Coco Bonds - nachrangige Anleihen

So funktionieren nachrangige Bankanleihen

Das sollten Sie wissen

  • Nachrangige Bankanleihen sind für Sie nur geeignet, wenn Sie sich mit Anleihen gut auskennen. Sie möchten langfristig mit hoher Rendite anlegen und nehmen dafür ein hohes Risiko in Kauf.
  • Im Fall eines Zahlungsausfalls des Unternehmens, das die nachrangige Anleihe ausgegeben hat, erhalten zuerst alle anderen Gläubiger ihr Geld zurück, bevor die Inhaber nachrangiger Anleihen berücksichtigt werden.
  • Deshalb ist das Risiko, Kapital zu verlieren, bei nachrangigen Anleihen höher als bei normalen Unternehmensanleihen.
  • Üblich sind Laufzeiten von fünf bis zu 100 Jahren.

So gehen Sie vor

  • Wir empfehlen Ihnen, aufgrund des erhöhten Risikos nicht auf einzelne Anleihen zu setzen, sondern einen Fonds mit Hochzinsanleihen zu bevorzugen.
  • Am günstigsten kaufen Sie den Fonds über einen Onlinebroker. Lesen Sie dazu unseren Wertpapierdepot-Ratgeber.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie rund um das Thema Anleihen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Bei nachrangigen Bankanleihen handelt es sich um spezielle Unternehmensanleihen: Wird der Herausgeber – meist eine Bank oder eine Versicherung – zahlungsunfähig, bekommen zuerst die Inhaber herkömmlicher Anleihen ihr Geld zurück. Nur wenn dann noch Geld übrig ist, werden auch die Besitzer der nachrangigen Anleihen berücksichtigt. Das Risiko, einen Verlust zu erleiden, ist also höher als bei regulären Anleihen. Wir empfehlen diese Anleihen daher nur Experten, die sich bereits mit Unternehmensanleihen gut auskennen.

Nachrangige Bankanleihen können sich für Sie lohnen, wenn Sie Ihr Geld langfristig investieren wollen und wenn Sie bereit sind, ein relativ hohes Risiko einzugehen. Sie können dann von einer hohen Rendite profitieren und zusätzlich auf Kurssteigerungen hoffen.

So funktionieren nachrangige Bankanleihen

Bei nachrangigen Anleihen gibt es wichtige Unterschiede zu herkömmlichen Unternehmensanleihen, die Sie unbedingt kennen sollten:

Nachrang: Die Anleihen sind den anderen Verbindlichkeiten der sie ausgebenden Bank nachgeordnet. Wird die Bank zahlungsunfähig, erhalten zunächst die anderen Gläubiger ihr Geld. Die neueste Variante sind die sogenannten Coco-Bonds (Contingent Convertible Bonds). Kommt die Coco-Bonds ausgebende Bank in ernste Schwierigkeiten, werden diese automatisch von Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt. In diesem Fall werden Sie vom Gläubiger der Bank zum Aktionär, der Rückzahlungsanspruch auf das eingesetzte Kapital entfällt.

Kreditwürdigkeit: Nachrangige Schuldverschreibungen haben in der Regel ein schlechteres Rating als reguläre Anleihen – auch Senioranleihen genannt – beziehungsweise als das Institut, das sie ausgibt. Der Grund dafür ist der geringere Gläubigerschutz.

Laufzeit: Nachrangige Anleihen haben üblicherweise eine lange Laufzeit von fünf bis 100 Jahren.

Kündigungsoption: Die Herausgeber nachrangiger Anleihen haben oft ein Kündigungsrecht, von dem sie frühestens nach fünf Jahren Gebrauch machen können. Bis zur Finanzkrise 2008 war es üblich, dass die Anleihen zum ersten möglichen Kündigungstermin gekündigt wurden. Das hat sich seitdem geändert. Es gibt deshalb inzwischen öfter Anleihen, die über diesen Termin hinaus weiterlaufen.

Zinszahlungen: Häufig werden nachrangige Bankanleihen bis zum ersten Kündigungstermin fest verzinst, danach erhalten Sie variable Zahlungen. Man nennt das auch Fix-To-Float-Anleihe. Die Zinszahlung – auch Kupon genannt – erfolgt vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich. Manchmal ist die variable Zinszahlung an Bedingungen geknüpft: Sie kann zum Beispiel ausfallen, wenn das Unternehmen keine Dividende zahlt. Wie die Bedingungen zur variablen Zinszahlung im Einzelfall aussehen, sollten Sie unbedingt im Verkaufsprospekt der jeweiligen Anleihe nachlesen.

Chancen und Risiken

Sie können bei nachrangigen Bankanleihen höhere Renditen erwarten als bei erstrangigen Unternehmensanleihen, wie folgendes Beispiel zeigt:

Anleihen der Deutschen Bank

Typ Senioranleihe nachrangige Anleihe
ISIN DE000DB7XLP5 DE000DB5DDS2
Rating (Moody’s) A (hohe Sicherheit) Baa (mittlere Sicherheit)
Kupon pro Jahr 1,75 Prozent 4,0 Prozent
Kurs 101,87 Prozent 102,80 Prozent
Restlaufzeit 6 Jahre 8 Monate 6 Jahre 7 Monate
Rendite pro Jahr 1,51 Prozent 3,51 Prozent

Quelle: finanzen.net (Stand 16. Mai 2014)

Die höhere Rendite von nachrangigen Bankanleihen im Vergleich zu Unternehmensanleihen geht allerdings auch mit höheren Risiken einher:

  • Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten bei Zahlungsausfall des Unternehmens ist erhöht. Eine Studie der Ratingagentur Moody's zeigt, dass Sie bei nachrangigen Anleihen mit hohen Verlusten rechnen müssen: Während Sie bei Zahlungsausfall einer Senioranleihe etwa 50 Prozent des Nennwerts zurückerhalten, sind das bei einer nachrangigen Anleihe im Schnitt nur etwa 25 Prozent.
  • Aufgrund der oft sehr langen Laufzeiten wirken sich Änderungen des Marktzinses und der Kreditwürdigkeit der ausgebenden Bank stark auf den Wert der Anleihe aus.
  • Es besteht das Risiko, dass Sie eine nachrangige Anleihe nicht kurzfristig oder zu einem guten Kurs verkaufen können. Der Grund ist, dass das Handelsvolumen im Vergleich zu herkömmlichen Unternehmensanleihen oft gering ist.
  • Sind Zinszahlungen an Bedingungen geknüpft, zum Beispiel an Dividendenzahlungen, besteht das Risiko, dass mitunter keine Kupons gezahlt werden.
  • Kaufen Sie eine Anleihe, die nicht auf Euro lautet, gehen Sie ein Währungsrisiko ein.

Vergleichbare Alternativen

Alternativen, die eine ähnliche Risiko-Rendite-Struktur aufweisen wie nachrangige Bankanleihen, sind:

Hochzinsanleihen: Das sind Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen mit einer Bonitätsnote bewertet werden, die unterhalb von „BBB“ liegt. Diese Anleihen gelten als spekulativ.

Anleihen von Schwellenländern niedriger Bonität: Diese Anleihen werden meist in heimischer Währung oder in US-Dollar begeben, sodass sie für Sie zusätzlich mit einem Währungsrisiko verbunden sind.

Aktien: Wenn Sie den Kauf einer nachrangigen Bankanleihe mit unbegrenzter Laufzeit in Erwägung ziehen, kommt das dem Kauf einer Aktie sehr nahe.

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Kauf und Verkauf von nachrangigen Bankanleihen

Sie können entweder direkt einzelne nachrangige Bankanleihen kaufen oder Ihr Geld in Fonds anlegen, die in solche Anleihen investieren. Der Kauf eines Fonds bedeutet, dass Sie das Ausfallrisiko streuen, da der Fonds in viele Anleihen investiert. Weil die Fondsmanager die Anleihen in der Regel nicht bis zum Ende der Laufzeit halten, sondern kaufen und verkaufen, können dabei zusätzliche Gewinne oder Verluste anfallen. Dafür verlangen die Fonds aber Kosten: Sie bezahlen meist einen Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent und Verwaltungsgebühren von bis zu zwei Prozent pro Jahr. Wir empfehlen Ihnen dennoch wegen der größeren Streuung der Risiken auf Fonds statt auf einzelne Anleihen zu setzen.

Unsere Empfehlung, wenn Sie in einen Fonds investieren wollen

Wenn Sie auf der Suche nach einem Fonds sind, empfehlen wir Ihnen, sich die wichtigsten Merkmale anzusehen und mit denen anderer Fonds vergleichen. Dazu gehören:

  • die Strategie beziehungsweise die Anlagepolitik des Fondsmanagements
  • die Zusammensetzung des Fonds nach Branchen und Ländern
  • die Kursentwicklung der letzten Jahre
  • die Gebühren wie Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr
  • Die Ausschüttungsart: Legt der Fonds erhaltene Erträge erneut an (thesaurierend) oder schüttet er diese an die Anleger aus?
  • eine etwaige Mindestanlage

Wir empfehlen Ihnen, beim Fondsvergleich vor allem auf die Kosten zu achten. Denn eines ist sicher: Hohe Kosten schmälern Ihre Rendite bei gleicher Wertentwicklung der Fonds. Wenn Sie glauben, dass das Fondsmanagement in eine Rendite erzielen kann, die für Sie trotz der Kosten akzeptabel ist, wählen Sie den entsprechenden Fonds aus.

Beispiele für Fonds, die in nachrangige Bankanleihen investieren, sind: HSBC Trinkaus Subordinated Credit AC (WKN A1JZLH), Banken Fokus Basel III (WKN A0RHEX), BayernInvest Subordinated Bond-Fonds (WKN A0ETKV) und db x-trackers II itraxx europe subordinated financials ETF (WKN DBX0BH). Der letzte Fonds ist ein sogenannter Indexfonds (auch ETF genannt), der niedrige Verwaltungsgebühren hat und keinen Ausgabeaufschlag verlangt, da er die Wertentwicklung eines Indexes abbildet und nicht aktiv Anleihen kauft und verkauft.

Wenn Sie einzelne Anleihen kaufen wollen

Die passenden Anleihen finden Sie zum Beispiel über die Anleihensuche der Website finanzen.net. Dabei klicken Sie auf „Nur Finanzinstitute“ und  bei „Nachrang“ auf „Ja“ und starten die Suche.

Informieren Sie sich bei Ihrer Suche nach einer für Sie geeigneten Anleihe über die wichtigsten Ausstattungsmerkmale der Anleihen. Dazu lesen Sie den Verkaufsprospekt. Wenn Sie den Verkaufsprospekt nicht im Internet finden, fragen Sie bei dem Finanzinstitut selbst nach. Was Sie über die wichtigsten Kennzahlen wissen sollten:

Rendite: Achten Sie darauf, auf welchen Zeitraum sich die angegebene Rendite bezieht. Gilt Sie beispielsweise nur für die Zeit bis zum ersten möglichen Kündigungstermin oder bis zum Ende der Laufzeit? Bei flexibler Verzinsung, deren Zahlung möglicherweise sogar von der Zahlung einer Dividende der Bank abhängt, kann eine in der Gegenwart hohe Rendite künftig wesentlich niedriger ausfallen.

Rating: Wegen ihrer Nachrangigkeit und dem damit verbundenen höheren Risiko werden die Anleihen von den Ratingagenturen schlechter bewertet als die herausgebende Bank selbst.

Laufzeit: Sehen Sie sich an, welche Optionen sich die herausgebende Bank offenhält, beispielsweise ob und ab wann ein Kündigungsrecht besteht.

Kupon: Prüfen Sie, ob über die gesamte Laufzeit feste Zinsen gezahlt werden oder ob es sich um eine andere Variante handelt. So können zum Beispiel bis zum ersten möglichen Kündigungstermin feste Kupons gezahlt werden und danach variable.

Währung: Vergewissern Sie sich, auf welche Währung die Anleihen lauten. Handelt es sich um Euro-Anleihen, gehen Sie damit kein Währungsrisiko ein.

Kaufen Sie das Wertpapier oder den Fonds bei einem Onlinebroker

Notieren Sie sich die Wertpapierkennnummer (WKN) oder ISIN-Nummer der Anleihe oder des Fonds, für die Sie sich entschieden haben und erteilen Sie den Auftrag zum Kauf. Wir empfehlen Ihnen, den Kauf über einen Direktbroker abzuwickeln, da diese günstige Konditionen anbieten.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.