Bewertungszahl Bausparvertrag Diese Zahl entscheidet, wann Du Dein Bauspargeld bekommst

Dirk Eilinghoff
Dirk Eilinghoff
Experte Immobilien

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bewertungszahl entscheidet darüber, wann Du das Geld aus Deinem Bausparvertrag bekommst.
  • Die Bausparkasse berechnet die Zahl für jeden ihrer Verträge zu einem Bewertungsstichtag.
  • Wenn Du regelmäßig den vereinbarten Bausparbeitrag leistest, erreichst Du die notwendige Bewertungszahl zu Deinem Wunschtermin.
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Was Finanztip ausmacht
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Was ist die Bewertungszahl beim Bausparvertrag?

Die Bewertungszahl ist eine Art Maßzahl, die Dir zeigt, wie nah Du an der Zuteilung Deines Bausparvertrags bist. Wenn Dein Vertrag zugeteilt wird, kannst Du entweder nur das Guthaben auszahlen lassen oder zusätzlich auch das Bauspardarlehen beantragen.

Um die Zuteilung zu erreichen, muss Dein Vertrag zu einem bestimmten Bewertungsstichtag die Mindestbewertungszahl erreichen.

Damit dies gelingt, berechnest Du Deinen Bausparvertrag vor dem Abschluss vorab online oder mit dem Berater. Du legst dann jeweils zwei der folgenden drei Rechengrößen des Vertrags fest:

  • die Summe, die Du bei Auszahlung Deines Guthabens und des Bauspardarlehens insgesamt erhalten möchtest, also die Bausparsumme,
  • die monatlichen Zahlungen, die Du auf Dein Bausparkonto leisten möchtest, also Deinen Sparbeitrag, und schließlich
  • den Termin, an dem die Bausparsumme zur Verfügung stehen soll.

Der Vertrag wird dann so berechnet, dass er zu Deinen Wünschen passt.

Ein Beispiel: Erik möchte in acht Jahren einen Betrag von 50.000 Euro zur Verfügung haben, um seine Wohnung zu modernisieren. Sein Bausparberater berechnet für Erik, dass er monatlich 250 Euro sparen muss, damit das klappt. Erik erhält dann sein angespartes Guthaben von 24.000 Euro ausgezahlt. Zusätzlich kann er ein Bauspardarlehen von 26.000 Euro beantragen.

Um die Bewertungszahl seines Vertrags muss sich Erik also nicht kümmern. Sein Vertrag ist von Anfang an so berechnet, dass er die notwendige Bewertungszahl zum gewünschten Zeitpunkt erreicht.

Dirk Eilinghoff

Die Bewertungszahl ist eine technische Zahl, die die Bausparkassen automatisch berechnen. Du solltest sie zwar kennen, kannst Dich für Deine Planungen aber an den Eckdaten aus der Bausparberechnung orientieren.

Dirk Eilinghoff
Unser Finanztip-Experte für Immobilien

Wie wird die Bewertungszahl berechnet?

Die Bausparkasse berechnet Deine Bewertungszahl mit einer Formel. Allerdings ist diese nicht für alle Bausparkassen einheitlich: Jede Bausparkasse legt sie selbst in ihren Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB) fest.

Mit der Bewertungszahl und der Bewertungsformel steuert die Bausparkasse im Zeitverlauf ihre Einzahlungen und Auszahlungen.

Auch hierzu ein stark vereinfachtes Beispiel: Im Jahr 2026 schließen zehn Bausparer einen neuen Vertrag über eine Bausparsumme von jeweils 20.000 Euro ab. Sie wollen jeweils nach acht Jahren ihre Bausparverträge nutzen und sollen ein Bauspardarlehen von jeweils 10.000 Euro erhalten. Die Verträge erreichen zu diesem Zeitpunkt die notwendige Bewertungszahl.

Die Bausparkasse bereitet sich also darauf vor, im Jahr 2034 Bauspardarlehen und -guthaben in Höhe von 200.000 Euro auszuzahlen. Sie finanziert diese Ausgabe einerseits mit dem Guthaben der nachfolgenden Bausparer und andererseits mit den Rückzahlungen aus älteren Darlehen. Die jüngeren Verträge haben die notwendige Bewertungszahl noch nicht erreicht, die Bausparer müssen also noch warten, bis sie an der Reihe sind.

Eine ganz einfache Bewertungsformel kann wie folgt aussehen:

  • Alte Bewertungszahl + Guthaben/Bausparsumme = neue Bewertungszahl

Ein Beispiel: Laura hat einen Bausparvertrag über 50.000 Euro abgeschlossen. Die Mindestbewertungszahl zu ihrem Vertrag ist 8,1. Laura zahlt monatlich 250 Euro in den Vertrag ein. Bereits am Ende des ersten Monats wird ihr Vertrag bewertet:

  • 0 + 250/50.000 = 0,005

Ihre Bewertungszahl ist also noch sehr niedrig.

Mit jedem weiteren Monat wächst die Bewertungszahl jedoch, und auch der Aufschlag, also der Teil Guthaben/Bausparsumme in der Formel, wird immer größer. Nach vier Jahren, also 48 Monaten, hat Lauras Vertrag eine Bewertungszahl von 5,88 erreicht, die Mindestbewertungszahl von 8,1 überschreitet der Vertrag nach 57 Monaten.

Welche Faktoren beeinflussen die Berechnung der Bewertungszahl?

Die beiden wesentlichen Faktoren, die die Bewertungszahl Deines Vertrags beeinflussen sind:

  • das Guthaben, das Du bereits erreicht hast, und
  • die Spardauer, also wie lange Du bereits Beiträge geleistet hast.

Diese beiden Faktoren müssen ins Verhältnis zu den zukünftigen Auszahlungen gesetzt werden. Ein weiterer Faktor ist also:

  • die Bausparsumme.

Manche Bausparkassen beziehen weitere Faktoren in ihre Formel ein, etwa:

  • das Mindestsparguthaben in dem jeweiligen Tarif,
  • die Summe der Guthabenzinsen oder
  • einen festen Bewertungsfaktor.

Da jede Bausparkasse eigene Faktoren nutzt, lässt sich Deine Zahl nicht mit anderen Anbietern vergleichen.

Unabhängig von den Details der Formel bleibt der Grundansatz immer gleich: Je höher Dein Guthaben und je länger Deine Ansparzeit, desto höher ist Deine Bewertungszahl.

Die Bausparsumme wirkt dagegen bremsend. Sie steht direkt oder als Faktor im Nenner der Formel. Bei gleichem Guthaben erreichst Du also mit einer niedrigeren Bausparsumme schneller eine hohe Bewertungszahl.

Wie hoch sollte die Bewertungszahl sein?

Deine Bewertungszahl sollte mindestens die Mindestbewertungszahl Deines Tarifs erreichen, damit Dein Vertrag zuteilungsreif wird. Diese Mindestzahl legt jede Bausparkasse selbst in den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB) fest. Aufgrund der unterschiedlichen Bewertungsformeln kann sie bei 3 liegen, aber auch bei 1.200, je nach Bausparkasse und Tarif.

Für Dich bedeutet das: Prüfe in Deinen ABB, welche Mindestbewertungszahl für Deinen Vertrag gilt. Spare regelmäßig, bis Du diesen Wert erreichst. Wie nah Du Deinem Ziel bist, siehst Du, wenn Du Deine aktuelle Bewertungszahl mit der Mindestbewertungszahl vergleichst.

Wie kannst Du Deine Bewertungszahl verbessern?

Du verbesserst Deine Bewertungszahl, indem Du kontinuierlich den festgelegten Sparbeitrag überweist. Mit wachsendem Guthaben und immer längerer Ansparzeit wächst Deine Bewertungszahl automatisch, denn beide Faktoren fließen in die Berechnung ein.

Zahlst Du sogar außerplanmäßig ein, steigt Dein Guthaben – und damit Deine Bewertungszahl – schneller.

Über diesen geplanten Verlauf hinaus gibt es aber Strategien, mit denen Du die Bewertungszahl schneller erhöhen kannst.

Welche Strategien helfen, die Bewertungszahl zu erhöhen?

Mit folgenden Strategie kannst Du Deine Bewertungszahl erhöhen:

  • Zahle Sonderbeträge früh im Vertragsverlauf ein
  • Erhöhe Deine monatliche Sparrate
  • Wechsle den Tarif
  • Verringere die Bausparsumme

Alle Änderungen an den Zahlungen solltest Du vorab mit Deiner Bausparkasse abstimmen. Je nach den Bedingungen Deines Vertrags muss die Bausparkasse diesen Zahlungen sogar zustimmen. Für Vertragsänderungen wie einen Tarifwechsel benötigst Du immer die Mitwirkung und Zustimmung der Bausparkasse.

Tipp: Du musst dafür nicht mit dem Berater vor Ort sprechen, sondern kannst Dich direkt an die Zentrale wenden. Die Kontaktdaten findest Du in Deinen Bausparunterlagen.

Die einzelnen Strategien setzen an unterschiedlichen Stellen der Bewertungsformel an, um die Bewertungszahl zu erhöhen.

Wie verbessern höhere und frühere Einzahlungen die Bewertungszahl?

Jede Einzahlung wirkt sich umso stärker aus, je länger sie auf dem Konto bleibt. Zahlst Du also möglichst früh im Vertragsverlauf zusätzliches Geld ein, sammelt dieses Guthaben mehr Zeitpunkte an.

Du kannst also entweder den regelmäßigen Sparbeitrag erhöhen oder eine Sonderzahlung leisten.

Beispiel: Thomas erhält eine Steuererstattung von 2.000 Euro. Nach Rücksprache mit seiner Bausparkasse zahlt er den Betrag im dritten Vertragsjahr in seinen Bausparvertrag ein. Weil das Geld noch Jahre vor der geplanten Zuteilung angelegt ist, fließt bei jedem Berechnungstermin ein höheres Guthaben in seine Bewertungszahl ein; die Bewertungszahl steigt damit schneller als ohne diese Zahlung.

Wie erhöht ein Wechsel des Tarifs die Bewertungszahl?

Wechselst Du etwa in einen Tarif mit niedrigerer Mindestbewertungszahl, erhöhst Du unter Umständen die Bewertungszahl.

Dass Du den Tarif wechseln kannst, liegt daran, dass jede Bausparkasse Verträge mit unterschiedlichen Eckdaten anbietet. Jede Bausparkasse hat etwa eine Handvoll von Tarifen, jeweils mit unterschiedlichen Varianten. Die Varianten können jeweils unterschiedliche Zinssätze und unterschiedliche Mindestbewertungszahlen oder Bewertungsfaktoren haben.

Was bringt eine Herabsetzung der Bausparsumme?

Da die Bausparsumme im Nenner der Bewertungsformel enthalten ist, steigt die Bewertungszahl, wenn die Bausparsumme sinkt. Erreichen kannst Du dies, indem Du die Bausparsumme und das Guthaben auf neu zu bildende Verträge aufteilst.

Ein Beispiel: Lena hat einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von 100.000 Euro; angespart hat sie bisher 25.000 Euro. In Absprache mit der Bausparkasse teilt sie den Bausparvertrag in zwei Verträge mit je 50.000 Euro Bausparsumme. Das Guthaben geht komplett in den ersten Vertrag. Weil sie dort bereits die Hälfte der Bausparsumme angespart hat, kommt der Vertrag zeitnah in die Zuteilung.

Was passiert, wenn die Bewertungszahl erreicht ist?

Erreichst Du die Mindestbewertungszahl, nimmt Deine Bausparkasse Deinen Vertrag in die Zuteilungsmasse auf. Die Zuteilung selbst folgt aber erst später. Die Bewertungszahl ist nur ein Kriterium unter mehreren. Zusätzlich prüft Deine Bausparkasse, ob genug Geld im sogenannten Zuteilungstopf vorhanden ist. Dieser Topf speist sich aus den Einzahlungen aller Sparer Deines Tarifs.

Reicht das Geld im Topf nicht aus, wartest Du trotz erreichter Bewertungszahl auf einen späteren Zuteilungstermin. Ist genug Guthaben vorhanden, erhältst Du meist innerhalb weniger Wochen eine Mitteilung über die Zuteilung. Neben der Information über die Zuteilung enthält das Schreiben in der Regel auch direkt einen Antrag, auf dem Du angibst, ob Du nur Dein Guthaben ausgezahlt haben möchtest oder ob Du auch gleich das Bauspardarlehen beantragen möchtest.

Beispiel: Julia erreicht im Januar die Mindestbewertungszahl ihres Tarifs. Weil im gleichen Monat viele andere Verträge die Mindestbewertungszahl erreichen, reicht der Zuteilungstopf nicht aus. Sie erhält ihre Zuteilung deshalb erst drei Monate später.

Für Dich bedeutet das: Die Bewertungszahl allein garantiert keine sofortige Zuteilung. Behalte deshalb auch die Zuteilungstermine Deiner Bausparkasse im Blick und kontaktiere die Bausparkasse rechtzeitig vor dem errechneten Zuteilungstermin.

Wie läuft der Vertrag nach Erreichen der Bewertungszahl weiter?

Erreichst Du die Bewertungszahl und ist Dein Vertrag zuteilungsreif, musst Du nicht unbedingt eine Auszahlung beantragen. Du kannst den Vertrag auch einfach weiterlaufen lassen.

Nachdem seit dem Abschluss des Vertrags mehrere Jahre verstrichen sind, kann es durchaus sein, dass Du inzwischen ganz andere Pläne hast.

Und Du bist damit nicht allein: Viele Sparer lassen den Vertrag einfach weiterlaufen, weil sie noch keine konkreten Baupläne haben. Die Abbuchung der Bausparkasse läuft dann einfach weiter.

Allerdings sinkt mit steigendem Guthaben auch der Teil der Bausparsumme, der als Darlehen vorgesehen war.

Beispiel: Markus erreicht die Zuteilungsreife, hat aber noch kein Baugrundstück gefunden. Er hofft immer noch, dass seine Gemeinde in wenigen Jahren ein neues Baugebiet ausschreibt. Markus lässt den Vertrag also einfach weiterlaufen. Allerdings ändert sich damit das Verhältnis von Guthaben zu Darlehen. Ursprünglich sollte er bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro die Hälfte, also 25.000 Euro, ansparen. Das Bauspardarlehen sollte demnach 25.000 Euro betragen. Da er aber weiter spart, hat er nach zwei weiteren Jahren bereits 30.000 Euro angespart. Sein Darlehensanspruch ist damit auf nur 20.000 Euro gesunken.

Für Dich bedeutet das: Prüfe rund um die Zuteilung Deine Bau- oder Kaufpläne. Entscheide Dich dann bewusst für eine Auszahlung oder dafür, den Vertrag weiter laufen zu lassen.