Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

So zahlen Alleinerziehende weniger Steuern

Udo Reuß Stand: 15. März 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Haben Sie ein Kind, das bei Ihnen wohnt und das Sie ohne Partner erziehen, dann steht Ihnen ein spezieller Steuerfreibetrag zu. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende senkt Ihre Steuerbelastung. 
  • Alleinerziehende erhalten für das erste Kind einen Entlastungsbetrag von 1.908 Euro. Für jedes weitere Kind erhöht sich dieser um jeweils 240 Euro.
  • Den Freibetrag gibt es aber nur unter bestimmten Voraussetzungen: So müssen Sie mindestens mit einem Kind leben, für das Sie einen Anspruch auf Kindergeld haben und Sie dürfen nicht vom Splittingtarif profitieren.
  • Außerdem dürfen Sie keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden. Ziehen Sie mit Ihrem neuen Lebensgefährten zusammen, entfällt der Entlastungsbetrag.
  • Der Entlastungsbetrag steht dem Elternteil zu, bei dem das Kind gemeldet ist. Ist sowohl bei der Mutter als auch beim Vater jeweils ein Kind gemeldet, dann hat jeder einen Anspruch.
So gehen Sie vor
  • Der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, kann den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende schon beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen lassen. Dafür sollte Sie die Steuerklasse II beim Finanzamt beantragen.
  • Ansonsten können Sie den Entlastungsbetrag in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung beantragen.
  • Haben Sie die Steuerklasse II und eine der Voraussetzungen dafür fällt im Laufe des Jahres weg, müssen Sie dies dem Finanzamt mitteilen.

Wer ohne Partner Kinder großzieht, kommt finanziell oft kaum über die Runden. Denn in vielen Fällen kann der Vater oder die Mutter nur in Teilzeit arbeiten und verdient entsprechend weniger. Um Alleinerziehenden das Leben zumindest in diesem Punkt etwas zu erleichtern, gewährt der Staat ihnen bei der Einkommensteuer einen Entlastungsbetrag (§ 24b EStG).

Diesen können alleinstehende Mütter und Väter beantragen, die Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben.

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag liegt seit 2015 bei 1.908 Euro im Kalenderjahr (also 159 Euro monatlich). Bis 2014 betrug er nur 1.308 Euro. Im Laufe des Jahres 2015 hat der Gesetzgeber außerdem einen Erhöhungsbetrag eingeführt. Ab dem zweiten Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag dadurch um 240 Euro für jedes weitere Kind.

Staffelung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende:

  • mit einem Kind: 1.908 Euro,
  • mit zwei Kindern: 2.148 Euro,
  • mit drei Kindern: 2.388 Euro,
  • mit vier Kindern: 2.628 Euro.

Den Entlastungsbetrag können Sie in der Steuererklärung beantragen. Dann wird er jährlich nur einmal (auch bei mehreren Kindern) zusätzlich zum Kindergeld beziehungsweise zu den Kinderfreibeträgen gewährt. Bei der Vergleichsrechnung zwischen Kindergeld und Freibeträgen für Kinder bleibt er unberücksichtigt. Er reduziert die Summe Ihrer steuerpflichtigen Einkünfte, weshalb Ihre Steuerlast sinkt.

Für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen in einem Jahr nicht vorgelegen haben, verringert sich der Entlastungsbetrag um ein Zwölftel.

Welche Voraussetzungen gelten für den Entlastungsbetrag?

Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, müssen Sie die folgenden vier Voraussetzungen erfüllen:

  1. Sie haben einen Anspruch auf Kindergeld.
  2. Das Kind gehört zu Ihrem Haushalt.
  3. Sie sind tatsächlich alleinstehend.
  4. Sie haben den Entlastungsbetrag beantragt. Das geht mit der Steuererklärung.

Anspruch auf Kindergeld

In Ihrem Haushalt muss mindestens ein Kind wohnen, für das Sie Kindergeld erhalten. Nur einer der beiden Elternteile kann den Entlastungsbetrag für ein Kind bekommen. Und zwar derjenige, der den Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag hat.

Entfällt jedoch das Kindergeld, zum Beispiel, weil das Kind 25 Jahre alt geworden ist, dann verlieren Sie ab diesem Monat auch den Entlastungsbetrag.

Kind im eigenen Haushalt 

Das Kind, für das Sie einen Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag haben, muss zu Ihrem Haushalt gehören. Wenn es bei Ihnen als alleinstehendem Elternteil gemeldet ist, gilt diese Voraussetzung als erfüllt.

Ist das Kind zusätzlich beim Ex-Partner gemeldet, dann bekommt derjenige den Entlastungsbetrag, der auch das Kindergeld erhält.

Tipp: Der volle Freibetrag lässt sich bei zwei Kindern verdoppeln: Lebt bei jedem Elternteil ein Kind, dann haben sowohl die Mutter als auch der Vater einen Anspruch auf jeweils 1.908 Euro Entlastungsbetrag.

Wirklich alleinstehend 

Der alleinerziehende Elternteil muss zudem alleinstehend sein. Im Einkommensteuergesetz ist genau definiert, was unter „alleinstehend“ zu verstehen ist (§ 24b Abs. 3 EStG). Sobald beispielsweise die alleinerziehende Mutter mit einem neuen Lebenspartner zusammenwohnt, entfällt diese wesentliche Voraussetzung. 

Wer in einer Haushaltsgemeinschaft mit einem Volljährigen lebt, hat keinen Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Sobald ein volljähriger Mitbewohner mit Erst- oder Zweitwohnsitz an derselben Adresse gemeldet ist, kann das Finanzamt eine „schädliche Haushaltsgemeinschaft“ annehmen.

Eine Ausnahme besteht, wenn das eigene Kind volljährig geworden ist. Solange Mutter oder Vater noch Kindergeld bekommen, können sie auch den Entlastungsbetrag erhalten; zum Beispiel die alleinstehende Mutter, die mit ihrem 19-jährigen Sohn, der eine Ausbildung macht, in einem gemeinsamen Haushalt lebt. Entfällt jedoch nach der Ausbildung sein Kindergeld und er bleibt weiterhin dort wohnen, dann verliert die Mutter den Entlastungsbetrag.

Außerdem dürfen Sie nicht die Voraussetzung dafür erfüllen, dass Sie vom Splittingtarif profitieren können. 

Beispiel: Heiratet eine Alleinerziehende, entfällt für das gesamte Kalenderjahr der Entlastungsbetrag. Es findet keine monatsweise Berücksichtigung statt. Denn der Gesetzestext erfordert, dass die Voraussetzungen für die Anwendung des Splittingverfahrens nicht erfüllt sein dürfen.

Es spielt keine Rolle, ob die Eltern eine Einzelveranlagung oder eine Zusammenveranlagung in der Steuererklärung wählen. So sehen es jedenfalls die Finanzämter. Denn ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Oktober 2017 untermauert diese Einschätzung.

Wie können Sie den Entlastungsbetrag beantragen?

Wenn Sie Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben, dann können Sie ihn in Ihrer Einkommensteuererklärung beantragen. 

Anlage Kind

Dazu müssen Sie auf der zweiten Seite der Anlage Kind die entsprechenden Felder zum Entlastungsbetrag ausfüllen. Dann reduziert der Entlastungsbetrag die Summe Ihrer steuerpflichtigen Einkünfte. 

Auf der ersten Seite der Anlage Kind müssen Sie die Steueridentifikationsnummer des Kinds eintragen. Kinder erhalten die Nummer mit der Geburt. Für jedes Kind benötigen Sie eine eigene Anlage Kind.

Steuerklasse II eintragen lassen

Da Alleinerziehende in der Regel jedoch jeden Euro so schnell wie möglich benötigen, warten Sie besser nicht auf die Steuerrückerstattung. Beantragen Sie lieber beim Finanzamt die Steuerklasse II.

Dazu füllen Sie die „Versicherungserklärung zum Entlastungsbetrag“ aus und geben sie beim Finanzamt ab. Herunterladen können Sie diese im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung. Sie finden es bei den „Steuerformularen“ im Ordner „Lohnsteuer“.

Danach wird der Entlastungsbetrag automatisch beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt. In voller Höhe gilt dies aber nur für Arbeitnehmer mit einem Kind.

Haben Sie ein zweites Kind, stehen Ihnen weitere 240 Euro als Erhöhungsbetrag zu. Das sind 20 Euro monatlich, die Sie sich als zusätzlichen Freibetrag sichern können, indem Sie einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung abgeben. Dafür benötigen Sie den Hauptvordruck und die Anlage Kind. Den zusätzlichen Freibetrag können Sie für zwei Jahre beantragen.

Verwitwete mit Steuerklasse III, die mit einem oder mehreren Kindern zusammenwohnen, können sich ebenfalls auf diese Weise einen Freibetrag eintragen lassen.

Wichtig: Entfällt während des Jahres eine der Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag, dann müssen Sie dies dem Finanzamt mitteilen. Sie verlieren zum Beispiel dann die Steuerklasse II, wenn ein Volljähriger bei Ihnen einzieht, mit dem Sie eine Wohngemeinschaft bilden.

Autor
Udo Reuß

Stand: 15. März 2019


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