Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen

Kündige nur im Notfall

Julia Rieder
& Co-Autor
25. Juli 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat gesetzlich geregelte Kündigungsfristen.
  • Hast Du den Vertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen, kannst Du in der Regel zum nächsten Zahlungszeitpunkt kündigen.
  • Grundsätzlich raten wir davon ab, die Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen, sofern Dir kein besserer Vertrag vorliegt.
  • Wenn Du Dir die Beiträge aktuell nicht leisten kannst, gibt es andere Möglichkeiten zur Überbrückung.
So gehst Du vor
  • Bei Zahlungsschwierigkeiten sind einige Versicherer bereit, die Beiträge zinslos zu stunden. Alternativ kannst Du den Vertrag beitragsfrei stellen.
  • In dieser Zeit fallen keine Beiträge an, Dein Versicherungsschutz ist aber auch deutlich reduziert.
  • Achte darauf, dass Du den Vertrag wieder aufnehmen kannst – wenn möglich ohne erneute Gesundheitsprüfung.
  • Solltest Du wirklich kündigen wollen, erfrage beim Anbieter, ob er einen Rückkaufswert zahlt oder im Leistungsfall eine niedrige BU-Rente.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) solltest Du nur im absoluten Notfall kündigen – oder wenn Du bereits einen besseren Vertrag in den Händen hältst. Denn die BU-Police gehört zu den wichtigsten Versicherungen: Sie sichert Deinen Lebensunterhalt, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst. Je älter Du bist, desto schwieriger wird es, nochmal eine gute und bezahlbare Absicherung zu bekommen.

Zwei Möglichkeiten bei Zahlungsproblemen

Falls Dir kurz nach der Unterschrift unter den Vertrag klar wird, dass die abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung doch nicht passt, hast Du eine Galgenfrist. Bis 30 Tage nach Erhalt des Versicherungsscheins kannst Du die Police ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Läuft der Vertrag schon länger, gilt es die Kündigung genau abzuwägen. Denn bei einer vorübergehenden finanziellen Klemme gibt es Möglichkeiten, die BU-Kosten zeitweise zu verringern.

Sofern Du die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr bezahlen kannst, kannst Du zum einen den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Das bedeutet, Du zahlst keine Beiträge, erhältst aber auch nur eine stark verringerte Berufsunfähigkeitsrente, falls Du in dieser Zeit berufsunfähig wirst. Unterschreitet die Rente einen bestimmten Mindestbetrag, etwa weil Du noch nicht genug in den Vertrag eingezahlt hast, kann es passieren, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung komplett erlischt.

Frage deshalb bei Deinem Versicherer nach, was im Falle einer Beitragsfreistellung mit dem Vertrag passieren würde. Wäge dann genau ab, ob Du diese Option nutzen möchtest. Außerdem solltest Du in den Versicherungsbedingungen nachschauen, unter welchen Voraussetzungen der Anbieter den Vertrag wieder in Kraft setzt.

Viele Versicherer fordern eine erneute Gesundheitsprüfung, wenn Du den Vertrag nach einigen Monaten wieder aufnehmen willst. Das solltest Du möglichst vermeiden, denn wer nicht mehr so gesund ist wie zur Zeit des Vertragsschlusses, muss oft deutlich höhere Beiträge zahlen oder erhält nicht mehr den vollen Versicherungsschutz.

Willst Du die BU-Versicherung wieder aufnehmen, bieten die Versicherer in der Regel zwei Optionen an: Entweder wird die versicherte Rente aufgrund der fehlenden Beiträge gesenkt oder Du zahlst künftig höhere Beiträge, um weiter auf dem ursprünglich vereinbarten Niveau abgesichert zu sein.

Bei einer Notlage ist es oft auch möglich, die Beiträge zinslos stunden zu lassen – meist für einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten. Während der Zeit des Aufschubs läuft der Versicherungsschutz weiter, Du musst aber später alle aufgestauten Beiträge nachzahlen. Wirst Du während der Stundung berufsunfähig, erhältst Du entweder eine stark reduzierte Berufsunfähigkeitsrente oder Du zahlst die fehlenden Beiträge nach und bekommst die vereinbarten Beträge.

Notfalls Vertragsbestandteile kündigen

Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung als Zusatz an eine Renten- oder Kapitallebensversicherung gekoppelt, solltest Du den Anbieter fragen, ob Du die Hauptversicherung beitragsfrei stellen kannst. So bleibt der BU-Schutz erhalten, der Beitrag sollte sich aber spürbar verringern.

Möglich ist auch, einzelne Vertragsbestandteile der Versicherung zu kündigen. So kannst Du etwa die Beitragsdynamik oder eine Unfalltodversicherung streichen. Notfalls lässt sich auch die Höhe der BU-Rente reduzieren, um Prämien zu sparen.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für fast jeden sinnvoll.
  • Von uns empfohlene Makler: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, P&F.

Zum Ratgeber 

Kündigungsfristen beachten

Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen möchte, ist an gesetzliche Fristen gebunden. Grundsätzlich gilt: Laut Paragraf 11 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) muss die Kündigungsfrist für beide Vertragsparteien gleich lang sein und zwischen einem und drei Monaten liegen. Wie lang die Kündigungsfrist genau ist, steht in den Versicherungsunterlagen.

Die Kündigung muss rechtzeitig und nachweisbar beim Versicherer eingehen. Schicke sie deswegen am besten als Einschreiben mit Rückschein.

Läuft Dein Vertrag auf unbestimmte Zeit, darfst Du ihn meist zum Ablauf des Versicherungsjahres kündigen, also dem Datum, an dem Du die Versicherung abgeschlossen hast. Zahlst Du die Beiträge nicht jährlich, sondern monatlich, viertel- oder halbjährlich, kannst Du in der Regel zum nächsten Zahlungstermin kündigen.

Eventuell den Rückkaufswert erhalten

Nach der Kündigung wandelt sich die BU-Versicherung meist ganz oder teilweise in eine beitragsfreie Versicherung mit stark reduzierter Rente um. Wenn die beitragsfreie Berufsunfähigkeitsrente einen Mindestbetrag nicht erreicht, erlischt die Versicherung ganz. Kunden erhalten dann – falls vorhanden – nur den Rückkaufswert der Police (§ 169 VVG). Eine Erstattung der Beiträge darf die Versicherung nur komplett verweigern, wenn dies im Vertrag eindeutig festgehalten ist.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

25. Juli 2017


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.