Wertminderung bei einem Unfallschaden

  • Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2012

Ein durch einen Unfallschaden beschädigtes Kraftfahrzeug kann manchmal nicht so repariert werden, dass es wieder in den ursprünglichen Zustand vor dem Unfall gesetzt wird. Das Auto weist dann Spuren der Reparatur oder verbleibende Restschäden auf. In einem solchen Fall bleibt das Fahrzeug auf Dauer in seinem Wert gemindert. Bei der Wertminderung ist zwischen der technischen und der merkantilen Wertminderung zu unterscheiden. Erstattet wird eine Wertminderung von der Kfz-Haftpflichtversicherung in aller Regel aber nur, wenn sie von einem Sachverständigen in einem Gutachten festgestellt wird.

Recht häufig ist der Fall, in dem der Schaden am Wagen zwar vollständig und ordnungsgemäß beseitigt werden kann. Man kann aber nicht ausschließen, dass sich durch den Unfall am Auto noch verborgene Mängel befinden, die erst in der Zukunft auftreten. Dieser Mangel mindert das Fahrzeug zwar technisch nicht, schlägt sich aber im Falle des Weiterverkaufs in einem geringeren Kaufpreis nieder (so genannte merkantile Wertminderung). Die merkantile Wertminderung stellt damit einen Vermögensausgleich für das Risiko dar, aufgrund verdeckter Unfallschäden einen Mindererlös bei der Veräußerung des Fahrzeuges zu erzielen. Die tatsächliche Höhe der merkantilen Wertminderung wird in besonderer Weise durch das Kaufverhalten eines Käufers des Auto bestimmt, dass den Unfallschaden erlitten hat. Man kann daher auch von einem wirtschaftlichen Wertverlust bei einem Schaden am Auto sprechen.

Unser Tipp: Bleiben Sie zu Rechtsthemen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Ermittlung und Berechnung der Wertminderung

Auf den ersten Blick erscheint die Ermittlung der Höhe der Wertminderung als recht einfach. Man muss nur den Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall mit demjenigen nach der Reparatur vergleichen. Allerdings macht die Wertermittlung zu beiden Zeitpunkten nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Die reine Kaufpreisdifferenz zählt nicht, weil ein Kaufpreis in erster Linie vom Verhandlungsgeschick von Käufer und Verkäufer abhängt und deshalb häufig den Wert des Fahrzeugs nicht widerspiegelt.

Der Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. informiert auf der eigenen Website über die eigene Arbeit und hält dazu auch weiterführende Information, wie zum Beispiel zu den unterschiedlichen Schäden bei einem Unfall bereit. Hierzu zählt auch die Richtlinie des BVSK zur Ermittlung der merkantilen Wertminderung.

Der Bundesverband sieht als entscheidende Bezugsgrößen für die Ermittlung der merkantilen Wertminderung den Wiederbeschaffungswert und den Reparaturumfang, weil beide Größen einen maßgebenden Einfluss auf das Käuferverhalten haben. Bei dem Reparaturumfang ist zu differenzieren zwischen Faktoren, die die Wertminderung beeinflussen sowie Faktoren, die keinen oder nur geringen Einfluss auf das Käuferverhalten haben.

Technische und merkantile Wertminderung nebeneinander

Eigentlich müsste in jedem Einzelfall festgestellt werden, ob durch einen Unfallschaden ein Fahrzeug wertgemindert wurde oder nicht. Zur Vereinfachung der Schadensabwicklung hat jedoch der Deutsche Verkehrsgerichtstag Richtlinien entwickelt, nach denen pauschal beurteilt werden kann, wann eine Wertminderung nicht in Frage kommt. Danach wird eine Wertminderung wird dann nicht erstattet, wenn

  • ein so genannter Einfachschaden vorliegt, d.h. ein Schaden an der Außenhaut und/oder an Anbauteilen des Fahrzeugs, der mit einfachen Mitteln so behoben werden kann, dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird. Darunter fallen z.B. alle Schäden, bei denen das beschädigte Teil durch ein Neuteil ersetzt wird.
  • das beschädigte Fahrzeug älter als 5 Jahre ist. Dann nämlich hat ein nach Reparatur am Fahrzeug verbliebener Restschaden in der Regel auf dessen Wert keinen Einfluss mehr.
  • das Fahrzeug im Unfallzeitpunkt eine Laufleistung von mehr als 100.000 km hat. Dann ist es nämlich schon so weit abgenutzt, dass eine Wertminderung durch einen Unfallschaden i.d.R. nicht mehr in Betracht kommt.


Die Höhe der Wertminderung legt ein Kfz-Sachverständiger in seinem Gutachten fest. Als Methoden gelten Namen wie Halbgewachs-Berger oder Ruhkopf und Sahm. Danach ist der Minderwert X% der Summe vom Wiederbeschaffungswert und den Reparaturkosten. Der Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. nennt in seiner Richtlinie zur Berechnung des merkantilen Minderwertes keine Methode, sondern stellt eigene Grundsätze auf und hält die bekannten Berechnungsmethoden nur für bedingt geeignet. Auszug aus der Richtlinie: Es ist nicht Aufgabe des Kfz-Sachverständigen, die subjektiven (Wunsch)Vorstellungen des Verkäufers eines Fahrzeuges oder des Käufers eines Fahrzeuges zur Grundlage seiner Wertminderungsermittlung zu machen, sondern dem Geschädigten anhand nachvollziehbarer Argumente darzulegen, worauf letztlich der Wertverlust des Fahrzeuges bei einem möglichen Verkauf bei Offenlegen des Unfallschadens beruht und wie sich demgemäss der Schaden auch nach einer Instandsetzung auf die Marktsituation auswirkt. Der Sachverständige ist sich hierbei bewusst, dass seine Feststellungen letztlich auch marktbeeinflussend sind.

Der Kfz-Sachverständige hat bei der Ermittlung der Wertminderung die Einschätzung eines potentiellen Käufers für das wieder instandgesetzte Unfallfahrzeug, bezogen auf das konkrete Fahrzeug, zu berücksichtigen. Zur Bemessung des merkantilen Wertminderungsbetrages hält der BVSK daher die auf dem Markt vorhandenen gängigen Berechnungsmethoden nur für bedingt geeignet. Da das Käuferempfinden maßgebend durch die Art der vorzunehmenden Reparatur beeinflusst wird, dienen die auf dem Markt vorhandenen gängigen Berechnungsmethoden nur bedingt als geeignete Hilfsmittel.

Unser Tipp: Bleiben Sie zu Rechtsthemen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Ein Rechtsstreit kann teuer werden

  • Rechtsschutz ist sinnvoll, aber kein Muss.
  • Viele Fälle, etwa rund um Hausbau oder Scheidung, sind nicht versichert.
  • Wir zeigen gute Tarife zu einem fairen Preis.

» Zum Ratgeber

Sollen wir Sie
zu Rechtsthemen
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Neu auf Finanztip

Finanztip bei Twitter