Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein wenig Schutz ist besser als gar keine Absicherung

Das Wichtigste in Kürze

So gehen Sie vor

  • Prüfen Sie zunächst gemeinsam mit einem Makler oder Versicherungsberater, ob Sie nicht doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen können.
  • Ist das nicht möglich, lassen Sie sich dazu beraten, welche Alternative am besten zu Ihrer persönlichen Situation passt.
  • Für die Beratung zur BU und ihren Alternativen empfehlen wir die Makler Buforum24, Hoesch & Partner, Thomas Kliem, Ritzerfeld & Partner sowie Blank & Partner.
  • Beantworten Sie die Gesundheitsfragen im Antrag ehrlich und ziehen Sie vorher Ihre Ärzte und Krankenakten zurate.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine der wichtigsten privaten Versicherungen und für die meisten Berufstätigen sinnvoll. Allerdings ist es in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu bekommen. Und zwar ausgerechnet für diejenigen, die sie am dringendsten benötigen: körperlich Tätige wie Handwerker und chronisch Kranke.

Denn die BU-Versicherer haben zum einen die Preise für bestimmte Berufsgruppen stark angehoben, sodass eine Berufsunfähigkeitsversicherung oftmals schlicht unbezahlbar ist. Zum anderen bereitet vielen Interessenten die strenge Gesundheitsprüfung Schwierigkeiten. Wer beispielsweise in den fünf Jahren vor dem Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung in psychologischer Behandlung war, hat häufig Probleme, einen guten Vertrag zu finden.

Welche Alternativen gibt es zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Einen gleichwertigen Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es nicht. Keine andere Kombination von Versicherungen deckt dieselben Risiken ab wie eine gute BU-Versicherung. Wenn Sie also keine BU bekommen oder sie sich nicht leisten können oder wollen, müssen Sie immer Abstriche beim Versicherungsschutz machen.

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Erwerbsunfähigkeitsversicherung + auch psychische Erkrankungen versichert
  - zahlt Rente nur, wenn Sie in keinem Beruf mehr arbeiten können
Dread-Disease-Versicherung + recht einfache Prüfung des Leistungsanspruchs
  o Einmalbetrag statt Rente
  - zahlt nur bei schweren Krankheiten, nicht bei psychischen Leiden
Multi-Risk-Versicherung + Rente bei Verlust grundlegender Fähigkeiten oder im Pflegefall, Einmalbetrag bei bestimmten Krankheiten
  - psychische Leiden und orthopädische Probleme nicht versichert
Grundfähigkeitsversicherung + einfache Prüfung des Rentenanspruchs
  + günstigere Beiträge als BU
  - Rente nur bei Verlust grundlegender Fähigkeiten (wie Gehen oder Tragen)
Unfallversicherung + geringe Beiträge
  - zahlt nur bei dauerhaften Gesundheitsschäden nach Unfällen
  - Krankheiten, die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit, sind nicht versichert

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Der Berufsunfähigkeitsversicherung am ähnlichsten ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU). Denn diese zahlt, wenn Sie weniger als drei Stunden am Tag arbeiten können, unabhängig davon, ob die Ursache dafür eine Krankheit oder ein Unfall ist. Allerdings sind die Hürden höher als bei einer BU, denn die Erwerbsunfähigkeitsversicherung deckt nur den Fall ab, dass Sie weder Ihren zuletzt ausgeübten Beruf noch einen anderen Job machen können. Diese Einschränkung kann für körperlich arbeitende Versicherte zum Problem werden, denn sofern sie im Krankheitsfall noch im Büro arbeiten könnten, bekommen sie kein Geld von der Versicherung. Tatsächlich einen Schreibtischjob zu finden, ist für die Betroffenen aber oft schwierig.

Die Gesundheitsprüfung ist ähnlich der BU-Versicherung. Wer wegen einer psychologischen Behandlung keinen BU-Vertrag bekommt, erhält in der Regel auch keine Erwerbsunfähigkeitsversicherung. In Bezug auf andere Vorerkrankungen können die Annahmerichtlinien jedoch weniger streng sein.

Mehr dazu im Ratgeber Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Staatliche Rente reicht nicht aus

  • Die EU ist eine Alternative, falls Sie keine BU bekommen.
  • Schließen Sie die Versicherung möglichst früh ab.
  • Die Versicherung zahlt, wenn Sie nur noch wenige Stunden arbeiten können.

» Zum Ratgeber

Dread-Disease-Versicherung

Eine sogenannte Dread-Disease-Versicherung, auch Schwere-Krankheiten-Versicherung genannt, springt ein, falls der Versicherte bestimmte Krankheiten bekommt, etwa Krebs, einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt. Der Schutz ist unabhängig davon, ob der Betroffene noch arbeiten kann oder nicht. Im Krankheitsfall leistet der Anbieter eine Einmalzahlung und zahlt keine Rente wie in der BU.

Wer einen Dread-Disease-Vertrag abschließt, muss sich jedoch bewusst sein, dass er sich ausschließlich gegen genau definierte Krankheitsbilder versichert. Steht ein Leiden nicht auf der Liste der versicherten Krankheiten oder ist der im Vertrag festgelegte Schweregrad noch nicht erreicht, gibt es kein Geld. Damit bietet die Dread-Disease-Versicherung nur eingeschränkten Schutz.

Freiberuflern und Selbstständigen kann die Einmalzahlung aus einer Schwere-Krankheiten-Versicherung helfen, den Betrieb während einer Erkrankung eine Weile am Laufen zu halten. Allerdings sind psychische Krankheiten und chronische Skeletterkrankungen wie Rückenleiden nicht versichert. Damit deckt die Versicherung die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit nicht ab. Soll die Zahlung der Dread-Disease-Versicherung für das gesamte restliche Berufsleben ausreichen, müssen Kunden außerdem eine hohe Versicherungssumme vereinbaren. Das macht die Versicherung teuer.

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Grundfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung deckt bestimmte elementare Fähigkeiten wie Sehen, Hände gebrauchen oder Knien und Bücken ab. Versicherte bekommen eine Rente, falls sie eine oder mehrere dieser Fähigkeiten verlieren – je nach Tarif. Wann eine Fähigkeit als verloren gilt, ist jeweils ganz genau in den Bedingungen geregelt. Dadurch ist die Prüfung, ob jemand Anspruch auf Rente hat, relativ einfach. Verschiedene Angebote zu vergleichen, wird durch die unterschiedlichen Definitionen derselben Fähigkeit jedoch schwierig.

Die Hürden für den Leistungsfall sind bei der Grundfähigkeitsversicherung hoch, sodass sie ein relativ schlechter Ersatz für die BU ist. Wer beispielsweise in seinem Beruf Kundenkontakt hat, kann aufgrund von Sprachstörungen vielleicht schon lange nicht mehr arbeiten, bevor er die Sprechfähigkeit komplett verloren hat. Für Menschen mit handwerklichen Berufen, die ihren Job nicht ausüben können, ohne sich hinzuknien oder zu bücken, kann die Grundfähigkeitsversicherung im Einzelfall eine Option sein.

Multi-Risk-Versicherung

Noch relativ unbekannt sind Multi-Risk-Versicherungen, manchmal auch Funktionsinvaliditätsversicherungen oder Multirenten genannt. Sie kombinieren verschiedene Bausteine anderer Versicherungen und decken so verschiedene Risiken ab: Behinderungen nach Unfällen, schwere Krankheiten, Pflegebedürftigkeit und den Verlust grundlegender Fähigkeiten.

Was nach einem sehr umfassenden Schutz klingt, beinhaltet oft eher geringe Leistungen. Im Allgemeinen sind die Hürden, die der Kunde nehmen muss, um Geld von der Multi-Risk-Versicherung zu bekommen, recht hoch. Das bedeutet, die Versicherung zahlt erst bei schweren, dauerhaften Beeinträchtigungen. Zudem sind die einzelnen Leistungen der Multi-Risk-Versicherung oft schlechter als bei Verträgen, die sich nur auf einen Bereich konzentrieren, etwa den Schutz bei schweren Krankheiten.

Wie bei Dread-Disease- und Grundfähigkeitsversicherung sind auch bei der Multi-Risk-Versicherung psychische Krankheiten nicht abgedeckt. Deshalb kommt sie nur infrage, falls keine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung möglich ist.

Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung ist vergleichsweise günstig zu haben, sie deckt dafür aber auch nur einen kleinen Teil des Risikos ab: Nur einer von zehn Menschen, die berufsunfähig sind, hatte einen Unfall – die übrigen neun sind erkrankt. Daher ist eine Unfallversicherung ein schlechter Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn eine private Unfallversicherung zahlt auch nur, falls nach einem Unfall eine dauerhafte Behinderung zurückbleibt.

Kommt keine der anderen BU-Alternativen infrage, bietet die Unfallversicherung wenigstens ein geringes Maß an Schutz. Auch für Extremsportler kann die Versicherung eine Überlegung wert sein. Denn manchmal verlangen Berufsunfähigkeitsversicherungen für gefährliche Hobbys hohe Risikozuschläge. In solchen Fällen kann es sich preislich hin und wieder lohnen, den Risikosport vom BU-Schutz auszuklammern und zusätzlich eine Unfallversicherung abzuschließen, die Sportunfälle abgedeckt.

Mehr dazu im Ratgeber Unfallversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Nur im Ausnahmefall sinnvoll

» Zum Ratgeber

Lassen Sie sich beraten, welche Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie persönlich infrage kommen. Für die Beratung empfehlen wir folgende Makler:

Buforum24
Versicherungsmakler mit viel Erfahrung bei komplizierten Fällen

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2004
  • 16 EU-Versicherer im Angebot
  • viel Erfahrung mit Risikovoranfragen
  • Online-Beratung möglich

Buforum24

Thomas Kliem
Versicherungsmakler mit 15 Jahren Erfahrung

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2001
  • 17 EU-Versicherer im Angebot
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • Online-Beratung möglich

Hoesch & Partner
Versicherungsmakler mit bundesweiter Präsenz

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 11 EU-Versicherer im Angebot
  • 8 Standorte bundesweit
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • keine Online-Beratung möglich

Ritzerfeld & Partner
Versicherungsmakler mit guter BU-Kompetenz

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 1995
  • 13 EU-Versicherer im Angebot
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage

Blank & Partner
Versicherungsmakler mit besonderer Expertise für Lehrer und Beamte

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2004
  • 14 EU-Versicherer im Angebot
  • Experte für Lehrer- und Beamtenabsicherung
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • Online-Beratung möglich
Blank & Partner

So haben wir ausgewählt

Maklerempfehlungen BU-Versicherung und Alternativen 2017
Alle Versicherungsmakler, die wir empfehlen, haben wir im Rahmen einer Online-Ausschreibung für Spezialisten zur Arbeitskraftabsicherung ausgewählt. Die eingegangenen Bewerbungen haben wir gefiltert auf Kriterien wie formale Qualifikation, Marktabdeckung, Erfahrung und Routine in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung.

In die engere Wahl kamen Bewerber, die einen formal höheren Berufs- oder Bildungsabschluss als die IHK-Prüfung zum Versicherungsfachmann hatten und Berufsunfähigkeitsversicherungen von mindestens 25 Gesellschaften sowie Erwerbsunfähigkeitsversicherungen von 10 Unternehmen vermitteln konnten.

Zudem mussten alle Mitarbeiter der Maklerfirma, die zum Thema Arbeitskraftabsicherung beraten, mindestens fünf Jahre Erfahrung haben. Um eine gewisse Routine in der Beratung sicherzustellen, haben wir nur Bewerber genauer betrachtet, die im ersten Quartal 2016 im Schnitt mindestens 15 BU-Beratungen pro Mitarbeiter verzeichnet hatten.

Auf Basis dieser Kriterien blieben sieben Makler übrig. Ein Makler gab an, auch Kunden eine Berufsunfähigkeitsversicherung vermittelt zu haben, die er nicht beraten hat. Ihn schlossen wir aus, weil wir der Ansicht sind, dass Beratung vor dem Abschluss einer BU essenziell ist und wir genau aus diesem Grund den Gang zum Makler empfehlen.

Von den restlichen sechs Maklern haben wir zusätzlich exemplarisch anonymisierte Informationen zu beratenen Kunden und empfohlenen Tarifen angefordert sowie Beratungsprotokolle zu zwei stichprobenartig ausgewählten BU-Beratungen und einer Beratung zu einer BU-Alternative. Für diese drei Fälle haben wir dann überprüft, ob die Makler ihren gesetzlichen Dokumentationspflichten nachgekommen sind.

Einer der Makler konnte im betrachteten Zeitraum keine Beratungen zu Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung nachweisen. Ihn empfehlen wir an dieser Stelle deshalb nicht.

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.