Schadenfreiheitsklasse

Schadenfreiheitsrabatt in der Kfz-Versicherung

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Höhe des Schadenfreiheitsrabatts beeinflusst den Beitrag in der Kfz-Versicherung enorm.
  • Nach einem gemeldeten Schaden stuft die Versicherung die Schadenfreiheitsklasse herunter.
  • In einigen Fällen lohnt es sich, den Schaden selbst zu zahlen.
  • Es ist möglich, die Rückstufung rückgängig zu machen.
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Die Schadenfreiheitsklasse ist eines der Merkmale in der Kfz-Versicherung, das die Höhe des Beitrags maßgeblich beeinflusst. Je länger ein Fahrer unterwegs ist, ohne seinem Anbieter einen Defekt zu melden, desto mehr belohnt die Versicherung diesen mit einem Rabatt. Solange die Versicherung keinen Schaden regulieren musste, entspricht die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) der Zahl der Jahre ohne Beschädigungen: nach acht Jahren also zum Beispiel „SF 8“. Der Beitragssatz sinkt entsprechend, wie folgende Grafik am Beispiel der Huk-Coburg illustriert.

Wie hoch genau der Nachlass in welcher Klasse ausfällt, unterscheidet sich je nach Versicherungsgesellschaft. Schadenfreiheitsklassen gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch Vollkaskoversicherung. Die SF-Klassen können in den beiden Versicherungen unterschiedlich sein, wenn der Kunde zum Beispiel nur einen Schaden in der Vollkaskoversicherung gemeldet hat.

Rückstufungstabellen sind unterschiedlich

Wer seiner Versicherung einen Schaden meldet, wird im kommenden Versicherungsjahr zurückgestuft, bekommt also in den meisten Fällen einen Teil der Rabatte gestrichen. Genauso wie bei den Rabatten hat jeder Anbieter auch eine eigene Rückstufungstabelle. Wie viele Schadenfreiheitsklassen genau nach einem Schaden verloren gehen, lässt sich in den jeweiligen Versicherungsbedingungen ablesen. Ein Beispiel der Huk-Coburg: Nach einem Unfall in der Haftpflichtversicherung sinkt die frühere SF-Klasse 7 im nächsten Jahr auf SF 2. Statt 41 Prozent des Grundbeitrags sind im kommenden Jahr daher 55 Prozent fällig. Fahrer, die schon vor dem Unfall nur eine niedrige Schadenfreiheitsklasse besaßen, können in die Schaden- (S) oder Malusklasse (M) abgestuft werden.

Die ersten SF-Klassen

Wer als Führerscheinneuling zum ersten Mal ein Auto versichert, beginnt in der Regel in der Schadenfreiheitsklasse 0. Ein Jahr ohne Unfall belohnt die Versicherung dann mit der SF-Klasse 1. Ist der Führerschein mindestens drei Jahre alt, bekommt ein Fahrer mit seinem ersten Auto einen kleinen Vorschuss-Rabatt und beginnt mit SF ½.

Es gibt ein paar Ausnahmen von der Regel. Wer bereits ein Mofa oder Moped besaß, startet beim Auto schon mit der Schadenfreiheitsklasse ½. Auch wer einen Zweitwagen angemeldet hat, der mindestens SF ½ hat, kommt in diese Klasse. Rabatt gibt es auch, falls der Lebenspartner ein Auto mit mindestens SF ½ versichert hat. Sind alle Fahrer mindestens 23 Jahre alt, gelten die Lebenspartner- und Zweitwagen-Regel auch für die Schadenfreiheitsklasse 2. Einige Versicherungen sind bei der Zweitwagenregel kulanter und stufen noch höher ein.

Fahranfänger können außerdem sparen, wenn sie ihr eigenes Auto als Zweitwagen der Eltern versichern.

Tipp

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Möglichst hohe SF-Klasse sichern

Meldet ein Fahrer sein Auto in der ersten Jahreshälfte an, wird er schon vor Ablauf der ersten zwölf Monate in die nächste SF-Klasse hochgestuft. Wenn ein Vertrag mindestens sechs Monate bestand, steigt die SF 0 auf SF ½, die SF ½ wird zu SF 1, Schadenfreiheitsklasse 2 zu SF 3.

Gibt ein naher Verwandter sein Auto auf, ist das ein Glücksfall für jüngere Fahrer in der Familie. Denn dessen Schadenfreiheitsklassen müssen nicht verfallen, ein anderer Fahrer kann diese übernehmen. Allerdings sind die Bedingungen für die Übertragung streng.

Einfacher ist es, als ehemaliger Fahrer seine eigenen Schadenfreiheitsrabatte zu reaktivieren. Wer für einige Jahre sein Auto abgemeldet hatte, kann mit einem neuen Auto wieder an den alten Schadenverlauf anschließen. Doch die Versicherungen gehen mit der Wiederbelebung der SF-Klassen unterschiedlich um und setzen verschiedene zeitliche Grenzen.

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Rückstufung vermeiden

Die meisten Unfälle verursachen nur Blechschäden, die nicht allzu teuer sind. Gerade dann sollten Sie aber nachrechnen, ob es sich wirklich lohnt, den Schaden von der Versicherung begleichen zu lassen. Besonders wenn Sie bereits eine hohe SF-Klasse erreicht haben, ist es bei kleineren Schäden häufig günstiger, den Schaden aus eigener Tasche zu bezahlen. Denn die Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse verursacht meist gleich für mehrere Jahre höhere Beiträge, die sich zu einem stattlichen Betrag summieren können. Als grobe Faustregel gilt: Kleinschäden bis 500 oder 1.000 Euro besser aus eigener Tasche bezahlen. In der Regel gibt der Versicherer Auskunft, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu übernehmen.

Viele Anbieter ermöglichen auch, Kleinschäden innerhalb von sechs Monaten von der Versicherung zurückzukaufen und damit die Rückstufung der SF-Klasse ungeschehen zu machen. Verursacht ein Fahrer in einem Kalenderjahr mehrere Schäden, kann er zum Beispiel nur den teuersten durch das Versicherungsunternehmen begleichen lassen – und die restlichen Schadensfälle selbst bezahlen. Das lohnt sich in der Regel spätestens ab SF-Klasse 10. Für Fahrer, die häufiger einen Unfall haben, lohnt es sich oft, im Vertrag einen Rabattschutz zu vereinbaren.

Vorsicht beim Wechsel nach einem Unfall

Durch die unterschiedlichen Rückstufungstabellen kann es nach einem Unfall manchmal Probleme geben, wenn ein Fahrer seine Versicherung wechseln möchte. In der Rechnung zum neuen Versicherungsjahr teilt der alte Anbieter die Schadenfreiheitsklasse für das neue Jahr mit, so wie er diese nach dem Unfall einstufen würde.

Wer mit dieser Angabe einen Versicherungsvergleich vornimmt, sollte vorsichtig sein. Es kann passieren, dass die neue Versicherung Sie eigentlich in eine andere SF-Klasse einstufen würde, dies im Vergleich aber noch nicht sichtbar wird. Der errechnete Preis muss daher nicht der endgültige sein. Wer also nach einem Unfall wechseln möchte, sollte auf jeden Fall bei der neuen Versicherung vor Vertragsabschluss nachfragen.

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Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

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Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.