Coronavirus und Geldanlage

Aktien, Gold, Coronavirus: Was der Ausbruch für Ihre Finanzen bedeutet

Hendrik Buhrs Stand: 25. März 2020

Die Börsen reagieren heftig auf die zunehmend schwierige Lage in Europa, den USA und Asien. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Risiken für Ihre Geldanlage in diesen Zeiten bewerten können. Im Folgenden finden Sie die sechs wichtigsten Anlagekategorien und unsere Einschätzung dazu.

Aktien: Augen zu und durch

Alle wichtigen Aktienmärkte in Europa und weltweit sind seit Mitte Februar kräftig eingebrochen. Allein der deutsche Aktienindex DAX hat den schnellsten Kurssturz seiner 32-jährigen Geschichte hinter sich. Er stand Mitte März wieder auf dem Niveau von Mitte 2016. Der weltweite Index MSCI World, den wir – anders als den DAX – als Basis für eine Anlage in günstige ETFs empfehlen, ist vergleichbar stark unter die Räder gekommen.

Zum Ende des Monats haben sich die Kurse aber wieder etwas erholt. Der DAX überschritt am 25. März erstmals wieder die Marke von 10.000 Punkten – das ist noch deutlich unter seinem Stand von Mitte Februar (13.795), aber schon ein ganzes Stück oberhalb der bisherigen Corona-Tiefstmarke. Auch viele andere wichtige Aktienmärkte, darunter die USA, legten zur Abwechslung deutliche Sprünge nach oben hin.

Trotzdem zeigt bereits das heftige Auf und Ab der Kurse in kürzester Zeit, dass die Ruhe noch längst nicht an die Börse zurückgekehrt ist. Investoren entscheiden schließlich aufgrund ihrer Erwartungen an den künftigen Geschäftsverlauf – und der lässt sich nicht seriös vorhersagen, weil wir ganz offensichtlich erst am Anfang der Wirtschaftskrise stehen. Zentralbanken und Regierungen schnüren Hilfspakete, aber sie betreten damit ökonomisches Neuland.

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Wer aber angesichts dieser Entwicklung jetzt Aktien oder Fondsanteile verkauft, macht wahrscheinlich einen der wichtigsten Anlegerfehler: Er verkauft bei stark sinkenden Kursen und steigt später erst dann wieder ein, wenn sich die Kurse bereits kräftig erholt haben. Wenn Sie also vor einigen Wochen oder Jahren überzeugt waren, dass eine breit gestreute Aktienanlage langfristig im Wert steigt, dann sollten Sie diesen Glauben jetzt nicht aufgeben und an Ihrer festgelegten Anlagestrategie festhalten.

Die alte Börsenweisheit „Krisen aussitzen“ hilft allerdings nicht, wenn man gerade jetzt sein Geld für irgendetwas eingeplant hat. Es ist durchaus möglich, dass der Aktienmarkt noch mehrere Monate oder sogar das komplette Jahr im Krisenmodus bleibt.

Gehören Sie zu der Gruppe, die jetzt Geld braucht, dann müssen Sie leider in den sauren Apfel beißen und Ihre Pläne anpassen. Entweder Sie verkaufen jetzt Teile Ihrer Gewinne der Vorjahre ab. Dann greift die Regel, dass man Aktienvermögen nie auf einmal, sondern geplant in Raten verkaufen sollte. Oder: Sie schieben den Kauf des Wohnmobils oder gar der Immobilie erst einmal auf.

Möglich ist aber auch, dass Sie Ihr Depot unangetastet lassen und erst einmal mit Ihrer Bank sprechen. Etwa darüber, ob ein Immobilienkredit nicht vielleicht doch 10 oder 20 Tausend Euro höher ausfallen kann. Bei historisch niedrigen Bauzinsen wäre das keine große Belastung.

Insgesamt gilt: Corona wird nach heutigem Stand keine Existenzbedrohung für eine relevante Zahl von Firmen auf der ganzen Welt sein – und stolze 1.600 Einzelwerte stecken im MSCI World. Bleiben Sie also optimistisch.

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Anleihen: Die Suche nach sicheren Häfen

Während Aktienkurse abgesackt sind, ging es für einige andere Anlageklassen teilweise aufwärts. Als besonders sicher geltende Staatsanleihen stiegen zum Teil stark im Wert, beispielsweise Schuldscheine aus Deutschland, den USA oder Frankreich. In der Finanzlogik heißt das, dass Ihre Rendite, also praktisch die Verzinsung, wenn Sie solche Anleihen jetzt kaufen wollen, weiter gesunken ist, im Fall zehnjähriger deutscher Anleihen zwischenzeitlich auf minus 0,9 Prozent, ein historischer Tiefstwert. (Das gilt aber nicht für alle Arten von Anleihen. Bei Unternehmensanleihen steigt das Ausfallrisiko eher.)

Die Europäische Zentralbank hat Mitte März ein Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen im Umfang von 750 Milliarden Euro angestoßen und bisher den Markt für Staatsanleihen stabilisieren können, auch in wirtschaftlich schwächeren Ländern wie Italien.

Fazit: Haben Sie Rentenfonds mit Staatsanleihen in Ihrem Depot, etwa weil Sie mit Hilfe eines Robo-Advisors ansparen oder Ihr Portfolio schon vor vielen Jahren aufgelegt haben, dürfte der Wertgewinn der Anleihen Ihre Schwankungen im Gesamtportfolio aufgefangen oder zumindest den Kursabrutsch verlangsamt haben. Genau dazu dienen Anleihen hauptsächlich. Sie sollen ein eher sicherer, stabilisierender Baustein im Depot sein.

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Sparguthaben: Sicher, aber wenig lukrativ

Wenn Sie der Finanztip-Grundempfehlung für die Geldanlage gefolgt sind, haben Sie eher keine Rentenfonds im Depot. Dafür haben Sie für den sicheren Baustein Ihrer Geldanlage auf Tages- und Festgeld gesetzt. Diese bleiben im Wert stabil: Betrachten Sie Ihre Geldanlage also insgesamt und machen Sie sich klar, dass die sicheren Anlagen Ihr Portfolio genau jetzt stabilisieren.

TagesgeldFestgeld oder Sparkonten dürften allerdings in der nächsten Zeit noch ein bisschen weniger Zinsen abwerfen als zuletzt. Die Europäische Zentralbank könnte kurzfristig den Negativzins für Banken erhöhen, was für Sparer beispielsweise bedeuten könnte: Aus 0,2 Prozent Jahreszinsen aufs Tagesgeld könnten 0,1 Prozent werden. Oder 0,01 Prozent.

Die Corona-Krise hat deutliche Auswirkungen auf unseren Wirtschaftskreislauf – durch Firmenpleiten wird auch der Druck auf Banken zunehmen. Allerdings sind zugleich massive finanzielle Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken geplant. Noch stehen nicht alle Details fest.

Unsere aktuelle Einschätzung zum Thema Einlagensicherung: Es gibt bei Anlagen in Tagesgeld, Festgeld oder auch Sparbüchern keinen Anlass zur Beunruhigung. Finanztip empfiehlt grundsätzlich nur Banken in Deutschland und ausgewählten, wirtschaftsstarken Staaten.

Gold: Der riskante Krisen-Klassiker

Wir bleiben bei unserer Einschätzung: Das Edelmetall ist ein eher spekulatives Investment. Der Wert ist stark abhängig von der Nachfrage. Kriselt es in der Wirtschaft wie im Moment, geht der Preis nach oben, um in anderen Zeiten wieder nachzugeben. Unsere Analysen ergaben, dass der Goldkurs sogar stärker schwankt als ein Aktieninvestment in den MSCI World.

Fazit: Gold kann wie Tages- oder Festgeld die Schwankungen Ihres Portfolios in Krisenzeiten stabilisieren. Wir sagen, bis zu 10 Prozent physisches Gold gemessen am Depotwert können Sie beimischen. Es hat profitiert, wer gerade bereits in Gold investiert ist. Wer kein Gold hat, sollte jetzt aber eher vermeiden, teuer zuzukaufen. Wenn Sie kaufen, machen Sie es richtig.

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  • Wer sich gegen Krisen wappnen will, kann Goldmünzen oder Barren kaufen. Am besten online.
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Öl: Entlastung am Weltmarkt

Der drastische Preisrutsch beim Erdöl hat indirekt auch mit dem Coronavirus zu tun. Die zwei bisher besonders betroffenen Länder China und Italien fragen weniger Öl nach. China hat allerdings auch abseits der Pandemie mit einem langsameren Wachstum zu kämpfen. Saudi-Arabien als zweitgrößter Rohölförderer der Welt hat stark den Preis gesenkt.

Fazit: Wir als Verbraucher werden das nicht 1:1 spüren: Benzin und Heizöl folgen zwar prinzipiell auch dem Erdölpreis, aber oft erst mit gewisser Verzögerung. Außerdem gibt es noch andere Einflüsse wie zum Beispiel Steuern, die die Preisausschläge dämpfen (im guten wie im schlechten Fall). Seien Sie bei Benzin und Heizöl einfach so sparsam wie auch sonst. Falls Ihr Heizöltank nicht ohnehin noch total voll ist angesichts des milden Winters, könnte es sich lohnen, ihn bald nachzufüllen. Seien Sie aber wiederum nicht beunruhigt, wenn es aktuell beim Händler länger dauert: Die Nachfrage ist in den vergangenen Tagen gestiegen.

Altersvorsorge: Keine Gefahr

Eine Lebensversicherung, eine betriebliche Altersvorsorge oder ein klassischer Riester-Vertrag bieten normalerweise eine Zins- oder zumindest eine Beitragsgarantie. Das heißt: Sie sollten mindestens so viel herausbekommen, wie Sie einbezahlt haben. Entsprechend wenig Aktien stecken traditionell in diesen Produkten. Und auch die staatliche Förderung macht Corona nicht kaputt. Riester-Fondssparpläne haben in den Tagen der Kursabstürze allerdings ihren Aktienanteil massiv gesenkt. Die Anbieter begründen dies ebenfalls mit dem Vorsichtsprinzip und kündigen an, ihre Strategie nach einer Stabilisierung der Börsen erneut zu bewerten.

Die gesetzliche Rente wird nicht direkt von der Krise getroffen. Hier spielt die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts und des Lohnniveaus die zentrale Rolle, durch die sogenannte Rentengarantie kann die Höhe einer individuellen Rente nicht sinken. Allerdings sind in den kommenden Jahren deutlich niedrigere Steigerungen zu erwarten – außerdem wahrscheinlich höhere Beiträge der Arbeitnehmer.

Fazit: Die traditionelle Altersvorsorge leidet eher unter den anhaltenden Niedrigzinsen als unter vorübergehenden Wertverlusten am Aktienmarkt. Betroffen können aber diejenigen sein, die ohne Garantien vorsorgen – etwa über eine fondsgebundene Rentenversicherung oder einen fondsgebundenen Rürup-Vertrag. Vor allem, wenn der Vertrag bald fällig wird, können Sie mal nachhaken. Viele Versicherer bieten ein sogenanntes Ablaufmanagement an: Das heißt, Ihr Aktienvermögen wird nicht auf einmal fällig, sondern über mehrere Jahre Schritt für Schritt verkauft.

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Autor
Hendrik Buhrs

Stand: 25. März 2020


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