Dread-Disease-Versicherung

Geldpolster für schwere Krankheiten

Julia Rieder Stand: 10. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Dread-Disease-Versicherung zahlt eine vereinbarte Summe, wenn bei Ihnen eine im Vertrag genannte schwere Krankheit diagnostiziert wird. Das Geld gibt es auf einen Schlag, eine monatliche Rente bekommen Sie nicht.
  • Meist muss die Erkrankung einen bestimmten Schweregrad erreicht haben, bevor die Versicherung zahlt.
  • Über das Geld können Sie frei verfügen, unabhängig davon, ob Sie noch arbeiten können und wie lange Sie krank sind.
  • Psychische und Skeletterkrankungen – die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit – sind nicht versichert.
  • Die Dread-Disease-Versicherung ist eine Alternative, falls Sie keine Berufs- und keine Erwerbsunfähigkeitsversicherung bekommen.

Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs sind nicht nur ein persönlicher Schicksalsschlag, sie können auch gravierende finanzielle Folgen haben: Oft fehlt durch den Einkommensausfall Geld für die alltäglichen Ausgaben, medizinische Zusatzkosten reißen ein Loch in die Haushaltskasse oder das eigene Zuhause muss krankheitsgerecht umgebaut werden. Solche finanziellen Belastungen soll die Dread-Disease-Versicherung abfangen. Sie wird auch Schwere-Krankheiten-Versicherung genannt und kommt aus dem angelsächsischen Raum, wo die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung nicht so verbreitet ist.

Wann zahlt eine Dread-Disease-Versicherung?

Jeder Dread-Disease-Tarif hat eine genau definierte Liste von Krankheiten, bei denen die Versicherung die vereinbarte Geldsumme zahlt. Ob Sie trotz Erkrankung noch arbeiten können oder nicht, ist für die Dread-Disease-Versicherung egal.

Zu den versicherten Krankheitsbildern gehören in der Regel Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Multiple Sklerose, Erkrankungen des Nervensystems sowie Koma und der Verlust elementarer Fähigkeiten wie Sehen oder Hören. Viele Anbieter zahlen außerdem bei Pflegebedürftigkeit in jungen Jahren und bei Unfallfolgen wie Amputation von Gliedmaßen, schweren Verbrennungen und Kopfverletzungen. In den letztgenannten Punkten überschneidet sich die Dread-Disease-Versicherung teilweise mit einer Unfall- und mit einer Pflegeversicherung.

Die bloße Anzahl der versicherten Krankheiten ist nicht das entscheidende Kriterium für einen guten Tarif. Viele Krankheiten sind ausgesprochen selten, ihr Einschluss bietet daher nur einen geringen Zusatznutzen.

Knackpunkt bei der Dread-Disease-Versicherung ist die Definition der Krankheiten. Denn die Versicherung zahlt die vereinbarte Summe nur, wenn der Arzt Ihnen eine der in den Vertragsbedingungen definierte Diagnose stellt. Außerdem muss die Krankheit bereits einen bestimmten Schweregrad erreicht haben, bevor die Versicherung zahlt. Bei Frühstadien von Krebs beispielsweise gehen Sie meist leer aus.

Welche Krankheiten versichert sind und wie genau diese definiert sind, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Wenn Sie eine Dread-Disease-Versicherung abschließen möchten, sollten Sie sich deshalb vorab mit den verschiedenen Definitionen der Krankheiten beschäftigen, damit Sie wissen, wann Sie geschützt sind und wann nicht. Helfen kann Ihnen dabei ein fachkundiger Makler oder Berater.

Falls Sie eine der medizinischen Beschreibungen nicht verstehen, bitten Sie Ihren Vermittler, eine schriftliche, laienverständliche Erläuterung zu beschaffen. Auch er wird in der Regel nicht alle medizinischen Fachbegriffe kennen – lassen Sie sich nicht mit einer aus dem Ärmel geschüttelten Erklärung abspeisen.

Für wen ist eine Dread-Disease-Versicherung sinnvoll?

Eine Dread-Disease-Versicherung ist nicht die beste Wahl, um die eigene Arbeitskraft abzusichern. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet den umfassendsten Schutz, weil sie alle gesundheitlichen Ursachen dafür versichert, dass Sie nicht mehr arbeiten können – auch psychische Erkrankungen.

Falls Sie weder eine BU-Police noch deren beste Alternative, die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, abschließen können, bekommen Sie mit einer Dread-Disease-Versicherung aber wenigstens etwas Schutz bei schweren Krankheiten. Die Einmalzahlung von der Versicherung können Sie beispielsweise nutzen, um zusätzliche Behandlungen zu finanzieren, Ihren Immobilienkredit weiter abzubezahlen oder den Betrieb weiter am Laufen zu halten, falls Sie selbstständig sind.

Achtung: Der Vertrag endet meist, wenn Sie Geld von der Dread-Disease-Versicherung bekommen. Das bedeutet, Sie haben keinen Schutz mehr für den Fall, dass Sie ein zweites Mal krank werden.

Sollten Sie wegen psychischer Vorerkrankungen keine BU bekommen, ist die Dread-Disease-Versicherung eine Alternative. Denn Leistungen bei psychischen Erkrankungen sind ausgeschlossen – ein Vorteil und gleichzeitig ein Nachteil.

Einerseits haben aufgrund der begrenzten Zahl der versicherten Krankheiten Menschen mit Vorerkrankungen in anderen Bereichen eine Chance auf Schutz. Andererseits sind nicht einmal die Hälfte der Ursachen, derentwegen Menschen berufsunfähig werden, über eine Dread-Disease-Versicherung abgedeckt. Denn psychische Erkrankungen und chronische Rückenbeschwerden sind nicht versichert.

Ein weiterer Nachteil: Der abgespeckte Schutz ist verhältnismäßig teuer. Soll die Dread-Disease-Versicherung einen BU-Vertrag ersetzen, muss die Versicherungssumme so hoch sein, dass sie schlimmstenfalls für lange Zeit Ihren Einkommensausfall ausgleichen kann. Das macht den Beitrag zusätzlich teuer.

Wie viel kostet die Versicherung?

Die genaue Höhe des Beitrags ist abhängig vom Alter und der Gesundheit des Versicherten. Für einen gesunden 35-jährigen Bankkaufmann, der 250.000 Euro versichern möchte, kostet die Versicherung zwischen 128 und 213 Euro im Monat.

Beitragsbeispiel Dread-Disease-Versicherung

 

Canada

Life

die

Bayerische

Gothaer1

Nürnberger

(Tarif Comfort)

Zurich

Life2

monatlicher Beitrag (Nettoprämie)140 €213 €152 €166 €110
maximaler Beitrag (Bruttoprämie) 327 € 221 €110

1Beitrag für 5 Jahren garantiert, danach variabel; Annahmen: Bankkaufmann, 35 Jahre, Vertragslaufzeit bis 67 Jahre, Nichtraucher, keine Vorerkrankung, 250.000 Euro Versicherungssumme, zahlweise monatlich, Preise gerundet. 
2Garantierter Beitrag für die gesamte Vertragslaufzeit.
Quelle: Hoesch & Partner (Stand: 27. August 2018)

Im besten Fall haben Sie eine Dread-Disease-Police zusätzlich zu einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Mit einer etwas niedrigeren Versicherungssumme könnten Sie so beispielsweise für einige Jahre eine Immobilienfinanzierung absichern, für den Fall, dass Sie krank werden und die Kreditraten nicht mehr zahlen können. Das können sich aber nur die wenigsten Menschen leisten. 

Wie finde ich die beste Dread-Disease-Versicherung?

Lassen Sie sich am besten von einem qualifizierten Honorarberater oder Versicherungsmakler unterstützen. In der Beratung können Sie auch klären, ob es nicht sinnvoller ist, doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine der anderen Alternativen zur Absicherung der Arbeitskraft abzuschließen. Außerdem sollte der Vermittler Ihnen helfen, die Beiträge und Definitionen der Krankheitsbilder bei verschiedenen Anbietern zu vergleichen.

Folgende Makler können wir für die Beratung zur Arbeitskraftabsicherung empfehlen:

Hoesch & Partner
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 30 beratende Makler
  • 8 Standorte (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Berlin, Köln, Hannover)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
BUForum24
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2003
  • 4 beratende Makler
  • 1 Standort in Neudorf (Schleswig-Holstein)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
Nur beim Anbieter abschließbar
Zeroprov
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2012
  • 3 beratende Makler
  • 1 Standort in Schkölen (Thüringen)
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten vorrangig Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar
Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung
Beratung zu BU und Alternativen
  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2005
  • 2 beratende Makler
  • 1 Standort in Köln
  • beraten persönlich, telefonisch, online und per E-Mail
  • bieten auch Honorarberatung und Nettotarife an
Nur beim Anbieter abschließbar

Worauf muss ich in den Versicherungsbedingungen achten?

Die Versicherungsbedingungen enthalten ein paar Fallstricke, die Sie kennen sollten:

Wartezeit - Manche Krankheiten sind nicht sofort ab Vertragsschluss versichert, sondern erst nach drei oder sechs Monaten.

Karenzzeit - Sobald die Diagnose einer versicherten Krankheit feststeht, müssen Sie noch eine bestimmte Karenzzeit auf die Leistung warten – und diese Zeit auch überleben, so makaber das klingen mag. Meist beträgt die Karenzzeit 14 Tage oder 28 Tage. Bei bestimmten Krankheiten ist die Karenzzeit länger, da erst nach einer gewissen Zeit die Schwere der Beeinträchtigung festgestellt werden kann. So gibt es bei einem Schlaganfall, Herzinfarkt, Hirntumor oder Koma oft erst nach drei Monaten Geld.

Berechnung der Beiträge - Einige Anbieter, etwa die Bayerische und Nürnberger, weisen einen Netto- und Bruttobeitrag aus. Der Nettobeitrag ist die Summe, die Sie anfangs an die Versicherung überweisen müssen. Hat der Anbieter Risiken und Anlagegewinne nicht richtig vorhergesagt, kann er den Beitrag erhöhen – maximal bis zum Bruttobeitrag.

Bei der Gothaer ist der Beitrag nach den ersten fünf Jahren Vertragslaufzeit variabel. Der Anbieter legt die Beiträge nämlich in Investmentfonds an. Die Höhe des Beitrags hängt dann unter anderem von der Wertentwicklung der Fonds ab: Entwickeln sich diese schlechter als angenommen, steigt der Beitrag. Bei einer positiven Wertentwicklung kann aber auch ein Guthaben entstehen, das Sie beispielsweise bei Kündigung ausbezahlt bekommen.

Zurich Life und Canada Life garantieren hingegen einen festen Beitrag für die gesamte Vertragslaufzeit.

Was taugen Krebsversicherungen?

Seit einiger Zeit werben Versicherer mit Policen, die allein Schutz für den Fall einer Krebserkrankung versprechen. Die Anbieter Münchener Verein und Advigon locken Kunden mit der Erstattung von Kosten für teils umstrittener Vorsorgeuntersuchungen, die Kassenpatienten sonst selbst bezahlen müssten oder erst ab einer bestimmten Altersgrenze erstattet bekämen (sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz Igel). Dazu gehören beispielsweise Hautkrebs-Screenings oder Darmspiegelungen. Wird beim Versicherten Krebs diagnostiziert, bekommt er zudem eine Einmalzahlung von bis zu 10.000 Euro.

Würzburger und Interrisk ermöglichen eine höhere Versicherungssumme und verzichten dafür auf die Vorsorge-Bestandteile. Unabhängig von der genauen Ausgestaltung: Wir raten von solchen Versicherungen ab. Denn durch ihren Fokus auf eine einzige Krankheit ist die Absicherung zu stark eingeschränkt.

So haben wir ausgewählt

Maklerempfehlungen BU-Versicherung und Alternativen 2018

Die Auswahl der Versicherungsmakler, die wir empfehlen, basiert auf einer Online-Ausschreibung für Spezialisten für Arbeitskraftabsicherung. Dafür hat Finanztip einen Fragebogen mit 21 Fragen entwickelt. In den Auswahlprozess kamen Versicherungsmakler und -berater, die unsere Fragen bis zum 31. August 2018 beantwortet haben.

Die bis zu diesem Datum eingegangenen 86 Bewerbungen haben wir überprüft auf Kriterien wie formale Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung, Zahl der Berater und Routine in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung.

In den weiteren Auswahlprozess nahmen wir nur Bewerber auf, die nach eigenen Angaben einen formal höheren Berufs- oder Bildungsabschluss als die IHK-Prüfung zum Versicherungsfachmann angegeben haben und Berufsunfähigkeitsversicherungen von mindestens 25 Gesellschaften sowie Erwerbsunfähigkeitsversicherungen von acht Unternehmen vermitteln konnten.

Zudem mussten mindestens zwei Mitarbeiter im Unternehmen zum Thema BU beraten und alle BU-Berater mindestens fünf Jahre Erfahrung in diesem Bereich haben. Um eine gewisse Routine in der Beratung sicherzustellen, haben wir nur Bewerber genauer betrachtet, die im zweiten Quartal 2018 pro Mitarbeiter im Schnitt mindestens 15 Kunden zur Berufsunfähigkeitsversicherung beraten hatten.

Auf Basis dieser Kriterien blieben neun Makler übrig. Ein Makler reagierte nicht auf Nachfragen, ein anderer entschied sich, nicht am weiteren Auswahlprozess teilzunehmen. Einen dritten Kandidaten konnten wir nicht weiter berücksichtigen, weil sich zeigte, dass der Fokus seines Unternehmens stark auf der Beratung zur betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung lag. Im Bereich der Privatkunden-Beratung erreichte er die von uns geforderte Mindestzahl an Beratungen nicht.

Nachdem wir offene Fragen und Inkonsistenzen bei den Angaben aus dem Fragebogen durch Rückfragen bei den Maklern geklärt hatten, haben wir von den verbliebenen sechs Maklern exemplarisch anonymisierte Informationen zu beratenen Kunden und empfohlenen Tarifen angefordert sowie Beratungsprotokolle zu stichprobenartig ausgewählten Beratungen zur BU und anderen Produkten zur Arbeitskraftabsicherung. Für diese Fälle haben wir dann überprüft, ob die Makler ihren gesetzlichen Dokumentationspflichten nachgekommen sind.

Am Ende dieses Auswahlprozess hielten wir folgende Versicherungsmakler für empfehlenswert: Hoesch & Partner, Buforum24, Zeroprov, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung sowie P&F.

P&F konnte im betrachteten Zeitraum keine Beratungen zu Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung nachweisen. Dieses Unternehmen empfehlen wir deshalb an dieser Stelle nicht.

Die Finanztip-Ausschreibung für BU-Spezialisten ist derzeit geschlossen. Auf eine erneute Ausschreibung werden wir rechtzeitig an dieser Stelle hinweisen.

Autor
Julia Rieder

Stand: 10. Mai 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

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