Volksbank Pforzheim
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Volks-und Raiffeisenbanken gehören im Wesentlichen ihren Kunden. Die heißen dort Genossen und bekommen für ihre Einlagen jährlich eine Dividende. Im Jahr 2019 waren das im Schnitt 4 Prozent, nicht schlecht. Auch Sparda-Bank und PSD sind Genossenschaftsbanken.

Insgesamt 18,6 Millionen Genossen gibt es in Deutschland (mehr als Aktionäre). Wenn Du einer von ihnen bist, musst Du dieses Jahr möglicherweise auf eine Dividende verzichten. Denn die europäische Bankenaufsicht hat verfügt, wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr keine auszuschütten. Sie ist allerdings nur für die großen Genossenschaftsbanken zuständig.

Über die anderen wacht die deutsche Bankenaufsicht Bafin. Die rät zwar auch von Dividenden ab, hat aber Schlupflöcher gelassen, die viele der rund 850 Genossenschaftsbanken nutzen wollen. Es werden für viele Genossen also auch dieses Jahr Dividenden fließen. Häufig allerdings weniger als sonst. Und manche Banken schütten wegen Corona tatsächlich nichts aus.

Einzelne Institute wie die Volksbank Mittelhessen sind schon vorgeprescht. Sie hat ihren 200.000 Genossen stattliche 5,5 Prozent Dividende gezahlt. Mehrere Dutzend Volksbanken suchen inzwischen auch außerhalb ihrer Region nach neuen Genossen – und werben dafür mit ordentlichen Dividenden.

Es kann sich also nach wie vor lohnen, einen Genossenschaftsanteil als Geldanlage zu zeichnen – vor allem, wenn Du ohnehin ein Konto bei der Bank unterhältst. Oder falls die Anlage für Kinder und junge Leute gedacht ist, die ein zusätzliches Konto dort kostenlos oder zumindest günstig führen können.

 

Keine Einlagensicherung

Genossenschaftsanteile sind keine klassische Geldanlagen, in erster Linie sind sie Beteiligung an einem lokalen Banksystem. Immer häufiger aber können sich Kunden und Nicht-Kunden auch von Ferne an einzelnen Genossenschaftsbanken beteiligen.

Das kann wegen der Dividenden lukrativ sein. Allerdings ist eine solche Beteiligung nicht durch die Einlagensicherung abgedeckt. Trotzdem halten wir das Geld bei einer Genossenschaftsbank für recht sicher aufgehoben: Immerhin ist seit 70 Jahren keine Genossenschaftsbanken pleitegegangen – und damit auch keine Anteile verlorengegangen. Wenn einzelne Institute in Schieflage gerieten, dann wurden sie stets vor einer Pleite von anderen Genossenschaftsbanken aufgefangen.

 

Wenn Du als Genosse Geld „anlegen“ willst, solltest Du drei Punkte im Kopf haben:

1. Du bist an der Bank beteiligt

Genossenschaftsanteile sind eine unternehmerische Beteiligung. Du kannst sie nur mit Frist kündigen, meist drei Monate zum Ende des Geschäftsjahres, und bekommst Dein Geld auch erst nach der nächsten Jahresversammlung der Genossenschaft zurück. Im Zweifel also erst zwölf Monate nach der Kündigung. Und Achtung: Manche Genossenschaften sehen zudem noch eine Nachschusspflicht vor, falls die Bank in Schwierigkeiten gerät. Dazu ist es aber wie gesagt seit 70 Jahren nicht gekommen.

 

2. Du musst meist in der Filiale kaufen

Der Kauf solcher Genossenschaftsanteile muss oft vor Ort in einer Filiale erfolgen, viele Genossenschaftsbanken erlauben den Kauf von Ferne per Post-Ident-Verfahren nicht. Überregionale Genossenschaftsbanken wie die Apotheker- und Ärzte-Bank, die GLS Bank und manche Kirchenbanken werben auch überregional um Genossen. Inzwischen tun dies auch einige Dutzend traditionell regionale Institute. Meist ist der Kauf der Anteile auch an den Unterhalt eines Kontos gebunden. Konten sind oft nur für Kinder und Jugendliche günstig.

 

3. Du kannst nur begrenzte Summen anlegen

Die Zahl der Anteile, die Du kaufen kannst, ist immer begrenzt, mal auf einen Anteil, mal auf 1.000 Anteile wie bei der Berliner Volksbank. Das beschränkt die Höhe des Investments. Bei der Berliner Volksbank kannst Du Dich mit den 1.000 Anteilen für 52.000 Euro beteiligen. Bei geplanten 2,5 Prozent Dividende wäre dann eine Dividende von 1.300 Euro drin.

Daher auch unser Rat, dass sich so eine Beteiligung vor allem für Kunden der Bank lohnt. Die Kontoführung sollte dabei nicht teuer sein, sonst frisst sie die gesamte Rendite wieder auf. Denn es gibt immer noch weitgehend kostenfreie Girokonten bei Direktbanken.

Hermann-Josef Tenhagen
Autor

Stand:

Als Chefredakteur verantwortet Hermann-Josef Tenhagen alle Inhalte und die grundsätzliche Ausrichtung von Finanztip. Er war 15 Jahre Chefredakteur bei der Zeitschrift Finanztest (Stiftung Warentest). Davor war er unter anderem Nachrichtenchef der Badischen Zeitung und stellvertretender Chefredakteur bei der taz. Er studierte Politik, Volkswirtschaft, Pädagogik und Literaturwissenschaften.

19 Kommentare

  1. Auch wenn die Einlage nicht sehr hoch ist, sollte folgendes beachtet werden: Im Falle einer Schieflage der Bank besteht eine Nachschusspflicht der „Genossen“ – mindestens in Höhe der gezeichneten Anteile!

    1. Dem kann so sein, muss es aber nicht. Es gibt Genossenschaften, welche in den Bedingungen eine Nachschusspflicht ausschließen. Daher gilt dies vorher zu prüfen und zu überdenken.

  2. Da die Volksbank ihre Gebühren demnächst erhöht,haben meine Frau und ich jeweils 3 Anteile neu gezeichnet.Das gleicht in etwa die Gebührenerhöhung aus!!!

  3. Bei den meisten regionalen Genossenschaftsbanken ist die Obergrenze für eine Beteiligung so niedrig (meist um die 1.500 Euro), dass sich der Aufwand nicht lohnt. Das Berliner Beispiel scheint da eine Ausnahme zu sein. Gibt es da noch weitere Ausnahmen, die auch von Nicht-Kunden) Beteiligungen von mehr als 5 TEUR zulassen und mehr als 2% Dividende zahlen?

      1. Da ist wohl Mike besser informiert als Biallo, der nur zwei nennt. Wäre echt gut, wenn man die anderen Institute von Mike genannt bekäme.
        Schöne Grüße und ganz optimistisch vorsorglich Dank!
        Uwe Nissen

  4. Dieser Artikel ist nicht wirklich hilfreich. Mir fehlt die Information, welche dieser Banken auch Nicht-Kunden als Genossen aufnehmen. Es erscheint mir nämlich ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand – nur um Anteile erwerben zu können – ein zusätzliches Girokonto eröffnet.

    Und wer bereits Kunde = Genosse ist, braucht diese Finanztip Informationen wohl kaum, denn die bekommt er bei Kontoeröffnung ohnehin von der Bank mitgeteilt.

      1. Bei biallo.de gibt`s eine kostenlose PDF.-Download-Liste mit den Top 40 der Volks- und Raiffeisenbanken, die anscheinend auch überregional Genossenschaftsanteile anbieten. Spitzenreiter soll die VB Dortmund-Nordwest sein.

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