Kosten für Heilpraktiker als außergewöhnliche Belastung

Alternative Behandlungsmethoden, z.B. durch Heilpraktiker finden immer mehr Anklang und werden zunehmend auch von der "normalen" Schulmedizin anerkannt. Diese Erkenntnis hat sich jedoch bei vielen Krankenkassen, aber auch bei vielen Finanzbeamten noch nicht durchgesetzt. Zumindest die gesetzlichen Krankenkassen verweigern häufig die übernahme von Kosten für homöopathische Behandlungen oder alternative Therapien, z.B. Akupunktur oder Akupressur. Die Praxis zeigt, dass auch viele Finanzbeamte diesen alternativen Heilverfahren offensichtlich sehr skeptisch gegenüber stehen.
Wenn der betroffene Patient nämlich versucht, diese Kosten im Rahmen der Steuererklärung als Krankheitskosten nach § 33 EStG (außergewöhnliche Belastungen) abzuziehen, wird dieser Abzug häufig mit dem Argument abgelehnt, nur die Behandlung bei einem zugelassenen Arzt sei abzugsfähig. Arznei- und Heilmittel könnten nur dann steuerlich abgezogen werden, wenn dafür ein ärztliches Rezept vorliege. Eine solche Ablehnung sollten Sie sich nicht gefallen lassen, wie ein schon älteres Urteil des BFH vom 6.4.1990 zeigt. Zwar haben die Richter des BFH im Urteils-Leitsatz ausgeführt, dass die Kosten für "Arzneimittel ohne schriftliche ärztliche Verordnung" in aller Regel nicht abzugsfähig sind. Diese auf den ersten Blick sehr enge Auslegung wird jedoch in der Urteilsbegründung relativiert.

Der BFH stellt in der Urteilsbegründung ausdrücklich fest, dass die Kosten "für die Konsultation von ärzten und anderen, zur Ausübung der Heilkunde zugelassenen Personen sowie für die von diesen verordneten therapeutischen Maßnahmen" unter die Krankheitskosten fallen, die als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden können. Die Richter des BFH haben dabei ganz konkret die Personen aufgelistet, die zur Ausübung der Heilkunde zugelassen sind:

  • Ärzte
  • Heilpraktiker
  • Krankengymnasten
  • Psychotherapeuten

Diese Rechtsauffassung hat der BFH zwischenzeitlich mehrfach bestätigt, so z.B. in seinem Urteil zum Anerkennung von Sportkosten als Krankheitskosten in Ausnahmefällen. Dabei darf das Finanzamt keine zu strengen Voraussetzungen an den Abzug der einzelnen Kosten stellen. In der Regel gehören die Kosten für die eigentliche Heilbehandlung typischerweise zu den steuerlich abzugsfähigen Krankheitskosten, ohne dass das Finanzamt prüfen darf bzw. muss, ob diese Kosten dem Grund und der Höhe zwangsläufig entstanden sind.

Damit Sie die Kosten für altenative Behandlungsmethoden steuerlich absetzen können, sollten Sie also darauf achten, dass die Behandlung bei jemandem erfolgt, der die Zulassung als Arzt, Heilpraktiker, Krankengymnast oder Psychotherapeuten hat. Sofern ein Arzt z.B. eine Behandlung durch Akupunktur selbst durchführt oder verordnet, sind die Kosten also immer steuerlich abzugsfähig, ebenso die Medikamente und Behandlungen, die von einem Heilpraktiker verordnet werden. Nicht abzugsfähig sind dagegen die Kosten für vorbeugende, der Gesundheit ganz allgemein dienende Maßnahmen (z.B. Vitaminpräparate, Stärkungsmittel) oder die Folgekosten einer Krankheit, z.B. durch das Einhalten einer Diät. In jüngeren Urteilen hat der BFH außerdem die Kosten für Frischzellenkuren oder den Besuch eines Geistheilers nicht zum Abzug zugelassen. Pech hatte übrigens der Steuerzahler, der das besprochene Urteil aus 1990 erstritten hat: Er hatte für über 1.000 Euro medizinische Fachliteratur angeschafft. Dieses Gesundheitsbewußtsein hatte die Richter jedoch nicht beeindruckt: Sie lehnten den Abzug als Krankheitskosten ab. Quelle: BFH, Urteil vom 6.4.1990, BStBl 1990, Teil II Seite 432,
zur Anerkennung von Sportkosten als Krankheitskosten in Ausnahmefällen Urteil vom 14.8.1997, BStBl 1997, Teil II Seite 732

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