Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

So zahlen Alleinerziehende weniger Steuern

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
14. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Hast Du ein Kind, das bei Dir wohnt und das Du ohne Partner erziehst, dann steht Dir ein spezieller Steuerfreibetrag zu. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende senkt Deine Steuerbelastung. 
  • Alleinerziehende erhalten ab 2020 für das erste Kind einen Entlastungsbetrag von 4.008 Euro (zuvor: 1.908 Euro). Für jedes weitere Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag um jeweils 240 Euro.
  • Den Freibetrag gibt es aber nur unter bestimmten Voraussetzungen: Du musst mit mindestens einem Kind zusammenleben, für das Du Anspruch auf Kindergeld hast, und Du darfst keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden. 
So gehst Du vor
  • Du kannst den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende schon beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen lassen. Beantrage dazu beim Finanzamt die Steuerklasse II.
  • Hast Du die Steuerklasse II und eine der Voraussetzungen dafür fällt im Laufe des Jahres weg, musst Du dies dem Finanzamt mitteilen.

Wer ohne Partner Kinder großzieht, kommt finanziell oft kaum über die Runden. Denn in vielen Fällen kann der Vater oder die Mutter nur in Teilzeit arbeiten und verdient entsprechend weniger. Um Alleinerziehenden das Leben zumindest in diesem Punkt etwas zu erleichtern, gewährt der Staat ihnen bei der Einkommensteuer einen Freibetrag, den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG).

Diesen können alleinstehende Mütter und Väter beantragen, die Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben.

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag lag von 2015 bis 2019 bei 1.908 Euro im Kalenderjahr (also 159 Euro monatlich). Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz, das der Bundesrat am 29. Juni 2020 verabschiedet hat, wurde der Entlastungsbetrag für die Jahre 2020 und 2021 auf 4.008 Euro aufgestockt. Im Jahressteuergesetz 2020 wurde die zunächst begrenzte Anhebung entfristet. Das heißt, dass der Entlastungsbetrag ab dem Veranlagungszeitraum 2020 dauerhaft bei 4.008 Euro bleibt, also auch ab 2022.   

Für weitere Kinder gibt es einen Erhöhungsbetrag. Ab dem zweiten Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag dadurch um 240 Euro für jedes weitere Kind.

Den Entlastungsbetrag kannst Du in der Steu­er­er­klä­rung beantragen (Anlage Kind). Dann wird er jährlich nur einmal (auch bei mehreren Kindern) zusätzlich zum Kindergeld beziehungsweise zu den Kinderfreibeträgen gewährt. Bei der Vergleichsrechnung zwischen Kindergeld und den Freibeträgen für Kinder bleibt er unberücksichtigt. Er reduziert nur die Summe Deiner steuerpflichtigen Einkünfte. Dadurch sinkt Deine Steuerlast.

Für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen nicht vorgelegen haben, verringert sich der Entlastungsbetrag um ein Zwölftel.

Welche Voraussetzungen gelten für den Entlastungsbetrag?

Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, musst Du die folgenden vier Voraussetzungen erfüllen:

  1. Du hast einen Anspruch auf Kindergeld.
  2. Das Kind gehört zu Deinem Haushalt.
  3. Du bist tatsächlich alleinstehend.
  4. Du hast den Entlastungsbetrag beantragt. Das geht mit der Steu­er­er­klä­rung oder mit einem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung.

Anspruch auf Kindergeld

In Deinem Haushalt muss mindestens ein Kind wohnen und bei Dir gemeldet sein, für das Kindergeld gezahlt wird. An wen die Zahlung tatsächlich erfolgt, ist unerheblich. Den Entlastungsbetrag kann aber nur einer der beiden Elternteile bekommen.

Ist das Kind bei beiden gemeldet und erhalten beide den Kinderfreibetrag, sollten sich die Eltern absprechen, wer den Freibetrag beantragt. Bei demjenigen mit dem höheren Einkommen würde in der Regel ein größerer Steuervorteil herauskommen. Das Finanzamt geht normalerweise davon aus, dass der Kindergeldempfänger auch den Alleinerziehungsfreibetrag beantragt. Davon könnt Ihr abweichen, müsst aber mit Rückfragen vom Finanzamt rechnen. In diesem Fall verweist Ihr auf § 24b Absatz 1 Satz 3 Einkommensteuergesetz.

Entfällt das Kindergeld, zum Beispiel, weil das Kind 25 Jahre alt geworden ist, dann verlierst Du ab diesem Monat auch den Entlastungsbetrag.

Kind im eigenen Haushalt 

Das Kind, für das Du einen Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag hast, muss zu Deinem Haushalt gehören. Wenn es bei Dir als alleinstehendem Elternteil gemeldet ist, gilt diese Voraussetzung als erfüllt.

Ist das Kind zusätzlich beim Ex-Partner gemeldet, dann bekommt derjenige den Entlastungsbetrag, der auch das Kindergeld erhält.

Tipp: Der volle Freibetrag lässt sich bei zwei Kindern verdoppeln: Lebt bei jedem Elternteil ein Kind, dann haben sowohl die Mutter als auch der Vater Anspruch auf einen Entlastungsbetrag.

Wirklich alleinstehend 

Der alleinerziehende Elternteil muss zudem alleinstehend sein. Im Einkommensteuergesetz ist genau definiert, was unter „alleinstehend“ zu verstehen ist (§ 24b Abs. 3 EStG). Sobald beispielsweise die alleinerziehende Mutter mit einem neuen Lebenspartner zusammenwohnt, entfällt diese Voraussetzung. 

Wer in einer Haushaltsgemeinschaft mit einem Volljährigen lebt, hat keinen Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Sobald ein volljähriger Mitbewohner mit Erst- oder Zweitwohnsitz an derselben Adresse gemeldet ist, kann das Finanzamt eine „schädliche Haushaltsgemeinschaft“ annehmen.

Eine Ausnahme besteht, wenn das eigene Kind volljährig geworden ist. Solange Mutter oder Vater noch Kindergeld bekommen, können sie weiterhin den Entlastungsbetrag erhalten; zum Beispiel die alleinstehende Mutter, die mit ihrem 19-jährigen Sohn, der eine Ausbildung macht, in einem gemeinsamen Haushalt lebt. Entfällt jedoch nach der Ausbildung das Kindergeld und er bleibt weiterhin dort wohnen, dann verliert die Mutter den Entlastungsbetrag.

Außerdem darfst Du nicht die Voraussetzung dafür erfüllen, dass Du vom Splittingtarif profitieren kannst. 

Beispiel: Heiratet eine Alleinerziehende, entfällt für das gesamte Kalenderjahr der Entlastungsbetrag. Es findet keine monatsweise Berücksichtigung statt. Denn der Gesetzestext erfordert, dass die Voraussetzungen für die Anwendung des Splittingverfahrens nicht erfüllt sein dürfen.

Es spielt keine Rolle, ob die Eltern eine Einzelveranlagung oder eine Zu­sam­men­ver­an­la­gung in der Steu­er­er­klä­rung wählen. So sehen es jedenfalls die Finanzämter. Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Oktober 2017 untermauert diese Einschätzung.

Wie kannst Du den Entlastungsbetrag beantragen?

Wenn Du Anspruch auf den Entlastungsbetrag hast, dann kannst Du ihn in Deiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung beantragen. 

Anlage Kind

Dazu musst Du auf der zweiten Seite der Anlage Kind die entsprechenden Felder zum Entlastungsbetrag ausfüllen. Dann reduziert der Entlastungsbetrag die Summe Deiner steuerpflichtigen Einkünfte. 

Auf der ersten Seite der Anlage Kind musst Du die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Kinds eintragen. Kinder erhalten die Nummer mit der Geburt. Für jedes Kind benötigst Du eine eigene Anlage Kind.

Steuerklasse II eintragen lassen

Da Alleinerziehende in der Regel jedoch jeden Euro so schnell wie möglich benötigen, wartest Du besser nicht auf die Steuerrückerstattung. Beantrage lieber beim Finanzamt die Steuerklasse II.

Dazu stellst Du einen „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“. Du füllst den Hauptvordruck und die Anlage Kinder aus. Herunterladen kannst Du den Antrag im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung. Du findest ihn bei den „Steuerformularen“ im Ordner „Lohnsteuer“.

Danach wird der Entlastungsbetrag und auch der Erhöhungsbetrag ab dem zweiten Kind automatisch beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Dein Arbeitgeber zieht wegen des Freibetrags (elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal) dann weniger an Lohn- und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag ab.

Verwitwete mit Steuerklasse III, die mit einem oder mehreren Kindern zusammenwohnen, können sich ebenfalls auf diese Weise einen Freibetrag eintragen lassen.

Wichtig: Entfällt während des Jahres eine der Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag, dann musst Du dies dem Finanzamt mitteilen. Du verlierst zum Beispiel dann die Steuerklasse II, wenn ein Volljähriger bei Dir einzieht, mit dem Du eine Wohngemeinschaft bildest.

Neben dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende gibt es viele weitere Steuervorteile für Eltern. Diese haben wir in einem weiteren umfassenden Ratgeber zusammengefasst.

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