Grundfähigkeitsversicherung

Abgespeckter Schutz für körperlich Arbeitende

Julia Rieder Stand: 10. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente, wenn Sie bestimmte elementare körperliche oder geistige Fähigkeiten verlieren.
  • Als Grundfähigkeiten gelten zum Beispiel Sehen, Sprechen oder der Gebrauch der Hände.
  • Wann genau eine versicherte Fähigkeit als verloren gilt, ist in den Versicherungsbedingungen definiert und unterscheidet sich je nach Anbieter.
  • Unterschiedlich ist auch, wie viele Fähigkeiten der Versicherte verlieren muss, damit er eine Rente erhält.
  • Die Grundfähigkeitsversicherung kann eine Alternative sein, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer ist. Sie bietet allerdings einen deutlich geringeren Schutz.

Treppen steigen, sich kniend die Schnürsenkel zubinden, Auto fahren – wenn durch eine Krankheit oder einen Unfall solch alltägliche Tätigkeiten plötzlich nicht mehr möglich sind, hat das oft auch finanzielle Folgen. Dann springt die Grundfähigkeitsversicherung ein. Sie deckt bestimmte elementare Fähigkeiten wie den Gebrauch der Hände, das Sehen oder Sprechen ab. Verliert der Versicherte eine oder mehrere solcher Fähigkeiten für mindestens sechs oder zwölf Monate, zahlt die Grundfähigkeitsversicherung die vereinbarte Rente.

Wann eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt

Anders als bei der Unfallversicherung oder der Dread-Disease-Versicherung ist die Ursache für den Versicherungsfall bei dieser Art von Policen genauso wenig relevant wie die Frage, ob der Versicherte weiter arbeiten kann. Es kommt nur auf die Auswirkungen an.

Die Grundfähigkeitsversicherung sichert im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung nicht die Arbeitskraft ab, sondern nur bestimmte Fähigkeiten. Welche Fähigkeiten im Versicherungsschutz eingeschlossen sind, ist in den Vertragsbedingungen genau definiert. Viele Versicherer unterteilen die Fähigkeiten in zwei Gruppen. Unter den sogenannten Fähigkeitskatalog A fallen meist Sehen, Sprechen und der Einsatz der Hände. Verliert der Versicherte eine dieser Fähigkeiten, bekommt er die vereinbarte Rente.

Alternativ zahlt die Versicherung, wenn drei Fähigkeiten aus dem Katalog B wegfallen. Dazu gehören in der Regel Hören, Gehen, Treppen steigen, Sitzen, Knien oder Bücken, Stehen, Arme bewegen, Heben und Tragen oder Auto fahren. Wer also nicht mehr laufen oder stehen, dafür aber noch sitzen kann, bekommt bei solchen Policen kein Geld.

Einige Versicherer haben zusätzlich geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis oder Konzentration in ihre Leistungsdefinition aufgenommen. Allerdings muss der Versicherte zu den schlechtesten 10 Prozent der Durchschnittsbevölkerung in diesem Bereich gehören oder unter gerichtlich bestellter Betreuung stehen, damit er Geld bekommt. Schwere Depressionen sind hingegen nur in wenigen Tarifen versicherbar.

Wer pflegebedürftig wird, bekommt in der Regel ebenfalls eine Rente. Ab welcher Pflegestufe die Versicherung zahlt, variiert jedoch.

Mittlerweile gibt es auch Anbieter, die die Leistungsgründe nicht in verschiedene Gruppen unterteilen und bei denen bereits der Verlust einer Fähigkeit ausreicht, um einen Rente zu bekommen – egal, ob es sich dabei um Sehen oder Treppensteigen handelt. Sie sollten solche Tarife bevorzugen, denn lebenspraktisch gesprochen haben Sie dann auch eine realistische Chance, dass die Versicherung zahlt, wenn Sie sie brauchen.

Wichtig zu wissen: Eine Rente bekommt bei den meisten Anbietern nur, wer die Grundfähigkeit für mindestens 12 Monate verliert. Damit ist die Hürde für eine Leistung deutlich höher als beispielsweise bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese zahlt, sofern der Kunde für mehr als sechs Monate berufsunfähig ist.

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  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für fast jeden sinnvoll.
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Für wen die Police sinnvoll ist

Die Grundfähigkeitsversicherung ist nicht die erste Wahl, um die eigene Arbeitskraft abzusichern. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet umfangreicheren Schutz, denn sie versichert alle gesundheitlichen Ursachen für den Wegfall der Arbeitsfähigkeit – auch psychische Erkrankungen. Diese sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit und von den meisten Grundfähigkeitstarifen nicht abgedeckt – solange sie nicht zum Verlust der versicherten Grundfähigkeiten führen.

Die Grundfähigkeitsversicherung sichert weniger ab, kostet dafür aber auch weniger: Die Prämien sind deutlich erschwinglicher als bei einer BU – insbesondere für Menschen mit körperlich anstrengenden „Risikoberufen“, zum Beispiel Handwerker. Wer sich also weder eine Berufsunfähigkeitsversicherung noch deren beste Alternative, die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leisten kann, bekommt immerhin ein Mindestmaß an Schutz. Dieser eignet sich vor allem für Menschen, die körperlich arbeiten und dafür auf viele Grundfähigkeiten angewiesen sind.

Wer Vorerkrankungen hat, muss auch bei der Grundfähigkeitsversicherung mit Risikozuschlägen oder Ausschlüssen rechnen. Wie bei der BU gehören zum Antrag in der Regel eine Reihe von Gesundheitsfragen. Diese müssen Sie wahrheitsgemäß beantworten, sonst kann die Versicherung sich im schlimmsten Fall weigern, zu zahlen.

Sind Sie gesundheitlich eingeschränkt, können Sie mit einer Risikovoranfrage klären, ob und zu welchen Konditionen Sie eine Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung bekommen würden.

Hohe Hürden für die Versicherungsleistung

Während es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung häufig Diskussionen darüber gibt, ob der notwendige Grad der Berufsunfähigkeit schon erreicht ist, sind die Leistungsfälle in den Grundfähigkeitspolicen klar definiert. So geht die Prüfung, ob jemand Anspruch auf die Rente hat, meist relativ einfach und schnell.

Der große Nachteil: Die Hürden für die Versicherungsleistung sind in vielen Fällen sehr hoch. Der Betroffene muss die versicherten Fähigkeiten vollständig verloren haben oder schwer beeinträchtigt sein, damit die Versicherung zahlt.

Damit beispielsweise die Fähigkeit „Sprache“ als verloren gilt, darf der Versicherte bei einigen Policen kein verständliches Wort mehr sagen können. Schwierigkeiten bei der Artikulation führen zwar unter Umständen dazu, dass jemand einen Beruf mit Kundenkontakt nicht mehr ausüben kann. Für eine Leistung aus der Grundfähigkeitsversicherungen reicht das aber nicht aus. Auch von schweren Krankheiten wie Krebs geschwächte Menschen bekommen kein Geld, solange sie die Grundfähigkeiten nicht verloren haben. Daher ist die Gefahr groß, dass Versicherte im Ernstfall durch das Raster rutschen und keine Grundfähigkeitsrente erhalten.

Darauf sollten Sie in der Police achten

Wie sind die Grundfähigkeiten definiert? - Wichtig ist nicht nur, welche und wie viele Fähigkeiten versichert sind. Achten Sie auch darauf, wie genau der Verlust der einzelnen Grundfähigkeiten definiert ist. Es gibt in dieser Hinsicht erhebliche Unterschiede zwischen den Versicherungsunternehmen. Während ein Anbieter die Fähigkeit „Arme gebrauchen“ besonders kundenfreundlich definiert, zeigt sich ein anderer bei „Bücken und Knien“ kulant.

Überlegen Sie deshalb vor Abschluss einer Police, welche Fähigkeiten für Ihren Beruf besonders wichtig sind. Vergleichen Sie dann mit Hilfe eines Versicherungsmaklers oder -beraters, welcher Anbieter genau diese Fähigkeiten möglichst vorteilhaft definiert.

Ein Beispiel: Den Verlust der Fähigkeit, seine Hände zu gebrauchen, sieht ein Versicherer als gegeben an, wenn die versicherte Person weder mit der linken noch der rechten Hand, eine Schere richtig benutzen kann. Andere zahlen die Rente schon, sofern der Versicherte mit einer seiner Hände nicht mehr in Lage ist, den Schraubverschluss einer Flasche zu öffnen. Wieder andere prüfen, ob es noch gelingt, einen Schraubenzieher zu benutzen.

Reicht die Rentenhöhe aus? - Achten Sie darauf, dass die versicherte Rente hoch genug ist, um die Kosten für Ihren Lebensunterhalt und die Altersvorsorge zu decken. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht dafür in der Regel nicht aus. Als Faustformel für die Versicherungssumme gelten drei Viertel Ihres Nettoeinkommens.

Hat der Tarif eine gute Bewertung? - Die Versicherungs-Ratingagentur Franke & Bornberg vergleicht regelmäßig die Bedingungen verschiedener Anbieter. Schließen Sie einen Tarif ab, der die höchstmögliche Bewertung „FFF“ erhalten hat. Das Rating finden Sie hier. Klicken Sie auf den Link zu Grundfähigkeits- und Multi-Risk-Versicherungen und lassen Sie sich die selbstständigen Grundfähigkeitsversicherungen anzeigen.

Lassen Sie sich vom Fachmann beraten

Lassen Sie sich am besten von einem qualifizierten Honorarberater oder Versicherungsmakler unterstützen. In der Beratung können Sie auch klären, ob es nicht sinnvoller ist, doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine der anderen BU-Alternativen zur Absicherung der Arbeitskraft abzuschließen. Außerdem sollte der Fachmann Ihnen helfen, die Definitionen der Grundfähigkeiten bei verschiedenen Anbietern zu vergleichen.

Folgende Makler können wir für die Beratung zur Arbeitskraftabsicherung empfehlen:

Hoesch & Partner
Beratung zu BU und Alternativen
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Zeroprov
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Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2005
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Köln
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
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Autor
Julia Rieder

Stand: 10. Mai 2019


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