MSCI EMU ETFs

Mit Aktien günstig im Euroraum investieren

Das Wichtigste in Kürze

  • Der MSCI EMU ist der Index für den Euroraum, der am breitesten streut.
  • Vertreten sind 242 Aktien aus 10 Ländern; es gibt ein ausreichendes Angebot an börsengehandelten Indexfonds (ETFs).
  • ETFs auf den MSCI EMU sind eine Ergänzung zum MSCI World, wenn Sie den Euro-Anteil im Depot erhöhen möchten.
  • MSCI-EMU-Indexfonds brachten zwischen 2011 und 2016 im Durchschnitt rund 12 Prozent Rendite pro Jahr.
  • Anleger, die Vermögen aufbauen wollen, liegen mit einem thesaurierenden ETF richtig. Er spart Dividenden an.
  • Ein ausschüttender Fonds hingegen schreibt Dividenden in der Regel einmal im Jahr auf dem Konto gut.

So gehen Sie vor

  • Die Wertentwicklung eines ETF nach Abzug der Kosten hängt von mehreren Faktoren ab und kann schwanken: Sie sollten nicht in erster Linie danach entscheiden.
  • Wichtiger ist, sich zu überlegen, ob Sie mithilfe des ETFs Vermögen aufbauen und Dividenden ansparen möchten, oder ob Sie Ausschüttungen erhalten wollen.
  • Wir empfehlen die thesaurierenden ETFs von Amundi (FR0010655688) und iShares (IE00B53QG562) und die ausschüttenden ETFs von Lyxor (FR0007085501) und der UBS (LU0147308422).
  • Schauen Sie, welchen ETF Sie günstig bei Ihrer Depotbank bekommen.
  • Das größte Angebot an ETFs bietet Flatex und Onvista Bank; spezielle Aktionen für ETFs haben die Comdirect und ING-Diba.
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Wer sich günstig am Aktienmarkt beteiligen will, kann dies mithilfe von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) tun. Sie bilden einen bestehenden Aktienindex einfach nach. Weil kein Fondsmanager nötig ist, sind die Kosten von ETFs mit 0,2 bis 0,4 Prozent pro Jahr sehr gering.

Finanztip empfiehlt, möglichst breit über Länder, Branchen und Währungen zu streuen, um Schwankungen besser auszugleichen. Wenn es mit Aktien in einem Land oder in einer Branche nach unten geht, ist dies nicht so schlimm. Denn anderswo geht es vielleicht zeitgleich nach oben.

Europäische Indizes als Ergänzung zum MSCI World

Am besten bekommt die breite Streuung der weltweite Aktienindex MSCI World hin. Er vereinigt die 1632 nach Börsenwert größten Aktien der Welt. Mehr als 60 Prozent gehören die allerdings zu US-Unternehmen. Wer einen größeren Fokus auf Europa legen möchte, kann daher breit gestreute europäische Indizes beimischen.

An erster Stelle empfehlen wir hier den Stoxx Europe 600. Der Index bündelt die 600 größten Unternehmen aus 18 Ländern Europas. Hier sind mit dem britischen Pfund, der Schwedischen Krone oder dem Schweizer Franken auch andere Währungen neben dem Euro beteiligt. Die Mischung verschiedener Währungen entspricht dem Gedanken, (Währungs-)Risiken breit zu streuen.

Anleger, die den Anteil an in Euro lautenden Aktien erhöhen wollen, können ergänzend in den MSCI EMU investieren, der nur Aktien aus dem Euroraum berücksichtigt. Insgesamt fasst der Index die Aktien der 242 größten Unternehmen aus zehn Euroländern zusammen. Folgende Tabelle fasst die Unterschiede noch einmal zusammen.

Breit gestreute Indizes im Vergleich

Index   Anlageregion   Indexkonzept   Anteil der wichtigsten Länder
MSCI World   weltweit   Die 1632 nach Börsenwert größten Unternehmen der Industriestaaten. Große und mittlere Konzerne.   60,04 % USA, 8,74 % Japan, 6,63 % Großbritannien, 3,71 % Frankreich, 3,64 % Kanada, 3,4 % Deutschland, 3,14 % Schweiz, 2,68 % Australien, 1,21 % Niederlande, 1,18 & Hongkong
Stoxx Europe 600   Europa   Die 600 größten Unternehmen aus 18 europäischen Ländern. Große, mittlere und kleine Firmen.   32 % Großbritannien, 15 % Frankreich, 14 % Schweiz, 13 % Deutschland, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 4 % Niederlande, 4 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien
MSCI EMU   Eurozone   Die 242 größten Unternehmen aus 10 Ländern der Eurozone. Marktabdeckung zirka 85 %. Große und mittlere Konzerne.   32 % Frankreich, 30 % Deutschland, 12 % Spanien, 9 % Niederland, 8 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 1 % Irland, 1 % Portugal, 1 % Österreich

Quelle: MSCI, Stoxx (Stand: 16. Januar 2017)

Die besten ETFs auf den MSCI EMU

Es gibt 2017 noch sieben Indexfonds Exchange Traded Funds (ETFs)  auf den MSCI EMU, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Drei davon haben wir ausgeschlossen, weil sie entweder noch nicht lange genug am Markt sind oder das investierte Kapital zum Testzeitpunkt im Januar 2017 zu gering war. Die anderen vier Indizes, die den Euroraum abbilden, haben wir für Sie genauer unter die Lupe genommen.

Zwei davon sind sogenannte thesaurierende Fonds: Sie legen die laufenden Erträge aus Dividenden, Zinsen und anderen Finanzgeschäften wieder an. Anleger können so Vermögen aufbauen. Weitere zwei sind ausschüttende ETFs: Sie schreiben die Dividenden ein oder mehrmals im Jahr auf dem Konto des Anlegers gut.

Die untersuchten Fonds sind physisch replizierend. Das bedeutet, dass sie einen Großteil der im MSCI EMU enthaltenen Aktien auch tatsächlich eingekauft haben. ETFs auf den MSCI EMU, die die Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft abbilden (synthetische ETFs) erfüllten beim Test 2017 nicht die Finanztip-Kriterien.

Folgende Tabelle zeigt die Wertentwicklung pro Jahr für den Fünfjahreszeitraum Ende 2011 bis Ende 2016.

Wertentwicklung und Gewinn von ETFs auf den MSCI EMU

    Index   ISIN   Durchschnittliche Wertentwicklung¹ (2011 - 2015) p.a.   Gewinn (2011- 2016), Anlage 10.000 €
    MSCI EMU       11,97 %   7.597 €
thesaurierende ETFs   Amundi   FR0010655688   12,28 %   7.848 €
    iShares   IE00B53QG562   12,34 %   7.893 €
ausschüttende ETFs   Lyxor   FR0007085501   12,13 %   7.723 €
    UBS   LU0147308422   12,35 %   7.898 €

¹ Wir berechnen die Wertentwicklung anhand des sogenannten Net Asset Value (NAV), den die ETF-Anbieter zur Verfügung stellen. Darin sind Verwaltungskosten des ETFs schon berücksichtigt.
Quelle: Anbieter, Finanztip-Berechnung (Stand: 16. Januar 2017)

Alle Fonds haben besser abgeschnitten als der Netto-Index des MSCI EMU. Der Netto-Index gilt bei ETFs in der Regel als Maßstab; er bildet die Wertentwicklung der im Index enthaltenen Aktien inklusive Dividenden ab. Quellensteuern sind abgezogen. Diese Steuern werden direkt im jeweiligen Herkunftsland eines Unternehmens von den Gewinnausschüttungen einbehalten.

Wenn die ETFs besser abschneiden als der Netto-Index bedeutet das vereinfacht gesagt, dass der Fonds sich zunächst Teile der abgeführten Quellensteuer über Doppelbesteuerungsabkommen zurückholen und auch über den kurzfristigen Verleih von Aktien zusätzlich Einnahmen erzielen konnte. Die Verwaltungskosten haben dann den Zusatzertrag nicht vollständig aufgefressen. Details dazu lesen Sie im Ratgeber ETFs.

Finanztip empfiehlt diese ETFs auf den MSCI EMU

Alle untersuchten ETFs erfüllen die Finanztip-Auswahlkriterien: Sie verfügen über ein verwaltetes Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro, sind seit mindestens 5 Jahren am Markt und es gibt eine Seite zum ETF beim Anbieter auf Deutsch. Sie sind somit Finanztip-Empfehlung.

Die Entscheidung, welchen ETF Sie am Ende wählen, können Sie nach persönlichen Kriterien treffen. Wollen Sie Vermögen aufbauen, ist ein ETF besser, der Dividenden mit anspart. Diese verzinsen sich mit. Wer längerfristig anlegt, kann sich über einen spürbaren Zinseszinseffekt freuen.

Sie sollten aber auch schauen, welchen ETF Sie günstig bei Ihrer Depotbank oder Ihrem Broker bekommen. Wenn Sie es nicht schon haben, suchen Sie sich in jedem Fall zunächst ein kostenloses Wertpapierdepot. Je höher die Gebühren beim Kauf sind, umso mehr wird die jährliche Rendite geschmälert. Wo Sie mit dem MSCI EMU günstig im Sparplan ansparen können, haben wir im Ratgeber ETF-Sparplan zusammengestellt. 

Kosten und die kurzfristige Wertentwicklung sollten dagegen keine Auswahlkriterien sein. In der Regel schwankt die Rendite nach Kosten von Jahr zu Jahr. Der ETF muss also jedes Jahr aufs Neue beweisen, ob und um wie viel er den jeweiligen Netto-Index schlagen kann. Da sich die steuerliche Handhabe ab 2018 angleicht, sind auch steuerliche Aspekte für die Wahl nicht länger ausschlaggebend. Details dazu finden Sie auch in unserem Ratgeber ETFs und im Blog-Artikel.

Amundi ETF MSCI EMU
ISIN FR0010655688 / WKN A0REJN

  • ETF auf den MSCI EMU
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • physische Nachbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)
Amundi ETF MSCI EMU

iShares ETF MSCI EMU
ISIN IE00B53QG562 / WKN A0YEDX

  • ETF auf den MSCI EMU
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • physische Abbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)

UBS ETF – MSCI EMU
ISIN LU0147308422 / WKN 633611

  • ETF auf den MSCI EMU
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds schüttet Dividenden aus
UBS ETF – MSCI EMU

Lyxor UCITS ETF MSCI EMU
FR0007085501 / WKN A0BK6R

  • ETF auf den MSCI EMU
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds schüttet Dividenden aus
Lyxor UCITS ETF MSCI EMU

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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So haben wir untersucht

Folgende Auswahlkriterien mussten die ETFs erfüllen, um in die Analyse aufgenommen zu werden:

  • Die Fondsanteile müssen an einer deutschen Börse gehandelt werden. Andernfalls steigen die Nebenkosten beim Erwerb an.
  • Die gesetzlich vorgeschriebenen Anleger-Informationen müssen auf einer deutschsprachigen Webseite abrufbar sein.
  • Wir haben nur ETFs berücksichtigt, die vor 2011 auf den Markt kamen. Denn ohne eine entsprechende Historie ist eine Untersuchung der Wertentwicklung kaum aussagekräftig.
  • Das Fondsvolumen beträgt wenigstens 100 Millionen Euro. Zu kleine Fonds sind langfristig möglicherweise nicht rentabel. Sie laufen Gefahr, zusammengelegt oder geschlossen zu werden.

Berechnet haben wir die Wertentwicklung der Fonds. Dazu haben wir die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Netto-Inventarwerte (NAV) herangezogen. Der NAV ist die Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten und Kosten geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile. Er wird auf Basis der Schlusskurse der im Fonds enthaltenen Wertpapiere berechnet. Manche Fonds weisen den NAV in US-Dollar aus. In diesen Fällen haben wir die Werte in Euro umgerechnet. Dazu verwendeten wir die von der Bundesbank veröffentlichten Schlusskurse auf Tagesbasis.

Bei den ausschüttenden ETFs haben wir künstlich eine Thesaurierung nachempfunden. Dafür haben wir die Ausschüttungen ohne Abzug von Steuern der Fondsanlage gutgeschrieben.

Folgende Tabelle zeigt die Grundgesamtheit unserer Analyse.

ETFs auf den MSCI EMU

Anbieter   ISIN   Art der Nachbildung und Ertragsverwednung   Auflagedatum   verwaltetes vermögen in Mio. Euro   Kommentar
Amundi   FR0010655688   physisch-thesaurierend   24.02.2010   675,35    
Comstage   LU0392494729   synthetisch-thesaurierend   01.12.2008   7,2   zu wenig verwaltetes Vermögen
db-x trackers   LU0846194776   physisch-ausschüttend   30.11.2012   665,43   zu kurz auf dem Markt
iShares   IE00B53QG562   physisch-thesaurierend   12.01.2010   1.073,23    
Lyxor   FR0007085501   physisch-ausschüttend   06.03.2003   119,13    
SPDR   IE00B910VR50   physisch-thesaurierend   29.01.2013   306,76   zu kurz auf dem Markt
UBS   LU0147308422   physisch-ausschüttend   19.09.2003   1.486,53    

Quelle: Börse Frankfurt (Stand: 19. Januar 2017)

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.