Nachversicherungsgarantie und Beitragsdynamik

So bleiben Sie flexibel mit Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung

Julia Rieder Stand: 15. Juni 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließt, sollte darauf achten, dass er die versicherte Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung aufstocken kann.
  • Denn durch neue Lebensumstände wie eine Familiengründung kann eine höhere Absicherung nötig werden. Außerdem führt die Inflation dazu, dass die ursprünglich vereinbarte Rente an Wert verliert.
  • Mit einer Nachversicherungsgarantie können Kunden die vereinbarte BU-Rente auf einen Schlag erhöhen.
  • Ist im Vertrag eine Dynamik vereinbart, steigt die Rente automatisch jedes Jahr um einen festgelegten Prozentsatz.
  • Die höhere Rente kostet allerdings auch mehr Beitrag.
So gehen Sie vor
  • Wählen Sie einen Tarif mit Nachversicherungsgarantie. Auch eine Beitragsdynamik können Sie erwägen.
  • Worauf Sie beim Abschluss sonst noch achten sollten, erklärt unser Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Denken Sie daran, Ereignisse wie Hochzeit oder Gehaltserhöhung dem Versicherer rechtzeitig zu melden, wenn Sie die Nachversicherungsgarantie nutzen möchten.
  • Bei der Beitragsdynamik müssen Sie nicht selbst aktiv werden. Sie können den automatischen Erhöhungsschritten auch widersprechen, damit der Beitrag nicht zu teuer wird – wie häufig, steht in Ihrem Vertrag.

Nicht alles im Leben ist planbar. Gerade in jungen Jahren kann deshalb kaum jemand vorhersagen, wie viel Geld er später zum Leben brauchen wird. Wie entwickelt sich der Job? Sind Kinder und ein Partner zu versorgen? Wird ein Haus gebaut? Ohne die Antworten auf diese Fragen zu kennen, lässt sich nur schwer das richtige Maß an Berufsunfähigkeitsschutz festlegen.

Damit die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) trotzdem langfristig zu Ihren finanziellen Bedürfnissen passt, ist es wichtig, dass der Vertrag flexibel ist. Eine Nachversicherungsgarantie oder eine sogenannte Beitragsdynamik ermöglichen es Ihnen, die Höhe der vereinbarten Rente nachträglich anzupassen.

Wie funktioniert die Nachversicherungsgarantie?

Mit einer Nachversicherungsgarantie können Sie die versicherte BU-Rente auf einen Schlag erhöhen, wenn sich Ihre Lebensumstände geändert haben. Der große Vorteil: Dafür ist in der Regel keine erneute Gesundheitsprüfung nötig. Das bedeutet, auch wenn Sie in der Zeit seit Vertragsschluss krank geworden sind, dürfen Sie Ihre BU-Rente aufstocken.

Meist ist die Erhöhung allerdings nur bei besonderen Ereignissen möglich, wie:

  • Heirat oder Scheidung,
  • Geburt eines Kindes,
  • Abschluss des Studiums, der Ausbildung oder einer Meisterprüfung,
  • Kauf einer Immobilie,
  • Gehaltserhöhung,
  • Beginn einer Selbständigkeit, oder
  • Ende der Pflichtmitgliedschaft in einem Versorgungswerk.

Einige Anbieter erlauben es auch, die Rente ohne speziellen Anlass aufzustocken – dann jedoch häufig nur in den ersten Versicherungsjahren. Wichtig zu beachten: Die Rente steigt nicht automatisch. Sie müssen die Erhöhung beantragen – und zwar innerhalb einer bestimmten Frist, meist drei Monate nach dem Ereignis.

Ohne eine solche Nachversicherungsgarantie sind Änderungen am Vertrag in vielen Fällen nicht so einfach möglich – wenigstens die Gesundheitsprüfung müssen Kunden häufig erneut durchlaufen. Besonders wichtig ist die Nachversicherungsgarantie deswegen für junge Kunden. Sie können so beim Vertragsabschluss von ihrer guten Gesundheit profitieren und die Rente später flexibel an ihr steigendes Einkommen anpassen.

Welche Haken gibt es?

Für die Nachversicherung gibt es auch Grenzen. Sie können die BU-Rente in der Regel nur bis zu einem bestimmten Alter erhöhen. Oft endet die Möglichkeit mit dem 45. oder 50. Geburtstag. Außerdem bestimmen die Versicherer Höchstgrenzen, über die hinaus die Rente nicht aufgestockt werden darf.

Bei Gutverdienern, die bereits zu Vertragsbeginn eine relativ hohe Monatsrente vereinbart haben, greift die Nachversicherungsgarantie also unter Umständen nicht. Auch falls im Vertrag spezielle Risikoausschlüsse oder erhöhte Beiträge vereinbart sind, sollten Sie prüfen, ob die Nachversicherungsgarantie trotzdem gilt.

Der Nachteil beim Aufstocken der Rente: Die umfassendere Absicherung kostet auch mehr Beitrag. Für den Teil der Rente, den Sie aufstocken, schließen Sie quasi einen neuen Vertrag ab. Dabei wird das aktuelle Lebensalter zugrunde gelegt. So zahlen Sie für die nachträglich erhöhte Rente mehr, als hätten Sie eine gleich hohe Rente direkt bei Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung vereinbart.

Bei einigen Versicherern ist die Nachversicherung nur möglich, indem Sie für den zu erhöhenden Teil der Rente einen neuen Vertrag abschließen. Für diesen gelten dann unter Umständen andere Tarifbedingungen und Konditionen als für den ursprünglichen BU-Vertrag.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für fast jeden sinnvoll.
  • Von uns empfohlene Makler: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, P&F.

Zum Ratgeber 

Was ist eine Beitragsdynamik?

Es gibt eine weitere Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass die versicherte Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch ausreicht: die Beitragsdynamik. Durch die Dynamik steigt die Rente jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise 3 Prozent. Damit erhöht sich auch die BU-Rente, allerdings nicht um 3 Prozent, sondern in geringerem Umfang als der Beitrag. Denn wie bei der Nachversicherungsgarantie wird für jeden Erhöhungsschritt das aktuelle Lebensalter des Versicherten zugrunde gelegt. Zusätzlich fallen für den erhöhten Teil der Rente neue Abschlusskosten an. So lohnt sich die Dynamik mit zunehmendem Alter immer weniger.

Ziel ist es, die zu erwartende BU-Rente an den Wertverlust durch Inflation anzupassen. Mit einer Dynamisierung des Vertrags bleibt die Kaufkraft der Rente erhalten. Bei einer Inflation von 2 Prozent wären sonst von 1.000 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 628 Euro reale Kaufkraft übrig.

Die Beitragsdynamik hat den Vorteil, dass die versicherte Rente automatisch steigt und kein Anlass dafür nötig ist. Auch die Gesundheitsprüfung entfällt. Sie sollten aber sichergehen, dass Sie sich die steigenden Beiträge auch dauerhaft leisten können. Die Beitragsdynamik ist keine Pflicht, sondern ein Recht des Kunden. Das bedeutet, Sie können einem Erhöhungsschritt auch widersprechen. Dann bleiben Beitrag und Rente gleich.

Wie oft Sie die Dynamik aussetzen können, steht in Ihrem Vertrag. Meist ist es problemlos möglich, zwei Jahre hintereinander zu verzichten. Beim dritten Widerspruch in Folge wird die Dynamik dann häufig komplett gestoppt, und für eine Rentenerhöhung ist künftig eine Gesundheitsprüfung nötig. Soll der Beitrag nur moderat steigen, können Sie also einfach jeden dritten Erhöhungsschritt mitmachen.

Sollten Sie feststellen, dass Ihre BU-Rente tatsächlich zu hoch geworden ist, können Sie diese jederzeit absenken und dadurch Beitrag sparen. Sie können die Rente dann aber nicht ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder auf den alten Stand anheben.

Eine andere Form der Dynamik ist eine steigende Rente im Leistungsfall. Das bedeutet, falls der Kunde berufsunfähig wird, bekommt er jedes Jahr ein wenig mehr Rente, meist 1 bis 2 Prozent. Das lohnt sich vor allem, wenn jemand in jungen Jahren berufsunfähig wird und dann für lange Zeit mit seiner Berufsunfähigkeitsrente auskommen muss. Allerdings ist ein Vertrag mit dieser Option von Anfang an teurer.

Autor
Julia Rieder

Stand: 15. Juni 2018


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