Schadenfreiheitsklasse

In der Kfz-Versicherung gibt es auf Schadenfreiheit Rabatt

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Schadenfreiheitsrabatt belohnen Versicherungen Kunden, die jahrelang keinen Schaden melden.
  • Die Höhe des Schadenfreiheitsrabatts beeinflusst den Beitrag in der Kfz-Versicherung enorm.
  • Nach einem gemeldeten Schaden stuft die Versicherung die Schadenfreiheitsklasse herunter.
  • In einigen Fällen lohnt es sich, den Schaden selbst zu zahlen.
  • Es ist möglich, die Rückstufung rückgängig zu machen.
  • Wer einen Dienstwagen fährt, sammelt privat keinen Schadenfreiheitsrabatt. Es gibt aber Wege, die Nutzung des Firmenwagens anrechnen zu lassen.

So gehen Sie vor

  • Wer zum ersten Mal ein Auto versichert, sollte versuchen, eine höhere Einstufung zu bekommen.
  • Möglich ist zum Beispiel, Schadenfreiheitsklassen von Verwandten zu übernehmen, alte Rabatte zu reaktivieren oder Sondereinstufungen beim Zweitwagen zu nutzen. Fahranfänger können das Auto über die Eltern versichern.
  • Nach einem Unfall sollten Sie durchrechnen, ob es sich lohnt, die Rückstufung zu vermeiden, indem Sie den Schaden selbst zahlen.
  • Wer einen Dienstwagen bekommt, sollte zuvor mit dem Chef klären, ob er die Schadenfreiheitsklassen mitnehmen und später privat nutzen kann.
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Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) ist eines der Merkmale in der Kfz-Versicherung, das die Höhe des Beitrags maßgeblich beeinflusst. Je länger ein Fahrer unterwegs ist, ohne seinem Anbieter einen Defekt zu melden, desto mehr belohnt die Versicherung diesen mit einem Rabatt. Solange die Versicherung keinen Schaden regulieren musste, entspricht die SF-Klasse der Zahl der Jahre ohne Beschädigungen: nach acht Jahren also zum Beispiel „SF 8“. Der Beitragssatz sinkt entsprechend, wie folgende Grafik am Beispiel der Huk-Coburg illustriert.

Wie hoch genau der Nachlass in welcher Klasse ausfällt, unterscheidet sich je nach Versicherungsgesellschaft. SF-Klassen gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch Vollkaskoversicherung. Die SF-Klassen können in den beiden Versicherungen unterschiedlich sein, wenn der Kunde zum Beispiel nur einen Schaden in der Vollkaskoversicherung gemeldet hat.

Rückstufungstabellen sind unterschiedlich

Wer seiner Versicherung einen Schaden meldet, wird im kommenden Versicherungsjahr zurückgestuft, bekommt also in den meisten Fällen einen Teil der Rabatte gestrichen. Wer in einem Jahr gleich mehrere Unfälle hat, wird auch mehrfach zurückgestuft. Genauso wie bei den Rabatten hat jeder Anbieter auch eine eigene Rückstufungstabelle. Wie viele SF-Klassen genau nach einem Schaden verloren gehen, lässt sich in den jeweiligen Versicherungsbedingungen ablesen. Ein Beispiel der Huk-Coburg: Nach einem Unfall in der Haftpflichtversicherung sinkt die frühere SF-Klasse 7 im nächsten Jahr auf SF 2. Statt 41 Prozent des Grundbeitrags sind im kommenden Jahr daher 55 Prozent fällig. Fahrer, die schon vor dem Unfall nur eine niedrige SF-Klasse besaßen, können in die Schaden- (S) oder Malusklasse (M) abgestuft werden.

Die ersten SF-Klassen

Wer als Führerschein-Neuling zum ersten Mal ein Auto versichert, beginnt in der Regel in der SF-Klasse 0. Ein Jahr ohne Unfall belohnt die Versicherung dann mit der SF-Klasse 1. Ist der Führerschein mindestens drei Jahre alt, bekommt ein Fahrer mit seinem ersten Auto einen kleinen Vorschuss-Rabatt und beginnt mit SF ½.

Es gibt ein paar Ausnahmen von der Regel. Wer bereits ein Mofa oder Moped besaß, startet beim Auto schon mit der SF-Klasse ½. Auch wer einen Zweitwagen angemeldet hat, der mindestens SF ½ hat, kommt in diese Klasse. Rabatt gibt es auch, falls der Lebenspartner ein Auto mit mindestens SF ½ versichert hat. Sind alle Fahrer mindestens 23 Jahre alt, gelten die Lebenspartner- und Zweitwagen-Regel auch für die SF-Klasse 2. Einige Versicherungen sind bei der Zweitwagenregel kulanter und stufen noch höher ein.

Fahranfänger können außerdem sparen, wenn sie ihr eigenes Auto als Zweitwagen der Eltern versichern.

Möglichst hohe SF-Klasse sichern

Meldet ein Fahrer sein Auto in der ersten Jahreshälfte an, wird er schon vor Ablauf der ersten zwölf Monate in die nächste SF-Klasse hochgestuft. Wenn ein Vertrag mindestens sechs Monate bestand, steigt die SF 0 auf SF ½, die SF ½ wird zu SF 1 und SF 2 zu SF 3.

Gibt ein naher Verwandter sein Auto auf, ist das ein Glücksfall für jüngere Fahrer in der Familie. Denn dessen SF-Klassen müssen nicht verfallen, ein anderer Fahrer kann diese übernehmen. Allerdings sind die Bedingungen für die Übertragung streng.

Einfacher ist es, als ehemaliger Fahrer seine eigenen Schadenfreiheitsrabatte zu reaktivieren. Wer für einige Jahre sein Auto abgemeldet hatte, kann mit einem neuen Auto wieder an den alten Schadenverlauf anschließen. Doch die Versicherungen gehen mit der Wiederbelebung der SF-Klassen unterschiedlich um und setzen verschiedene zeitliche Grenzen.

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Rückstufung vermeiden

Die meisten Unfälle verursachen nur Blechschäden, die nicht allzu teuer sind. Gerade dann sollten Sie aber nachrechnen, ob es sich wirklich lohnt, den Schaden von der Versicherung begleichen zu lassen. Besonders wenn Sie bereits eine hohe SF-Klasse erreicht haben, ist es bei kleineren Schäden häufig günstiger, den Schaden aus eigener Tasche zu bezahlen. Denn die Rückstufung in der SF-Klasse verursacht meist gleich für mehrere Jahre höhere Beiträge, die sich zu einem stattlichen Betrag summieren können. Als grobe Faustregel gilt: Kleinschäden bis 500 oder 1.000 Euro besser aus eigener Tasche bezahlen. In der Regel gibt der Versicherer Auskunft, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu übernehmen.

Viele Anbieter ermöglichen auch, Kleinschäden innerhalb von sechs Monaten von der Versicherung zurückzukaufen und damit die Rückstufung der SF-Klasse ungeschehen zu machen. Verursacht ein Fahrer in einem Kalenderjahr mehrere Schäden, kann er zum Beispiel nur den teuersten durch das Versicherungsunternehmen begleichen lassen – und die restlichen Schadensfälle selbst bezahlen. Das lohnt sich in der Regel spätestens ab SF-Klasse 10. Für Fahrer, die häufiger einen Unfall haben, lohnt es sich oft, im Vertrag einen Rabattschutz zu vereinbaren. Durch ihn sinkt die SF-Klasse nach einem Unfall nicht.

Vorsicht beim Wechsel nach einem Unfall

Durch die unterschiedlichen Rückstufungstabellen kann es nach einem Unfall manchmal Probleme geben, wenn ein Fahrer seine Versicherung wechseln möchte. In der Rechnung zum neuen Versicherungsjahr teilt der alte Anbieter die SF-Klasse für das neue Jahr mit, so wie er diese nach dem Unfall einstufen würde.

Wer mit dieser Angabe einen Versicherungsvergleich vornimmt, sollte vorsichtig sein. Es kann passieren, dass die neue Versicherung Sie eigentlich in eine andere SF-Klasse einstufen würde, dies im Vergleich aber noch nicht sichtbar wird. Der errechnete Preis muss daher nicht der endgültige sein. Wer also nach einem Unfall wechseln möchte, sollte auf jeden Fall bei der neuen Versicherung vor Vertragsabschluss nachfragen.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Schadenfreiheitsrabatt des Dienstwagens

Die meisten Angestellten freuen sich, wenn der Chef einen Dienstwagen zur Verfügung stellt. Steuerliche Vorteile machen das Modell attraktiv. Doch für den privaten Schadenfreiheitsrabatt kann es ein Desaster sein, einen Dienstwagen zu fahren. Falls Sie keine Vorkehrungen treffen, sind diese Jahre versicherungstechnisch verlorene Jahre. Schließlich sammeln Sie durch unfallfreies Fahren Schadenfreiheitsrabatte für Ihren Arbeitgeber.

Wenn Sie irgendwann wieder ein eigenes Auto versichern möchten, fangen Sie von vorne an, falls zwischendurch die eigenen SF-Klassen verfallen sind oder Sie nie zuvor welche gesammelt haben. Sofern Sie sich aber gleich zu Beginn kümmern, können Sie die eigenen Rabatte erhalten oder sogar die Jahre mit Dienstwagen für sich nutzen.

Schadenfreiheitsrabatt reaktivieren - Wer sein eigenes Auto zugunsten des Firmenwagens aufgegeben hat, ist damit auch seinen Schadenfreiheitsrabatt los. Dieser verfällt nämlich nach einigen Jahren, wenn der Kunde sich die SF-Klasse nicht bei Kündigung der Versicherung bestätigen lässt. Wer aber an eine solche Bescheinigung denkt, kann damit bei einigen Versicherern auf unbegrenzte Zeit seine SF-Klassen reaktivieren. Damit muss er nicht nach jahrelanger Nutzung des Dienstwagens wieder mit der SF-Klasse ½ beginnen, sondern startet in seiner früheren Klasse. So lässt sich viel Geld sparen.

Schadenfreiheitsrabatt mitnehmen - Nach Absprache mit dem Arbeitgeber ist es manchmal möglich, den Schadenfreiheitsrabatt des Dienstwagens mitzunehmen und privat zu nutzen. Das sollten Sie unbedingt vorher mit dem Arbeitgeber vertraglich festhalten, damit es darum keinen Streit gibt, falls Sie zum Beispiel kündigen.

Eine solche Regelung ist auch mitunter möglich, wenn das Unternehmen mit der Versicherung einen Rahmenvertrag für die gesamte Flotte vereinbart hat. Allerdings muss die Versicherung dann für jeden Fahrer individuelle Daten pflegen, um jedem eine SF-Klasse zuordnen zu können.

Eine weitere Möglichkeit ist, den privaten Schadenfreiheitsrabatt für den Dienstwagen zu nutzen und später wieder mitzunehmen. Auch das müssen Sie und Ihr Chef vertraglich regeln und mit der Versicherung absprechen. Während Sie den Dienstwagen fahren, können Sie so weiterhin Ihre persönlichen SF-Klassen pflegen und anschließend für das eigene Auto nutzen.

Versicherer rechnet Jahre an - Einige Versicherungen sind kulant, wenn es um die Jahre mit einem Dienstwagen geht. Schließlich sind die SF-Klassen eine Belohnung für Fahrpraxis ohne Unfälle. Können Sie diese nachweisen, rechnet mancher Anbieter diese Jahre unter gewissen Voraussetzungen an. So verlangen zum Beispiel die VHV und Verti (ehemals Directline) eine Bestätigung des Arbeitgebers und der Versicherung über die Dienstwagennutzung und den Schadenverlauf.

In der Regel müssen Sie auch nachweisen, den Dienstwagen eine gewisse Anzahl an Tagen im Jahr gefahren zu sein. Nach der Prüfung rechnen diese Anbieter die Jahre mit Firmenwagen für die SF-Klasse an. Auch die Huk-Coburg gibt an, dies individuell nach Vorlage von Belegen zu prüfen. Bevor Sie also eine neue Versicherung abschließen, sollten Sie bei einigen nachfragen, ob dies möglich ist.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.