Coronavirus und Geldanlage

Aktien, Gold, Coronavirus: Was der Ausbruch für Deine Finanzen bedeutet

Hendrik Buhrs 04. Januar 2021

Corona war auch an den Börsen das beherrschende Thema des Jahres 2020. Noch immer reagieren die Kurse weltweit auf die weiterhin schwierige Lage in Europa, den USA und Asien. Wir zeigen Dir, wie Du die Risiken für Deine Geldanlage in diesen Zeiten bewerten kannst. Im Folgenden findest Du die sechs wichtigsten Anlagekategorien und unsere Einschätzung dazu.

Aktien: Augen zu und durch

In mehreren Ländern haben die Impfungen gegen SARS-CoV-2 begonnen. Mehrere Unternehmen haben entweder schon Zulassungen für ihre Impfstoffe bekommen oder stehen kurz davor. Das hat vielen Menschen Mut gemacht, auch Anlegern an der Börse. 2021 könnte das neuartige Coronavirus nicht nur durch Kontaktbeschränkungen und Co. zurückgedrängt werden, sondern auch mit Hilfe von Impfungen.

Dennoch erleben Deutschland und viele andere Länder derzeit die sogenannte zweite Welle. Die Infektionszahlen sind hoch, das öffentliche Leben bleibt vielerorts heruntergefahren. In der Woche vor Weihnachten traten in Deutschland striktere Maßnahmen in Kraft, etwa die Schließung vieler Läden. Die Börsenkurse sind im Dezember aber durchaus stabil. Der deutsche Aktienindex Dax hat direkt nach Weihnachten sogar kurzzeitig ein Allzeithoch erreicht, lag also über seinem Stand von vor der Corona-Krise, und entsprechend auch höher als vor 12 Monaten (Vergleich 28. Dezember 2020 zu 28. Dezember 2019). Der weltweite Index MSCI World steht, in Euro umgerechnet, rund 5 Prozent höher als im Jahresvergleich. Damit sind die zwischenzeitlichen Kursverluste vom Oktober wieder aufgeholt. Beide Indizes liegen deutlich über ihrem jeweiligen Rekordtief im März.

Alle wichtigen Aktienmärkte in Europa und weltweit waren Mitte Februar kräftig eingebrochen. Allein der Dax legte den schnellsten Kurssturz seiner 32-jährigen Geschichte auf dem Frankfurter Börsenparkett hin. Es ging um fast 40 Prozent abwärts, die größten deutschen börsennotierten Unternehmen waren damit im Index-Durchschnitt nur noch so viel wert wie Mitte 2016. Der weltweite Index MSCI World, den wir – anders als den Dax – als Basis für eine Anlage in günstige ETFs empfehlen, war zunächst ebenfalls stark unter die Räder gekommen.

Zu Beginn des Sommers ging es aber wieder aufwärts, und nach einer Stagnation im Herbst die Kurse eher stagniertenfolgte ein weiterer Schub zum Jahresende. Zwar haben weder der Dax noch derwie MSCI World haben in etwa ihre bisherigen Höchststände direkt vor dem Corona-Einbruch erreicht, aber sehr viele andere Vergleichs-Zeiträume leuchten in den Übersichten wieder grün. Auf Tage mit Kursverlusten folgen in der Regel wieder Gegenbewegungen nach oben.

Das wirft einerseits die Frage auf, ob die Großanleger, die maßgeblich die Kursentwicklung beeinflussen, vielleicht einem Wunschdenken aufsitzen und manches weiterhin bestehende Corona-Problem ignorieren? Oder zeigen sie im Gegenteil eine realistische Erwartungshaltung? Massiv gestützt werden die Börsen jedenfalls durch umfangreiche Hilfspakete von Zentralbanken und Regierungen. 

Andererseits sind manche Anleger vom Kursanstieg auf dem falschen Fuß erwischt worden. Sie glaubten an einen noch stärkeren Rücksetzer und denken sich nun „hätte ich doch im März zugegriffen und investiert“. Finanztip hat seinerzeit den Standpunkt vertreten: Wenn Deine finanziellen Umstände und Dein Bauchgefühl passen, starte ruhig. Mit einem Sparplan bist Du ohnehin flexibel und kannst die monatlichen Beträge jederzeit ändern. Aus heutiger Perspektive scheint klar, wie man hätte handeln sollen. Aber diese Erkenntnis hilft in der Rückschau wenig.

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Unsere Perspektive dazu: Vorsicht ist an der Börse nie falsch. Den perfekten Moment treffen Anleger selten – und langfristig betrachtet müssen sie das auch gar nicht. Selbst auf dem bisherigen Tiefpunkt des Weltindexes MSCI World im März 2020 lag dieser noch immer satte acht Prozent über seinem Stand ein Jahrzehnt zuvor, also 2010. Und in solchen Zeiträumen solltest Du bei Deiner breit gestreuten ETF-Anlage denken. 

Gerade in – weiterhin – unsicheren Zeiten ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein und sich beispielsweise nicht nur auf die 30 großen deutschen Ak­ti­en­ge­sell­schaft­en zu verlassen. Dem MSCI World kam auch zugute, dass zu seinen rund 1.600 Unternehmen viele Software- und Technologieunternehmen gehören, die von der Corona-Krise oft sogar profitieren. Mit dem MSCI All Countries setzt Du sogar auf rund 3.000 Unternehmen.

Trotzdem zeigt das heftige Auf und Ab der Kurse in kürzester Zeit, dass die Ruhe noch längst nicht an die Börse zurückgekehrt ist. Investoren entscheiden schließlich aufgrund ihrer Erwartungen an den künftigen Geschäftsverlauf – und der lässt sich nicht seriös vorhersagen, weil sich das Ausmaß der Wirtschaftskrise noch nicht einschätzen lässt. Die deutsche Wirtschaftsleistung etwa ist im zweiten Quartal 2020 um 9,8 Prozent geschrumpft, im dritten Quartal folgte dann ein Aufholen mit einem Plus von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Prognosen für das komplette Jahr sehen in allen Industrieländern düster aus. 2020, das kann man festhalten, war ein extrem unruhiges Jahr auch für Anleger an der Börse.

Aus unserer Sicht keine empfehlenswerte Strategie: jetzt den möglichen „Corona-Gewinneraktien“ hinterher jagen zu wollen, beispielsweise von Impfstoffherstellern, oder aus Branchen, die besonders stark unter der Krise gelitten haben wie Tourismus oder Luftfahrt. Das mag zwar im Einzelfall funktionieren, doch es birgt ein zusätzliches Risiko und kostet viel Recherchezeit. Du gehst um einiges entspannter durch die kommenden Monate (und Jahre), wenn Du Dich an der gesamten Börsenwelt beteiligst und nicht nur an einzelnen Titeln.

Insgesamt gilt: Auch wenn Dein Depot derzeit vielleicht noch im Minus steht – Corona wird nach heutigem Stand keine Existenzbedrohung für eine relevante Zahl von Firmen auf der ganzen Welt sein. Stolze 1.600 Einzelwerte stecken im MSCI World. Bleib also optimistisch.

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Anleihen: Die Suche nach sicheren Häfen

Während Aktienkurse im Frühjahr zunächst abgesackt sind, ging es für einige andere Anlageklassen eher aufwärts. Als besonders sicher geltende Staatsanleihen stiegen zum Teil stark im Wert, beispielsweise Schuldscheine aus Deutschland, den USA oder Frankreich – aufgrund der hohen Nachfrage. In der Finanzlogik heißt das: Deine Rendite ist weiter gesunken, also praktisch die Verzinsung, wenn Du solche Anleihen jetzt kaufen willst – im Fall zehnjähriger deutscher Anleihen zwischenzeitlich auf minus 0,9 Prozent, einen historischen Tiefstwert. Diese Logik gilt jedoch nicht für alle Arten von Anleihen. Bei Unternehmensanleihen etwa steigt das Ausfallrisiko eher. Das heißt, dass Unternehmen eher mehr Zinsen dafür bezahlen müssen, dass ihnen jemand Geld leiht.

Die Europäische Zentralbank hat ein Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen im Umfang von 1,35 Billionen Euro angestoßen und so bisher den Markt für Staatsanleihen stabilisieren können, auch in wirtschaftlich schwächeren Ländern wie Italien. Mitte Dezember lag die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen bei minus 0,6 Prozent – die Nachfrage stieg im Vergleich zum Sommer wieder leicht, als die Rendite bei minus 0,5 Prozent lag.

Fazit: Hast Du Rentenfonds mit Staatsanleihen in Deinem Depot, etwa weil Du mit Hilfe eines Robo-Advisors ansparst oder Dein Portfolio schon vor vielen Jahren aufgelegt hast, dürfte der Wertgewinn der Anleihen Deine Schwankungen im Gesamtportfolio aufgefangen oder zumindest den Kursrutsch verlangsamt haben. Genau dazu dienen Anleihen hauptsächlich. Sie sollen ein eher sicherer, stabilisierender Baustein im Depot sein.

Sparguthaben: Sicher, aber wenig lukrativ

Wenn Du der Finanztip-Grundempfehlung für die Geldanlage gefolgt bist, hast Du eher keine Rentenfonds im Depot. Dafür hast Du für den sicheren Baustein Deiner Geldanlage auf Tages- und Festgeld gesetzt. Diese bleiben im Wert stabil: Betrachte Deine Geldanlage also insgesamt und mache Dir klar, dass die sicheren Anlagen Dein Portfolio genau in wirtschaftlich unruhigen Zeiten stabilisieren.

TagesgeldFestgeld oder Sparkonten dürften allerdings in der nächsten Zeit noch ein bisschen weniger Zinsen abwerfen als zuletzt. Die Europäische Zentralbank könnte kurzfristig den Negativzins für Banken erhöhen, was für Sparer beispielsweise bedeuten könnte: Aus 0,2 Prozent Jahreszinsen aufs Tagesgeld könnten 0,1 Prozent werden. Oder 0,01 Prozent.

Zumindest ist die Inflationsrate in Deutschland derzeit recht niedrig. Im November berechnete das Statistische Bundesamt sogar eine Teuerung von minus 0,3 Prozent, also im Durchschnitt leicht sinkende Preise. Hier spielten Sondereffekte durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung und dem veränderten Verbraucherverhalten eine Rolle. Die Tagesgeldzinsen liegen damit erstmals seit Jahren über der Inflationsrate. Das dürfte sich aber in den nächsten Monaten wieder ändern.

Die Corona-Krise hat deutliche Auswirkungen auf unseren Wirtschaftskreislauf – durch Firmenpleiten wird auch der Druck auf Banken zunehmen. Allerdings dürften nötigenfalls die massiven finanziellen Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken fortgesetzt werden.

Unsere aktuelle Einschätzung zum Thema Einlagensicherung: Es gibt bei Anlagen in Tagesgeld, Festgeld oder auch Sparbüchern keinen Anlass zur Beunruhigung. Finanztip empfiehlt grundsätzlich nur Banken in Deutschland und ausgewählten, wirtschaftsstarken Staaten.

Gold: Der riskante Krisenklassiker

Im August hatte Gold einen neuen Rekordpreis erreicht. Die Feinunze (rund 31 Gramm) kostete sowohl in US-Dollar als auch in Euro so viel wie noch nie zuvor, zwischenzeitlich wurden die Marken von 2.000 Dollar beziehungsweise 1.700 Euro überschritten. Anscheinend nutzten einige Goldbesitzer die Gelegenheit, um sich von manchen Barren zu trennen. Bis Ende Dezember ist der Goldpreis wieder um rund 10 Prozent gefallen.

Wir bleiben bei unserer Einschätzung: Das Edelmetall ist ein eher spekulatives Investment. Der Wert ist stark abhängig von der Nachfrage. Kriselt es in der Wirtschaft wie im Moment, geht der Preis nach oben, um in anderen Zeiten wieder nachzugeben. Unsere Analysen ergaben, dass der Goldkurs sogar stärker schwankt als ein Aktieninvestment in den MSCI World.

Fazit: Gold kann wie Tages- oder Festgeld die Schwankungen Deines Portfolios in Krisenzeiten stabilisieren. Wir sagen, bis zu zehn Prozent physisches Gold gemessen am Depotwert kannst Du beimischen. Es hat profitiert, wer gerade bereits in Gold investiert ist. Wer kein Gold hat, sollte jetzt aber eher vermeiden, teuer zuzukaufen. Wenn Du kaufst, machst Du es richtig.

Mehr dazu im Artikel Gold kaufen

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Öl: Entlastung am Weltmarkt

Der drastische Preisrutsch beim Erdöl hat ebenfalls mit dem Coronavirus zu tun. Die weltweite Nachfrage ist deutlich gesunken. In der Urlaubssaison im Sommer waren deutlich weniger Flugzeuge, Schiffe und Autos unterwegs als in „normalen“ Jahren. Allmählich zieht der Weltmarktpreis für das Fass Brent-Öl aber wieder an. Mitte Dezember überschritt er die Marke von 50 US-Dollar, das ist deutlich über dem Jahrestiefststand von unter 20 Dollar, aber noch ein Stück unter dem Bereich zwischen 60 und 70 Dollar, der noch 2019 üblich war. Deutsche Verbraucher profitieren sogar doppelt von dem günstigen Ölpreis, weil der Euro gegenüber dem Dollar aufgewertet hat.

Fazit: Seit November klettern die Spritpreise an der Tankstelle wieder, sind aber derzeit noch unter ihrem Niveau von Anfang 2020. Heizöl hat sich seit November sogar kräftig verteuert. Anfang Januar musstest Du pro 100 Liter rund 56 Euro zahlen, im Vergleich zu 68 Euro zu Jahresbeginn 2020. Das bedeutet für einen 3.000-Liter-Tank immerhin noch eine Ersparnis von rund 360 Euro.

Altersvorsorge: Keine Gefahr

Eine Lebensversicherung, eine betriebliche Altersvorsorge oder ein klassischer Riester-Vertrag bieten normalerweise eine Zins- oder zumindest eine Beitragsgarantie. Das heißt: Du solltest mindestens so viel herausbekommen, wie Du einbezahlt hast. Entsprechend wenig Aktien stecken traditionell in diesen Produkten. Und auch die staatliche Förderung macht Corona nicht kaputt. Riester-Fondssparpläne haben in den Tagen der Kursabstürze allerdings ihren Aktienanteil massiv gesenkt. Die Anbieter begründen dies ebenfalls mit dem Vorsichtsprinzip und kündigen an, ihre Strategie nach einer Stabilisierung der Börsen erneut zu bewerten.

Die gesetzliche Rente wird nicht direkt von der Krise getroffen. Hier spielt die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts und des Lohnniveaus die zentrale Rolle, durch die sogenannte Rentengarantie kann die Höhe einer individuellen Rente nicht sinken. Allerdings sind in den kommenden Jahren deutlich niedrigere Steigerungen zu erwarten – außerdem wahrscheinlich höhere Beiträge der Arbeitnehmer.

Fazit: Die traditionelle Altersvorsorge leidet eher unter den anhaltenden Niedrigzinsen als unter vorübergehenden Wertverlusten am Aktienmarkt. Betroffen können aber diejenigen sein, die ohne Garantien vorsorgen – etwa über eine fondsgebundene Ren­ten­ver­si­che­rung oder einen fondsgebundenen Rürup-Vertrag. Vor allem, wenn der Vertrag bald fällig wird, kannst Du mal nachhaken. Viele Versicherer bieten ein sogenanntes Ablaufmanagement an: Das heißt, Dein Aktienvermögen wird nicht auf einmal fällig, sondern über mehrere Jahre Schritt für Schritt verkauft.

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