Kostenlos mitversichert

Die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse

Das Wichtigste in Kürze

  • Sind Sie gesetzlich krankenversichert, haben Sie die Möglichkeit, auch Ihre Kinder und sogar Ihren Ehegatten oder Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft kostenfrei mitzuversichern: Nur einer zahlt und die ganze Familie ist versichert. Das ist ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gegenüber der privaten Krankenversicherung (PKV).
  • Eine Mitversicherung des Partners ist nur möglich, wenn er nicht mehr als 405 Euro oder bei einem Minijob nicht mehr als 450 Euro verdient. Er darf kein Beamter sein, nicht hauptberuflich selbstständig und nicht privat versichert sein.
  • Kinder können bis zum 23. Lebensjahr über die Familienversicherung kostenfrei versichert sein, wenn sie noch nicht selbst arbeiten. Wenn Sie sich in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden, liegt die Altersgrenze bei 25.
  • Kinder können nicht mitversichert werden, wenn ein Ehepartner oder Partner privat versichert ist und in 2016 mehr als 4.687,50 Euro brutto im Monat verdient.
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Die GKV bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihren Ehegatten, eingetragenen Partner und Ihre Kinder in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei und damit kostenlos mitzuversichern. Das lohnt sich für Sie, wenn Sie mit einem festen Partner leben und Kinder haben. Auch Stiefkinder sowie Pflegekinder können in die Familienversicherung aufgenommen werden. Gleiches gilt für Ihr Enkelkind, wenn es bei Ihnen lebt und Sie es unterhalten.

Gegenüber der PKV kann schon bei einem Kind die gesetzliche Familienversicherung für Sie deutlich günstiger sein. Mit Ausnahme des Krankengelds erhalten mitversicherte Familienmitglieder die vollen Leistungen der Kasse. Im Februar 2014 waren nach der GKV-Monatsstatistik rund 17.230.000 Familienangehörige und 12.780.000 Kinder mitversichert.

Das sind die Voraussetzungen für eine Familienversicherung

Damit Sie Ihre Familienmitglieder beitragsfrei mitversichern können, müssen folgende Kriterien zutreffen:

  • Das Familienmitglied muss in Deutschland wohnen.
  • Das Familienmitglied darf nicht selbst versicherungspflichtig sein und mehr als 405 Euro monatlich verdienen. Hat es einen Minijob, liegt die Grenze bei 450 Euro monatlich.
  • Das Familienmitglied darf nicht versicherungsfrei sein, zum Beispiel als gut verdienender Arbeitnehmer oder Beamter.
  • Das Familienmitglied darf nicht hauptberuflich selbstständig tätig sein. Das ist zumindest dann der Fall, wenn es mehr als 18 Stunden in der Woche für die selbstständige Tätigkeit verwendet.

Erfüllt Ihr Ehegatte oder Partner einen dieser Punkte nicht, ist eine Mitversicherung ausgeschlossen: Er muss selbst Mitglied in einer Krankenversicherung bleiben oder werden. Die Familienversicherung tritt damit immer hinter die eigene Versicherungspflicht zurück.

Wird zum Beispiel jemand arbeitslos und erhält Arbeitslosengeld (ALG I), ist er selbst pflichtversichert und kann nicht über die Familienversicherung mitversichert werden. Ehegatten und Lebenspartner, die zu Beginn der Mutterschutzfrist nicht in der GKV versichert waren, können ebenfalls nicht mitversichert werden. Dasselbe gilt für die Schutzfrist nach der Entbindung und den Beginn der Elternzeit.

So beantragen Sie eine Familienversicherung

Tipp

Krankenkassen vergleichen

Der allgemeine Beitragssatz in der GKV bleibt zum 1. Januar 2016 bei 14,6 Prozent. Gleichzeitig erheben die Kassen aber einen Zusatzbeitrag, der je nach Kasse unterschiedlich ausfällt. Prämien, Dividenden oder Beitragsrückerstattungen gibt es nicht mehr. Wie Sie die beste Krankenkasse finden, haben wir in unserem Ratgeber für Sie zusammengestellt.

Eine kostenfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern müssen Sie bei der Krankenkasse beantragen. Die Anträge finden Sie auf der Webseite Ihrer Kasse. Dort müssen Sie Angaben zur bisherigen Versicherung, zum Einkommen und den Kindern machen und weitere Daten angeben. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) hat dazu einen einheitlichen Fragebogen entwickelt (Familienversicherung-Meldeverfahren, Anlage 1).

Dabei ist der Ehe- oder Lebenspartner anzugeben. Der Begriff Lebenspartner bezieht sich ausschließlich auf eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, nicht auf eheähnliche Gemeinschaften. Eine Familienversicherung für einen Partner in einer eheähnlichen Gemeinschaft ist grundsätzlich nicht möglich.

Die Krankenkassen prüfen regelmäßig, ob die Voraussetzungen für eine Familienversicherung weiterhin erfüllt sind. Dazu verwenden sie einen umfangreichen Fragebogen, den Sie ausfüllen müssen (Familienversicherung-Meldeverfahren, Anlage 2).

Falls beide Elternteile erwerbstätig und versicherungspflichtig sind, können Sie selbst festlegen, bei wem die Kinder mitversichert sein sollen. Dabei ist es unerheblich, ob die Kinder bei der gesetzlich versicherten Mutter oder beim Vater mitversichert werden. Die Höhe des Einkommens ist nicht entscheidend. Bitte beachten Sie unbedingt, dass eine gleichzeitige Familienversicherung bei verschiedenen Krankenkassen unzulässig ist.

Altersgrenzen der Kinder für die Familienversicherung

Kinder bis zum 23. Lebensjahr können in der Familienversicherung mitversichert bleiben, sofern sie noch nicht selbst arbeiten. Sollten die Kinder ein Studium oder eine Berufsausbildung aufnehmen verlängert sich die kostenfreie Mitversicherung bis zum 25. Lebensjahr. Für die Dauer des Engagements im Bundesfreiwilligendienst oder während eines FSJ/FÖJ besteht eine eigene Versicherungspflicht in der GKV. Die Familienversicherung ist für die Dauer des Engagements ausgeschlossen.

Die Familienversicherung kann über das 25. Lebensjahr hinaus um weitere zwölf Monate verlängert werden, wenn die Schul- oder Berufsausbildung durch folgende Dienste unterbrochen oder verzögert wird:

Kinder, die aufgrund einer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten, können ohne Altersbegrenzung familienversichert sein.

Dann können Kinder nicht mitversichert werden

Tipp

Auskunft über das Bürgertelefon

Für alle Informationen rund um die GKV hat das Bundesgesundheitsministerium ein Bürgertelefon eingerichtet. Hier erhalten Sie Auskunft über das Beitrags- und Leistungsrecht der gesetzlichen Krankenkassen: 030 / 340 60 66 – 01

Nicht jede Familie kann die Kinder kostenfrei in der GKV mitversichern. Das ist der Fall, wenn ein Ehepartner privat versichert ist und sein monatliches Gesamteinkommen ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt und regelmäßig höher ist als das Einkommen des anderen gesetzlich versicherten Ehepartners (§ 10 Abs. 3 SGB V). Die monatliche Einkommenshöchstgrenze liegt in 2016 bei 4.687,50 Euro brutto.  

Beispiel: Der Ehemann und Vater ist Mitglied in der GKV, während die Ehefrau und Mutter in der PKV ist. Sie haben einen 15 Jahre alten Sohn. Der Vater verdient 3.700 Euro, die Mutter 4.800 Euro pro Monat. Da die Mutter privat versichert ist, ihr Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt und auch regelmäßig höher ist als das Einkommen des Vaters, kann der Sohn nicht über die Familienversicherung des Vaters versichert werden. Für den Sohn müssen die Eltern eine eigene Krankenversicherung abschließen.

Die Ausschlussregelung in § 10 Abs. 3 SGB V ist mit dem Grundgesetz vereinbar und trägt zum sozialen Gleichgewicht einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft bei (Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 14. Juni 2011, Az. 1 BvR 429/11). Die Krankenversicherungsbeiträge für Kinder können aber als Sonderausgaben in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden.  

Haben Sie sich für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung entschieden, obwohl Sie in eine private Krankenversicherung hätten wechseln können, können Ihre Kinder dennoch gesetzlich kostenfrei mitversichert werden. Die Ausschlussregelung findet nur dann Anwendung, wenn ein Familienmitglied privat versichert ist.

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Studenten in der Familienversicherung

Achtung

Zu viel verdient

Verdienen Sie als familienversicherter Student zu viel, werden Sie selbst versicherungspflichtig, fallen aus der Familienversicherung heraus und müssen unter Umständen sogar nachzahlen. Wenn Sie einen Nebenjob annehmen, sollten Sie unbedingt vorher mit Ihrer Krankenkasse sprechen.

Studierende in der gesetzlichen Familienversicherung haben es bis zum 25. Geburtstag richtig gut, denn bis dahin gewähren die Krankenkassen eine kostenlose gesetzliche Familienversicherung. Für sie gilt allerdings auch, dass sie als mitversicherte Familienangehörige kein Gesamteinkommen haben dürfen, das den Betrag von monatlich 405 Euro beziehungsweise bei geringfügiger Beschäftigung von monatlich 450 Euro regelmäßig übersteigt.

Bei einem zweimonatigen Nebenjob in der vorlesungsfreien Zeit können Sie mehr hinzuverdienen und sind weiterhin familienversichert. Die Höhe Ihres Verdienstes ist bei einer solchen kurzfristigen Beschäftigung grundsätzlich unerheblich.

Eigene studentische Krankenversicherung

Studenten, die nicht mehr in der Familienversicherung kostenfrei mitversichert sind, können sich an die günstige studentische Krankenversicherung wenden. Seit 1. Januar 2015 betragen die monatlichen Beiträge dafür bundesweit 61,01 Euro plus Zusatzbeitrag von bis zu 1,3 Prozent pro Monat. In die Pflegeversicherung zahlen Studenten monatlich 14,03 Euro ein. Für Studenten und Studentinnen, die älter als 23 Jahre sind und noch keine eigenen Kinder haben, beträgt der Beitrag 15,52 Euro im Monat. Da sich der Krankenkassenbeitrag anhand des Bafög-Satzes für Studenten errechnet, steigen die Beiträge bei einer Erhöhung der Förderung mit an – unabhängig davon, ob Sie selbst diesen staatlich geförderten Studienkredit bekommen oder nicht.  

Auch private Krankenversicherungen bieten Tarife für Studenten an. Sie sind eine Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Wechsel zur privaten Krankenversicherung kann jedoch erst nach der Befreiung aus der gesetzlichen Versicherung erfolgen. Eine solche Befreiung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Deshalb sollten Sie vorher sehr genau überlegen, ob es für Sie auch später günstiger sein wird, sich privat zu versichern.

Übergangsbeitrag in der Endphase des Studiums

Eine studentische Krankenversicherung gilt nicht unbegrenzt. Nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V endet sie zum Ende des Semesters, in dem der Student das 30. Lebensjahr vollendet oder bereits 14 Semester in einem Studiengang studiert hat. Danach müssen Studenten eine freiwillige Weiterversicherung beantragen. Sie können dann bis zum Studienabschluss, allerdings höchstens sechs Monate lang den Übergangstarif für Studierende in der Studienabschlussphase wählen. Wenn Sie dann über ein Bruttoeinkommen von bis zu 945 Euro monatlich verfügen, müssen Sie folgende Beiträge zahlen:

  • 96,58 Euro plus Zusatzbeitrag für die Krankenversicherung (bis zu 1,3 Prozent)
  • 24,57 Euro für die Pflegeversicherung (kinderlose Studierende über 23 Jahre)
  • 22,21 Euro für die Pflegeversicherung (alle anderen Studierenden)

Bei einem höheren monatlichen Bruttoeinkommen müssen 10,22 Prozent des Einkommens zuzüglich des prozentualen Zusatzbeitrags von bis zu 1,3 Prozent an die gesetzliche Krankenkasse gezahlt werden. Bei der Pflegeversicherung liegt der Beitragssatz bei 2,35 Prozent und für kinderlose Studenten über 23 Jahre alt bei 2,6 Prozent.

Mehr dazu im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Leistungen meist gleich

  • Kassen erheben unterschiedliche Zusatzbeiträge.
  • Achten Sie auf Zusatzleistungen und Erstattungen.
  • Sie dürfen die Krankenkasse jederzeit wechseln.

» Zum Ratgeber

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig.

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