Kredit für Azubis

Du bist jung und brauchst das Geld

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bist Du noch minderjährig, bekommst Du keinen Kredit.
  • Auch als volljähriger Azubi hast Du es schwer, Kredite zu bekommen. Und wenn, dann ist ein solcher Kredit für Azubis teuer.
  • Eine Alternative kann der Bildungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sein. Der Jahreszins ist mit zurzeit 0,62 Prozent effektiv wesentlich günstiger als bei normalen Krediten.

So gehst Du vor

  • Lass Dich nicht zum Kauf teurer Konsumgüter verleiten, wenn Du das Geld dafür noch nicht hast.
  • Geh Deine Verträge durch und such nach günstigen Alternativen.
  • Falls Dein Geld noch nicht reicht, lohnt sich ein Blick auf den Bildungskredit der KfW, um die Ausbildung zu finanzieren.

Mit der Ausbildung machen junge Erwachsene den ersten Schritt in die Berufswelt, viel verdienen sie meist jedoch nicht. Das kann zum Problem werden, weil gerade in dieser Zeit einige Investitionen anstehen: Vielleicht ein Umzug und die erste eigene Wohnung oder ein E-Bike oder Auto für den Arbeitsweg. Ein Kredit für Azubis scheint auf den ersten Blick eine Lösung zu sein.

Kriegst Du als Azubi einen Kredit?

Bist Du noch minderjährig, bekommst Du keinen Kredit. Dabei spielt es keine Rolle, dass Du vielleicht schon über eine Ausbildung Dein eigenes Geld verdienst. Es ist nämlich rechtlich geregelt, dass Du Dich nicht verschulden darfst, bis Du 18 Jahre alt bist. Du bist also auf die finanzielle Unterstützung Deiner Familie angewiesen.

Wenn Du über 18 bist, kannst Du auch als Azubi einen Kredit beantragen. Große Hoffnungen solltest Du Dir aber nicht machen. Azubis verdienen in der Regel noch nicht so viel und es ist noch unklar, ob sie nach ihrer Ausbildung einen Job haben. Zudem gelten Einnahmen wie Kindergeld oder Bafög nicht als festes Einkommen und werden bei der Prüfung Deiner Bonität nicht dafür herangezogen.

Deshalb sind Azubis bei Banken als Kreditnehmer nicht beliebt. Sie zweifeln, dass Du in dieser Phase Deines Lebens den Kredit zurückzahlen kannst. Das heißt für Dich: Sie weisen Dich entweder ab oder verlangen hohe Zinsen.

Bist Du noch in der Probezeit oder erst seit ein paar Monaten bei Deinem aktuellen Arbeitgeber, winken die Banken meist direkt ab. Das gilt auch, wenn die Laufzeit des Kredites länger ist als Dein befristeter Arbeits­vertrag. Denn es ist nicht sicher, dass Du nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz und damit das Gehalt bekommst, um den Kredit weiter abzuzahlen. Kredite für Azubis sind aus diesen Gründen selten und teuer.

Willst Du es trotzdem versuchen, sollest Du das nicht bei der Bank machen, bei der Du das Girokonto hast. Vergleiche lieber so viele Kreditangebote wie möglich. Das kannst Du über Kreditportale machen. Wir empfehlen Dir dabei, vier Portale zu nutzen: Finanzcheck, Smava, Verivox und Check24. Alle Informationen und Tipps, wie Du Fallstricke umgehen kannst, liest Du in unseren Ratgeber zu klassischen Ratenkrediten.

Leichter als bei Ratenkrediten hast Du es mit dem Bildungskredit. Denn der ist auf Azubis ausgerichtet.

Passt der Bildungskredit der KfW für Dich?

Nicht nur Studenten können Bafög beantragen, Du kannst das auch für Deine Ausbildung machen. Gefördert werden jedoch nur Azubis, die an Berufsaufbauschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen oder Berufskollegs lernen. Außerdem bist Du nur dann Bafög-berechtigt, wenn Du nicht genug Geld hast für die Ausbildung und auch die Familie Dich nicht finanziell unterstützen kann.

Anders sieht es beim Bildungskreditprogramm der Bundesregierung aus. Für den Bildungskredit hängt die Zusage nicht vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern oder Ehepartner ab. Auch Sicherheiten sind nicht nötig.

Allerdings muss die Ausbildung Bafög-fähig sein. Das sind etwa Ausbildungsberufe wie Erzieherin, Kosmetiker, Physiotherapeutin oder Rettungsassistent, die an Bafög-anerkannten Ausbildungsstätten gelehrt werden. Mit dem Ausbildungskredit soll ein Teil der Lebensunterhaltungskosten während der Ausbildung finanziert werden. Es besteht allerdings kein Rechtsanspruch auf den Kredit, und die Mittel sind begrenzt.

Der Bildungskredit der KfW ist wesentlich günstiger als die normalen Kredite der Bank und für Azubis besser geeignet. Du kriegst ihn in Raten ausgezahlt, anders als bei einem Kredit, bei dem Du das gesamte Geld auf einen Schlag bekommst. Er dient also eher als regelmäßige Unterstützung für den Alltag und nicht für größere Anschaffungen.

Tipp

Durch neue Kosten wie die Miete für die erste eigene Wohnung, teure und unnötige Verträge sowie dem niedrigen Gehalt gerätst Du während Deiner Ausbildung leicht in die Schuldenfalle. Statt einen Kredit aufzunehmen, sollte der erste Schritt sein, die aktuellen Verträge durchzugehen, unnötige zu kündigen und für die anderen nach günstigeren Varianten zu suchen. Auch eine stärkere finanzielle Unterstützung durch die Eltern bleibt in dieser Lebensphase eine Möglichkeit – vielleicht als zinsloses Darlehen.

Wie beantragst Du den Bildungskredit?

Als Auszubildender beantragst Du den Bildungskredit der KfW beim Bundesverwaltungsamt, das den Kredit mit einem Leistungsbescheid bewilligt. Damit kannst Du dann bei der KfW einen Darlehensvertrag abschließen. Das Kreditangebot liegt dem Leistungsbescheid bei. Prüf es und schick es unterschrieben an die KfW. Danach sendet Dir die Förderbank eine Bestätigung zu und beginnt, das Geld auszuzahlen.

Du musst folgende Voraussetzungen erfüllen, um den Bildungskredit zu erhalten:

Alter - Du kannst den Ausbildungskredit der KfW vom 18. bis zum 35. Lebensjahr beantragen. Der Kredit wird bis zum Ende des Monates ausgezahlt, in dem Du das 36. Lebensjahr vollendest.

Ausbildungszeit - Du bekommst den Bildungskredit, wenn Du höchstens noch 24 Monate Ausbildungszeit vor Dir hast. Die Ausbildung muss entweder zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führen, oder Du hast bereits einen solchen Abschluss und befindest Dich in Deiner zweiten Ausbildung. Du musst in Vollzeit lernen.

Wie funktioniert der Bildungskredit?

Die KfW zahlt den Bildungskredit nicht komplett aus, sondern in Raten. Die können 100, 200 oder 300 Euro im Monat betragen. Du kannst wählen, welche Rate es sein soll. Allerdings kannst Du die Höhe der Rate danach nicht mehr ändern.

Neben den normalen monatlichen Raten ist es möglich, auf einen Schlag bis zu 3.600 Euro ausgezahlt zu bekommen – nicht die Gesamtsumme des Kredits. Eine solche Abschlagszahlung gewährt die Kreditanstalt für bestimmte ausbildungsbedingte Kosten, zum Beispiel Schulgebühren und Arbeitsmittel.

Die Kreditsumme beträgt 1.000 bis 7.200 Euro bei bis zu 24 Raten, also maximal 300 Euro im Monat. Der Zins beim Bildungskredit ist mit zurzeit 0,62 Prozent effektiv wesentlich günstiger als bei den normalen Krediten der Banken. Allerdings ist er variabel und wird immer am 1. April und am 1. Oktober für ein halbes Jahr festgelegt. Du weißt also nicht, wie teuer der Kredit insgesamt am Ende für Dich sein wird. Die KfW berechnet die Zinsen monatlich auf die ausgezahlten Beträge.

Der Ausbildungskredit ist für die ersten vier Jahre ab der ersten Auszahlung tilgungsfrei. Die maximale Laufzeit des Bildungskredits beträgt zwei Jahre, danach folgt eine zweijährige Karenzphase. Nach der Karenzphase zahlst Du die Kreditsumme samt der angesammelten Zinsen in monatlichen Raten in Höhe von 120 Euro ab. Wie lange die Rückzahlung insgesamt dauert, hängt also von der aufgenommenen Kreditsumme ab.

Du kannst allerdings auch höhere Raten zahlen oder den Ausbildungskredit komplett ablösen. Kosten wie bei einem Ratenkredit fallen dabei nicht an. Solltest Du nach dem Ende Deiner Ausbildung vorübergehend Probleme beim Zahlen des Bildungskredites haben, kannst Du bei der KfW eine Stundung beantragen.

Wo kriegst Du noch Geld her?

Während der Ausbildung gibt es für Dich noch weitere Möglichkeiten, um an Geld zu kommen, falls Dein Gehalt nicht für den Lebensunterhalt reicht:

  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
  • Wohngeld
  • Kindergeld
  • Stipendium für die Ausbildung im Ausland (zum Beispiel das Hermann-Strenger-Stipendium, das Leonardo da Vinci Mobilität-Programm und das DFJW-Stipendium)
  • Leistungen für Auszubildende nach Paragraph 27 des Sozialgesetzbuches II
Autor
Josefine Lietzau

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