen Dienstleiter wendest.
  • Ehe Du einen Vertrag mit einem Anbieter schließt, vergleiche die versprochene Prämie mit anderen Angeboten. 2022 zahlen Dienstleister zwischen 250 bis 360 Euro pro E-Auto.
  • Du kannst auch selbst am Quotenhandel teilnehmen. Wie Du dazu vorgehst, erfährst Du im Ratgeber.

Du kannst mit Deinem rein elektrisch betriebenen Auto mehrere Hundert Euro im Jahr verdienen – ohne dafür wirklich viel tun zu müssen. Es reicht, dass Du Dich bei einem Dienstleister registrierst und auf seiner Internetseite Deinen Fahrzeugschein hochlädst – die Firma kümmert sich um alles Weitere. Überlegst Du gerade, ein E-Auto zu kaufen, informiert Dich unser Ratgeber E-Auto-Prämie über die staatlichen Zuschüsse bei Kauf und Leasing sowie die steuerlichen Vorteile. Wie Du günstig Autostrom beziehst, erfährst Du im Ratgeber Autostrom-Portalvergleich.

Warum kannst Du mit Deinem E-Auto Geld verdienen?

Im Zuge der Energiewende sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland auf ein Minimum sinken. Bislang verursachen Autos, Lastwagen und Busse ein Fünftel der deutschen Emissionen – weil sie bei der Verbrennung von Diesel und Benzin Kohlendioxid ausstoßen. Damit sich das ändert, müssen die Fahrzeuge auf klimafreundliche Antriebe und Kraftstoffe umgestellt werden.

Dazu nimmt der Staat die Unternehmen der Mineralölwirtschaft in die Pflicht: Die sogenannte Treib­haus­gas­min­de­rungs­quo­te (kurz: THG-Quote) schreibt den Firmen vor, wie hoch die Emissionen der von ihnen in den Markt gebrachten Kraftstoffe in einem Jahr sein dürfen (§ 37a BImSchG). Bis 2030 sinkt die Obergrenze Jahr für Jahr.

Um diese Vorgaben zu erfüllen, können die Firmen mehr Bio-Kraftstoffe verkaufen, ihre Kraftstoffe emissionsärmer herstellen oder sich Strom für Elektrofahrzeuge anrechnen lassen. Stromanbieter, die zumeist auch die öffentlichen Ladesäulen in Deutschland betreiben, verkaufen den Unternehmen der Mineralölwirtschaft bereits seit 2018 Jahren Zertifikate, die die Nutzung von Strom zum Betrieb von Fahrzeugen bescheinigen.

Seit 2022 kannst auch Du als Halter eines reinen Elektroautos von der THG-Quote profitieren. Jeder, auf den ein reines Batterieelektrofahrzeug zugelassen ist (§ 7 38. BImSchV), ist berechtigt, am Handel mit THG-Zertifikaten teilzunehmen. Das gilt auch, wenn Du das Auto geleast hast. Besitzt Du mehrere reine E-Autos, kannst Du für jedes dieser Fahrzeuge das jeweilige THG-Zertifikat in den Handel einbringen. Und das nicht nur einmalig sondern jedes Jahr aufs Neue.

Wie profitierst Du von der THG-Quote?

Am Quotenhandel teilzunehmen – selbst oder über einen Dienstleister –, ist Dir freigestellt. Verzichtest Du, entsteht Dir kein Nachteil. Nutzt Du die Möglichkeit, kannst Du auf einfache Weise Geld verdienen. Du hast dabei die Wahl: Entweder Du bietest Deine Strommenge selbst an. Oder Du beauftragst einen Dienstleister, die administrativen und ökonomischen Prozesse für Dich zu übernehmen.

Profitieren kannst Du von der THG-Quote, wenn ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug auf Dich zugelassen ist (§ 7 38. BImSchV). Dies kann ein Pkw, ein Motorrad, ein Motorroller oder ein Leicht- oder Kleinfahrzeug sein. Darüber hinaus sind Straßenfahrzeuge mit Elektroantrieb wie Busse und Lkw meldefähig (§ 6 38. BImSchV). Nicht in den Quotenhandel einbringen kannst Du dagegen ein Auto mit Hybridantrieb.

Ob Du das E-Fahrzeug gekauft oder geleast hast, ist egal. Du musst auch keine eigene Ladestation besitzen, um es zu laden. Denn als Halter eines reinen Batterieelektrofahrzeugs giltst Du nach dem Gesetz auch als Betreiber eines Ladepunkts – unabhängig davon, ob Du eine Wallbox, also eine private Ladestation bei Dir zuhause, hast.

Selbst am Quotenhandel teilnehmen

Willst Du den Quotenhandel selbst in die Hand nehmen, musst Du Dich als sogenannter Ladepunktbetreiber oder „Dritter“ beim Umweltbundesamt registrieren. Das geht formlos und auch per E-Mail. Anschließend stellst Du einen Antrag auf Bescheinigung der Energiemenge, die Du zum Betrieb des E-Autos oder E-Rollers benötigst. Bis 28. Februar des Folgejahres ist Zeit, die Bescheinigung zu beantragen. Kaufst Du also im Herbst 2022 ein Fahrzeug, kannst Du bis Ende Februar 2023 den Antrag für das Jahr 2022 stellen.

Nach Vorlage des Fahrzeugscheins bescheinigt Dir die Behörde den Schätzwert und Energiegehalt des Stroms, den Du im Jahr annähernd verfährst. Der Schätzwert basiert auf aktuellen Daten zum Stromverbrauch reiner Batterieelektrofahrzeuge und liegt 2022 für Pkw und Krafträder bei 2.000 Kilowattstunden pro Jahr. Mit dem Schätzwert arbeitet die Behörde, da für die meisten E-Fahrzeuge der Stromverbrauch für ein Jahr nicht gemessen wird. Und selbst wenn Du über ein Messgerät verfügen solltest, unterliegt Dein E-Auto dem Schätzwert – Messdaten können bislang nicht verarbeitet werden. Da das Umweltbundesamt zugleich von einem Stromverbrauch von 18 Kilowattstunden auf 100 Kilometer ausgeht, ergeben sich rund 11.000 Kilometer Fahrstrecke pro Jahr. Und zwar egal, ob das Fahrzeug vor mehreren Jahren auf Dich zugelassen wurde oder erst im Herbst 2022 – der Wert ist für alle bis Ende eines Jahres zugelassenen Fahrzeuge derselbe für den Quotenhandel.

Höher ist er aber bei anderen Fahrzeugtypen: Bei leichten Nutzfahrzeugen der Klasse N1 wie E-Transportern beträgt er 3.000 Kilowattstunden; für Busse (Klasse M3) 72.000 Kilowattstunden. Je höher die Strommenge des Fahrzeugs, desto höher ist auch der Erlös im Quotenhandel. Die Schätzwerte überprüft das Umweltbundesamt jedes Jahr und passt sie gegebenenfalls zum Folgejahr an.

Die Bescheinigung der Behörde kannst Du dann einem Unternehmen verkaufen und verdienst so allein durch das Halten eines E-Autos Geld. Aber: Es dürfte nicht ganz einfach sein, einzelne Bescheinigungen zu verkaufen – die Unternehmen nehmen einem Anbieter vermutlich lieber größere Mengen auf einmal ab, als mehrere Verträge über kleinere Strommengen zu schließen.

Einen Dienstleister beauftragen

Einfacher ist es, wenn Du Dir eine Firma suchst, die Deinen Autostrom vermarktet. Eine Reihe von Firmen bieten sich dafür an. Es handelt sich dabei entweder um etablierte Stromanbieter oder Unternehmen, die sich auf den Handel mit Zertifikaten konzentrieren.

Schließt Du mit einem Anbieter einen Vertrag, übermittelst Du ihm Deine persönlichen Daten und Deinen Fahrzeugschein. Der Service ist für Dich kostenlos, da die Dienstleister einen Teil der Einnahmen aus der Vermarktung für sich behalten. Nach wenigen Wochen oder einigen Monaten erhältst Du die Prämie für das laufende Jahr ausgezahlt. 2022 versprechen die Anbieter 250 bis 360 Euro für E-Autos und E-Roller auf Basis des geschätzten Stromverbrauchs von 2.000 Kilowattstunden. Eine Übersicht der Prämien findest Du im nächsten Abschnitt.

Wie hoch sind die Prämien bei Dienstleistern?

Je nachdem, wie viel die Firmen für Dich im Quotenhandel herausholen und wie viel sie für sich abzweigen, unterscheidet sich der Erlös, mit dem Du rechnen kannst. Darüber hinaus unterscheiden sich die Anbieter in der Gestaltung der Prämie: Einige bieten eine fixe Prämie; andere stellen Dir zur Wahl, ob Du eine Prämie mit fixem oder flexiblen Wert haben möchtest. Im Flex-Modell ist die Prämie höher. Dafür dauert es länger, bis Du sie ausbezahlt bekommst. Bei manchen Anbietern kannst Du Deine Prämie auch direkt in Klimaschutzprojekte investieren. Schließlich kann es von Vorteil sein, wenn Du einen Anbieter wählst, mit dem Du bereits verbandelt bist – der ADAC gibt seinen Mitgliedern etwa einen Bonus von 20 Euro auf die THG-Prämie obendrauf.

Es lohnt sich auf jeden Fall zu vergleichen, welche Einnahmen Dir ein Dienstleister verspricht. Wir haben eine Übersicht mit den uns bekannten Dienstleistern erstellt, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Vermarkter für Bescheinigungen nach THG-Quote

Dienstleisterversprochene Prämie 2022
ADAC350 Euro
Carbonify311 Euro
Carsyncmindestens 290 Euro
CO2.Auto275 Euro
DBTG Concepts
(Marke THG-Bonus)
303 Euro
eco2wo Mobile300 Euro
Ecoturn 
(Marke Elektrovorteil)
mindestens 350 Euro
EnBWbis 350 Euro
Fairnergymindestens 300 Euro
Green Air 
(Marke Klima-Quote)
bis 425 Euro
Lichtblickbis 345 Euro
Maingau Energie
(Marke Lowago)
310 Euro
N-Ergie300 Euro
Nynex Satellite 
(Marke eauto-cash)
mindestens 360 Euro
Polarstern255 Euro
Quotandomindestens 300 Euro
Quotlix300 Euro
Smartificate300 Euro
The Mobility House320 Euro
Zusammenstromenmindestens 250 Euro

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 17. Mai 2022)
Angebote von Firmen, die diese nur bei bestehenden anderen Verträgen zusätzlich machen oder die nicht selbst die Zertifikate handeln, sondern dazu Kooperationen mit den in der Tabelle genannten Dienstleistern eingehen, führen wir nicht auf.

Die Einnahmen über die THG-Quote unterliegen nicht der Einkommensteuer, wenn Du Dein ausschließlich privat genutztes E-Fahrzeug in den Handel einbringst. Das heißt, Du musst den Erlös nirgendwo in der Steu­er­er­klä­rung angeben. Gehört das Auto oder Kraftrad zum Betriebsvermögen Deiner Firma, zählt der Erlös zu den Betriebseinnahmen und unterliegt der Einkommensteuer. Dann musst Du den Erlös in der Steu­er­er­klä­rung nennen.

Welchen Wert hat Deine THG-Bescheinigung am Markt?

Der Quotenhandel erfolgt ausschließlich zwischen den Beteiligten. Welche Preise für die Bescheinigungen verlangt werden, erfasst und kontrolliert keine Behörde. Was sich maximal erzielen lässt, gibt aber eine andere Größe vor: Eine Strafzahlung, die ein Unternehmen der Mineralölwirtschaft leisten muss, wenn es nicht genügend Zertifikate beschafft hat. 2022 beträgt diese Strafe 60 Cent pro Kilogramm Emissionen.

An dieser Strafzahlung orientieren sich mit Sicherheit die Höchstpreise, die Unternehmen für die TGH-Bescheinigungen zu zahlen bereit sind. Benzin wird ein Ausstoß von 93 Kilogramm pro Gigajoule (entspricht rund 2,96 Kilogramm pro Liter) und Diesel 95 Kilogramm pro Gigajoule (rund 3,3 Kilogramm pro Liter) zugeschrieben (§ 10 38. BImSchV). Aber auch der in Deutschland produzierte Strom ist nicht frei von CO2-Ausstoß – schließlich stammen nach Angaben des Umweltbundesamts mehr als 40 Prozent des Stroms aus Kohle- und Gaskraftwerken. Bei dem geschätzten Stromverbrauch für E-Autos von 2.000 Kilowattstunden ergeben sich unter Berücksichtigung gesetzlich festgelegter Faktoren rund 1.000 Kilogramm Treibhausgasemissionen. Das ist trotzdem deutlich weniger, als ein Auto mit Verbrennungsmotor bei vergleichbarer Reichweite von rund 11.000 Kilometern freigesetzt. Pro Bescheinigung halbiert ein Mineralunternehmen die Emissionen seiner Kraftstoffe formal annähernd. Ohne die Anrechnung des Autostroms würde eine Strafzahlung von rund 600 Euro fällig.

Da der Handel nicht ausschließlich zum Höchstpreis erfolgt, liegen die Erlöse mit Sicherheit unter 600 Euro pro Fahrzeug. Zudem müssen die THG-Dienstleiter auch ihre Kosten decken und wollen mitverdienen. So liegen die versprochenen Prämien deutlich unter 500 Euro für jeden E-Roller und jedes E-Auto.

Noch höhere Erlöse pro Bescheinigung sind allerdings möglich, wenn E-Fahrzeuge ausschließlich Sonnen- oder Windstrom tanken. Aber nur bei Fahrzeugen der Klassen N1 und M3 – also Nutzfahrzeugen und Bussen – wird dieser Ökostrom berücksichtigt. Die Emissionswerte von Solar- und Windstrom betragen nur einen Bruchteil der Werte konventionellen Stroms.

Autor
Ines Rutschmann

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