Fidor Bank

Girokonto, Sparbriefe und Kreditkarte ohne Schufa

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 07. November 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Fidor Bank aus München bietet ihren Kunden Bankdienstleistungen im Internet an. Dabei setzt sie einen Schwerpunkt auf soziale Medien.
  • Die Fidor Bank ist mehrheitlich im Besitz der französischen Bankengruppe BPCE. Damit erfüllen die angebotenen Sparprodukte die Finanztip-Stabilitätskriterien.
  • Die wichtigsten Produkte sind das Girokonto, die Mastercard-Kreditkarten und das Festgeld (Fidor Bank Sparbriefe).
  • Zudem vermittelt die Fidor Bank weitere Dienstleistungen wie Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) und Privatkredite (Social Lending).
  • Seit Juli 2016 bietet Fidor zusammen mit dem Mobilfunk-Unternehmen O2 ein Girokonto für Smartphones an. Die Konditionen halten nicht mit denen der Finanztip-Empfehlungen mit, die Banken bekommen aber dadurch Konkurrenz aus einem neuen Geschäftszweig.
  • Wenn Sie ein preiswertes Girokonto suchen, finden Sie das über den Finanztip-Girokontorechner.

Crowdfunding und 50 Cent für Retweets: Mit diesen und ähnlichen Aktionen hat sich die Fidor Bank vor allem bei Jüngeren einen Namen gemacht. Die Bank bietet ihre Finanzdienstleistungen ausschließlich über das Internet an und setzt dabei soziale Medien ein, um Kunden an sich zu binden.

Interessant ist die Bank für Menschen mit einer negativen Schufa-Bewertung: Sie hat eine Kreditkarte ohne Schufa-Abfrage im Programm. Außerdem bietet sie ein Girokonto und eine weitere Kreditkarte an. Kunden können ihr Geld auch in sogenannten Sparbriefen anlegen. Das funktioniert ähnlich wie Festgeld. Aber wie gut sind die Leistungen der Fidor Bank wirklich?

Das bietet das Girokonto

Beim „Smart Girokonto“ fallen keine Kontoführungsgebühren an. Wer das Konto als Gehaltskonto nutzt, erhält pro Monat eine Gutschrift von 1 Euro. Dazu muss das Gehalt mehr als 1.000 Euro betragen.

Falls das Girokonto nicht ausreichend gedeckt ist, fallen Dispozinsen von derzeit 7,49 Prozent nominal pro Jahr an. Die Bank ruft für den Dispo Daten bei der Auskunftei Creditreform Boniversum ab. Außerdem wertet die Bank eigene Daten über den Kunden aus. Sie setzt bei jeder Anfrage die Höhe des Dispokredits individuell fest.

Zusätzlich bietet das Unternehmen seinen Kunden ein Bonusprogramm mit vielen Extras an: So erhalten sie beispielsweise bis zu 50 Cent, wenn sie Twitter-Nachrichten der Fidor Bank retweeten. Dazu müssen die Kunden aber mindestens 100 Follower haben.

Guthaben auf dem Girokonto verzinst die Bank inzwischen nicht mehr. Wir raten Ihnen sowieso, größere Beträge lieber auf von uns empfohlenen Tagesgeldkonten anzulegen. Wir nennen in unserem Ratgeber Banken mit guter Bonität, die höhere Zinsen zahlen. Die Finanzkraft der Fidor Bank wird derzeit nämlich nicht von den großen Ratingagenturen bewertet. Einlagen sind aber über den deutschen Einlagensicherungsfonds geschützt.

Ein Nachteil am Fidor-Girokonto ist, dass Kunden keine Girokarte erhalten. Stattdessen kombinieren sie es mit einer der beiden Kreditkarten, eine davon mit Maestro-Funktion. Sie können wählen, welche der beiden Karten Sie zum Girokonto nutzen wollen.

Mit unserem Girokontorechner das beste Konto finden

Ihr monatlicher Geldeingang

Finanztip-Kommentar: Zum monatlichen Geldeingang gehören zum Beispiel Gehalt, Rente und Bafög. Der Geldeingang kann die Kontogebühren beeinflussen.

Brauchen Sie eine Kreditkarte?

Finanztip-Kommentar: Bei einigen Konten ist die Kreditkarte immer dabei, bei anderen buchen Sie die Karte auf Wunsch dazu.

Wo möchten Sie kostenlos abheben?
Brauchen Sie eine Filiale?

Der Finanztip-Girokontorechner basiert auf Daten von Banken, die der Dienstleister Financeads GmbH Co KG, Nürnberg (Datenschutzhinweise), zur Verfügung stellt. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass nur bundesweit verfügbare Banken angezeigt werden, die ein verbraucherfreundliches Girokonto nach den Finanztip-Kriterien anbieten. Die Auswahl der Banken mit Girokonten erhebt keinen Anspruch auf einen vollständigen Marktüberblick. Die teilnehmenden Banken finden Sie am Ende des Artikels. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Kreditkarten der Fidor Bank

Debit-Mastercard

Die Karte kostet 14,95 Euro pro Jahr. Damit kostet sie 6 Euro mehr als die Prepaid-Kreditkarte, die Fidor zuvor im Programm hatte. Sie können mit der Karte einmal pro Monat kostenlos Geld abheben. Ab dem zweiten Mal werden 2,50 Euro pro Vorgang fällig. Wenn Sie mit der Karte außerhalb der Eurozone bezahlen oder abheben, fällt eine Fremdwährungsgebühr von 1,5 Prozent an.

Die Smartcard von Mastercard

Die Fidor Bank erweitert ihr Kartenangebot mit einem Kombiprodukt: Die sogenannte Smartcard funktioniert als Kreditkarte von Mastercard und als Maestro-Debitkarte. Die Bank ruft für die Karte Verbraucherdaten bei Boniversum ab.

Am Girocard-System nimmt die Bank bislang nicht teil. Wenn Händler weder Maestro noch Kreditkarte akzeptieren, können die Kunden mit der Karte nicht zahlen. Geld an einem Bankschalter bekommen sie damit auch nicht.

Bei der Karte fällt keine Jahresgebühr an. Kosten entstehen aber, wenn Kunden Geld am Automaten abheben. Nur zweimal im Monat ist das Abheben kostenlos, für jedes weitere Mal fallen 2 Euro an. Falls Verbraucher in einem Monat mal kein Geld abheben, erhalten sie im Gegenzug einen Bonus von 2 Euro. Wenn sie nur einmal Geld abheben, beträgt der Bonus noch 1 Euro. Bedingungen für diese Zahlungen sind 399 Euro monatlicher Mindestgehaltseingang und drei Kartenzahlungen im Monat. Wenn Kunden Geld im Ausland abheben oder in einer anderen Währung bezahlen, fällt eine Fremdwährungsgebühr von 1,5 Prozent an.

Wir raten aufgrund der Kosten  von diesem Kontomodell ab. Stattdessen empfehlen wir Girokonten mit kostenlose Kreditkarten, bei denen Verbraucher nichts beim Abheben zahlen müssen.

Daten auf Kreditkarten auslesbar

Bei den Karten der Fidor Bank handelt es sich um NFC-Karten, mit denen Kunden kontaktlos bezahlen können. Im Februar 2016 gerieten die Kreditkarten der Fidor Bank ebenso wie die von Number26 und Miles & More damit allerdings in die Schlagzeilen: Es ist möglich, Daten zu den letzten zehn Transaktionen vom NFC-Chip der Kreditkarte auszulesen. Dies sei die Standard-Einstellung des Chips auf der Mastercard. Zum Auslesen ist lediglich eine App auf einem Smartphone erforderlich. Die Verbraucher müssen das Telefon dazu jedoch nah an die Karte halten.

Laut der Fidor Bank handelt es sich jedoch nicht um personenbezogene Daten: Weder Name, noch Geburtsdatum oder Adresse des Karteninhabers könnten so ausgelesen werden, auch nicht Daten zum Händler oder gar die Kartenprüfziffer. Auf dem Chip der Karte werden jedoch die Kartennummer, ihr Ablaufdatum sowohl die letzten zehn Transaktionen gespeichert.

Die Fidor Bank sieht das eigenen Angaben zufolge nicht als Datenleck oder Risiko für die Kunden an und will ausgegebene Karten deshalb auch nicht zurückrufen. Das Unternehmen prüft, ob es die aktuellen Chip-Einstellungen beibehält und die Datenschutzbestimmungen ändert. Falls das Kunden nicht reicht, müssen sie sich eine andere Bank suchen. Nicht alle Kreditkarten sind so auslesbar.

Fidor Bank Sparbriefe

Die Fidor Bank bietet Festgeld in Form von Sparbriefen an. Die Laufzeiten der Fidor Bank Sparbriefe liegen zwischen 3 bis 36 Monaten. Der Anlagebetrag muss zwischen 100 und 100.000 Euro liegen. Je länger die Laufzeit, desto höher ist der Zins. Ein Fidor Bank Sparbrief funktioniert ähnlich wie Festgeld: Der Zinssatz steht für die gesamte Laufzeit fest, die Zinsgutschrift erfolgt allerdings erst am Ende der Laufzeit. Eine Kündigung während der Laufzeit ist grundsätzlich nicht möglich. In nachstehender Tabelle haben wir die derzeitigen Zinssätze der Fidor Bank Sparbriefe aufgelistet.

Zinskonditionen Fidor Sparbrief

Laufzeit in Monaten36912182436486072
Zinsen in Prozent pro Jahr0,150,20,250,30,50,60,70,80,91

Quelle: Webseite Fidor Bank (Stand: 7. November 2018)

Weitere Angebote der Fidor Bank

Neben klassischen Bankprodukten bietet die Fidor Bank noch einige zusätzliche Dienstleistungen an. Diese zielen vor allem auf junge Leute ab, die sich viel in sozialen Netzwerken tummeln. Wir stellen einige dieser Angebote vor.

24-Stunden-Geld-Notruf - Haben Sie auf Ihrem Fidor-Girokonto in den vergangenen zwölf Monaten einen Mindestumsatz von 1.000 Euro erbracht, können Sie über den sogenannten 24-Stunden-Geld-Notruf einen Kredit über 100 Euro für 30 Tage oder über 199 Euro für 60 Tage in Anspruch zu nehmen. Für beide Varianten beträgt die Gebühr 6 Euro. Die Bank überprüft für den Notruf Ihre Bonität. Formulare müssen Sie nicht ausfüllen. Den höheren Kredit können Sie nur aufnehmen, wenn Sie bereits einen Geld-Notruf abgezahlt haben.

Wir raten Ihnen von diesen Krediten ab, da sie extrem teuer sind. Denn 6 Euro Gebühr für einen Kredit mit einer Laufzeit von 30 Tagen ergibt auf zwölf Monate hochgerechnet einen effektiven Zinssatz von 101,2 Prozent pro Jahr. Bei 199 Euro und 60 Tagen sind es immerhin noch rund 19,51 Prozent. Fidor selber kommt auf einen Zins von 72 beziehungsweise 18,08 Prozent.

Social Lending - Die Fidor Bank bietet Ihnen die Möglichkeit, anderen Community-Nutzern einen Kredit zu geben. Sie können sich aber auch selbst Geld leihen, falls Sie jemand finden, der dazu bereit ist. Diese Kredite sind zinsfrei und auf höchstens 500 Euro begrenzt. Es wird lediglich eine Gebühr von 0,49 Euro fällig.

Außerdem vermittelt die Bank auch größere Darlehen in Kooperation mit dem Unternehmen Smava. Auf dessen Kreditplattform können Sie sich Geld von Privatpersonen borgen. Das kann in manchen Fällen günstiger sein als die traditionelle Vermittlung von Ratenkrediten.

Sie können über die Fidor Bank bei Smava auch Geld anlegen. Sie leihen dazu anderen Privatpersonen Geld und erhalten im Gegenzug Zinsen. Es ist jedoch kaum möglich, die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls der Gegenseite einzuschätzen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Sie Ihr angelegtes Geld nicht vollständig zurückbekommen.

Crowdinvesting - Im Rahmen von Crowdinvesting können Sie gemeinsam mit anderen Nutzern Unternehmen mit Geld unterstützen. Auch beim Crowdinvesting ist es sehr schwierig, die Erfolgsaussichten und damit die Gewinnchancen richtig einzuschätzen.

O2-Girokonto

Fidor startete im Juli 2016 mit dem Telefonkonzern O2 eine Banking-App. Das Geld der Kunden liegt dabei bei Fidor, die Bank gibt auch die Kreditkarte zum Konto aus. Das „O2 Banking“ genannte Produkt lässt sich nur über ein Smartphone nutzen. Das erinnert an das Smartphone-Konto von N26 (früher: Number26). Genau wie bei N26 ist die Kreditkarte von Mastercard kostenlos dabei, und die Kunden können an eine Handynummer Geld überweisen, ohne die IBAN zu kennen.

Für die Kunden sind drei Abhebungen im Monat kostenlos, danach verlangt der Anbieter 2,99 Euro. Falls Nutzer mit der Kreditkarte in einer anderen Währung als Euro bezahlen oder Geld abehen, fallen 1,75 Prozent vom Umsatz als Gebühr an. Der Dispo ist mit 8,99 Prozent recht hoch.

Mit dem Angebot bekommen klassische Banken zusätzlich Konkurrenz: Sie müssen nicht nur auf neue Finanzdienstleister (Fintechs) reagieren, sondern auch auf Unternehmen aus völlig anderen Geschäftszweigen.

Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 07. November 2018


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