Geldanlage für Kinder

Einfach und mit Rendite fürs Kind sparen

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
20. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Möchtest Du für Dein Kind sparen, eignen sich vor allem günstige Aktienfonds. Sie versprechen deutlich mehr Rendite als etwa ein Sparbuch.
  • Für Gewinne aus der Geldanlage kann Dein Kind seine eigenen Steuerfreibeträge nutzen.
So gehst Du vor
  • Entscheide, ob Du in Deinem eigenen Depot oder in einem Kinderdepot für Deinen Nachwuchs sparen willst.
  • Eine einfache und günstige Lösung sind Kinderdepots unserer Depotempfehlungen Comdirect, Consorsbank, DKB und ING.

Wenn Du für Dein Kind langfristig und mit Rendite sparen willst, solltest Du in günstige Aktienfonds investieren. Das lohnt sich und ist ganz einfach. Das Wertpapierdepot, das Du dafür brauchst, kannst Du als separates Depot eröffnen – auf den Namen Deines Kindes. Wir erklären Dir, was Du dabei beachten solltest, wo Du ein gutes Kinderdepot findest und welche Dokumente Du für die Eröffnung brauchst.

Warum für Dein Kind am Aktienmarkt investieren?

Sparen für Kinder war einfacher, als Du bei Deiner Hausbank noch 4 Prozent Zinsen bekommen hast. Zur Geburt ein Sparbuch eröffnet, dann immer mal wieder Geld eingezahlt. Und zum 18. Geburtstag konnte sich der inzwischen junge Erwachsene über eine schöne Summe freuen. Diese Zeiten sind vorbei. Um heute zu sparen, solltest Du in günstige Aktienfonds investieren. Auch für Dein Kind.

Geld am Aktienmarkt anzulegen, hat einen klaren Vorteil gegenüber anderen Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld: Deine Renditechancen sind größer. Wenn Du in Wertpapiere investierst, hast Du bestenfalls mehrere Prozentpunkte Wertzuwachs pro Jahr. Auf Tages- oder Festgeld gibt es aktuell kaum Zinsen, Kinderkonten bieten meist nur Zinsen für Beträge, bei denen sich das kaum auswirkt und beim guten alten Sparbuch sieht es noch schlechter aus.

Tages- und Festgeld sind sicherer als Aktien, denkst Du Dir vielleicht. Das stimmt auch. Es wäre aber schade, deshalb auf Rendite zu verzichten, denn die Risiken des Aktienmarkts kannst Du leicht senken. Wichtig dabei sind eine breite Streuung des Geldes, eine lange Anlagedauer und Flexibilität bei der Auszahlung. Was Du zu den drei Punkten beachten solltest:

  1. Investiere in börsengehandelte Indexfonds (ETFs), statt Einzelaktien zu kaufen. So streust Du das Geld und damit Dein Risiko, wenn eine Einzelaktie sich nicht gut entwickelt. Ein solcher ETF kann zum Beispiel den Weltaktienindex MSCI World nachbilden – das globale Gegenstück zum deutschen Dax. Der MSCI World bildet so viele Unternehmen ab, dass sich Wertschwankungen von Aktien einzelner Firmen gut ausgleichen. Wie ETFs funktionieren und wie Du den passenden findest, erfährst Du in unserem Ratgeber Einfach und günstig in Aktien anlegen.
  2. Wenn Du Geld in einen ETF investierst, solltest Du mindestens zehn Jahre Zeit mitbringen. Damit gibst Du ihm die Möglichkeit, mögliche Verluste wieder auszugleichen. Finanztip-Berechnungen haben gezeigt, dass Anleger, die seit 1975 beliebige 15 Jahre einmalig in einen weltweiten ETF investierten, niemals Geld verloren haben. Mit einem Sparplan in Höhe von 100 Euro pro Monat wären im schlechtesten Fall rund 20 Jahre nötig gewesen.
  3. Beim Zeitpunkt der Auszahlung musst Du etwas flexibel sein. Du solltest keine Anteile verkaufen müssen, wenn die Kurse gerade niedrig sind. Am besten schaust Du schon einige Jahre vorher ins Depot, um zu planen. Soll das Geld zum Ausbildungs- oder Studienstart zur Verfügung stehen, kannst Du die Fondsanteile rechtzeitig verkaufen. Ist das Geld für einen Hauskauf oder die Altersvorsorge gedacht, sollte Dein Kind auch als Erwachsener investiert bleiben und sein Vermögen weiter wachsen lassen.

Wo findest Du ein gutes Wertpapierdepot für Kinder?

Ein gutes Depot erfüllt drei Eigenschaften:

In unserem großen Depot-Vergleich 2021 haben wir vier Direktbanken und drei Online-Broker ermittelt, deren Depots unsere strengen Anforderungen erfüllen.

Die vier Direktbanken Comdirect, Consorsbank, DKB und ING bieten auch Wertpapierdepots für Kinder an – mit genauso guten Konditionen. Wir beschränken uns auf unsere vier Empfehlungen, weil wir finden, dass das Depot auch dann weiter gute Konditionen bieten sollte, wenn Dein Kind volljährig wird. Bei Depots, die wir nicht empfehlen, ist das nicht unbedingt der Fall. (Falls in der Zukunft unerwartete Gebührenerhöhungen kommen sollten, lässt sich ein Depot übrigens auch zu einem anderen Anbieter umziehen.)

Bei der Comdirect, der Consorsbank und der ING kannst Du für Dein Kind ein Depot eröffnen, ohne selbst Kunde zu sein. Bei der DKB musst Du oder der andere Elternteil bereits ein Girokonto bei der Bank haben. Das Kinderdepot der DKB lässt sich nur in Verbindung mit einem Girokonto für Kinder eröffnen.

Diese Gebühren fallen für das Depot an

Bei Consorsbank, DKB und ING ist die Depotführung kostenlos. Das Depot der Comdirect kostet für inaktive Kunden nach sechs Monaten 1,95 Euro pro Monat. Wer einen aktiven Sparplan hat oder zweimal pro Quartal Wertpapiere handelt, zahlt auch dort keine Depotgebühren.

Die Ordergebühren sind bei allen vier Anbietern niedrig. Unterschiede gibt es bei den Kosten für Einmalanlagen und Sparpläne. Bei der DKB sind einmalige Anlagen deutlich günstiger als bei den beiden anderen Banken, denn die DKB erhebt für den Wertpapierhandel Pauschalbeträge. Comdirect, Consorsbank und ING machen es anders und berechnen die Kosten im Verhältnis zur angelegten Summe. Dadurch sind Einmalanlagen dort teurer.

Ein Sparplan ist technisch gesehen nichts anderes als ein ständig wiederholter Kaufauftrag. Vorteil für Dich: Hast Du ihn eingerichtet, läuft er automatisch – und für weniger Gebühren, als eine Einzelorder für dieselbe kleine Sparrate kosten würde. Möchtest Du etwa 50 Euro pro Monat einzahlen, ist das bei der Comdirect oder der Consorsbank vorteilhafter. Dafür sind bei der DKB Sparpläne mit hohen Sparraten günstiger. Bei der ING sind alle ETF-Sparpläne gebührenfrei.

 Comdirect
Juniordepot
Consorsbank
Junior-Depot
DKB
Broker u18
ING Direkt-
Depot Junior
Kosten Einmalanlage 5.000 €17,40 €17,45 €10 €17,40 €
Kosten Einmalanlage 10.000 €29,90 €29,95 €10 €29,90 €
Kosten Einmalanlage 15.000 €42,40 €42,45 €25 €42,40 €
Kosten Sparplan 50 €0,75 €0,75 €1,50 €0 €

Kosten Sparplan

100 €

1,50 €1,50 €1,50 €0 €

Kosten Sparplan

150 €

2,25 €2,25 €1,50 €0 €

Quellen: Anbieter, eigene Berechnungen (Stand: 29. März 2021)

Bevor Du Dich für eine Bank entscheidest, solltest Du die folgenden Fragen beantworten: Legst Du für Dein Kind regelmäßig große Summen an oder sparst Du vor allem in monatlichen Raten? Wenn Du vor allem einen Sparplan einrichten möchtest, ist die ING am kostengünstigsten. Liegen die Sparplanraten langfristig deutlich unter 100 Euro oder eher über 100 Euro? Bei regelmäßigen Einmalanlagen und hohen Sparraten bietet die DKB geringe Gebühren. Bei niedrigen Sparraten sind, wie oben dargestellt, die Comdirect und die Consorsbank günstiger. Dafür kannst Du das Depot bei diesen beiden Anbietern auch einzeln eröffnen und ohne selbst Kunde zu sein.

Berücksichtige bei Deiner Entscheidung auch, ob Du selbst ein Depot bei einem der Anbieter hast. Die Gebührenunterschiede sind nicht derart groß, dass Du das Kinderdepot deshalb unbedingt woanders eröffnen müsstest. Wenn Du mit Deinem Anbieter zufrieden bist und Geldangelegenheiten gerne an einem Ort regelst, kannst Du das Kinderdepot daher auch dort einrichten.

Comdirect
Juniordepot
  • Bei Einmalanlage: reguläre Gebühren von 4,90 € plus 0,25 % des Orderbetrags, minimal 9,90 €, maximal 59,90 €
  • Sparplan für 1,5 % der Sparrate, viele gebührenfreie Sparpläne
  • Depot kostenlos mit Wertpapier-Sparplan oder 2 Trades pro Quartal, sonst 1,95 € pro Monat ab dem 7. Monat
Consorsbank
Junior-Depot
  • Bei Einmalanlage: reguläre Gebühren von 4,95 € plus 0,25 % des Orderbetrags, minimal 9,95 €, maximal 69 €
  • Sparplan für 1,5 % der Sparrate, viele gebührenfreie Sparpläne
  • Depot kostenlos
DKB
DKB-Broker u18
  • Bei Einmalanlage: 10 € reguläre Gebühren für Orders bis 10.000 €, darüber 25 €
  • Sparplan 1,50 €, unabhängig von der Sparrate
  • Depot kostenlos
  • Bedingung Eröffnung: Ein Elternteil und das Kind mit DKB-Girokonto
Nur beim Anbieter abschließbar
ING
Direkt-Depot Junior
  • Bei Einmalanlage: reguläre Gebühren von 4,90 € plus 0,25 % des Orderbetrags, maximal 69,90 €
  • Sparplan gebührenfrei
  • Depot kostenlos
Nur beim Anbieter abschließbar

Wie richtest Du das Kinderdepot ein?

Hast Du Dich für einen Anbieter entschieden, musst Du nur noch das Depot eröffnen und einrichten. Wir erklären Dir, wie Du dabei am besten vorgehst und was Du beachten musst.

Diese Dokumente brauchst Du für die Depoteröffnung

Ein Depot eröffnen kannst Du nur für Kinder, deren gesetzlicher Vertreter Du bist. Großeltern dürfen also in der Regel kein Depot für ihre Enkel eröffnen. Bei der Comdirect und der Consorsbank können sie aber eine Vollmacht bekommen.

Welche Dokumente Du brauchst, hängt davon ab, welche Beziehung Du zum anderen Elternteil hast. Bei allen Banken müssen sowohl Nicht-Verheiratete als auch Alleinstehende belegen, dass sie das Sorgerecht für das Kind haben; bei der Comdirect müssen Verheiratete die Heiratsurkunde vorlegen, bei der ING dann, wenn sie nicht denselben Nachnamen haben.

Es kommt bei den Dokumenten auch darauf an, ob Du selbst schon Kunde bei der Bank bist. Falls nicht, musst Du auch Deine eigenen Daten angeben. Dafür brauchst Du Deinen Personalausweis oder Reisepass und Deine Steuer-ID.

Auch die Steuer-ID Deines Kindes solltest Du bereithalten. Diese verschickt das Bundeszentralamt für Steuern meist drei Monate nach der Geburt des Kindes. Zusätzlich brauchst Du eine Kopie der Geburtsurkunde. Bei der DKB und der Consorsbank muss diese amtlich beglaubigt sein. Bei der Comdirect reicht eine einfache Kopie. Ist Dein Kind 16 Jahre oder älter, brauchst Du bei der Comdirect zusätzlich eine Kopie des Personalausweises.

So läuft die Antragstellung

Den Antrag für die Eröffnung des Kinderdepots füllst Du bei der Comdirect und der Consorsbank auf der Website aus, bei der DKB und der ING in einem Pdf-Dokument. Du musst den Antrag unterschrieben und zusammen mit allen Dokumenten per Post an die jeweilige Bank schicken. Dabei sehr wichtig: Alle gesetzlichen Vertreter müssen die Unterlagen unterschreiben. Den Antrag der Comdirect, Consorsbank oder ING kannst Du sofort abschicken, bei der DKB ist erst die Legitimierung notwendig.

Bei allen Banken kannst Du Dich ebenso wie der andere gesetzliche Vertreter per Postident legitimieren. Dabei prüft ein Postmitarbeiter die Identitäten anhand der Ausweise und Unterschriften.

Bei der Comdirect, der Consorsbank und der ING ist auch Videoident möglich – ein kurzer Videoanruf, in dem Du einem Mitarbeiter der Bank Dein Gesicht sowie Deinen Ausweis zeigst. Meist ist das einfacher, als extra dafür zur Post zu gehen.

Was Du beim Antrag beachten solltest

Im Antrag für das Depot musst Du angeben, ob Du bereits Kenntnisse und Erfahrungen im Wertpapierhandel hast. Die Banken müssen sicherstellen, dass Du weißt, was Du tust, wenn Du in Aktien investierst. Dazu sind sie gesetzlich verpflichtet.

Meist gibt es sechs Produktklassen, die sich unterscheiden nach dem Verhältnis von Risiko und Renditeerwartung. Allgemein gilt: Je höher die Renditechancen, desto höher auch das Verlustrisiko. Während also etwa sichere Anleihen aktuell wenig bis keine Rendite bringen, bieten Aktien deutlich größere Chancen auf Wertzuwachs – aber eben auch ein höheres Verlustrisiko. Die breit aufgestellten Aktien-ETFs, die wir für die langfristige Geldanlage empfehlen, befinden sich in der Regel in Klasse 5 oder E. Auf der Skala der ING liegen Aktien-ETFs auf Stufe 2 von 5.

Gibst Du an, dass Du bisher keine Kenntnisse oder Erfahrungen mit Aktien, Fonds und ETFs hast, musst Du ein paar Hürden überwinden, um an Deinen ETF zu kommen. Comdirect, Consorsbank und ING zeigen Dir einen Warnhinweis, wenn Du in ein Produkt investieren willst, mit dem Du Dich nach Informationen der Bank nicht auskennst. Du kannst dann angeben, dass Du Anteile an dem Aktien-Indexfonds (etwa auf den MSCI World) trotzdem kaufen möchtest und anschließend die notwendigen Eingaben für den Wertpapierkauf machen.

So solltest Du aber nur vorgehen, wenn Du verstanden hast, was für ein Wertpapier Du erwirbst und welche Risiken (etwa Kursrisiken) sich daraus ergeben.

Bei der DKB musst Du Deine ursprünglichen Angaben anpassen, bevor Du ein Produkt einer Risikoklasse, in der Du keine Erfahrungen hast, handeln kannst. Allerdings benötigst Du nicht unbedingt praktische Erfahrungen, um genug Kenntnisse über ETFs zu haben und dies entsprechend von vornherein so anzugeben.

So legst Du mit dem Sparen los

Bevor es losgehen kann, musst Du noch drei Dinge entscheiden: Welchen ETF besparst Du? Investierst Du monatlich eine festgelegte Summe oder legst Du einmalig eine größere an? Und wie groß soll der Betrag sein?

Wir empfehlen Dir, langfristig in einen ETF zu investieren, der den globalen Aktienmarkt abdeckt – und Dividenden wieder anlegt, damit der Zinseszinseffekt beim Vermögensaufbau hilft. Dafür infrage kommen ETFs, die den MSCI World oder den MSCI All Countries World abdecken. In ihnen stecken weit über 1.000 einzelne Aktien aus den wichtigsten Industrieländern, im All Countries zusätzlich aus Schwellenländern. Geeignet sind außerdem nachhaltige Indizes, die global aufgestellt sind.

Einen passenden ETF für jedes Depot findest Du mit unserem ETF-Rechner. Beachte: Für einige ETFs verlangen die empfohlenen Banken verringerte oder keine Kaufgebühren, wenn Du mit einem Sparplan investierst. Das Angebot kann sich allerdings von Jahr zu Jahr ändern. Deshalb solltest Du Deine Entscheidung nicht zu sehr daran ausrichten.

Entscheidest Du Dich für einen Sparplan, mit dem Du monatlich Geld anlegst, musst Du noch die Sparrate festlegen. Bei allen Anbietern kannst Du ab 25 Euro im Monat in ETFs investieren. Welche Summe für Dich die richtige ist, hängt von Deiner individuellen Situation ab. Gleiches gilt, wenn Du einmalig investierst. Ein Sparplan ist besonders praktisch, weil Du Dich nach der erstmaligen Einrichtung nicht mehr regelmäßig darum kümmern musst.

Geld, das Du investieren willst, zieht die Bank von einem Verrechnungskonto ein. Bei der Comdirect, der Consorsbank und der ING bekommst Du dieses zum Depot dazu; bei der DKB fungiert das Girokonto Deines Kindes als Verrechnungskonto. Auch Auszahlungen, etwa wenn Du Anteile verkaufst, gehen wieder auf dieses Konto. Besonderheit bei der Comdirect: Überweisungen vom Verrechnungskonto sind nur auf das Referenzkonto möglich, das Du bei der Depoteröffnung angibst.

Sparst Du mit einem Sparplan für Deinen Nachwuchs, richte am besten einen Dauerauftrag ein, mit dem Du den Sparbetrag von Deinem Girokonto auf das Verrechnungskonto überweist.

Was bei der Steuer beachten?

Sparst Du auf den Namen Deines Kindes, gehört das Geld Deinem Kind. Das hat auch steuerliche Auswirkungen.

Dein Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag

Als Privatanleger musst Du in Deutschland 25 Prozent Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge zahlen. Dazu kommen noch Solidaritätszuschlag und – wenn Du Kirchenmitglied bist – Kirchensteuer. Kapitalerträge sind etwa Zinsen, Gewinne aus Aktien und Dividenden. Allerdings gibt es einen Sparerpauschbetrag, bei Singles in Höhe von 801 Euro pro Jahr, bei Verheirateten sind es 1.602 Euro pro Jahr. Bis zu dieser Grenze sind Kapitalerträge steuerfrei.

Sparst Du für Dein Kind in Deinem eigenen Depot, rechnet das Finanzamt Dir auch die Erträge zu. Wenn Du selbst hohe Kapitalerträge hast, könnte es daher sein, dass Du über die Grenze von 801 Euro kommst und Abgeltungssteuer zahlen musst. Bei unseren empfohlenen ETFs (Aktien-ETFs) musst Du 70 Prozent des Gewinns versteuern, also von ausgeschütteten Dividenden und eventuellen Gewinnen beim Verkauf von ETF-Anteilen.

Läuft das Depot dagegen auf den Namen Deines Kindes, zählen auch die Erträge zu seinen Einkünften. Da auch Dein Nachwuchs einen eigenen Freibetrag in Höhe von 801 Euro hat, wäre insgesamt mehr Gewinn möglich, ohne Abgeltungssteuer zahlen zu müssen.

In beiden Fällen musst Du bei der Bank einen Freistellungsauftrag stellen. Dann führt sie keine Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab – höchstens bis zum jährlichen Freibetrag von 801 Euro. Hast Du mehrere Depots bei verschiedenen Banken, kannst Du sowohl Deinen als auch den Freibetrag des Kindes aufteilen.

Wann der Sparerpauschbetrag nicht ausreicht

Die Gewinne aus Aktien-ETFs übersteigen den Freibetrag in der Regel erst beim Verkauf der Wertpapiere oder bei hohen Anlagesummen.

Nehmen wir an, dass Du für Dein Kind monatlich 100 Euro in einen Aktien-ETF investierst, der Dividenden wieder anlegt. Bei einem gleichbleibenden Wertzuwachs von rund 5 Prozent pro Jahr wären die Anteile nach fünf Jahren etwa 6.800 Euro wert, nach 15 Jahren rund 26.500 Euro. Würdest Du schon nach fünf Jahren verkaufen, läge der Gewinn bei 800 Euro, nach 15 Jahren bei 8.500 Euro. Nur im zweiten Fall wären Steuern fällig, weil die Gewinne die Grenze von 801 Euro übersteigen würden.

Besparst Du einen Aktien-ETF, der Dividenden ausschüttet, müssten die Anteile bei 2 Prozent Dividende pro Jahr rund 40.050 Euro wert sein, um die Grenze von 801 Euro überhaupt zu erreichen. Diesen Wert hätten die Anteile nach rund 20 Jahren, wenn Du monatlich 100 Euro investierst und der jährliche Wertzuwachs rund 5 Prozent beträgt. Darüber brauchst Du Dir also erstmal keine Gedanken zu machen, wenn Du mit keinem oder wenig Kapital startest.

Die Beispiele treffen nur zu, wenn Dein Kind keine anderen Kapitalerträge hat. Diese müsstest Du dazurechnen. Außerdem haben wir zur Vereinfachung die Vorabpauschale nicht berücksichtigt. Aufgrund dieser Pauschale ist jährlich ein kleiner Betrag an Steuern vorab fällig bei ETFs, die Dividenden wieder anlegen. Bei einer Anlagesumme von 25.000 Euro waren es im Jahr 2020 rund 2,30 Euro. Deshalb solltest Du für jedes Depot zumindest ein paar Euro freistellen. Wie ETFs besteuert werden, liest Du im Ratgeber Investmentsteuergesetz.

Mit dem Finanztip-Sparplanrechner kannst Du herausfinden, wie lange Du mit verschiedenen Sparraten und Zinsen sparen musst, um Dein Ziel zu erreichen.

Wenn der Sparerpauschbetrag nicht ausreicht: Grundfreibetrag nutzen

Wenn Du erwartest, dass die Depotwerte Deines Kindes mehr als 801 Euro Gewinn pro Jahr abwerfen, solltest Du eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung beim Finanzamt beantragen. Wenn Du diese bei der Bank einreichst, behält sie selbst dann keine Steuern ein, wenn die Kapitalerträge Deines Kindes den Freibetrag übersteigen. Die Bescheinigung gilt in der Regel für drei Jahre.

Die Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung zeigt an, dass Dein Kind vorrausichtlich keine Einkommensteuer zahlen muss. Das ist der Fall, wenn es mit seinen Einkünften unter dem jährlichen Grundfreibetrag bleibt. Dieser wird jedes Jahr neu festgelegt. Im Jahr 2021 liegt er bei 9.744 Euro, im Jahr 2022 bei 9.984 Euro. Bis zu diesem Betrag müssen Steuerpflichtige überhaupt keine Steuern zahlen.

Insgesamt wären für Deinen Nachwuchs im Jahr 2021 somit Kapitalerträge bis zu 10.581 Euro steuerfrei, wenn er keine anderen Einkünfte hat. Die Summe ergibt sich aus dem Grundfreibetrag (9.744 Euro), dem Sparerpauschbetrag (801 Euro) und dem Sonderausgaben-Pauschbetrag (36 Euro).

Unser Podcast zum Thema

Welche wichtigen Einkommensgrenzen gibt es?

Sparst Du auf den Namen Deines Kindes, kann das auch Auswirkungen auf die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung und staatliche Ausbildungsförderung (Bafög) haben. Beim Kindergeld spielt das Einkommen Deines Kindes keine Rolle.

In der gesetzlichen Kran­ken­kas­se gibt es Einkommensgrenzen für Kinder

Wenn Du gesetzlich krankenversichert bist, hast Du Dein Kind wahrscheinlich beitragsfrei mitversichert. Solange es keine oder nur geringe eigene Einkünfte hat, kann es in der Familienversicherung bleiben. Verdient der Nachwuchs selbst zu viel, muss er sich selbst versichern. Im Jahr 2021 liegt die Einkommensgrenze bei 470 Euro im Monat und 5.640 Euro im Jahr. Somit könnte Dein Kind im Jahr 2021 Kapitalerträge bis zu 6.441 Euro erzielen, ohne aus der Familienversicherung zu fallen – vorausgesetzt es hat keine anderen Einkünfte. Der Betrag ergibt sich aus der Einkommensgrenze (5.640 Euro) und dem Sparerpauschbetrag (801 Euro).

In der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung gibt es – anders als in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung – keine Möglichkeit, Kinder kostenfrei mitzuversichern. Deshalb spielen die Kapitalerträge Deines Kindes keine Rolle, wenn Ihr als Eltern beide privat krankenversichert seid. In der privaten Pfle­ge­ver­si­che­rung hingegen sind Kinder unter den gleichen Bedingungen wie in der GKV beitragsfrei mitversichert – also bis zur Einkommensgrenze der Familienversicherung.

Das Ersparte Deines Kindes zählt beim Bafög

Wenn Dein Kind später studiert oder eine schulische Ausbildung macht, könnte es Anspruch auf Bafög haben – sofern das Einkommen von Dir und dem anderen Elternteil zu dem Zeitpunkt niedrig ist. Hat Dein Nachwuchs dann aber selbst Erspartes, müsste er einen Teil davon unter Umständen aufbrauchen, bevor er die staatliche Förderung bekommt. Der Freibetrag liegt im Wintersemester 2020/21 bei 8.200 Euro. In diesem Fall würde er aber auch weniger oder keine Schulden machen, die er zurückzahlen muss.

Ist Dein Kind noch sehr jung, solltest Du Dir über eine mögliche Bafög-Förderung keine Gedanken machen. Denkbar ist, dass beispielsweise in einem Jahrzehnt veränderte gesetzliche Bedingungen gelten, das lässt sich nicht voraussagen.

Kindergeld gibt es unabhängig vom Einkommen Deines Kindes

Das Einkommen Deines Kindes hat keinen Einfluss darauf, ob Du Kindergeld bekommst. Es gibt auch keine Grenze mehr für volljährige Kinder, diese hat der Gesetzgeber 2012 abgeschafft. Seitdem ist entscheidend, ob das volljährige Kind zum Beispiel noch in der Schule oder Ausbildung ist, einen Arbeitsplatz sucht oder einen Freiwilligendienst ableistet. Wann und wie lange Du Kindergeld erhältst, haben wir im Ratgeber Kindergeld für Dich zusammengefasst.

Wem gehört das investierte Geld?

Eröffnest Du für Deinen Nachwuchs ein Depot, gehört das Depot ihm – und somit auch das gesparte Geld. Du darfst es weder für dessen Unterhalt noch für eigene Zwecke ausgeben. Sowohl Kleidung für den Nachwuchs als auch Dein neues Auto musst Du von Deinem eigenen Geld zahlen. Investiere nur Geld für Dein Kind, das Du langfristig nicht brauchst oder das Dein Kind geschenkt bekommt.

Du verwaltest das Geld bis zur Volljährigkeit Deines Kindes. Bis dahin bist Du verpflichtet, es im Sinne einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung anzulegen (§ 1642 BGB). Das heißt, dass Du auf Anlagen mit hohen Verlustrisiken, etwa Wetten auf Kursverläufe mit Optionsscheinen, verzichten solltest. Deshalb sind solche Anlagen bei unseren Empfehlungen sowieso ausgeschlossen. Wähle für die Geldanlage Deines Kindes am besten einen breit aufgestellten ETF.

Ab dem 18. Geburtstag kann Dein Kind dann selbst über sein Depot und die Wertpapiere verfügen – also ohne Deine Zustimmung entscheiden, was es mit dem Ersparten macht. Du hast dann auch keinen Zugriff mehr auf das Depot.

Was beim Sparen im eigenen Depot beachten?

Möchtest Du für Dein Kind sparen, kannst Du natürlich auch Dein eigenes Depot nutzen. Die Vorteile: Wenn Du schon eins hast, musst Du kein neues eröffnen. Und Du hast die Möglichkeit, auch einen der günstigen Online-Broker zu nutzen, die Finanztip empfiehlt – sie bieten aktuell keine speziellen Wertpapierdepots für Kinder an. Mehr zu den Brokern erfährst Du in unserem großen Broker- und Depot-Vergleich.

Es gibt allerdings auch potenzielle Nachteile, wenn Du in Deinem eigenen Depot für Deinen Nachwuchs sparst. Zum einen erhöhen Gewinne aus der Geldanlage Dein eigenes steuerlich relevantes Einkommen: Hast Du selbst regelmäßig Kapitalerträge, überschreitest Du Deinen Sparerpauschbetrag unter Umständen schneller und musst dann Steuern zahlen.

Zum anderen würde Dein Kind wahrscheinlich nicht Dein komplettes Depot übernehmen, wenn es volljährig wird. In diesem Fall müsste es ein eigenes Depot eröffnen und Du ihm seine Anteile übertragen. Natürlich kannst Du auch ein Zweitdepot auf Deinen Namen eröffnen und dieses Deinem Nachwuchs zum 18. Geburtstag komplett übertragen. Über die Schenkungsteuer brauchst Du Dir dabei in der Regel keine Gedanken zu machen: Eltern können ihren Kindern alle zehn Jahre 400.000 Euro steuerfrei schenken.

Welches Geld gehört nicht an den Aktienmarkt?

Grundsätzlich solltest Du am Aktienmarkt nur Geld investieren, auf das Du langfristig verzichten kannst. Du musst also weiterhin in der Lage sein, Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten und auch unerwartete Ausgaben zu stemmen. Müsstest Du etwa Wertpapiere verkaufen, um eine kaputte Waschmaschine zu ersetzen, wäre das ärgerlich – vor allem wenn die Kurse gerade niedrig sind. Für solche Ausgaben solltest Du ein Tagesgeldkonto haben.

Wenn Du für Dein Kind auf seinen Namen sparst, sind die Bedingungen noch strenger: Du darfst nicht an das Geld ran – selbst wenn Du knapp bei Kasse bist. Denn das auf seinen Namen investierte Geld gehört ihm. Stell also sicher, dass Du tatsächlich auf das Geld verzichten kannst, das Du für Dein Kind anlegst.

Geldgeschenke von Verwandten kannst Du ohne Weiteres auf den Namen Deines Kindes anlegen. Du musst nicht erfragen, ob sie damit einverstanden sind. Lohnen kann es sich aber, denn vielleicht wollen sich Großeltern oder Tanten und Onkel ja sogar direkt an einem Sparplan beteiligen.

Einen Teil des Geldes, das sich bis zum 18. Geburtstag ansammelt – zu Taufe, Geburtstagen oder bestandenen Prüfungen – solltest Du auf einem Extrakonto parken, also Geld, das Dein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt unbedingt zur Verfügung haben soll, etwa für ein Freiwilligenjahr oder den Führerschein. Damit senkst du das Schwankungsrisiko, das an der Börse immer besteht.

Dafür eignen sich Tagesgeldkonten oder eine Festgeldanlage. Beides kannst Du bei einigen Banken auch für Deinen Nachwuchs abschließen. Entscheidest Du dich dafür, achte darauf, dass die Banken unsere Stabilitätskriterien erfüllen. Zudem sollte Dein Kind ähnlich hohe Zinsen bekommen wie ein Erwachsener. Bei Festgeld empfehlen wir eine Anlagedauer von bis zu drei Jahren. Wenn die Zinsen steigen, könntest Du auf ein besseres Angebot umschichten und wärst nicht zu lange an niedrigere Zinsen gebunden.

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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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