Steu­er­er­klä­rung 2015

Hol Dir Dein Geld vom Fiskus zurück

Udo Reuß 24. Januar 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer eine Steu­er­er­klä­rung für 2015 abgeben muss, hatte bis 31. Mai 2016 Zeit. Die Frist konnte verlängert werden bis Ende September 2016.
  • Es lohnt sich meist, die Formulare auszufüllen: Im Durchschnitt sind rund 900 Euro Rückerstattung möglich.
  • Allein mit ihren Fahrtkosten überschreiten viele Steuerzahler den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro und können noch viele weitere berufliche Ausgaben absetzen.
  • Wer zu Hause Handwerker oder eine Putzhilfe beschäftigt oder seine Kinder betreuen lässt, kann das direkt von der Steuer absetzen.
  • Unterhaltszahler benötigen seit 2016 in der Steu­er­er­klä­rung die Steuer-Identifikationsnummer des Geldempfängers.
  • Alleinerziehende profitieren von einem höheren Entlastungsbetrag. Ab dem zweiten Kind gibt es hierfür sogar einen Zuschlag.

Obwohl die meisten Arbeitnehmer von einer Steu­er­er­klä­rung profitieren würden, scheuen viele die Abgabe. Dabei ist das mit ein wenig Anleitung oder einer Software viel weniger bürokratisch und aufwendig, als die meisten denken. Und oft kommen Steuerzahler aufgrund einer Rückerstattung von durchschnittlich 875 Euro auf einen stattlichen „Stundenlohn“. Für das Steuerveranlagungsjahr 2011 – das ist die aktuellste Erhebung – nennt das Statistische Bundesamt diese Zahl. Für das Jahr 2015 ist eine höhere Summe zu erwarten.

Wer eine Steu­er­er­klä­rung abgeben muss

Du musst eine Steu­er­er­klä­rung abgeben, wenn Du im vorigen Jahr Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug von mehr als 410 Euro hattest – dazu zählen zum Beispiel auch Arbeitslosen-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld. Das Gleiche gilt, wenn Du 2015 mehrere Arbeitgeber gleichzeitig hattest und Dein Einkommen nach Steuerklasse VI abgerechnet wurde.

Auch falls Du als Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner die Kombination der Lohnsteuerklassen III/V oder IV/IV mit Faktor hast, musst Du eine Steu­er­er­klä­rung abgeben. Das gilt ebenso, wenn Du Freibeträge in Anspruch genommen hast oder Einkünfte hast als Selbstständiger, Rentner oder Vermieter, die oberhalb des Grundfreibetrags von 8.472 Euro lagen. Für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner, die sich gemeinsam veranlagen lassen, gilt steuerlich immer der doppelte Freibetrag, also 16.944 Euro.

Das sind weitere Fälle, in denen Du eine Steu­er­er­klä­rung ausfüllen musst:

  • Einer der Partner beantragt die getrennte Veranlagung.
  • Für Kapitaleinkünfte sind noch Kapitalertragsteuer oder Kirchensteuer offen.
  • Im Steuerbescheid 2014 hat das Finanzamt einen Verlust festgestellt.
  • Du hast 2015 eine Abfindung erhalten, bei der die Lohnsteuer nach der Fünftel-Regelung berechnet wurde.

Rentner müssen eine Steu­er­er­klä­rung abgeben, wenn sie mehr als den Grundfreibetrag von 8.472 Euro einnehmen. Für einen alleinstehenden Rentner, der erstmals 2015 Altersbezüge erhielt, trifft dies bei einer monatlichen Rente von 1.030 Euro zu, weil nur 70 Prozent davon zu versteuern sind – auch in den Folgejahren. Bis gut 1.200 Euro monatlichen Bezügen bleiben diese sogar steuerfrei. Schätzungsweise jeder fünfte Rentenbezieher ist steuerpflichtig.

Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber Pflicht zur Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung.

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Wer freiwillig eine Steu­er­er­klä­rung abgeben sollte

Manchen verheirateten Arbeitnehmern wurde 2015 zu viel Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen. Ursache war ein Fehler in der Datenbank der Finanzverwaltung, wodurch den Arbeitgebern falsche Steuerklassen übermittelt wurden. Falls Deine Lohnabrechnungen von Monat zu Monat deutliche Unterschiede aufwiesen, lohnt sich also eine Überprüfung der jeweils angegebenen Steuerklasse. War zwischendurch die falsche eingetragen, solltest Du Dir das zu viel bezahlte Geld per Steu­er­er­klä­rung zurückholen.

2015 stieg der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 600 Euro auf 1.908 Euro. Ab dem zweiten Kind gibt es einen Zuschlag von 240 Euro für jedes weitere Kind. Beim Lohnsteuerabzug in der Steuerklasse II wurde dies für ein Kind im Dezember 2015 berücksichtigt. Haben Alleinerziehende mindestens zwei Kinder, sollten sie sich den höheren Steuerabzug mit einer Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung sichern.

Sinnvoll ist die Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung außerdem, wenn:

  • Du einen Antrag auf Festsetzung zur Arbeitnehmersparzulage stellen willst,
  • einen verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen willst oder
  • nachträglich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge angeben möchtest, die nicht zusammen mit der Abgeltungssteuer einbehalten wurden. Das gilt für kirchensteuerpflichtige Kapitalanleger, die dem Datenabruf zur Kirchensteuererhebung widersprochen haben.

Neben diesen speziellen Fällen lohnt es sich auch für viele andere Steuerpflichtige, freiwillig eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben. Falls Du als Arbeitnehmer hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen hattest oder wenn Du Handwerker und Dienstleister in Deinem Haushalt beschäftigt hattest, bekommst Du in der Regel einen Teil der Ausgaben als Steuererstattung zurück. Dieses Geld solltest Du nicht verschenken. Das gilt auch bei Ausgaben für die Kinderbetreuung.

Hier findest Du Dein zuständiges Finanzamt, an das Du die Steu­er­er­klä­rung schickst.

So gibst Du Deine Einkünfte an

Den Mantelbogen zur Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung muss jeder ausfüllen. Dazu können weitere Bögen kommen. Kreuz im Mantelbogen das entsprechende Formular an, wenn Du es beilegst.

Anlage N - Sie ist für Arbeitnehmer Pflicht.

Anlage R - Dieses Formular müssen Rentner ausfüllen.

Anlage S - Diese müssen Selbstständige abgeben. Dort musst Du auch die Einkünfte eintragen, die Du als Übungsleiter oder aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit bekommst.

Anlage Kind - Wenn Du Kinder hast, kommt noch die Anlage Kind dazu. Du musst für jedes Kind ein eigenes Formular ausfüllen. Dort trägst Du die Höhe Deines Anspruchs auf das Kindergeld ein. 2015 ist das Kindergeld gestiegen. Hattest Du für das ganze Jahr Anspruch, sind das für die ersten beiden Kinder jeweils 2.256 Euro, für das dritte Kind 2.328 Euro und ab dem vierten Kind 2.628 Euro. Ob für Dich Kindergeld oder die Anrechnung des Kinderfreibetrags günstiger ist, ermittelt das Finanzamt. Es berücksichtigt auch die kinderbezogenen Freibeträge, wenn es den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer berechnet. Im Formular musst Du für jedes Kind dessen Steuer-Identifikationsnummer eintragen.

Anlage Vorsorgeaufwand - Für Deine Versicherungen und die Altersvorsorge brauchst Du dieses Formular.

Anlage AV - Sie ist für jeden Riester-Sparer relevant.

Anlage SO - Wer ein Grundstück innerhalb von zehn Jahren nach der Anschaffung verkauft, erzielt möglicherweise einen Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft. Solche sonstigen Einkünfte sind in der Anlage SO zu erklären. Weitere sonstige Einkünfte sind solche aus gelegentlichen Vermittlungen, Abgeordnetenbezüge und erhaltene Unterhaltsleistungen.

Ausgleichsleistungen, die dazu dienen, den Versorgungsausgleich nach einer Scheidung zu vermeiden, sind erstmals in der Steu­er­er­klä­rung 2015 im Mantelbogen in Zeile 39 einzutragen. Außerdem muss der Leistende die Anlage U und der Empfänger zudem die Anlage SO ausfüllen.

Anlage AUS - In diesem Formular gibst Du ausländische Einkünfte an.

Welche Ausgaben die Steuern mindern

Es gibt eine Reihe weiterer Ausgaben, die Du absetzen kannst.

Jede Mehrausgabe über den 1.000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag zählt

Dein zu versteuerndes Einkommen als Arbeitnehmer reduziert das Finanzamt immer um die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le. Diese beträgt 1.000 Euro, die Du nicht versteuern musst. Doch oft ist noch mehr drin. Wenn Deine beruflichen Ausgaben diesen Pauschbetrag übersteigen, zählt jeder zusätzliche Euro. Arbeitnehmer etwa, die täglich 15 Kilometer zur Arbeit fahren, kommen allein mit ihren Fahrtkosten meist schon über den Pauschbetrag. Diese werden nach der sogenannten Entfernungspauschale mit 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke berechnet.

Fährst Du beispielsweise an 230 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit, kommen schon 1.035 Euro an Fahrtkosten zusammen. Alle weiteren Ausgaben sind bares Geld wert. Bei einer Fünf-Tage-Woche akzeptieren Finanzämter in aller Regel 220 bis zu 230 Tage für die Entfernungspauschale, bei einer Sechs-Tage-Woche sind es 50 Tage mehr. Einen bundeslandspezifischen Arbeitstagerechner findest Du hier.

Deine Daten trägst Du in Anlage N, Seite 2, Zeile 31 bis 39 ein.

Weitere Werbungskosten, die Du absetzen kannst

In das Feld „Weitere Werbungskosten“ in der Anlage N kannst Du alles eintragen, was Du für Deinen Job oder für die Karriere ausgegeben hast: etwa Fortbildungs- oder Bewerbungskosten. Auch Schreibmaterial, Fachbücher, Zeitschriften, die Du beruflich benötigst, oder die Mitgliedschaft in einem Berufsverband, darfst Du angeben, wenn Du die Ausgaben belegen kannst. Nutzt Du Dein Smartphone oder Deinen Laptop teilweise beruflich, so kannst Du den beruflichen Anteil absetzen. Arbeitsmittel mit einem Anschaffungspreis bis 487,90 Euro darfst Du komplett abschreiben, teurere Gegenstände musst Du über die Nutzungsdauer abschreiben. Sogar Bewirtungsaufwendungen kannst Du unter bestimmten Voraussetzungen geltend machen.

Kon­to­füh­rungs­ge­bühren erkennt das Finanzamt bis 16 Euro ohne Nachweis an. Mehr dazu findest Du im Ratgeber Werbungskosten.

Falls Du ein Arbeitszimmer in Deiner Wohnung nutzt, kannst Du diese Kosten mit bis zu 1.250 Euro im Jahr geltend machen. Bedingung: Für die berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dies gilt beispielsweise für Lehrer und viele Außendienstmitarbeiter. Nutzt Du das Arbeitszimmer zu mehr als 10 Prozent privat, ist kein Steuerabzug möglich. Außerdem darf es kein Durchgangszimmer sein und es genügt auch keine Arbeitsecke. Deine weiteren Werbungskosten trägst Du in Anlage N, Seite 2, ab Zeile 40 ein.

Wenn Du Deine Wohnung renovierst

Der Fiskus beteiligt sich an Deinen Sanierungsaufwendungen. Ob Tapetenwechsel, neue Fliesen oder ein renoviertes Bad – Ausgaben für solche Handwerkerarbeiten solltest Du in Deiner Steu­er­er­klä­rung eintragen. 20 Prozent des gezahlten Lohns und der Fahrtkosten kannst Du direkt von Deiner Steuerschuld abziehen, maximal 1.200 Euro pro Jahr. So kannst  Du insgesamt Rechnungen bis 6.000 Euro zu Deinem Vorteil nutzen. Die Gerätekosten des Handwerkers fallen ebenfalls darunter, nicht jedoch Materialaufwendungen. Voraussetzung ist, dass Dir der Maler oder Fliesenleger eine Rechnung stellt und Du den Betrag überweist. In diesem Schreiben des Bundesfinanzministeriums sind alle Leistungen aufgeführt, die Du von der Steuer absetzen kannst (ab Seite 25).

Selbst wenn Du zur Miete wohnst, kannst Du diesen Steuervorteil nutzen. Was Dein Vermieter an Handwerkerleistungen im Mietshaus auf die Nebenkostenrechnung setzt, kannst Du komplett in der Steu­er­er­klä­rung eintragen: Ausgaben für den Hausmeister, die Treppenhausreinigung oder den Winterdienst zum Beispiel kannst Du als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Leg der Steu­er­er­klä­rung einfach Deine  Be­triebs­kos­ten­ab­rech­nung als Kopie bei (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 71). Absetzbar sind neuerdings auch die kompletten Schornsteinfegerkosten (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 73).

Hilfe im Haushalt direkt von der Steuer abziehen

Hast Du 2015 eine Putzhilfe in Deiner Wohnung beschäftigt? Oder eine Pflegekraft für einen kranken Familienangehörigen? Für solche haushaltsnahen Dienstleistungen kannst Du Dir ebenfalls einen direkten Steuerabzug sichern. Abzugsfähig sind 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens aber 4.000 Euro. Voraussetzungen auch hier: Es liegt eine Rechnung vor und Du hast den Betrag überwiesen.

Zwei Drittel der Kinderbetreuungs-Kosten sind abzugsfähig

Der eigene Nachwuchs erfordert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch jede Menge Geld – zum Beispiel für die Betreuung. Die Ausgaben dafür kannst Du als Sonderausgaben absetzen und so das zu versteuernde Einkommen mindern. Das gilt für zwei Drittel der Betreuungskosten bis zu 4.000 Euro, falls die Kinder jünger als 14 Jahre sind. Ansetzen kannst Du beispielsweise die Gebühr für den Hort oder die Kindertagesstätte, für eine Tagesmutter oder eine Hausaufgabenbetreuung zu Hause (Anlage Kind, Seite 3, Zeilen 67 bis 73).

Steuer sparen mit Altersvorsorge und Versicherungen

Seit 2005 gilt für Renten und Pensionen gleichermaßen die nachgelagerte Besteuerung. Das heißt, dass prinzipiell erst in der Auszahlungsphase besteuert wird. Doch bis zum Jahr 2040 gilt der Übergangszeitraum für den Systemwechsel. Zahlst Du noch Beiträge für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, dann trägst Du diese in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Zu den Vorsorgeaufwendungen gehören auch Beiträge für berufsständische Versorgungswerke oder Einzahlungen in Rürup-Verträge. Aktuell kannst Du 80 Prozent Deiner gezahlten Beiträge als Sonderausgaben geltend machen, Alleinstehende maximal 17.738 Euro, Zusammenveranlagte höchstens 35.476 Euro.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Ausgaben wie Beiträge zur gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (ohne ergänzende Wahlleistungen) gehören zu den Sonderausgaben, die Du in voller Höhe absetzen kannst. Dazu zählen auch die private Kran­ken­ver­si­che­rung oder weitere Versicherungen wie Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und die klassische private Lebensversicherung, sofern sie vor 2005 abgeschlossen wurde. Diese Beiträge kannst Du zusätzlich zu Deinen Aufwendungen für die Altersvorsorge anrechnen. Diese Angaben sind in der Anlage Vorsorgeaufwendungen zu machen.

Achtung: Solche Versicherungsbeiträge wirken sich nur aus, wenn Du die dafür geltenden jährlichen Höchstbeträge von 1.900 Euro für Arbeitnehmer und 2.800 Euro für Selbstständige nicht schon durch Deine Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ausgeschöpft hast. Das ist allerdings bei den meisten Arbeitnehmern der Fall.

Das können Riester-Sparer geltend machen

Wenn Du Anspruch auf die Riester-Förderung hast und die Zulagen erhältst, profitierst Du möglicherweise von einem zusätzlichen Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 Euro. Das Finanzamt stellt automatisch fest, was für Dich besser ist: die Riester-Zulagen oder der Sonderausgabenabzug. Du erhältst die Förderung, die für Dich am günstigsten ist. Dazu musst Du aber die einseitige Anlage AV ausfüllen.

Sonderausgaben angeben

Bis 36 Euro (72 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern) berücksichtigt das Finanzamt Sonderausgaben ohne Nachweise. Zu den Sonderausgaben zählen neben der Kirchensteuer und Spenden auch Unterhaltszahlungen.

Krankheitskosten von der Steuer absetzen

Hattest Du 2015 gesundheitsbedingte Ausgaben? Dann kannst Du diese als außergewöhnliche Belastungen in Deiner Steu­er­er­klä­rung geltend machen.

Brillen, Zahnersatz, Physiotherapie, Akupunktur sind typische Krankheitskosten, die Du absetzen kannst, genauso wie selbst getragene Krankenhaus- und Arztkosten, Ausgaben für verordnete, aber nicht rezeptpflichtige Arzneimittel und die Rezeptgebühr. Allerdings muss dafür Deine individuelle Belastungsgrenze – die sogenannte zumutbare Belastung – überschritten sein. Diese hängt von der Höhe Deiner Einkünfte, Deinem Familienstand und der Zahl Deiner Kinder ab. Sie liegt bei 1 bis 7 Prozent Deiner gesamten Einnahmen. Wie hoch Deine individuelle Belastung sein darf, kannst Du auf der Website der Oberfinanzdirektion Niedersachsen berechnen.

Hol Dir Geld für den Umzug zurück

Falls Du 2015 umgezogen bist, kannst Du auch diese Kosten von der Steuer absetzen. Für einen beruflich veranlassten Umzug darfst Du die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. Zum Beispiel, wenn Du den Job wechselst oder sich durch den Umzug Dein Arbeitsweg wesentlich verkürzt.

Viele Ausgaben wie das Renovieren der alten Wohnung oder den Kabelanschluss in der neuen Wohnung musst Du nicht einzeln nachweisen. Dafür kannst Du eine Umzugskostenpauschale ansetzen. Ehepaare, die ab März 2015 aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können in der Steu­er­er­klä­rung pauschal 1.460 Euro geltend machen, Singles 730 Euro (im Januar und Februar 2015: 1.429 bzw. 715 Euro). Für jede weitere mitziehende Person kannst Du 322 Euro ansetzen.

Zusätzlich zur Pauschale kannst Du viele weitere Ausgaben für Deinen Umzug absetzen, die Du allerdings belegen musst. Dazu gehören beispielsweise die Fahrten zu Woh­nungs­be­sich­ti­gung­en, der Transport des Hausrats oder eine doppelte Miete. Auch für den Fall, dass Dein Kind nach dem Schulwechsel einen Nachhilfelehrer braucht, kannst Du dies bis zu einem Höchstbetrag steuerlich geltend machen. Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber „Umzugskosten“ (Anlage N, Seite 2, Zeilen 45 bis 48). 

Bei einem privaten Umzug kannst Du 20 Prozent der Lohnkosten für die Umzugshelfer als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 71). 

Spenden: Gutes tun und Steuern sparen

Hast Du im vergangenen Jahr einem Jugendprojekt in der Nachbarschaft oder einer Hilfsinitiative für Flüchtlinge Geld gespendet? Spenden an eine gemeinnützige Organisation kannst Du bis zu einem Anteil von 20 Prozent Deiner gesamten Einkünfte als Sonderausgaben geltend machen.

Jede Spendenquittung zahlt sich aus, denn Sonderausgaben mindern Dein zu versteuerndes Einkommen, sobald sie über dem Pauschbetrag von 36 Euro (72 Euro für Zusammenveranlagte) liegt. Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu 200 Euro je Zahlung reicht als Nachweis in der Regel der Kontoauszug. Dieser vereinfachte Nachweis ist auch bei Beträgen von mehr als 200 Euro möglich, sofern die Zahlung auf ein bestimmtes Sonderkonto geht und innerhalb eines festen Zeitraums gezahlt wird, etwa bei Spenden für Flüchtlinge oder nach einer Naturkatastrophe.

Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien kannst Du zur Hälfte direkt von Deiner Steuerschuld abziehen – bis zu einem Höchstbetrag von 825 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern das Doppelte. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber „Spenden als Sonderausgaben“.

Tipp: Bis 100 Euro können die Finanzämter Deine Spenden auch ohne Belege anerkennen, wenn Du eine Auflistung der einzelnen Ausgaben und der Empfänger beilegst. Einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es allerdings nicht, es handelt sich nur um eine interne Anweisung der Finanzämter, um die Papierflut durch mitgeschickte Belege einzudämmen (Mantelbogen, Seite 2, Zeile 45 bis 56).

Ehrenamt: Helfen mit finanziellem Ausgleich

Für eine ehrenamtliche Tätigkeit, beispielsweise als Sporttrainer einer Amateurmannschaft, darfst Du bis zu 2.400 Euro jährlich steuerfrei als Übungsleiterpauschale annehmen. Für ein Ehrenamt in einer gemeinnützigen Organisation kannst Du bis zu 720 Euro erhalten, ohne dafür Steuern zu entrichten. Du musst diese Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit in der Anlage S eintragen.

Du kannst beide Pauschalen nutzen, aber nicht für dieselbe Tätigkeit. Übst Du verschiedene Ehrenämter aus, die gesondert vergütet werden, kannst Du zusätzlich zur Übungsleiterpauschale auch vom Ehrenamtsfreibetrag profitieren. Zum Beispiel, wenn Du als Trainer für einen Sportverein tätig bist und auch die Vereinskasse hütest (Anlage S, Seite 2, Zeile 36 und 37).

Welche Fristen Du einhalten musst

Die gesetzliche Abgabefrist für die Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung 2015 endet am 31. Mai 2016. Bis dahin muss sie beim Finanzamt eintreffen. Brauchst Du mehr Zeit, kannst Du eine Fristverlängerung bis zum 30. September beantragen. Du solltest den Antrag begründen, etwa damit, dass Dir noch nicht alle Unterlagen vorliegen. Das geht meist unbürokratisch, ein Anruf genügt.

Beauftrage einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein, dann hast Du sogar bis zum Jahresende Zeit – ohne einen Antrag stellen zu müssen. Eine Fristverlängerung um weitere zwei Monate ist noch zusätzlich drin. In Hessen gilt der 28. Februar 2017 sogar als offizieller Termin für den Fristablauf.

Freiwillige haben länger Zeit

Wer seine Steu­er­er­klä­rung freiwillig abgeben will, hat dafür vier Jahre Zeit. Du kannst Dir daher 2016 noch Ausgaben aus dem Jahr 2012 zurückholen, falls Du die Steu­er­er­klä­rung bis zum Jahresende einreichst. Für das Jahr 2015 haben Freiwillige also bis zum 31. Dezember 2019 Zeit. Kommt dann der Steuerbescheid, hast Du einen Monat Zeit, ihn zu prüfen und Einspruch einzulegen, falls Du mit dem Ergebnis nicht einverstanden bist oder Fehler in der Berechnung entdeckst. Wie Du am besten vorgehst, liest Du in unserem Ratgeber Steuerbescheid ändern.

Wer helfen kann

Viele Steuerfälle sind einfach, insbesondere wenn sich seit Jahren die Verhältnisse kaum geändert haben und nur wenige Abzugspositionen in Betracht kommen. Trifft dies auf Dich zu? Dann wag Dich selbst ans Ausfüllen Deiner Erklärung – entweder auf den Papierformularen, über Elster-Formular, das kostenlose Programm der Finanzverwaltung oder auf dem Elster-Online-Portal. Im Ratgeber Elster haben wir beschrieben, wie Du dort vorgehen musst. Die Finanzverwaltung bietet zudem den Service eines Belegabrufs, die sogenannte vorausgefüllte Steu­er­er­klä­rung.  

Du kannst auch Finanzbeamte in den Servicestellen der Finanzämter fragen, wenn Dir nicht ganz klar ist, was Du wo eintragen musst.

Hast Du mehrere Anlagen auszufüllen und weißt nicht so genau, was sich hinter Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen verbirgt, dann ist eine kostenpflichtige Steuersoftware für Dich die richtige Wahl.

Professionelle Unterstützung kannst Du Dir bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater holen.

Selber einreichen mit Steuersoftware

Kostenlos ist das Elsterformular der Finanzverwaltung. In diesem Programm findest Du Hilfestellungen zum Eingeben Deiner Daten und bekommst eine mögliche Steuererstattung oder -nachzahlung angezeigt.

Sehr viel einfacher erledigst Du die Steuer mit spezialisierter Software. Diese unterstützt Dich bei der Eingabe Deiner Daten und liefert Tipps zum Steuersparen dazu. Die Preisspanne der verschiedenen Angebote reicht von 15 Euro bis über 40 Euro. Es gibt Cloud-Lösungen aus dem Internet und Software, die Du auf Deiner Festplatte installieren musst. Auf jeden Fall benötigst Du für jedes Jahr die aktuelle Lösung des Steuerjahres – eine Vorjahresversion kannst Du nicht nutzen. Mit den kommerziellen Programmen kannst Du am Ende Deine  Steu­er­er­klä­rung schriftlich oder auch über die amtlichen Elster-Software ans Finanzamt senden. Was die Programme im Einzelnen können und welches für Dich geeignet ist, liest Du in unserem Ratgeber Steuersoftware.

Unterstützung vom Lohnsteuerhilfeverein

Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eine fertigen die Steu­er­er­klä­rung für Arbeitnehmer, Beamte, Auszubildende, Studenten, Pensionäre, Rentner und Unterhaltsempfänger an (§ 4 Nr. 11 StBerG). Grundsätzlich erledigen die Vereine alles in Bezug auf Deine Steu­er­er­klä­rung, was auch ein Steuerberater macht. Sie beraten zur Steuerklassenwahl, helfen beim Kindergeld, bei der Riester-Förderung und bei weiteren staatlichen Förderprogrammen. Außerdem können sie den gesamten Schriftverkehr mit dem Finanzamt für Dich abwickeln. In den Vereinen musst Du Mitglied werden. Mehr zum Thema liest Du in unserem Ratgeber Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eine.

Steuerberater nicht nur für Selbstständige

Selbstständige und Gewerbetreibende oder Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit können sich nicht von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen. Dasselbe gilt für alle, deren jährliche Miet- oder Kapitaleinnahmen 13.000 Euro übersteigen (bei Zusammenveranlagten 26.000 Euro). Dieser Gruppe bleibt nur der Gang zum Steuerberater. Wie Du den passenden findest und was ein Steuerberater an Gebühren verlangen darf, haben wir in einem Ratgeber zusammengestellt.

Wenn Du nicht als normaler Angestellter arbeitest, empfiehlt es sich darauf zu achten, ob der Steuerberater sich in Deiner Branche auskennt. Benötigst Du einen Experten, um sich zum Beispiel als Kapitalanleger Quellensteuer aus dem Ausland zurückzuholen, dann solltest Du solche Kenntnisse bei der Erstaufnahme gezielt abfragen. Über die Suche der Bundessteuerberaterkammer oder beim Deutschen Steuerberaterverband kannst Du einen Experten in Deiner Nähe finden und auch das Fachgebiet eingrenzen.

Beruflich veranlasste Steuerberatungskosten kannst Du von der Steuer absetzen. Für Arbeitnehmer gilt dies zum Beispiel für das Ausfüllen der Anlage N, für Vermieter das Ausfüllen der Anlage V und für Selbstständige das Ausfüllen der Anlage S. Die Kosten für den privaten Anteil Deines Steuerfalls kannst Du dagegen nicht absetzen.

Allerdings sind alles Mischkosten, was unter 100 Euro anfällt: Diese Ausgaben darfst Du in jedem Fall steuerlich geltend machen. Dazu gehören auch Steuerprogramme oder Steuerfachliteratur, die Du zur Recherche nutzt.

Wann die Steuerklärung bearbeitet wird

So mancher, der sich mit seiner Steuerklärung 2016 beeilt und auf eine schnelle Steuerrückzahlung hofft, muss wissen, dass sich diese verzögern kann. Erst ab Mitte März können die Finanzämter die privaten Erklärungen bearbeiten. Zum einen dürfen Arbeitgeber, Versicherungen und andere Einrichtungen noch bis Ende Februar Daten für das Jahr 2016 elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln. Zum anderen wird die bundeseinheitliche Software zur Steuerberechnung erst im Laufe des Februars 2017 an die Finanzämter ausgeliefert.

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