E-Scooter

Auf die Elektroroller, fertig, los

Anja Ciechowski Stand: 31. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Um E-Scooter zu nutzen, brauchen Sie keinen Führerschein. Genauso wenig gibt es eine Helmpflicht. 
  • Schon 14-Jährige dürfen E-Scooter fahren. Allerdings nicht die gemieteten.
  • Fahren müssen Sie auf dem Radweg. 
  • Achtung: Sind Sie ohne Versicherung und Zulassung unterwegs, riskieren Sie empfindliche Strafen.
So gehen Sie vor
  • Achten Sie beim Kauf darauf, dass der E-Scooter über eine Allgemeine Betriebserlaubnis verfügt und damit zugelassen ist für den Straßenverkehr. Viele Modelle werden ohne verkauft.
  • Erfüllt Ihr Elektro-Tretroller nicht die technischen Anforderungen für die Zulassung, müssen Sie nachrüsten und eine Einzelbetriebserlaubnis beantragen.
  • Mit der Zulassung schließen Sie dann eine Versicherung für Ihren E-Scooter ab. Pflicht ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Diese können Sie um eine Teilkaskoversicherung erweitern.
  • Unsere Übersicht zeigt die Angebote verschiedener Versicherungen. Die Preise für die Haftpflichtversicherung liegen zwischen 14 und 140 Euro im Jahr.

Sie sind klein, leicht, wendig und damit das ideale Fortbewegungsmittel in überfüllten Städten. Seit dem 15. Juni sind E-Scooter auch auf deutschen Straßen zugelassen. Allerdings nur mit Allgemeiner Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz.

Was sind E-Scooter?

E-Tretroller sind der neuste Schrei in Sachen Elektromobilität. Mit bis zu 20 Kilometer pro Stunde können Sie auf den Rollern durch die Stadt düsen – aber nur auf Radwegen. Gehwege und Fußgängerzonen sind für die batteriebetriebenen Flitzer tabu. Sind keine Fahrradwege vorhanden, dürfen E-Scooter auf die Straße ausweichen.

Fahrer brauchen weder Führerschein noch Mofa-Prüfbescheinigung; bereits 14-Jährige dürfen E-Scooter fahren. Selbst ein Helm ist nicht zwingend notwendig – aber empfehlenswert. Denn häufig überschätzen sich die Roller-Fahrer. Sie fahren zu schnell, nehmen die Kurve zu scharf oder bleiben an einer hohen Bordsteinkante hängen.

Im Straßenverkehr müssen die leisen Gefährte mit Klingel, Scheinwerfer und Reflektoren auf sich aufmerksam machen. Und wenn ein Weg doch mal zu weit ist, auch kein Problem. Die meisten Modelle lassen sich zusammenklappen und so bequem mit Bus und Bahn transportieren – häufig sogar kostenlos.

Viele Verkehrsbetriebe behandeln zusammengeklappte E-Scooter wie Gepäckstücke. Und für die braucht es bekanntlich keinen zusätzlichen Fahrschein. Bisher gibt es jedoch noch keine einheitlichen Regelungen. Daher darf jedes Verkehrsunternehmen für sich entscheiden, ob und zu welchen Bedingungen es die Mitnahme im öffentlichen Nahverkehr erlaubt.

E-Scooter, E-Moped, E-Motorroller – das sind die Unterschiede

Die Begriffe E-Roller, E-Scooter oder E-Moped werden oft synonym verwendet. Dennoch verbergen sich dahinter vollkommen unterschiedliche Fahrzeuge. Lediglich der akkubetriebene Motor und die Kategorisierung als Kraftfahrzeug ist ihnen gemein. Daher sind E-Scooter nicht zu verwechseln mit Elektromotorrollern oder E-Mopeds. Die sind nicht nur größer, sondern auch mit etwas mehr PS auf den Straßen unterwegs.

Denken Sie unbedingt daran, wenn Sie sich um den Versicherungsschutz für Ihr Fahrzeug kümmern. Auch wenn sich die Versicherung für E-Scooter an der Rollerversicherung orientiert, gilt eine Moped-Haftpflichtversicherung in den seltensten Fällen auch für E-Tretroller.

Brauchen E-Scooter eine Straßenzulassung?

Bevor der Fahrspaß beginnen kann, benötigen Sie für Ihren E-Scooter eine Straßenzulassung. In der Regel beantragen die Hersteller eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für ihre Elektro-Stehroller. Das Kraftfahrt-Bundesamt erteilt sie jedoch nur, wenn die motorisierten Flitzer neben Licht, Klingel und Lenkstange noch weitere Anforderungen erfüllen. Denn sie müssen der Straßenverkehrsordnung und der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) entsprechen.

Die zu erfüllenden Kriterien beziehen sich unter anderem auf das Maximalgewicht, den Manipulationsschutz und die Batteriesicherheit. Außerdem müssen E-Scooter über zwei voneinander unabhängige Bremsen verfügen und dürfen nicht mehr als 70 Zentimeter breit, 140 Zentimeter hoch und 200 Zentimeter lang sein.

Bisher können lediglich acht Hersteller (Stand: Juli 2019) eine ABE für acht E-Scooter-Modelle vorweisen. Daher finden sich momentan nur sehr wenige E-Scooter mit Straßenerlaubnis in den Geschäften oder Online-Shops. Achten Sie unbedingt beim Kauf darauf, dass Ihr Elektroroller eine solche besitzt. Andernfalls dürfen Sie nicht legal damit fahren.

Dass ein E-Scooter tatsächlich zugelassen ist, erkennen Sie daran, dass der Roller ein Typenschild besitzt. Es befindet sich entweder auf der Unterseite oder am Rahmen des Fahrzeugs. Dort eingestanzt ist sowohl die Fahrzeugart „Elektrokleinstfahrzeug“ als auch die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN).

Wie bekomme ich nachträglich eine Zulassung?

Viele der bereits verkaufen E-Tretroller erfüllen nicht die Voraussetzungen, um am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen. Das heißt aber nicht, dass das so bleiben muss. Grundsätzlich können Sie für nicht zugelassene Modelle nachträglich eine Straßenerlaubnis beantragen.

Erfüllt Ihr E-Scooter alle technischen Voraussetzungen für eine Straßenzulassung, können Sie eine sogenannte Einzelbetriebserlaubnis (EBE) bei der zuständigen Zulassungsbehörde beantragen. Dann kontrolliert eine Prüfbehörde, ob Ihr Modell tatsächlich alle geforderten Punkte erfüllt und stellt Ihnen ein Gutachten aus, das Sie anschließend bei der Zulassungsstelle vorlegen.

Aufwendiger und kostspieliger wird es, wenn der Elektro-Tretroller die technischen Anforderungen nicht erfüllt. Denn dann müssen Sie nachrüsten. Einige Hersteller bieten dazu bereits Umbausätze an, damit Sie Alt-Fahrzeuge doch noch an die neue Verordnung anpassen können.

Erst wenn Sie nachgerüstet haben, können Sie einen technischen Dienst beauftragen, das notwendige Gutachten für die Straßenzulassung zu erstellen. Je nach Aufwand kann das aber richtig teuer werden – bis zu 1.800 Euro und mehr. Das lohnt sich in der Regel nicht, denn einen Roller mit Straßenzulassung bekommen Sie bereits für unter 1.000 Euro.

Unter Umständen können Sie die Kosten drücken. Fragen Sie beim Hersteller nach, ob er plant, eine ABE für das entsprechende Modell nachträglich zu beantragen. Falls ja, bitten Sie ihn darum, Ihren Roller zurückzunehmen und später mit Zulassung an Sie zurückzusenden. Alternativ können Sie ihn auch darum bitten, Ihnen die erforderlichen Prüfzeugnisse und Gutachten zu überlassen, damit Sie diese beim technischen Dienst vorlegen können. So verringert sich der Aufwand, den der Prüfdienst hat und somit auch die Kosten für das Gutachten. Sind alle Hürden genommen, können Sie bei der zuständigen Zulassungsbehörde die erforderliche EBE beantragen.

Wie teuer ist die Kfz-Haftpflicht für E-Scooter?

Mittlerweile haben erste Anbieter spezielle Scooter-Versicherungen auf den Markt gebracht. Die Haftpflicht-Verträge kosten zwischen 19 und 60 Euro jährlich. Fahrer, die jünger als 23 Jahre sind, müssen mit Aufschlägen rechnen.

Die E-Scooter-Haftpflicht deckt alle Schäden ab, die Sie bei einem Dritten verursachen, jedoch nur bis zu einer bestimmten, vertraglich festgelegten Summe. Wir empfehlen einen Vertrag mit einer Deckungssumme von mindestens 100 Millionen Euro je Schadensfall beziehungsweise 15 Millionen Euro je geschädigter Person.

Für Schäden am Roller kommt die Kfz-Haftpflicht nicht auf. Genauso wenig zahlt die Versicherung, wenn der E-Scooter gestohlen wird. Um Diebstahl, Brand- oder Sturmschäden abzudecken, brauchen Sie zusätzlich eine Teilkaskoversicherung. Die Kaskoversicherung kostet zwischen 12 und 40 Euro im Jahr zusätzlich. Dafür haben Sie im Falle eines Schadens meist eine Selbstbeteiligung von 150 Euro.

Unsere Tabelle zeigt Anbieter, die E-Scooter mit der von uns empfohlenen Deckungssumme versichern.

Jahresbeiträge von E-Scooter-Versicherungen

Anbieter

Haftpflicht (in Euro)

Haftplicht + Teilkasko
(in Euro)1

Huk-Coburg

19 (ab 23 Jahre)
29 (unter 23 Jahre)
27 (ab 23 Jahre)

36 (unter 23 Jahre)

Die Bayerische

27 (über 23 Jahre)
41 (unter 23 Jahre)

55 (über 23 Jahre) 
70 (unter 23 Jahre)

LVM

2968

Provinzial

29

kein Angebot

Generali2

3358

Sparkassen 
Versicherungen 

33

kein Angebot

 VHV

40 (ab 23 Jahre)
140 (unter 23 Jahre)

kein Angebot

DEVK

48 (ab 23 Jahre)
75 (18-22 Jahre)
95 (unter 18 Jahre)

78 (ab 23 Jahre)

125 (18-22 Jahre)

145 (unter 18 Jahre)

Helvetia

49

kein Angebot

Concordia    

53

kein Angebot

Gothaer

5489

Barmenia

54104

Allianz

54 (ab 23 Jahre)
86 (unter 23 Jahre)

98 (ab 23 Jahre)3

138 (unter 23 Jahre)

Bavaria Direkt

604

kein Angebot

Beiträge gerundet, Deckungssumme bei Haftpflicht mindestens 100 Mio. Euro je Schadensfall und 15 Mio. Euro je geschädigter Person
1Selbstbehalt von 150 €
2Beitrag für Juli 2019 bis 28. Februar 2020
3inklusive Mallorca-Police
4inklusive Diebstahl-Schutz
Quelle: Finanztip-Recherche, Websites der Anbieter (Stand: 30. Juli 2019)

So schließen Sie die Versicherung ab

Sie können die Haftpflicht für Ihren E-Tretroller entweder online abschließen oder vor Ort bei einem Versicherungsvermittler. Neben Ihren persönlichen Daten geben Sie auch Fahrzeugdaten an wie die FIN oder die Modellbezeichnung. Außerdem lässt sich der Vermittler die Zulassungspapiere von Ihnen zeigen.

Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie die Fahrzeugnummer (FIN) nicht mit der Seriennummer des Gefährts vertauschen – vor allem, wenn Sie den Vertrag im Internet schließen. Andernfalls laufen Sie nämlich Gefahr, dass die Versicherung im Schadenfall nicht zahlt oder Regress von Ihnen fordert.

Nach Abschluss erhalten Sie eine selbstklebende Versicherungsplakette. Sie dient als Nachweis, dass Ihr E-Scooter auch wirklich haftpflichtversichert ist. Den grünen Aufkleber mit fälschungssicherem Hologramm bringen Sie an der Rückseite  an – genau unterhalb des Scheinwerfers. Wie bei Mofas und Mopeds ist die Plakette nur begrenzt gültig und zwar vom 1. März bis zum 28. oder 29. Februar des Folgejahres.

Wenn Sie die Versicherung abgeschlossen haben, schickt Ihnen der Versicherer die Plakette auf dem Postweg zu. Alternativ können Sie den Versicherungsaufkleber auch in einer Filiale vor Ort abholen. Denken Sie daran: Wenn Sie Ihren Elektro-Flitzer jetzt versichern, brauchen Sie ab März 2020 einen neuen Aufkleber. Der hat dann eine andere Farbe. Nachdem Sie die Versicherung erneut abgeschlossen haben, bekommen Sie ihn wieder automatisch zugeschickt.

Übrigens können bereits Minderjährige eine Versicherung für ihren E-Tretroller abschließen. Allerdings erlauben dies nicht alle Versicherer. Eine Alternative ist, dass die Eltern das Fahrzeug versichern oder dem Kind eine Vollmacht erteilen.

Gibt es besondere Verkehrsregeln für E-Scooter?

Damit Sie auf den Elektro-Flitzern sicher durch die Straßen rollen, hat der Gesetzgeber einige Verhaltensregeln aufgestellt. Danach müssen die Roller einzeln hintereinanderfahren. Wer trotzdem nebeneinander fährt oder eine Gefahr für sich und andere darstellt, muss ein Bußgeld von wenigstens 15 Euro zahlen. Sich an Autos ran zu hängen, zu zweit auf einem E-Scooter zu fahren oder in Spielstraßen unterwegs zu sein, ist natürlich nicht erlaubt.

Vor dem Fahren sollten Sie keinen Alkohol trinken. Da es sich beim E-Scooter um ein Kraftfahrzeug handelt, gelten hier die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer. Für Fahranfänger und alle, die jünger als 21 Jahre sind, sind 0 Promille Pflicht. Alle anderen dürfen einen Blutalkoholwert von maximal 0,5 Promille haben.

Wer sich nicht daran hält, muss nicht nur mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen, sondern auch mit einem Fahrverbot. Ab 1,1 Promille ist alkoholisiertes Fahren eine Straftat. Dann droht im schlimmsten Fall sogar Gefängnis. Achtung: Bei rücksichtslosem Verhalten im Straßenverkehr reichen bereits 0,3 Promille aus, damit der Straftatbestand erfüllt ist.

Fahrer, die ohne Zulassung am Straßenverkehr teilnehmen und erwischt werden, müssen ebenfalls mit einer Anzeige rechnen.

E-Scooter mieten: Wie funktioniert das?

Wenn Sie einen E-Scooter kaufen wollen, kostet Sie das zwischen 750 und 1.650 Euro. Da könnten Sie auch auf die Idee kommen, lieber einen Roller zu mieten. Insbesondere, wenn Sie ihn nicht täglich nutzen. Lime, Tier oder Voi sind nur einige Sharing-Anbieter, die es mittlerweile in fast jeder größeren Stadt gibt. Die Verleiher setzen wie auch die Carsharing-Anbieter DriveNow oder Car2Go auf das sogenannte Free-Floating-Modell.

Nach diesem System können Sie E-Tretroller reservieren, anmieten und nach der Fahrt innerhalb des Geschäftsgebietes an einer beliebigen Stelle wieder abstellen. Die Roller mieten Sie einfach per App.

Bevor es losgehen kann, müssen Sie die App des jeweiligen Anbieters herunterladen, sich registrieren und ein Kundenkonto anlegen. Dort hinterlegen Sie auch Ihre bevorzugte Zahlungsmethode. Die meisten Verleiher akzeptieren Kreditkarte, Debitkarte oder Paypal.

Jede App verfügt über eine digitale Stadtkarte. Die zeigt an, wo Sie den nächsten freien E-Tretroller finden. Ist das Wunschfahrzeug gefunden, müssen Sie es lediglich entriegeln, indem Sie den QR-Code mit der Handy-App einscannen. Alternativ geht das auch durch Eintippen. Achten Sie vor der Fahrt unbedingt auf den Akkustand und überprüfen Sie, ob der Roller Kratzer oder andere Schäden hat.

Abgerechnet wird im Minutentakt. Je angefangene Minute zahlen Sie 15 bis 20 Cent. Obendrauf kommt dann noch eine Leihgebühr von einem Euro. Macht also für eine halbe Stunde Fahrspaß in Summe mindestens 5,50 Euro. Mit einem Leih-Fahrrad sind Sie meist günstiger unterwegs.

Auch wenn bereits Minderjährige E-Scooter fahren dürfen, haben sich die Sharing-Dienste dazu entschieden, dass die E-Tretroller nur von Personen angemietet werden dürfen, die 18 Jahre alt sind.

Autor
Anja Ciechowski

Stand: 31. Juli 2019


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