Private Veräußerungsgeschäfte

Wann der Verkauf von Haus, Gold oder Bitcoins steuerpflichtig ist

Udo Reuß 15. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Verkaufst Du innerhalb eines Jahres bestimmte private Wertgegenstände mit Gewinn, kann das steuerpflichtig sein.
  • Vorsicht insbesondere bei Bitcoins, Gold und anderen Edelmetallen.
  • Steuerfrei bleiben solche privaten Veräußerungsgeschäfte, wenn Du im Jahr insgesamt weniger als 600 Euro Gewinn erzielst.
  • Der Verkauf einer fremdgenutzten Immobilie innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist ist ebenfalls steuerpflichtig.
So gehst Du vor
  • Ein Gewinn oder Verlust aus privaten Veräußerungsgeschäften führt zu sonstigen Einkünften. Und die musst Du bei einem Gewinn ab 600 Euro in der Anlage SO der Steuererklärung angeben.
  • Hast Du selbst innerhalb der letzten drei Kalenderjahre in einer verkauften Wohnung gelebt, darfst Du diese steuerfrei verkaufen.
  • Rechtlich umstritten ist, ob Du nach einem Wohnungsverkauf für den Teil, der auf ein häusliches Arbeitszimmer entfällt, einen Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft zahlen musst. Falls Du davon betroffen bist, lege Einspruch ein.

Der Fiskus interessiert sich auch für Gewinne aus dem Verkauf bestimmter privater Wertgegenstände. Dazu zählen vor allem vermietete Immobilien, Gold und andere Edelmetalle, außerdem Devisen, Bitcoins, Kunstgegenstände und Oldtimer. Den Gewinn brauchst Du jedoch nur dann zu versteuern, wenn Du die Dinge innerhalb einer bestimmten Spekulationsfrist verkauft hast.

Was ist ein privates Veräußerungsgeschäft?

Bis Ende 2008 waren es vor allem Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien und anderen Wertpapieren, die als Spekulationsgewinne zu versteuern waren. Seitdem gehören sie nicht mehr zu den privaten Veräußerungsgeschäften, sondern zu den Kapitaleinkünften. Die Spekulationsfrist von einem Jahr wurde hierfür abgeschafft. Sowohl die Einnahmen aus der Anlage (zum Beispiel Zinsen und Dividenden) als auch die Wertsteigerung zählen als Kapitalerträge. Sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent.

Mit dem persönlichen Satz versteuern musst Du hingegen „sonstige Einkünfte“ – die entsprechenden Angaben machst Du in Deiner Steuererklärung. Dazu zählt ein Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft (§ 22 Nr. 2 EStG). Was darunter fällt, regelt Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Hier geht es ausschließlich um den Verkauf bestimmter privater Gegenstände.

Der Verkauf dieser Wirtschaftsgüter kann zur Steuerpflicht führen

Paragraf 23 nennt nur einige Wirtschaftsgüter explizit. Es muss sich um einen selbstständig bewertbaren Gegenstand handeln, der im Wert steigen kann. Statt eines Wirtschaftsguts kommt auch ein vermögenswerter Vorteil in Betracht.

Der folgende Überblick zeigt beispielhaft, welche Wertgegenstände darunter fallen können:

  • ein Gebäude, ein Gebäudeteil oder eine Eigentumswohnung,
  • ein unbebautes Grundstück,
  • grundstücksgleiche Rechte wie Wohnungseigentumsrecht, Erbbaurecht, Erbpachtrecht und Mineralgewinnungsrecht.

Für die oben genannten Positionen gilt eine zehnjährige Spekulationsfrist.

Dagegen ist für folgende Gegenstände (sogenannte andere Wirtschaftsgüter) nach einer einjährigen Haltedauer ein Verkauf steuerfrei:

  • Edelmetalle wie Goldbarren und Silbermünzen,
  • Schmuck,
  • Fremdwährungen,
  • Antiquitäten,
  • Kunstgegenstände,
  • Briefmarkensammlungen,
  • Münzsammlungen,
  • Oldtimer,
  • Gegenstände, mit denen Du Einkünfte erzielt hast (zum Beispiel ein Musikinstrument),
  • Bitcoins und andere Kryptowährungen.

Wird aber solch ein anderes Wirtschaftsgut innerhalb eines Jahres mit Gewinn verkauft, ist dieser steuerpflichtig. Das kann auch für Fußball-Tickets mit Wertsteigerungspotenzial gelten, entschied der Bundesfinanzhof (Urteil vom 29. Oktober 2019, Az. IX R 10/18). Im entschiedenen Fall verkaufte der Kläger zwei Tickets für das Endspiel der Uefa Champions Leage mit einem Gewinn von fast 2.600 Euro. Die Eintrittskarten wertete der BFH als andere Wirtschaftsgüter, die Gegenstand eines privaten Veräußerungsgeschäfts im Sinne des Paragrafen 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG sein können. Denn es handele sich um selbstständig bewertbare vermögenswerte Vorteile, für die der Steuerpflichtige Geld ausgegeben hat. Durch den Weiterverkauf auf einer Ticketbörse-Plattform binnen eines Monats realisierte der Kläger eine deutliche Wertsteigerung, die er versteuern musste.  

Das gehört nicht zu den privaten Veräußerungsgeschäften

Eine gesetzliche Ausnahme gibt es bei Dingen des täglichen Gebrauchs wie dem Privatauto. Solche Gegenstände kannst Du steuerfrei verkaufen; ein etwaiger Verlust bleibt dann steuerlich unberücksichtigt.

Verkaufst Du hin und wieder gebrauchte Sachen wie Bücher und Kinderkleidung bei Ebay oder auf dem Flohmarkt, dann ist dies oft steuerfrei. Dies gilt zumindest so lange, wie Du dies nur in einem üblichen Umfang machst. Beispielsweise wenn Du mal Deinen Keller entrümpelst und danach die gut erhaltenen Dinge veräußerst.

Bei gut 30 Verkäufen auf einem Internetportal übers Jahr verteilt kann dies noch als nichtunternehmerische Aktivität zu werten sein. Es gibt jedoch keine starren Grenzen, wann die private Tätigkeit endet und ein gewerblicher Handel beginnt. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Selbst der Verkauf oder die Versteigerung einer Sammlung kann eventuell als letzter Akt der privaten Sammeltätigkeit steuerfrei sein.

Achtung: Steuerfahnder durchsuchen gezielt Ebay, Amazon und andere Plattformen, um Händler aufzuspüren. Wenn Du öfter Dinge verkaufst, kannst Du als Gewerbetreibender anzusehen sein. Möglicherweise musst Du dann für die Verkäufe Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuer zahlen.

Enteignung ist keine Veräußerung

Erhältst Du nach der Enteignung eines Grundstücks eine Entschädigung, dann handelt es sich nicht um ein privates Veräußerungsgeschäft, weil die Enteignung keine Veräußerung darstellt. Denn Du verlierst Dein Eigentum ohne dass Du darauf Einfluss hättest, entschied der Bundesfinanzhof (Urteil vom 23. Juli 2019, Az. IX R 28/18). 

Wirtschaftsgüter, die zu einem unternehmerischen Betriebsvermögen gehören, erfasst die Regelung der privaten Veräußerungsgeschäfte nicht. Solche Verkaufsgewinne sind komplett als gewerbliche oder selbstständige Einkünfte steuerpflichtig. Betriebliche Einkünfte haben immer Vorrang vor einer Besteuerung als sonstige Einkünfte.

Wann ist ein Veräußerungsgewinn steuerpflichtig?

Hast Du einen in Paragraf 23 EStG erfassten Wertgegenstand in Deinem Privatvermögen, dann führt dessen Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist zu sonstigen Einkünften. Steuerpflichtig sind diese, wenn alle Veräußerungsgewinne, die Du in einem Jahr erzielst, insgesamt mindestens 600 Euro betragen.

Die 600 Euro sind eine Freigrenze; das heißt, sobald der Gewinn diese Schwelle erreicht, musst Du den gesamten Betrag versteuern. Der Freibetrag gilt je Person. Bei einem zusammen veranlagten Ehepaar könnte also jeder Ehepartner einen Gegenstand verkaufen und einen Veräußerungsgewinn steuerfrei einnehmen, wenn dieser unterhalb von 600 Euro bleibt.

Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist

Für die meisten Wirtschaftsgüter beträgt die Spekulationsfrist ein Jahr zwischen Anschaffung und Verkauf. Allerdings verlängert sich diese auf zehn Jahre, wenn Du mit dem verkauften Gegenstand mindestens in einem Jahr Einkünfte erzielt hast. Bei privaten Veräußerungsgeschäften kommt es darauf, ob Du Einkünfte erzielen wolltest („Einkünfteerzielungsabsicht“).

Beispiel: Du bist nebenberuflicher Musiker und hast daraus regelmäßige Einnahmen. Verkaufst Du Dein dafür genutztes Musikinstrument innerhalb von zehn Jahren mit Gewinn, müsstest Du diesen versteuern.

Für den Verkauf einer privaten Immobilie gilt ebenfalls eine zehnjährige Spekulationsfrist. Nach dem Ablauf der Spekulationsfrist kannst Du den Gegenstand oder die Immobilie steuerfrei verkaufen. Einen Verlust kannst Du danach aber nicht mehr geltend machen.

Hast Du innerhalb der Spekulationsfrist ein Gebäude auf dem Grundstück gebaut, ausgebaut oder erweitert, musst Du dies in das private Veräußerungsgeschäft miteinbeziehen. Eine Wertsteigerung musst Du auch dafür versteuern.

Achtung: Bei einer Trennung oder Scheidung kommt es häufig vor, dass ein Ehegatte aus der gemeinsamen Immobilie auszieht und seine Hälfte an den Ex-Partner verkauft. Mit dem Verkaufsdatum beginnt eine neue zehnjährige Frist für diese Wohnungshälfte.

Zur Berechnung der Spekulationsfrist: Sowohl der Anschaffungs- als auch der Veräußerungszeitpunkt richtet sich nach dem Datum des Kaufvertrags. Die Spekulationsfrist beginnt am Folgetag der Anschaffung.

Wann ist der Verkauf einer Immobilie zu versteuern?

Um die Spekulationsfrist zu bestimmen, kommt es auf das Datum des notariellen Kauf- und Verkaufsvertrags an. Übertragen wird das wirtschaftliche Eigentum in der Regel später, das spielt aber bei der Fristberechnung keine Rolle. Die Frist beginnt einen Tag nach der Anschaffung.

Beispiel: Du hast am 2. Januar 2008 beim Notar den Kaufvertrag für eine Eigentumswohnung unterschrieben. Einen Tag später, am 3. Januar 2008 begann die zehnjährige Spekulationsfrist zu laufen. Du hast die Wohnung nach dem Kauf vermietet. Die Spekulationsfrist endete mit Ablauf des 2. Januars 2018. Bei einem Verkauf der Immobilie ab dem 3. Januar 2018 kannst Du den Gewinn steuerfrei behalten, weil dann die Spekulationsfrist abgelaufen ist. 

Als Immobilie zählt ein unbebautes Grundstück, eine Eigentumswohnung, ein Haus, ein Gebäudeteil, Anteile an geschlossenen Immobilienfonds, ein Erbbaurecht oder ein anderes grundstücksgleiches Recht. Wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen, musst Du den Gewinn versteuern – oder kannst vom Finanzamt einen Verlust anerkennen lassen. Das gilt auch für ausländische Immobilien.

Für die Steuerpflicht kommt es darauf an, dass die Immobilie vermietet oder beruflich genutzt wurde. Konkret sind folgende Nutzungsarten betroffen:

  • Immobilie ist vermietet,
  • Immobilie ist unentgeltlich einem Dritten überlassen (dazu zählen ein unterhaltsberechtigter Angehöriger und ein Kind, für das Du keinen Anspruch mehr auf Kindergeld/Kinderfreibetrag hast), 
  • Immobilie wird gewerblich genutzt,
  • Immobilie wird beruflich genutzt (zum Beispiel als Arbeitszimmer),
  • Immobilie steht leer oder
  • es handelt sich um ein unbebautes Grundstück.  

Tipp: Wenn Du Deine vermietete Immobilie zusammen mit der Wohnungseinrichtung (zum Beispiel Möbel und Kleingeräte) verkaufst, dann solltest Du den Verkaufspreis aufteilen. Denn beim mitverkauften Inventar handelt es sich um Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Diese kannst Du auch bei einem zuvor vermieteten Ferienhaus steuerfrei mitverkaufen, hat das Finanzgericht Münster mit Verweis auf Paragraf 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG entschieden (Urteil vom 3. August 2020, Az. 5 K 2493/18 E). Du kannst also bei der Besteuerung des privaten Veräußerungsgeschäfts zuvor einen Anteil für das Inventar abziehen. Dieser ist nicht steuerbar und zählt daher nicht zum Spekulationsgewinn. 

Hast Du das Wohneigentum selbst genutzt, dann kannst Du es grundsätzlich steuerfrei verkaufen.

Umstritten ist, wie es sich verhält, wenn Werbungskosten für ein in der Wohnung gelegenes häusliches Arbeitszimmer steuerlich berücksichtigt wurden. Finanzämter wollen für den flächenmäßigen Anteil, der auf das Arbeitszimmer entfällt, einen Veräußerungsgewinn besteuern. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Fall, den das Finanzgericht (FG) Köln entschieden hat (Urteil vom 20. März 2018, Az. 8 K 1160/15; Az. der Revision beim Bundesfinanzhof: IX R 11/18):

Ein Ehepaar konnte jahrelang 1.250 Euro an Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen. Nach neun Jahren verkaufte es seine Eigentumswohnung. Das Finanzamt unterwarf den auf das Arbeitszimmer entfallenden Gewinn von rund 36.000 Euro der Besteuerung, da insoweit keine steuerfreie eigene Wohnnutzung vorliege.

Dem widersprach das FG Köln. Es vertrat die Auffassung, dass ein Arbeitszimmer nicht zu einer anteiligen Besteuerung des Veräußerungsgewinns führt. Das Arbeitszimmer sei nämlich in den privaten Wohnbereich integriert und stelle kein selbstständiges Wirtschaftsgut dar. Eine Besteuerung widerspreche dem grundsätzlichen Abzugsverbot von Kosten für häusliche Arbeitszimmer.

Nun muss der Bundesfinanzhof entscheiden; ebenso im vergleichbaren Fall mit dem Az. IX R 27/19. Bis dahin solltest Du bei einem vergleichbaren Sachverhalt Einspruch einlegen und ein Ruhen des Verfahrens beantragen.

Ein privates Veräußerungsgeschäft setzt voraus, dass Du Anschaffungskosten hattest, also das Objekt gekauft hast. Hast Du dieses geerbt, geschenkt bekommen oder selbst gebaut, fehlt es daran. Folglich ist in solchen Fällen grundsätzlich ein steuerfreier Verkauf möglich.

Allerdings läuft auch im Schenkungs- und Erbfall eine zehnjährige Frist. So kann eine Steuerpflicht entstehen, wenn zwischen dem Kauf durch den Erblasser und dem Verkauf durch den Erben noch keine zehn Jahre verstrichen sind.

Wann gilt eine Immobilie als selbst genutzt?

Hast Du eine Wohnung verkauft, in der Du selbst gewohnt hast, kannst Du sie steuerfrei verkaufen. Dies gilt, wenn die Wohnung in der Zeit zwischen Kauf und Verkauf ausschließlich eigenen Wohnzwecken diente. Und auch, wenn Du im Jahr der Veräußerung und in den beiden Vorjahren selbst in der Immobilie gewohnt hast.

Beispiel: Du hast Deine Immobilie jahrelang vermietet. Ab Dezember 2016 hast nur Du darin gewohnt – bis zum Verkauf im Januar 2018. Damit hast Du die Voraussetzungen einer steuerfreien Veräußerung erfüllt. Denn es genügt ein zusammenhängender Zeitraum, der sich über drei Kalenderjahre erstreckt.

Tipp: Wenn Du einen Verkauf Deiner vermieteten Immobilie innerhalb der Spekulationsfrist planst, solltest Du für diesen dreijährigen Zeitraum selbst einziehen. Nur im mittleren (zweiten) Jahr müsstest Du das Objekt ganzjährig selbst bewohnen. Im ersten und im letzten Kalenderjahr genügt ein kurzer Zeitraum. Selbst wenn Du im letzten Kalenderjahr die Immobilie für wenige Monate vermietest und anschließend verkaufst, begründet dies keine Steuerpflicht, wenn Du zuvor noch im selben Jahr die Wohnung selbst genutzt hast (BFH, Urteil vom 3. September 2019, Az. IX R 10/19).

Hättest Du einen Teil des Hauses selbst bewohnt und einen anderen Teil vermietet, dann wäre nur der Gewinn für den selbst bewohnten Anteil steuerfrei. Für den vermieteten Teil müsstest Du zumindest diesen Anteil am Veräußerungsgewinn versteuern.

Selbst genutzte Zweit- oder Ferienwohnung steuerfrei verkaufen

Für eine Selbstnutzung reicht aus, wenn Du die Wohnung nur zeitweilig bewohnst. Deshalb lässt sich auch eine Zweit- oder Ferienimmobilie oder eine im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung genutzte Wohnung steuerfrei verkaufen. Vorausgesetzt, Du kannst sie, wann immer Du willst, nutzen und hast sie nicht vermietet.

Diese Prinzipien klärte der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 27. Juni 2017, Az. IX R 37/16). Im entschiedenen Fall erzielte eine Kölnerin durch den Verkauf ihres Ferienhauses auf Sylt einen Gewinn von 2,1 Millionen Euro, den das Finanzamt besteuern wollte. Grund: Sie nutzte es nur im Urlaub und an manchen Wochenenden. Das spielt jedoch für die Steuerpflicht keine Rolle, urteilte der BFH. Entscheidend war, dass die Klägerin im Jahr des Verkaufs sowie in den beiden Vorjahren das Haus ausschließlich selbst als Ferienwohnung genutzt und die Immobilie nicht vermietet hatte. Ihr Veräußerungsgewinn war deshalb komplett steuerfrei.

Ausnahmeregelung für Kinder

Ein steuerfreier Verkauf ist zwar grundsätzlich nicht möglich, wenn Du nicht selbst in der Immobilie wohnst. Eine wichtige Ausnahme erlaubt die Finanzverwaltung aber: wenn Dein Kind, für das Du einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag hast, unentgeltlich in der Eigentumswohnung wohnt.

Doch sobald dieser Anspruch wegfällt, ist ein Veräußerungsgewinn steuerpflichtig. So entschied das Finanzgericht Baden-Württemberg (Urteil vom 4. April 2016, Az. 8 K 2166/14).

In diesem Fall haben die Eltern ihrer Tochter am Studienort eine Eigentumswohnung kostenlos zur Verfügung gestellt. Als sie 25 Jahre alt wurde, fiel das Kindergeld weg. Das Studium beendete sie nur wenige Monate später, und die Eltern verkauften daraufhin die Wohnung mit Gewinn.

Diesen mussten sie jedoch versteuern. Denn die Richter waren der Ansicht, dass sie die Wohnung nicht für eigene Zwecke genutzt haben. Um die Versteuerung zu vermeiden, hätten die Eltern die Wohnung einige Monate früher verkaufen müssen, als sie noch Kindergeld erhielten.

Was ist bei Gold und anderen Edelmetallen zu berücksichtigen?

Wer in Goldbarren, Goldmünzen oder andere Edelmetalle (Silber, Platin und so weiter) investiert, kann diese nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei verkaufen. 

Eine Alternative zum Direktinvestment ist ein Wertpapier, das mit physischem Gold hinterlegt ist. Ein Beispiel für solche Gold-Zertifikate ist Xetra-Gold-ETC. Dies ist eine an der Börse gehandelte Inhaberschuldverschreibung, die die Wertentwicklung des Golds abbildet. Der Käufer einer Schuldverschreibung erwirbt damit den Anspruch, dass ihm dafür ein Gramm Gold ausgeliefert wird. Deshalb gelten für Erwerb und Einlösung oder Verkauf solcher Zertifikate die gleichen Regeln wie bei physischem Gold. Abgeltungssteuer fällt nicht an.

Allerdings führt ein Verkauf des Wertpapiers innerhalb eines Jahres als privates Veräußerungsgeschäft zur Steuerpflicht – mit dem normalen Steuersatz. Nach der Spekulationsfrist ist der Gewinn steuerfrei.

Steuerfrei ist es auch, wenn Du die Inhaberschuldverschreibung einlöst. Das heißt, wenn Du das Wertpapier nicht verkaufst, sondern das physische Gold innerhalb eines Jahres nach dem Kauf des Zertifikats geliefert bekommst (BFH, Urteil vom 6. Februar 2018, Az. IX R 33/17).

Das Finanzamt wollte in diesem Fall die Wertsteigerung im Zeitraum zwischen Anschaffung und Einlösung als privates Veräußerungsgeschäft versteuern. Zu Unrecht, urteilte der BFH. Die Einlösung ist kein steuerpflichtiger Vorgang.

Die Anleger haben das Gold bei sich aufbewahrt, weshalb sie es nach Ansicht der Finanzrichter nicht veräußert haben. Die Wertsteigerung, die zwischen dem Erwerb der Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen und der Auslieferung des physischen Golds eintrat, führte auch nicht zu steuerbaren Einkünften aus Kapitalvermögen. Denn die Schuldverschreibungen verbrieften keine Kapitalforderungen, sondern Ansprüche auf die Lieferung des physischen Golds.

Gleiche Regeln gelten wahrscheinlich auch für das von der Stuttgarter Börse emittierte Zertifikat Euwax Gold II. Veräußerungsgewinne daraus sind nach einem Jahr Haltedauer ebenfalls steuerfrei. 

Was gilt für Bitcoins und andere Kryptowährungen?

Der Bitcoin ist die bekannteste der digital erzeugten Kryptowährungen; weitere Beispiele sind Ethereum, Ripple, Dash und Litecoin. Das Bundesfinanzministerium stuft ihn wie Edelmetalle als ein „sonstiges Wirtschaftsgut“ ein. Deshalb führt ein Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr zu einem privaten Veräußerungsgewinn oder -verlust.

Nach dieser Haltefrist kannst Du Bitcoins steuerfrei verkaufen. Auch wenn Du beim Verkauf Verlust machst, wirkt sich das steuerlich nicht mehr aus. In der Steuererklärung musst Du dann nichts angeben.

Anders ist dies, wenn Du das Kryptogeld innerhalb eines Jahres auf einem Online-Marktplatz kaufst und wieder verkaufst. Einen Gewinn musst Du dann mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuern – unabhängig davon, ob der Gewinn entsteht

  • durch Umtausch (zum Beispiel beim Tausch von Bitcoins in Euro oder in eine andere virtuelle Währung),
  • durch das Bezahlen einer Ware oder Dienstleistung oder
  • an der Börse.

Die Differenz aus Anschaffungskosten und Veräußerungspreis ergibt den Gewinn. Auch hier gilt die Freigrenze von 600 Euro. Ab einem Gewinn von mindestens 600 Euro im Jahr aus allen privaten Veräußerungsgeschäften – also beispielsweise auch aus dem Goldverkauf – ist dieser in voller Höhe steuerpflichtig.

Den Gewinn oder Verlust zu berechnen, kann aufwändig sein, besonders wenn Du Bitcoins in mehreren Raten erworben hast. Dann liegen häufig Bitcoins mit den unterschiedlichsten Kaufpreisen in Deiner digitalen Brieftasche, dem Wallet.

Für die Berechnung kannst Du die „First-in-first-out“-Methode (Fifo) anwenden: Danach wird unterstellt, dass die zuerst erworbenen Bitcoins auch als erste verkauft wurden. Allerdings ist derzeit noch nicht endgültig geklärt, ob die Fifo-Methode für die Gewinnermittlung zwingend ist. Theoretisch könnte auch die „Last-in-first-out-Methode“ oder eine Durchschnittspreisbewertung zum Tragen kommen. Nach bisherigen Erfahrungen akzeptieren die Finanzämter die Fifo-Methode.

Für steuerliche Zwecke solltest Du bei jedem Kauf und Verkauf folgende Daten dokumentieren

  • die gehandelte Kryptowährung,
  • den Zeitpunkt,
  • die Anzahl,
  • den Kurs und
  • die Transaktionsgebühren.

Handelst Du häufiger mit virtuellem Geld, stößt Du mit selbst erstellten Excel-Listen bald an Deine Grenzen. Hilfreich sind für Dokumentationszwecke Tools wie Cryptotax oder Cointracking. Einen damit ermittelten Gewinn oder Verlust kannst Du dann in einem Steuerprogramm eintragen. 

Im Ratgeber Steuersoftware empfehlen wir einige Programme für die Steuererklärung der gesamten Einkünfte. Dazu zählen Wiso Steuer-Sparbuch und Smartsteuer, die bei der Besteuerung von Kryptowährungen gut unterstützen. 

Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

 Zum Ratgeber

Beim Mining können gewerbliche Einkünfte entstehen 

Manche verdienen sich Bitcoins und anderes virtuelles Geld durch Mining, also Schürfen. Sie stellen Rechnerleistung zur Verfügung, um schwierige mathematische Aufgaben zu lösen, wodurch Kryptogeld erzeugt wird. Als Belohnung erhalten sie Bitcoins.

Wenn Du das Mining nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht betreibst, kann das Finanzamt solche Aktivitäten als eine gewerbliche Tätigkeit einstufen. Du musst dann die gewerblichen Einkünfte in der Einkommensteuererklärung angeben. Die Kosten für das Schürfen der Währung kannst Du als Betriebsausgaben abziehen.

Außerdem wirst Du wahrscheinlich eine Gewerbesteuererklärung abgeben müssen. Bleibt der Gewerbeertrag (gewerbesteuerliche Gewinn) unter 24.500 Euro, fällt keine Gewerbesteuer an.

Falls Du nicht gewerblich tätig bist und nur gelegentliches Mining betreibst, profitierst Du vielleicht von der Freigrenze von 256 Euro im Kalenderjahr für Einkünfte aus Leistungen (§ 22 Abs. 3 EStG). Wenn Deine Einnahmen abzüglich der Werbungskosten höchstens 255,99 Euro betragen, musst Du darauf keine Steuern zahlen.

Wann können Wechselkursgewinne steuerpflichtig sein?

Auch Devisen können zu einem steuerpflichtigen Veräußerungsgeschäft führen. Ein Beispiel: Du führst ein Bankkonto in US-Dollar. Tauschst Du innerhalb eines Jahres Dollar in Euro oder in eine andere Fremdwährung um und erzielst dadurch einen Wechselkursgewinn, zählt dieser als privates Veräußerungsgeschäft.

Dementsprechend kannst Du auch einen etwaigen Kursverlust durch einen Verkauf binnen Jahresfrist ausnutzen und einen Verlust steuerlich geltend machen. Wenn Du zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Devisen gekauft hast und Teilbeträge davon verkaufst, musst Du die Fifo-Methode anwenden, um die Anschaffungskosten zu ermitteln. 

Wie berechnest Du einen privaten Veräußerungsgewinn?

Den Gewinn oder Verlust aus einem privaten Veräußerungsgeschäft bei einer Immobilie ermittelst Du nach folgendem Schema:

Verkaufserlös
minus Anschaffungskosten und Nebenkosten
minus nachträgliche Herstellungskosten eines Neubaus
minus Werbungskosten im Zusammenhang mit der Veräußerung
= Gewinn oder Verlust aus dem Verkauf
minus Anteil für den zu eigenen Wohnzwecken genutzten Immobilienteil
plus bei einer Vermietung in Anspruch genommene Abschreibungen
= zu versteuernder Veräußerungsgewinn oder -verlust 

Wenn die verkaufte Immobile vermietet war, dann hast Du in der Regel bei den Vermietungseinkünften jährlich Abschreibungen bei den Werbungskosten abgesetzt. Nach einem Verkauf innerhalb von zehn Jahren musst Du diese wieder gewinnerhöhend zuschreiben. Keine Zuschreibung ist erforderlich bei über mehrere Jahre abgesetzten Erhaltungsaufwand oder den Abschreibungen für ein häusliches Arbeitszimmer, für das Du höchstens 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten absetzen durftest.

Bei den anderen verkauften Wirtschaftsgütern berechnest Du den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn so: 

Veräußerungspreis
minus Anschaffungskosten
minus Werbungskosten
= zu versteuernder Veräußerungsgewinn oder -verlust

Wie lässt sich ein Verlust verrechnen?

Einen Veräußerungsverlust darfst Du nur mit Gewinnen aus anderen Spekulationsgeschäften im selben Jahr verrechnen. Gelingt Dir das nicht, darfst Du den Verlust entweder ins Vorjahr zurücktragen oder in die Folgejahre vortragen. Doch verrechnen kannst Du diesen Verlust nur mit einem Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften. Mit anderen Einkunftsarten wie dem Lohn geht das nicht.

Anders läuft es, wenn Du beispielsweise aus gewerblicher Tätigkeit in einem Jahr einen Verlust erzielst und im selben Jahr einen Gewinn mit einem privaten Veräußerungsgeschäft gemacht hast. In dem Fall gleicht das Finanzamt beide Positionen aus.

Wohin mit Spekulationsgeschäften in der Steuererklärung?

Solange Du mit allen Geschäften eines Jahres höchstens 599 Euro Gewinn erzielt hast, musst Du nichts in der Steuerklärung angeben.

Bei einem höheren Gewinn gilt Folgendes: Private Veräußerungsgeschäfte trägst Du als „sonstige Einkünfte“ auf der zweiten Seite der Anlage SO der Steuererklärung ein. Der obere Bereich ist für Einträge für einen Immobilienverkauf vorgesehen. Hast Du beispielsweise ein Doppelhaus verkauft, wobei Du in einem Haus selbst gewohnt und das andere vermietet hast, dann genügen in der Steuererklärung Angaben zum steuerpflichtigen Teil, also zur vermieteten Immobilie.

Den Verkauf eines anderen Wirtschaftsguts trägst Du in der Steuererklärung 2019 ab Zeile 42 ein. Du musst dort angeben: 

  • was Du verkauft hast (Zeile 42),
  • wann Du es angeschafft und wann verkauft hast (Zeile 43),
  • den Verkaufspreis (Zeile 44),
  • die Anschaffungskosten (Zeile 45) und
  • die Werbungskosten im Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft (Zeile 46); sie mindern Deinen Gewinn und
  • in Zeile 47 Deinen so ermittelten Gewinn oder Verlust.

Du kannst in der Anlage SO nur ein Veräußerungsgeschäft eintragen. Weitere Verkäufe müsstest Du auf einem gesonderten Blatt auflisten. Die Summe aus diesen weiteren Geschäften trägst Du dann in Zeile 49 ein.

Als Werbungskosten kannst Du beispielsweise geltend machen: Verkaufsanzeigen, Maklergebühr, Grundbuchgebühren, Notarkosten, Vorfälligkeitsentschädigung, Fahrt- und Telefonkosten. Selbst wenn diese Kosten bereits in den Vorjahren angefallen sind, sind diese im Veräußerungsjahr absetzbar.

In der Zeile 52 kannst Du einen Verlustrücktrag in der Höhe begrenzen oder vermeiden. Dies ist sinnvoll, wenn der im Vorjahr festgestellte private Veräußerungsgewinn für die Verrechnung nicht ausreicht. Den verbleibenden Verlustvortrag stellt dann das Finanzamt im Steuerbescheid gesondert fest. 

Autor
Udo Reuß

15. Oktober 2020


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