Bereitstellungszinsen

Bereitstellungszinsen vermeiden

Dirk Eilinghoff
Experte für Bank und Börse
17. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Baufinanzierer verlangen für nicht genutzte, aber bereitgehaltene Darlehen sogenannte Bereitstellungszinsen.
  • Du kannst diese Zinsbelastung vermeiden, indem Du eine Frist vereinbarst, in der die Bereitstellung zinsfrei ist.
  • Typische Verträge sehen eine bereitstellungszinsfreie Zeit zwischen sechs und zwölf Monaten vor.
  • Du kannst diese Frist bei der Planung Deiner An­schluss­fi­nan­zie­rung zu Deinem Vorteil nutzen und Dir niedrige Zinsen sichern.

Du hast den Vertrag zur Baufinanzierung schon abgeschlossen, aber die Kaufverhandlungen ziehen sich in die Länge. Das führt dazu, dass Du Dein Darlehen nicht wie geplant abrufen kannst. Dann musst Du trotzdem Zinsen für den Baukredit zahlen, sogenannte Bereitstellungszinsen. Doch die berechnet der Kreditgeber nicht nur, wenn das Darlehen völlig unberührt bleibt. Auch wenn es schon ausgezahlt wird, fallen sie an. Denn beim Bau rufst Du das Darlehen in Teilen ab.

Zinsen für Geld zahlen, das Du gar nicht nutzt?

Ein Beispiel: Die Mauern des Hauses stehen, die erste Baufirma muss bezahlt werden. Dazu benötigst Du nicht das gesamte Baudarlehen. Du zahlst nun zwei verschiedene Zinssätze: den Darlehenszins für die abgerufene Summe und den Bereitstellungszins für den ungenutzten Teil des Darlehens. Da Du bei Ratenzahlungen meist auch noch das Eigenkapital vor dem Abruf des Darlehens aufbrauchen musst, verlängert sich die Zeit, in der Du Bereitstellungszinsen zahlen musst.

Zinsen für Geld zahlen, das Du gar nicht nutzt? Das hört sich seltsam an, gehört bei der Baufinanzierung jedoch oft zum Alltag von Bauherren. Die Bereitstellungszinsen können insbesondere lange Bauvorhaben teuer machen. Da ein Baudarlehen zweckgebunden ist, dürftest Du es nicht auf einen Schlag abrufen, um das Geld zum Beispiel anzulegen und so diese Kosten zu umgehen.

Bereitstellungszins höher als Darlehenszinssatz

Bereitstellungszinsen sind eine Art Entschädigung für die Banken. Die Baufinanzierer verwahren das Geld für Dich und können keinen Gewinn damit erwirtschaften, müssen die Summe aber absichern. Da Du das Geld jedoch nicht nutzt, zahlst Du noch keine Darlehenszinsen, die diese Kosten wettmachen würden.

Bereitstellungszinsen sind eine Belastung, die auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen ist. Denn diese Kosten werden nicht in den Effektivzins des Darlehens miteinberechnet – wobei der Zinssatz für die Bereitstellung häufig höher ist als der Darlehenszins.

Der Sollzins beträgt oft 3 Prozent pro Jahr. Dagegen liegt der aktuelle jährliche Effektivzinssatz für Baudarlehen der Bundesbank zufolge bei durchschnittlich unter zwei Prozent. Bei einer Darlehenssumme von 200.000 Euro kommen so aufs Jahr gerechnet Zinsen in Höhe von 6.000 Euro zusammen.

Bereitstellungszinsfreie Zeit nutzen

Damit nicht bereits bei kleinsten Verzögerungen extra Geld fällig wird und damit die Kosten kalkulierbar bleiben, bieten die meisten Banken eine Frist an, in der eine Bereitstellung noch zinsfrei ist. Kunden zahlen nur auf die abgerufene Summe Zinsen.

Dieser Zeitraum fällt abhängig vom Kreditgeber unterschiedlich lang aus. Von einem Monat bis zwölf Monaten findet sich alles bei den Angeboten der Banken, vereinzelt sind es sogar 15 Monate. Unter Umständen kannst Du sogar eine Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit aushandeln. Allerdings geht das meist mit der Erhöhung des Darlehenszinses einher. Der gewährte Aufschub beginnt mit Vertragsabschluss und gehört bereits zur Laufzeit des Baudarlehens.

Die bereitstellungszinsfreie Zeit sollte unbedingt eine Rolle spielen, wenn Du einen passenden Baufinanzierer suchst. Denn selbst wenn ein Darlehen mit einem niedrigeren Zinssatz als ein anderes punktet, fressen die Kosten für die Bereitstellung den Zinsvorteil womöglich auf. Außerdem lässt sich der Zinsvorteil beim Bau kaum einplanen, da Du nicht vorhersehen kannst, ob sich der Bau unerwartet verzögert. Hier ist es auch besser, wenn Du das Fremdkapital vor dem Eigenkapital nutzen darfst. Denn dann verringert sich der Teil des Darlehens, auf dem Du den höheren Bereitstellungszins zahlen musst.

Wie sich Bereitstellungszinsen auswirken

 Darlehen 1Darlehen 2
Höhe Darlehen170.000 €170.000 €
Sollzinsbindung15 Jahre15 Jahre
Sollzins2,2 % pro Jahr2,1 % pro Jahr
Auszahlung Darlehen nach9 Monaten9 Monaten
Bereitstellungszins0,25 % pro Monat0,25 % pro Monat
Bereitstellungszinsfreie Zeit12 Monaten3 Monaten
Monatliche Rate754 €754 €
Restschuld nach 15 Jahren81.270 €82.545 €
Vorteil Darlehen 11.274 € 

Quelle: Finanztip-Berechnung (29. März 2017)

Bei der An­schluss­fi­nan­zie­rung kannst Du dank der bereitstellungszinsfreien Zeit tricksen: immer dann, wenn die Bauzinsen niedrig sind und Du Dir diese für Deine An­schluss­fi­nan­zie­rung reservieren willst. Schließlich weißt Du in dem Fall genau, ab wann Du das Darlehen brauchst und kannst einen Baufinanzierer wählen, der Dir die passende zinsfreie Zeit anbietet.

Falls Du Dich dabei aber verplanst, zahlst Du Zinsen für zwei Verträge: den Darlehenszins für die Erstfinanzierung und den Bereitstellungszins für die An­schluss­fi­nan­zie­rung.

Du solltest auch abwägen, ob nicht ein Forward-Darlehen eine Alternative sein kann. Dabei schließt Du ein Darlehen im Voraus ab, dessen Laufzeit erst später beginnt. Allerdings fällt ein Zinsaufschlag an. Ein Forward-Darlehen kann nützlich sein, wenn die Erstfinanzierung erst in einem Jahr abläuft und Du Dir den aktuellen Zinssatz sichern willst. In beiden Fällen – bereitstellungszinsfreie Zeit und Forward-Darlehen – kannst Du nicht mehr vom Kredit zurücktreten, ohne eine Nichtabnahmeentschädigung zu zahlen.

Bevor Du den Darlehensvertrag unterschreibst: Kontrolliere, ob die bereitstellungszinsfreie Zeit im Vertrag auch so angegeben ist wie ausgehandelt. Denn Fehler in der Baufinanzierung werden schnell sehr teuer – selbst wenn es nur Druckfehler im Vertrag sind. Was Du sonst noch bei Baudarlehen beachten musst, liest Du in unserem Ratgeber zur Baufinanzierung.

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