Kündigung und Wechsel der Kran­ken­kas­se

Mit nur zwei Schreiben bist Du Mitglied einer neuen Kasse

24. Januar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder gesetzlich Krankenversicherte darf seine Kran­ken­kas­se wechseln.
  • Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
  • Wenn Deine Kasse einen Zusatzbeitrag einführt oder erhöht, kannst Du außerordentlich kündigen. In einem Wahltarif gelten gesonderte Fristen.
So gehst Du vor
  •  Kündige schriftlich bei Deiner alten Kasse. Nutze dazu unser Mus­ter­schrei­ben.
     
  • Stelle bei der neuen Kran­ken­ver­si­che­rung einen Antrag auf Mitgliedschaft und weise der alten Kasse nach, dass die neue Dich aufgenommen hat.
  • Bei einem Jobwechsel musst Du unter bestimmten Voraussetzungen der alten Kasse nicht kündigen, sondern kannst Dich vom neuen Arbeitgeber direkt bei einer neuen Kran­ken­kas­se anmelden lassen.

Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zu wechseln, kann sinnvoll sein. Denn die Kassen nehmen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge und bieten verschiedene Zusatzleistungen. Der Wechsel zu einer anderen gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung ist unkompliziert und mit zwei Schreiben erledigt.

Wie kann ich die Kran­ken­kas­se wechseln?

Zunächst musst Du Dich für eine neue Kran­ken­kas­se entscheiden. Wie Du am besten eine für Dich geeignete Kasse findest, erfährst Du in unserem Ratgeber gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung. Hast Du einen passenden Anbieter ausgesucht, geht es an den Wechsel: Du kündigst der alten Kran­ken­kas­se und meldest Dich bei der neuen an.

Die Kündigung ist aber erst komplett, wenn der alten Kasse oder dem Arbeitgeber die Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorliegt – noch innerhalb der Kündigungsfrist.

Die reguläre Kündigungsfrist

Die normale Kündigungsfrist in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wer beispielsweise bis zum 31. August seiner alten Kasse das Kündigungsschreiben geschickt hat, kann sich ab dem 1. November bei einer neuen Kasse versichern.

Die Mindestvertragslaufzeit, auch Bindungsfrist genannt, beträgt bei allen Kran­ken­kas­sen 18 Monate. Erst danach kannst Du mit einer regulären Kündigung zu einer neuen Kasse wechseln. Wahltarife haben eigene Mindestlaufzeiten. Wenn Du Dich für einen solchen entschieden hast, bist Du möglicherweise länger an Deine Kasse gebunden.

Wann es ein Son­der­kün­di­gungs­recht gibt

Erhöht die Kasse ihren Zusatzbeitrag, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht, auch wenn Du noch nicht 18 Monate lang Mitglied bei Deiner Kasse bist. Das gilt auch, wenn Du in einem Wahltarif versichert bist. Einzig den Krankengeld-Wahltarif kannst Du erst mit Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen.

Die Kündigungsfrist von zwei Monaten gilt trotz des Son­der­kün­di­gungs­rechts weiter – in der neuen Kran­ken­kas­se kannst Du also erst zwei Monate nach Deiner Kündigung Mitglied werden. Dein Kündigungsschreiben muss spätestens bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt.

Achtung: Es gibt kein Son­der­kün­di­gungs­recht, wenn die Kran­ken­kas­se Zusatzleistungen kürzt oder streicht, etwa die professionelle Zahnreinigung oder Zuschüsse für Osteopathie oder Vorsorgeuntersuchungen.

Die meisten Versicherungen ändern ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel, doch auch im laufenden Jahr kann es teurer werden. Bevor die Kran­ken­kas­se den höheren Beitrag erhebt, muss sie die Mitglieder auf ihr Kündigungsrecht hinweisen. Kommt diese Benachrichtigung der Kran­ken­kas­se zu spät bei Dir an, kannst Du rückwirkend zu dem Monat kündigen, in dem erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wurde (§ 175 Abs. 4 SGB V).

Unsere Vorlage für das Kündigungsschreiben

Nutze zum Kündigen unser Mus­ter­schrei­ben, das Du auch per Fax versenden kannst. Wer das Son­der­kün­di­gungs­recht nutzt, sollte sich im Schreiben auf den erhöhten Zusatzbeitrag beziehen: „Aufgrund des von Ihnen erhobenen Zusatzbeitrags mache ich von meinem Son­der­kün­di­gungs­recht nach § 175 Abs. 4 Satz 5 des SGB V Gebrauch.“

Mus­ter­schrei­ben Kündigung Kran­ken­ver­si­che­rung

Hier kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben für die Kündigung der Kran­ken­ver­si­che­rung herunterladen:

Zum Download

Mitgliedsantrag und Kündigungsbestätigung

Um Mitglied einer neuen Kran­ken­kas­se zu werden, genügt es, den Mitgliedsantrag der Versicherung auszufüllen. Dafür benötigst Du Deine Sozialversicherungsnummer und die Anschrift Deines Arbeitgebers, damit die Kasse ihn über den Wechsel informieren kann. Für mitversicherte Familienangehörige oder Selbstständige gibt es zusätzliche Antragsformulare. Die Anträge kannst Du oft online ausfüllen oder auch faxen.

Die alte Kasse ist verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung auszustellen (§ 175 Abs. 4 SGB V). Diese schickst Du entweder direkt mit den Antragsunterlagen mit oder reichst Du vor Beginn der Mitgliedschaft bei der neuen Kasse nach. Erst dann ist der Kassenwechsel abgeschlossen.

Sonderfall: Kran­ken­kas­se wechseln ohne Kündigung

In bestimmten Fällen hast Du ein sofortiges Kran­ken­kas­senwahlrecht. Das heißt Du kannst die Kasse wechseln, ohne zu kündigen. Nach einer Unterbrechung Deiner Mitgliedschaft kannst Du sofort eine Kasse wählen. Du musst weder Deiner bisherigen Kasse kündigen noch die reguläre Kündigungsfrist abwarten. Im Gegensatz zum „normalen“ Kran­ken­kas­senwechsel spielt es in diesem Fall auch keine Rolle, ob Du bereits 18 Monate bei Deiner bisherigen Kasse versichert bist.

Als Unterbrechung der Mitgliedschaft gilt es beispielsweise, wenn Du zwischen zwei versicherungspflichtigen Beschäftigungen über Deinen Partner familienversichert bist oder während einer kurzen Pause zwischen zwei Jobs über den sogenannten nachgehenden Leistungsanspruch Ver­si­che­rungs­schutz genießt.

Auch wenn Du nahtlos den Arbeitgeber wechseln, kannst Du Dich sofort für eine neue Kasse entscheiden – in diesem Fall allerdings nur, wenn Du bei der alten Kasse die Mindestlaufzeit von 18 Monaten erfüllt hast. Dann brauchst Du der alten Kasse nicht zu kündigen. Es reicht, wenn Du Deinem neuen Arbeitgeber eine Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorlegst, und zwar innerhalb von 14 Tagen, nachdem Du den Job angetreten hast.

Doch diese Regelung, die auf einem Urteil des Bundessozialgerichts aus dem September 2018 fußt (Az. B 1 KR 10/18 R), hat einen großen Nachteil. Nach einem Arbeitgeberwechsel beginnt die 18-monatige Bindungsfrist erneut zu laufen – egal, ob Du bei Deiner bisherigen Kran­ken­kas­se geblieben bist oder gewechselt hast. Das hat der Spitzenverband der Kran­ken­kas­sen in einem Rundschreiben aus dem Juni 2019 festgelegt. Auch wenn Du schon seit Jahren bei demselben Anbieter bist, kann es so passieren, dass Du weitere anderthalb Jahre festsitzt.

Falls Du unzufrieden bist mit Deiner Kasse, solltest Du deshalb beim Jobwechsel aktiv werden. Tust Du nichts, wird das nämlich als aktive Entscheidung zugunsten Deiner bisherigen Kasse gewertet.

Welche Kran­ken­kas­sen empfiehlt Finanztip?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen.

Wir haben in unserem Kran­ken­kas­senvergleich im Januar 2020 die Zusatzleistungen verschiedener, bundesweit geöffneter Kassen untersucht und ihr Angebot in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet. Am besten abgeschnitten haben die IKK Classic und HEK.

Die günstigste Kasse je Bundesland

Sparfüchse, denen es nur auf den Beitrag ankommt, können auch zur günstigsten regionalen Kasse wechseln. Versicherte dürfen in jede Kasse eintreten, die in dem Bundesland geöffnet ist, in dem sie entweder wohnen oder arbeiten.

Preislich besonders attraktiv ist die AOK Sachsen-Anhalt. Sie verlangt als einzige Kasse keinen Zusatzbeitrag. Mitglieder zahlen also nur 14,6 Prozent von ihrem Brutto. Ebenfalls günstig ist die BKK Euregio, die von Mitgliedern in Hamburg und Nordrhein-Westfalen 14,95 Prozent Beitrag verlangt. In allen anderen Bundesländern ist die HKK mit 14,99 Prozent Gesamtbeitrag die günstigste Kasse.

Die günstigsten Kran­ken­kas­sen 2020 nach Bundesland

BundeslandKasseGesamtbeitrag
Baden-WürttembergHKK14,99 %
BayernHKK14,99 %
BerlinHKK14,99 %
BrandenburgHKK14,99 %
BremenHKK14,99 %
HamburgBKK Euregio14,95 %
HessenHKK14,99 %
Mecklenburg-VorpommernHKK14,99 %
NiedersachsenHKK14,99 %
Nordrhein-WestfalenBKK Euregio14,95 %
Rheinland-PfalzHKK14,99 %
 BKK Pfaff15 %
SaarlandHKK14,99 %
SachsenHKK14,99 %
Sachsen-AnhaltAOK Sachsen-Anhalt14,6 %
Schleswig-HolsteinHKK14,99 %
ThüringenHKK14,99 %

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 11. Juni 2020)

Über Finanztip

Wir alle müssen ein Leben lang Finanz-Entscheidungen treffen. Vom ersten Girokonto über die richtigen Versicherungen bis zu den großen Weichenstellungen im Leben, wie etwa dem Kauf einer Immobilie. Aber wer erklärt einfach und verständlich, wie das alles funktioniert?

Genau dafür gibt es Finanztip. Unsere Mission ist es, persönliche Finanzen so einfach wie möglich zu machen. Und zwar so, dass Du sie selber machen kannst. Durch fundiert recherchierte Ratgeber, leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen und konkrete Produktempfehlungen, auf die Du Dich verlassen kannst.

Das kostenlose Angebot von Finanztip umfasst einen wöchentlichen Newsletter mit mehr als 850.000 Abonnenten sowie eine Website mit mehr als 1.000 fundierten Ratgebern mit konkreten Empfehlungen. Die Finanztip-Ratgeber wurden im vergangenen Jahr mehr als 60 Millionen Mal aufgerufen. Darüber hinaus bietet Finanztip einen Youtube-Kanal mit mehr als 300.000 Followern sowie die Podcasts „Auf Geldreise“ (der sich speziell an Frauen richtet), „Tenhagens Podcast“ und „Geld ganz einfach“ mit Saidi.

Doch Finanztip ist kein normales Unternehmen: Wir sind Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.