Besteuerung von Auslandsrentnern

  • Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2012

Nach Angeben der Deutschen Rentenversicherung Bundesregierung leben ca. 1,7 Mio. deutsche Rentner im Ausland. So zahlt die Deutsche Rentenversicherung rund 1,7 Millionen Renten ins Ausland. Das entspricht fast sieben Prozent aller Rentenzahlungen. Rund 64 Prozent der Auslandsrenten gehen in Länder der Europäischen Union. Mehr als 300.000 Renten werden in die übrigen europäischen Länder gezahlt. Die restlichen Auslandsrenten gehen in verschiedene Länder weltweit. Den höchsten Anteil hieran hat die USA mit insgesamt 113.000 Zahlungen.

Von diesen Auslandsrentnern / Pensionären sind ein gutes Drittel, von der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung für ihre aus Deutschland bezogenen Altersrenten (Auslandsrenten) betroffen. Als Folge müssen viele Rentner, die im Ausland leben, eine Einkommensteuer-Erklärung in Deutschland einreichen. Das Finanzamt Neubrandenburg ist weltweit für diese Gruppe der Auslandsrentner zuständig. Den Rentnern droht teilweise eine hohe Steuernachzahlung. Allerdings hilft in vielen Fällen die Option zur unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland, um die Höhe der Einkommensteuer zu senken bzw. ganz zu vermeiden.

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Besteuerung von Renten im Ausland (Auslandsrenten)

Das so genannte Alterseinkünftegesetz regelt seit dem 1.1.2005 die einkommensteuerrechtliche Behandlung von Altersvorsorge-Aufwendungen und Altersbezügen vollkommen neu (Rentenbesteuerung). Sofern nach dem entsprechenden Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Wohnsitzstaat des Rentners das Besteuerungsrecht für die Altersrenten aus Deutschland auch dem deutschen Fiskus zugewiesen ist, wird das Finanzamt Neubrandenburg tätig.

Seit dem 1. Januar 2009 hat das Finanzamt Neubrandenburg die bundesweite Zuständigkeit für die Besteuerung von Auslandsrenten übernommen. Diese Zuständigkeit ist zunächst bis zum Veranlagungsjahr 2013 befristet. Mit der zentralen Zuständigkeit kann die Finanzverwaltung die Erhebung der Einkommensteuer auf Renteneinkünfte in einem einzigen Finanzamt bündeln.
Rentner im Ausland, die neben der Altersrente noch weitere inländische Einkünfte beziehen, wie zum Beispiel aus der Vermietung von Grundbesitz in Deutschland, sind von der zentralen Finanzamtszuständigkeit nicht betroffen. Ausnahme: Es handelt sich lediglich um Einküfte, die der Einkommensteuer mit abgeltender Wirkung unterliegen. Soweit Sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben und in Deutschland nur wegen Ihrer Rente veranlagt werden, müssen Sie daher Ihre Einkommensteuererklärung beim Finanzamt Neubrandenburg einreichen.
Rentenempfänger oder Bezieher von Versorgungsbezügen bleiben weiterhin in Deutschland steuerpflichtig, auch wenn sie jetzt ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland unterhalten. Entscheidend sind die Bestimmungen im jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), wenn darin mit dem betreffenden Ausland geregelt ist, das Deutschland das Besteuerungsrecht für aus Deutschland gezahlte Renten auch in Deutschland ausüben kann. Beispiel: Nach den Doppelbesteuerungsabkommen mit Spanien, Portugal, USA oder der Schweiz brauchen Auslandsrentner aus diesen Ländern ihre aus Deutschland gezahlten Renten nicht der deutschen Einkommensteuer zu unterwerfen.

Steuerpflicht auf Renteneinkünfte in Deutschland

Die Rentenzahlungen an Rentner im Ausland (Auslandsrenten) werden genauso besteuert, wie die Zahlung an inländische Rentner. Trotz der grundsätzlich gleichen Besteuerung von Rentenzahlungen an inländische und ausländische Rentner ist für Auslandsrentner die zu zahlende Einkommensteuer häufig höher. Grund: Rentner, die weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, gelten nicht als unbeschränkt steuerpflichtig, sondern (nur) als beschränkt steuerpflichtig. Personen, die dauerhaft im Ausland leben, sind danach nur mit bestimmten Einkünften in Deutschland "beschränkt steuerpflichtig". <Mehr hierzu im Artikel Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht>. Das klingt zunächst vorteilhaft, ist es aber nicht, denn die Qualifikation der beschränkten Steuerpflicht hat mehrere negative Folgen. So kann weder der Grundfreibetrag, das Ehegattensplitting sowie Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Damit unterliegt faktisch der gesamte zu besteuernde Teil der Renteneinkünfte ab dem ersten Euro der beschränkten deutschen Steuerpflicht.

Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht

Viele im Ausland lebende Rentner sind daher besser dran, wenn sie auf ihre beschränkte Steuerpflicht "verzichten". So können betroffene Rentner einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen. Die gesetzliche Grundlage findet sich hierzu im § 1 Abs. 3 EStG. Danach werden auf Antrag auch natürliche Personen als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt, wenn das gesamte Einkommen dieser Person im Kalenderjahr mindestens zu 90 Prozent der deutschen Besteuerung unterliegt oder aber, dass die Einkommen, die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegen – z.B. ausländische Rente oder Vermietungseinkünfte im Ausland – geringer als der für das Veranlagungsjahr geltende Grundfreibetrag sind.

Der Grundfreibetrag ist zu kürzen, soweit es nach den Verhältnissen im Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen notwendig und angemessen ist. So wird beispielsweise der für das Jahr 2012 geltende Grundfreibetrag in Höhe von 8.004 Euro um die Hälfte auf 4.002 Euro reduziert, wenn der betreffende Rentner in Polen oder Rumänien lebt. Wohnt der Rentner hingegen in Frankreich oder Kanada erfolgt keine Kürzung. Davon unabhängig ist der Grundfreibetrag allerdings um im Ausland erzielte Einkünfte zu reduzieren. Für den Nachweis der Höhe der ausländischen Einkünfte müssen die Auslandsrentner sich die dortigen Einkünfte von den Finanzbehörden bestätigen lassen. Ein wichtiger Vorteil bleibt aber erhalten. Es kann sein, dass von dem Grundfreibetrag wegen der Kürzung nicht mehr viel übrig bleibt. Erhalten bleiben aber beim Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht die Möglichkeit des steuermindernden Abzugs von Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen.

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Fragen zur Steuererklärung für die Renteneinkünfte

Viele Rentner im Ausland sind verwirrt und teilweise verängstigt, wenn sie plötzlich vom deutschen Finanzamt aufgefordert werden, eine Steuererklärung wegen ihrer Rentenzahlungen einzureichen. Die deutsche Finanzverwaltung - genau genommen - das Finanzministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat daher wichtige Fragen, Antworten und weitere Hinweise als Finanzamt für die Rentner im Ausland in das Web gestellt. Diese Website will alle wichtigen Informationen zur Rentenbesteuerung im Ausland zusammenfassen.

Um den Rentnern die Option zur Wahl der unbeschränkten Steuerpflicht zu erleichtern, schickt das Finanzamt zusammen mit der Aufforderung zum Einreichen der Steuererklärung gleich ein Formular mit. Hierin können die Rentner ankreuzen, ob sie beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig sind. Die Unterschiede zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht werden in einem beiliegenden Informationsblatt erläutert. Der Besuch der Website ist daher dem Empfänger von deutschen Renten im Ausland sehr zu empfehlen.

So werden typische Fragen der Rentner auf der Website beantwortet. Beispiel: "Ist es für die Besteuerung entscheidend, wohin meine Rente überwiesen wird?" Anwort: In einigen Doppelbesteuerungsabkommen sind so genannte “Remittance-Base- Klauseln” enthalten. Nach diesen Klauseln kann sich die Zuweisung der Besteuerungsrechte unter anderem danach orientieren, ob die Einnahmen auf ein inländisches oder ausländisches Konto überwiesen wurden. Eine Prüfung, ob dieser Tatbestand für Ihre Besteuerung entscheidend ist, kann erst im Rahmen der Veranlagung – nach Einreichung Ihrer Steuererklärung – durch das Finanzamt abschließend erfolgen.

So beantwortet das Finanzamt die folgenden häufig gestellten Fragen auf ihrer Website:

  • Warum wird die Steuer nicht bei Auszahlung der Rente einbehalten?
  • Welche Unterlagen muss ich der Steuererklärung beifügen?
  • Was muss ich bei der Zahlung meiner Steuern aus dem Ausland beachten?
  • Was passiert, wenn ich trotz Verpflichtung keine Steuererklärung einreiche?
  • Was passiert, wenn ich die in Deutschland festgesetzten Steuern nicht bezahle?
  • Gibt es Besonderheiten im Verfahren, weil ich im Ausland wohne?
  • Ist es für die Besteuerung entscheidend, wohin meine Rente überwiesen wird?
  • Ich erkläre meine Einkünfte bereits in meinem Wohnsitzstaat. Muss ich trotzdem in Deutschland eine Steuererklärung abgeben?
  • Erhalten die ausländischen Behörden eine Mitteilung über meine Rente?
  • Kann ich die Vordrucke auch in anderen Sprachen bekommen?
  • Wo finde ich die Vordrucke?
  • Ich habe ein deutschsprachiges Schreiben vom Finanzamt Neubrandenburg mit einer Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung erhalten, was steht in diesem Schreiben?


Auf der Website des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern finden Sie alle entsprechenden Vordrucke und Steuerformulare zum Download. Darunter auch ein Formular für den Verzicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Sie können wirklich auch auf die Einreichung einer Steuererklärung verzichten. In diesem Fall wird das Finanzamt die Einkommensteuer anhand der vorliegenden Informationen des Rententrägers eigenständig festsetzen. Ihren Verzicht können Sie dem Finanzamt auf einem Steuerformular erklären. Anschließend wird Ihnen der Steuerbescheid übersandt, der unter anderem Angaben zur Höhe der festgesetzten Steuer und die Zahlungsfrist enthält.

Fazit: Viele Auslandsrentner haben bisher nicht gewusst, dass ggf. noch eine Nachzahlung von Einkommensteuer wegen ihrer Altersrente aus Deutschland drohen kann. Wie das Finanzamt handeln wird, wenn die Rentner nicht auf die Aufforderung des Finanzamtes reagieren, ist ungewiss. Grundsätzlich gilt: Wenn der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung nicht nachkommt, kann vom Finanzamt mit einem Zwangsgeld bestraft werden. Ferner ist das Finanzamt gemäß § 162 AO berechtigt, die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen. Darüber kann auch ein Verspätungszuschlag festgesetzt werden, wenn die Steuererklärung nicht rechtzeitig eingereicht (vgl. § 152 AO) wird. Ob es dann zu einer Pfändung der Rente kommt, wer weiß...

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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