Kreditkartenbetrug

Was tun bei Missbrauch der Kreditkarte?

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 04. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wird Ihre Karte gestohlen oder die Daten missbraucht, haften Sie maximal bis zu einer Höhe von 50 Euro. Das ist gesetzlich festgelegt.

  • Doch Achtung: Wer fahrlässig oder gar betrügerisch handelt, muss für Schäden komplett selbst aufkommen.

  • Halten Sie sich an einige einfache Regeln und schützen Sie sich so vor Diebstahl und Datenmissbrauch.

So gehen Sie vor
  • Sie haben Ihre Karte verloren? Sie wurde gestohlen? Oder Sie entdecken unbekannte Buchungen auf Ihrem Kontoauszug? Dann sperren Sie Ihre Karte schnellstmöglich!
  • Sperren Sie Ihre Karte entweder direkt bei Ihrer Bank oder über die kostenfreie Telefonnummer 116 116.
  • Wurde Ihre Karte gestohlen, zeigen Sie den Diebstahl außerdem unbedingt bei der Polizei an.
  • Unbekannte Abbuchungen können Sie über das Reklamationsformular zurückholen. Allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.

 

Die Daten Ihrer Kreditkarte sind viel wert. Passen Sie daher gut auf Ihre Karte und auf die Kartendaten auf. Hundertprozentigen Schutz vor Missbrauch Ihrer Kreditkarte kann Ihnen niemand garantieren. Aber es gibt einige einfache Regeln, mit denen Sie Kriminellen das Leben schwer machen.

Wie kommen Kriminelle an die Kartendaten?

Eine beliebte Quelle für Datendiebe ist das Ausspähen von Kreditkartendaten bei Einkäufen im Internet. Oft versuchen Kriminelle, über infizierte Anhänge in E-Mails Schadsoftware auf den Computern der Verbraucher zu installieren, die sämtliche Eingaben protokollieren können. Eine andere häufig verwendete Methode ist die Umleitung auf präparierte Internetseiten, wo die Nutzer zur Eingabe ihrer Daten aufgefordert werden.

Auch wenn Verbraucher ihre Kreditkarte verlieren, besteht die Gefahr des Missbrauchs. Mit der Kreditkartennummer auf der Vorderseite und der Prüfziffer auf der Rückseite der Karte können Diebe sofort im Internet einkaufen. Auch in vielen Geschäften kann mit Unterschrift bezahlt werden, was den Kreditkartenbetrug im Vergleich zur Bestätigung durch Eingabe einer PIN erleichtert.

Zudem kommt es immer wieder zu erfolgreichen Hackerattacken auf Banken und Online-Shops. So hatte es Mitte 2019 die amerikanische Bank Capital One erwischt, bei der ein Hacker die Kartendaten von etwa hundert Millionen Kunden abgriff. Anfang 2016 sind in Deutschland Zehntausende Kartendaten durch ein Datenleck in die Hände von Dritten gelangt.

Und selbst die Kriminellen sind nicht sicher: Im Oktober 2019 wurde der Online-Schwarzmarkt Briansclub erfolgreich gehackt, die gestohlenen Daten wurden also zum zweiten Mal gestohlen. Das hatte für die Verbraucher zunächst einmal ein gutes Ende. Die Daten wurden einen Journalisten zugespielt, über den sie weiter an die Banken gelangten, die so die betroffenen Karten aus dem Verkehr ziehen konnten.

Doch mit einem solchen Happy End sollten Sie nicht rechnen. Sie müssen selbst dafür sorgen, dass Ihre Kreditkartendaten sicher sind.

Wie können Sie sich am besten vor Missbrauch schützen?

Ganz ausschließen können Sie einen Missbrauch Ihrer Daten nie. Unsere Tipps helfen Ihnen dabei, das Risiko so klein wie möglich zu halten.

Sparsam mit Daten umgehen

Je mehr Firmen Sie die Daten Ihrer Kreditkarte anvertrauen, desto größer wird das Risiko des Kartenmissbrauchs. Das bedeutet nicht, dass die Firmen in betrügerischer Absicht handeln, sondern dass sich das Risiko, beispielsweise von einem Hackerangriff betroffen zu sein, erhöht, wenn Sie Ihre vertraulichen Daten bei vielen Firmen hinterlegt haben.

Außerdem sind die technischen Sicherheitsmaßnahmen bei den Online-Shops unterschiedlich ausgeprägt. Überlegen Sie sich also gut, welchen Online-Shops Ihre Daten anvertrauen wollen. Das gilt auch für Smartphone-Apps, die auf Ihre Kartendaten zugreifen können.

Karte nie gemeinsam mit der Geheimzahl aufbewahren

Bewahren Sie auf gar keinen Fall Ihre Geheimzahl zusammen mit der zugehörigen Karte auf. Im Falle eines Missbrauchs wird Ihnen dann grobe Fahrlässigkeit unterstellt und Sie haften für die entstandenen Schäden in vollem Umfang.

Kreditkartenabrechnung genau überprüfen

Überprüfen Sie Ihre Kreditkartenabrechnungen genau. Es kann beispielsweise vorkommen, dass Betrüger eine sogenannte Testabbuchung vornehmen. Oftmals werden dann nur 1 oder 2 Cent von Ihrem Konto abgebucht. Falls das von Ihrer Bank unbemerkt bleibt, werden die Betrüger probieren, auf dem gleichen Wege möglichst viel Geld von Ihrem Konto abzuräumen. Oder aber die Kriminellen versuchen direkt so viel Geld wie möglich von Ihrer Karte abzubuchen oder Sie nutzen Sie zum Online-Shopping. Kontaktieren Sie bei Unregelmäßigkeiten umgehend Ihre Bank und lassen Sie gegebenenfalls die Karte sperren. Sie sollten die Rechnungen auch nach dem Sperren weiter kontrollieren.

Besonders bei Online-Einkäufen aufpassen

Viele Kreditkartenbetrüger konzentrieren sich inzwischen auf das Internet. Überprüfen Sie immer sorgfältig die Adresse in Ihrem Webbrowser, wenn Sie zur Eingabe Ihrer Daten aufgefordert werden. Anzeichen dafür, dass Sie unbemerkt auf eine betrügerische Seite umgeleitet wurden, sind ein fehlendes „https://“ in der Adresszeile oder dass der Anbieter der ursprünglichen Website nicht mehr in der Adresszeile vorkommt. Verzichten Sie bei den kleinsten Zweifeln über die Echtheit der Internetseite lieber auf einen Kauf.

Um Ihre Einkäufe im Internet sicherer zu machen, haben die großen Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard das 3D-Secure-Verfahren eingerichtet. Bei „Verified by Visa“ und „Mastercard Secure Code“ weisen Sie sich bei vielen Einkäufen zweimal aus, zum Beispiel mit Ihren Kreditkartendaten und mit einer TAN. Ab Dezember 2020 ist eine solche zweifache Absicherung verpflichtend.

Was können Sie bei Kreditkartenbetrug tun?

Sollten Sie trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen Opfer eines Kreditkartenbetruges werden, bleiben Sie ruhig und gehen Sie so vor.

Karte sperren

Wir empfehlen, die Kreditkarte sperren zu lassen, sobald Sie auch nur den leisesten Verdacht des Betrugs haben. Das tun Sie am besten, indem Sie die kostenlose Nummer 116 116 des Sperrnotrufs anrufen. Abhängig von Ihrer Kreditkarte leitet Sie der Sperrnotruf umgehend an die zuständige Stelle weiter.

Falls Sie aus dem Ausland anrufen, zahlen Sie die Kosten des ausländischen Netzbetreibers. Sie müssen die Vorwahl für Deutschland nutzen, in der Regel 0049, in manchen Ländern wie zum Beispiel Chile oder Finnland lautet die Vorwahl anders.

Allerdings muss Ihre Bank an diesem Service teilnehmen, damit Sie Ihre Kreditkarte so sperren können. Tut sie das nicht, melden Sie sich direkt bei Ihrer Bank anstatt beim Notruf. Wer eine Kreditkarte von American Express hat, ruft beim Kreditkartenunternehmen an (0049 69 9797 2000), da American Express im Gegensatz zu Mastercard und Visa die Kreditkarten selber herausgibt. Am besten Sie notieren sich die passende Nummer oder tragen Sie in Ihr Handy ein. Egal wo Sie anrufen: Sie benötigen Ihre Kreditkarten-Daten zum Sperren.

Verlangen Sie eine Bestätigung der Anzeige. So können Sie beweisen, dass Sie Ihre Anzeigepflicht erfüllt haben. Der Kreditkartenausgeber ist verpflichtet, die Anzeige zu bestätigen.

Über den Sperrnotruf können Sie neben der Kreditkarte auch andere Medien sperren, dazu zählen Mobilfunkkarten, Bankkarten und die elektronische Identitätsfunktion der Personalausweise.

Kartendiebstahl anzeigen

Falls Sie davon ausgehen, dass Ihre Kreditkarte gestohlen wurde, sollten Sie das nicht nur Ihrer Bank melden, sondern auch der Polizei. Lassen Sie sich auch diese Anzeige bestätigen.
Das gilt auch, wenn zwar die Karte nicht gestohlen wurde, Sie aber trotzdem davon ausgehen, dass jemand die Karte missbräuchlich genutzt hat.

Geld zurückbuchen

Falls Sie Fehler auf der Abrechnung entdecken, können Sie das Geld zurückbuchen lassen. Die gesetzlich festgelegte Frist beträgt acht Wochen, in der Regel haben Sie aber länger Zeit. Das liegt daran, die die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa in ihren Regeln für das sogenannte Chargeback-Verfahren längere Fristen festgelegt haben. Ausreizen sollten Sie diese aber nicht, denn die Regeln sehen auch vor, dass Sie so schnell wie möglich handeln.

Sie können die entsprechende Formulare auf den Websites der Anbieter herunterladen. Mögliche Gründe zum Reklamieren sind Umsätze, die mehrmals vom Konto abgegangen sind oder die Sie nicht getätigt haben.

 

Welche Kosten entstehen im Betrugsfall?

Das Sperren einer Kreditkarte kostet Sie nichts. Auch für das Entsperren oder die Neuausstellung der Karte darf die Bank kein Geld verlangen. Das ergibt sich aus dem Verbot für Banken, Entgelte für die Erfüllung von sogenannten Nebenpflichten zu erheben (§ 675f Abs. 4 Satz 2 BGB).

Trotzdem fordern Banken teilweise Gebühren für eine Ersatzkarte, bei der Postbank waren es 15 Euro. Zu Unrecht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte (Urteil vom 20. Oktober 2015, (Urteil vom 20. Oktober 2015, Az. XI ZR 166/14).

Benötigen Sie eine neue Karte, sollten Sie auf einem kostenlosen Ersatz bestehen. Einige Banken entsperren die Kreditkarte generell nicht – auch wenn sie wieder auftaucht - und schicken direkt eine neue Karte zu.

Ihre maximale Haftung bis zur Verlustmeldung ist gemäß § 675v BGB auf 50 Euro begrenzt. Danach haften Sie generell nicht. Viele Anbieter von Kreditkarten entbinden ihre Kunden von der gesetzlichen Haftungspflicht oder reduzieren den Haftungsanteil zumindest, wenn der Kunde den „vertraglichen Bedingungen“ nachgekommen ist.

Bei Mastercard und Visa gibt es außerdem eine „Zero Liability Protection“. Dadurch sollen die Kunden im Betrugsfall gar nicht haften. Setzt die Bank trotzdem die 50 Euro an, weisen die Kunden sie am besten auf die Regeln hin.

In der Regel bedeuten die vertraglichen Bedingungen, dass Sie nicht grob fahrlässig oder in betrügerischer Absicht gehandelt haben dürfen und den Verlust umgehend melden.  Unter grober Fahrlässigkeit versteht man beispielsweise, die Geheimzahl zusammen mit der Karte aufzubewahren. In diesem Fall können Sie in vollem Umfang haftbar gemacht werden, die 50-Euro-Grenze ist aufgehoben. In solchen Fällen hilft Ihnen auch die Zero Liability Protection nicht.

Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 04. Februar 2020


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