Zoll Deutschland

So viel Zoll musst Du bezahlen

Dr. Britta Beate Schön 04. April 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei der Einreise aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union nach Deutschland musst Du Deine Einkäufe nicht verzollen, wenn sie für Dich selbst oder als Geschenk für Angehörige gedacht sind.
  • Hast Du Deinen Urlaub außerhalb der EU verbracht und dort eingekauft, musst Du die Waren grundsätzlich beim Zoll anmelden.
  • Wenn Du mit Flugzeug oder Schiff reist, hast Du einen Freibetrag von 430 Euro, bis zu dem die Einfuhr zollfrei bleibt. Reist Du mit Auto oder Bahn, beträgt die Grenze 300 Euro.
  • Hast Du die Freibeträge überschritten, musst Du die Waren beim Zoll anmelden. Der berechnet dann Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.
  • Bis zu einem Warenwert von 700 Euro wird pauschal in Höhe von 17,5 Prozent besteuert. Für teurere Waren werden die Abgaben vom Zoll berechnet.
  • Wirst Du bei einem kleineren Zollvergehen erwischt, musst Du auf jeden Fall nachträglich die Zollabgaben zahlen. Zusätzlich wird ein Zuschlag in der gleichen Höhe wie der Zoll erhoben – Du zahlst also doppelt, wirst aber strafrechtlich nicht verfolgt.
  • Bei nicht angegebenen Waren über 700 Euro wird automatisch ein Strafverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung eingeleitet.

Wenn Du nach dem Urlaub wieder nach Deutschland einreist und neue Waren außerhalb der Europäischen Union eingekauft hast, musst Du diese grundsätzlich verzollen. Tust Du das nicht, hast Du mit empfindlichen Geldbußen und möglicherweise mit einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung zu rechnen. Du kannst Dich nicht damit rausreden, dass Du von den Zollpflichten nichts wusstest. Denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Reisende müssen laut Bundesfinanzhof die Bedeutung des roten und des grünen Ausgangs am Flughafen kennen (BFH, Urteil vom 16. März 2007, Az. VII B 21/06).

Grundsätzlich besteht nur bei Waren, die für Deinen persönlichen Gebrauch oder als Geschenk für Angehörige bestimmt sind, die Möglichkeit, die Freigrenzen zu nutzen und sie undeklariert einzuführen. Für gewerbliche Zwecke bestimmte Waren sind immer zu verzollen.

Dann musst Du Deine Einkäufe beim Zoll nicht angeben

Nicht alle Waren, die Du im Ausland gekauft hast und mit Dir führst, musst Du bei der Einreise beim Zoll auch angeben. Waren aus anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union musst Du nicht deklarieren.

Hast Du Waren in einem sogenannten Drittstaat wie zum Beispiel den USA, China oder Australien gekauft, kannst Du diese innerhalb von Freigrenzen ohne Angabe beim Zoll einführen:

Freigrenzen für die Einfuhr von Waren

bei Flug- und Seereisenbis zu einem Wert von 430 Euro
bei Bahn-, Auto- oder anderen Reisenbis zu einem Wert von 300 Euro
für Reisende unter 15 Jahrenbis zu einem Wert von 175 Euro

Quelle: Paragraf 2 Abs. 1 Nr. 5 Einreise-Freimengen-Verordnung (Stand: 2017)

Die Freigrenzen mehrerer Personen werden nicht addiert, falls Du zum Beispiel mit Deiner Familie reist. Überschreitet eine Ware die Freigrenze, etwa ein Notebook für 850 Euro, musst Du 850 Euro verzollen. Die Einfuhrabgaben sind auf den Gesamtwert der Ware zu entrichten und nicht nur auf den die Freigrenze übersteigenden Anteil. 
 

Dann musst Du Deine Einkäufe beim Zoll unbedingt angeben

Falls Deine Einkäufe die genannten Freigrenzen überschreiten, sind Einfuhrabgaben zu entrichten. Du musst diese bei der Einreise aus einem Nicht-EU-Mitgliedstaat bei der Zollstelle mündlich anmelden. Dort werden die dafür anfallenden Einfuhrabgaben berechnet.

Die Abgaben berechnen sich dabei nach dem Warenwert. Bewahre Kaufbelege auf und rechne damit, dass Du die Belege bei der Einreise dem Zoll vorlegen musst. Ohne Kaufbeleg wird der Wert der Waren geschätzt.

Waren mit einem Wert von bis zu 700 Euro werden pauschal mit 17,5 Prozent besteuert (§ 29 Abs. 2 ZollV). Die Europäische Gemeinschaft gewährt zum Beispiel den Efta-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz sogenannte Zollpräferenzen. Bei der Anwendung von pauschalierten Abgabensätzen werden daher nur 15 statt 17,5 Prozent erhoben. Eine Liste weiterer begünstigter Staaten findest Du hier.

Alles, was teurer als 700 Euro ist, wird mit einem individuellen Zollsatz und zusätzlich der Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent belegt. Beispiele für Warenarten und deren Einfuhrabgabensätze hat das Bundesministerium für Finanzen hier zusammengestellt.

Der Übersicht kannst Du entnehmen, dass die Einfuhr eines Mobiltelefons aus einem Drittstaat wie den USA zollfrei ist. Bekleidung aus Textilien ist hingegen mit 12 Prozent zu verzollen, wenn Du die Freigrenze von 430 Euro überschritten hast und auch insgesamt Waren im Wert von mehr als 700 Euro gekauft hast.

Beispiel für Einkäufe in den USA

gekaufte
Ware
PreisZollsatz

Einfuhr-
Umsatzsteuer

Zoll-
Abgaben

Kosten
gesamt

Sportschuhe190 €16,8 %19 %0 € (unterhalb der Freigrenze von 430 €)190 €
Bekleidung240 €12 %19 %0 € (unterhalb der Freigrenze von 430 €)240 €
Playstation 4290 €0 %19 %0 € (unterhalb der Freigrenze von 430 €)290 €
iPhone 7 32 GB608 €0 %17,5 %106 € (oberhalb der Freigrenze von 430 €, aber weniger als 700 €)714 €
Laptop850 €0 %19 %162 €1.012 €
Schmuck1.000 €3,3 %19 %223 €1.223 €

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 4. April 2017 )

Hast Du also eine Ware im Wert von insgesamt weniger als 430 Euro gekauft, zahlst Du keine Zollabgaben. Bei einer Ware zu einem Wert von mehr als 430 Euro bis insgesamt maximal 700 Euro, zahlst Du auf alles den pauschalierten Satz von 17,5 Prozent. Ab 700 Euro wird der individuelle Zollsatz und die Einfuhrumsatzsteuer berechnet. Hast Du mehrere Waren gekauft, die insgesamt die Grenze von 430 Euro übersteigen, sind nur auf die Waren die Einfuhrabgaben zu entrichten, die den Warenwert von 430 Euro übersteigen. Der Zoll wird nicht auf den Gesamtwarenwert berechnet.

Das sind die Folgen, wenn Du Waren nicht verzollt hast

Zölle sind nach Paragraf 3 Abs. 3 der Abgabenordnung (AO) den Steuern gleichgestellt. Eine Zollhinterziehung kann also wie die Steuerhinterziehung strafbar sein.

Weil Reisende ihre Mitbringsel nicht beim Zoll angemeldet hatten, wurden laut Hauptzollamt München im Jahr 2015 allein am Flughafen München insgesamt rund 1.400 Strafverfahren eingeleitet.

Zollzuschlag - Wer Waren hätte angeben müssen und erwischt wird, muss seine Waren verzollen und noch einmal die gleiche Summe als Zollzuschlag zahlen (§ 32 Abs. 3 ZollVG). Das gilt aber nur, wenn die Summe, die der Reisende eigentlich hätte zahlen müssen, 130 Euro nicht übersteigt. In diesen Bagatellfällen wird kein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet. Im Jahr 2015 wurde laut Zoll am Flughafen München bei rund 3.300 Reisenden ein Zollzuschlag erhoben.

Ordnungswidrigkeit - Befinden sich nach Abzug des Freibetrags zu verzollende Waren im Gepäck, kann bei einer leichtfertigen Steuerverkürzung im grenzüberschreitenden Reiseverkehr eine Geldbuße verhängt werden (§ 378 AO). Leichtfertig handelt ein Reisender dann, wenn es sich ihm geradezu aufdrängen musste, dass eine durch ihn begangene Sorgfaltspflichtverletzung zu einer Steuerverkürzung führen wird. Geht er also trotz der Waren durch den grünen Ausgang und erklärt er wahrheitswidrig auf Nachfragen eines Zollbeamten, er habe keine Waren zu verzollen, dann stellt das zumindest eine Ordnungswidrigkeit dar. Von der Verfolgung kann nur abgesehen werden, wenn er weniger als 130 Euro hätte zahlen müssen.

Strafverfahren - Befinden sich nach Abzug des Freibetrags Produkte für mehr als 700 Euro im Gepäck und werten die Behörden das Verhalten als nicht mehr nur leichtfertig, leiten die Zöllner in der Regel ein Strafverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung ein. Bei einem Zollvergehen kann eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden (§ 370 AO). Im Regelfall wird es auf eine Geldstrafe von mindestens fünf und höchstens dreihundertsechzig Tagessätzen hinauslaufen. Die Höhe des Tagessatzes bestimmt das Gericht unter Berücksichtigung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters. Dabei wird vom Nettoeinkommen ausgegangen, das der Täter durchschnittlich an einem Tag haben könnte. Die Behörden lassen sich vom Finanzamt dazu den jüngsten Steuerbescheid kommen.

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